Kaiser’s Tengelmann GmbH, mein Leben in der Filterbubble & freundlicher Alltagsrassismus

Für diesen Artikel habe ich in den letzten Tagen wirklich mit mir gerungen. Ich war erst vor den Kopf gestoßen, dann sauer, verwirrt, traurig, abschließend verzagt und an mir selbst zweifelnd. Ich war zig Mal davor, den Artikel zu löschen, habe dann aber schlussendlich den Rat meines Mannes befolgt: “Es belastet dich, du denkst da dauernd drüber nach. Schreib’s dir von der Seele.”

Es geht darum, dass ich – mit kurdischer Beteiligung an meinem Genpool –  in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich lebe, denke, fühle, träume, atme in ihr. Sie ernährt mich sogar, da sie Grundlage meines Berufes ist. Ich habe mich in diesem Land immer erstaunlich geborgen und aufgehoben gefühlt, bis in mein Erwachsenenalter hinein hatte ich nur zwei bewusste Begegnungen rassistischer Art.

Aber in letzter Zeit habe ich immer öfter den Eindruck (und das gerade in meinem geliebten, bunten, queeren, coolen, weltoffenen Berlin), in einer Art bequemer Blase zu leben – einer regelrechten Filterbubble. Vielleicht ist das wirklich dumm (oder die Rettung vor der Paranoia), aber ich habe mir nie ernsthaft darüber Gedanken gemacht, wie viele Jobs ich vielleicht wegen meines Namens nicht bekommen habe. Oder was Menschen eventuell für Vorurteile mit sich herum tragen. Ich mag einen Menschen – oder eben nicht. Mir persönlich ist es dabei wirklich herzlich egal, welchen Bildungsgrad oder welche sexuelle Präferenz er hat, aus welchem Land er ursprünglich stammt, wieviel Metall er im Gesicht, Farbe auf der Haut und welche Klamotten er trägt, ob seine/ihre Haare magentafarben oder sittsam blond sind oder unter welchem fucking Stein dieser Mensch irgendwann mal hervorgekrochen ist. Dementsprechend vielfältig setzt sich auch mein Freundeskreis zusammen.

Erfahrungen mit Kaiser’s Tengelmann GmbH (Sorry, aber das Idiotenapostroph gehört so…)

Ende letzten Jahres hat bei uns ein neuer Kaisers Markt aufgemacht. Quasi so fast gegenüber. Einmal aus dem Haus fallen und da sein. Und mit genialen Öffnungszeiten: Montag bis Samstag bis 24.00 Uhr. Nachts noch schnell die Zutaten für einen Kuchen zu kaufen, spät einkaufen gehen zu können, wenn man vorher arbeitstechnisch keine Zeit hatte und dabei wirklich noch Auswahl zu haben, schnell Zutaten (z. B. laktosefreie Produkte) zu bekommen, die der oft frequentierte Discounter um die Ecke eben nicht vorrätig hat oder einfach mal spätabends mit der besten Freundin das Ben & Jerrys-Fach spontan leerzuräubern: Das ist einfach ein angenehmer Luxus. Und als ich kurz nach der Eröffnung die Fleischauswahl sah – wundervoll.
Ganz ehrlich – wir waren begeistert. Gut, die Preise sind natürlich dementsprechend. Aber gen Wochenende wird ja gerne was reduziert, was kurz vorm Ende des MHD ist.

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und der kleine Kaisers Markt war für meine Mutter und mich zum Einkaufen eigentlich immer der erste Anlaufpunkt. Auch Fleisch wurde immer dort besorgt. Wie oft habe ich zu hören bekommen: “Geh doch noch mal schnell zu Kaisers..!” Die Verkäufer/innen kannten einen, dort hatte ich meine ersten unschuldigen Begegnungen mit exotischen Früchten (da gab es damals immer so kleine gelbe Broschüren mit Infos dazu), betrachtete voller erwachender Kochliebe ehrfurchtsvoll das Regal mit den asiatischen Zutaten und in der Oberstufe hat man sich in der großen Pause dort mit lebenswichtigen Dingen von Nikotin bis Zucker versorgt. Ich hegte also kindliches Verbrauchervertrauen in die Marke.

Das änderte sich, als ich vor sieben Jahren nach Berlin zog.  Vor allem durch die – damals noch unrenovierte – Filliale im Ringcenter. Nach dem Kauf verdorbener Hühnerherzen und (damals vom Gatten verbloggten) Erlebnissen mit der Fleischtheke, beschlossen wir, kein Frischfleisch mehr dort zu erwerben. Ein Grundsatz, der in den letzten Jahren langsam erweicht wurde.

Aber zurück zu “unserer” Filliale direkt vor Ort. Zur Eröffnung waren die Regale natürlich übervoll. Einige Zeit danach war dann abgepacktes Frischfleisch runtergesetzt. Noch im MHD, aber halt 50% rabattiert. Kaninchen aus der Region.  Sah frisch aus. Wunderbar. Vor meinem inneren Auge schwebte ein duftiges Stifado mit Rotwein… oder irgendwas mit Speck umwickeltes. Ich kaufte Filets und Keulen – die ich Daheim direkt in den Mülleimer wandern lassen konnte, da sie wenig vertrauenswürdig rochen und schleimig waren. Gut, dachten wir, das war halt Pech. Der Laden ist neu, die Regale waren voll. Ist zwar jetzt für uns geld- und magenmäßig echt schlecht gelaufen, aber kann ja mal zu Beginn mal passieren, wenn Abläufe vielleicht noch nicht so eingespielt sind.

Danach kaufte ich noch mehrfach Fleisch, das vollkommen in Ordnung war (zum Beispiel Perlhuhnbrust). Um Weihnachten herum wanderte ein Paket Fasanenbrust direkt ins Tiefkühlfach (und wurde nur aus Krankheitsgründen nicht zwischen den Jahren zubereitet). Vor einer Woche (05.01.) kaufte der Liebste dann abends noch rasch zwei Pakete mit Hühnchen-Drumsticks. Reduziert, aber voll im MHD. Ergebnis: Eine Packung verdorben, die andere noch gut. So langsam war ich dann doch … mehr als irritiert. Ich setzte mich hin und tippte eine (wirklich noch freundlich gehaltene) Beschwerdemail.
Am Sonntag (06.01.) sollte es dann den Fasan geben. Bei Packungsöffnung wehte allerdings ein dermaßen schwefliger Geruch durch die Küche, dass wir das Tier direkt im ewigen Grab der Tonne versenkten.
Am Montagnachmittag (07.01.) kam dann schon eine Rückmeldung vom Kaisers Servicecenter. Man würde gerne direkt mit mir Kontakt aufnehmen und telefonieren. Am Dienstagnachmittag (08.01.) dann der Anruf vom Qualitätsmanagement hier in Berlin. Am Hörer ein sehr netter, bemühter und verständnisvoller Mitarbeiter der Firma, der sich für den Hinweis bedankte, sofortige Kontrollen und Nachbesserungen bei der Kühlkette versprach und mir als Ausgleich für den entstandenen Schaden und den Ärger einen Präsentkorb anbot. Ich war leicht skeptisch, aber fand das schnelle Handeln, die Ernsthaftigkeit, mit der meine Beschwerde behandelt wurde, und die Kompetenz, die Kaiers in diesem Fall an den Tag legte, wirklich sehr positiv. Überrascht erhielt ich schon einige Stunden einen knappen Anruf aus “meiner” Filliale, dass der Korb bereit stehe und ich machte mich am Abend samt Gatten auf den Weg.

Wir haben da mal was aus ihrer Heimat für sie zusammengepackt…

Irgendwie war es dann doch eine dezent unangenehme Situation und ich ziemlich nervös. Die Marktleiterin kam verbissen lächelnd mit dem Korb auf mich zu, rasselte in typisch Berliner Herzlichkeit (“Ja, Tschuldigung nochmal. Hier.”) ihre Erklärung herunter und hielt mir den Korb entgegen, bevor sie die sofortige Flucht antrat. Was ich ja verstehen kann, niemand ist glücklich darüber, wenn in seinem Laden vergammeltes Fleisch verkauft wird und jemand sich dann auch noch beschwert. Und zugegeben, auch bei mir setzten akute Fluchtreflexe ein. Ich hatte nach einem Blick auf den Korbinhalt (türkische Seampaste, türkische getrocknete Tomaten im Glas, türkische Bohnenpeperoni im Glas, türkische gefüllte Weinblätter in der Dose, türkischer Apfel-Feige-Tee, marokkanischer Minz-Honig-Tee, Pralinen von Lindt, Lindor-Schokolade und Filterkaffee von Jacobs) nämlich das Gefühl, als hätte mir jemand in den Magen getreten. Ich konnte das Ding nicht mal anfassen, sondern drängte es meinem Mann auf. Auf den 30 Metern Heimweg fasste mein Mann grinsend mein unbestimmtes Bauchgrimmen in Worte: “Tja. Wenn du Müller heißen würdest, hättest du wenigstens ein anständiges Steak reingepackt bekommen!” Ich lachte locker und versuchte das flaue Gefühl, das mich dabei beschlich, zu verdrängen.

Später am Abend unterhielten wir uns darüber. Ich merkte, dass es ziemlich an mit nagte, ich aber Schwierigkeiten hatte das Problem richtig zu benennen. Falls jemand einfach nur zufällig einen schon fertigen Präsentkorb gegriffen hat und alles nur Zufall war – fein. Kein Problem.
Aber wurde dieser Korb speziell für mich zusammengestellt? Das hört sich auf den ersten Blick total harmlos an und war bestimmt superlieb und nett gemeint. Vielleicht hat sich der oder diejenige da wirklich Nichts bei gedacht oder wollte mir sogar eine Freude machen.
Aber es ist für mich dennoch im zweiten Fall eine Form von verstörendem Alltagsrassismus aufgrund von Vorurteilen. Vorurteile aufgrund meines kurdischen Namens, die ich gerade in Berlin – vielleicht allenfalls in irgendeinem urdeutschen Provinzkaff – wirklich nicht erwartet hätte und die mir bisher so noch nicht begegneten. Meine Mail war in korrektem Hochdeutsch formuliert. Bei beiden Telefonaten sprach ich sauberes und akzentfreies Deutsch. Und dann das.

Ja, wahrscheinlich ist es im Grunde wirklich keine große Sache und das Verständnis ist dafür bei vielen gering. Als ich das letzte Woche erzählte, meinte eine Bekannte, dass ich das alles doch nicht so eng sehen sollte. “Ich kann dir sagen wie das ablief. Die haben da im Geschäft nen Anruf gekriegt ‘Packt mal was Passendes zusammen, der Name ist Shermin Arif.'”

Ähm.. ja genau. Und ein Korb mit türkischen Weinblättern ist also zu mir passend. Sorry. Aber das hat für mich einfach einen unschönen sarrazinesken Beigeschmack. Ich gehe ja nicht zu Kaisers, um arabische Spezialitäten einzukaufen. Und mal für einen anderen Blickwinkel: Ich würde im umgekehrten Fall auch nie auf die Idee kommen, für jemanden mit zufällig polnischem Namen einen Präsentkorb mit frischen Kutteln, eingewecktem Bigos und Krakauer Wurst zusammenzustellen. Oder wie eine andere Bekannte verständnisvoller witzelte “Wir haben da mal was aus Ihrer Heimat für Sie zusammengepackt.. Ha, ha!”

Bin ick ne Drama-Queen?

Der Korb steht noch immer unangetastet in der Küche und raubt Raum. Ab und an schleiche ich darum herum. Gebe ich hier gerade die Drama-Queen? Ist mein Verhalten eine übertriebene Reaktion? Vielleicht. Ich hab es versucht verkrampft lächelnd wegzuschieben. Ich habe tagelang darüber nachgedacht. Darauf gewartet, dass es versandet. Gefühle haben allerdings die lästige Angewohnheit wiederzukehren. Und dieser Kloß in der Kehle, dieser Druck hinter den Augen, dieses lastende Tonnengewicht im Magen, das verschwindet eben nicht so leicht wieder. Eben war ich noch ein Teil von dem Ganzen hier. Und mit einem einzigen, nett gemeinten Geschenkkorb stehe ich außerhalb, komme von draußen. Für den Durchschnittsbürger ganz selbstverständlich werde ich aus meiner Heimat ausgegliedert. Und das ist – mit Verlaub – ein echt beschissenes Gefühl.

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30 Antworten

  1. BeeNe

    Ich finde es wichtig, dass gerade so ein Alltagsrassismus offen angesprochen wird. Wie viele Leute sagen von sich, sie sind ja natürlich keine Rassisten und haben ja gar nichts gegen Ausländer… aaaber…

    Nee, nur wenn man es anspricht, kann es sich ändern.

    Und: *knuddels*
    Hoffe du fühlst dich bald nicht mehr so bescheiden wegen der Sache.

  2. Franzi

    Liebes, ich kann das gut verstehen, dass du da Bauchweh hast.

    Weißt du was, verschenk den ollen Korb. Hau ihn raus aus deinem Leben. Der macht dir sonst irgendwann noch ein Geschwür. Und beim nächsten Mal schenkst du den Zuständigen mal typisch deutsche Blut- und Leberwurst, Tennisssocken und ein Kulturtäschchen! 🙂

  3. multikulinaria

    Das ist schade und vermutlich Kategorie ‘lieb gemeint, aber voll daneben’. Ich kann mir vorstellen, dass du traurig und verwirrt bist. Hätten sie mal lieber eine Einkaufsgutschein ausgestellt…

  4. Madison

    Und dieses Fettnäpfchen wäre meins gewesen! Vielleicht hätte ich noch Tampons oder Inkontinenz Einlagen eingepackt, denn du bist ja ne Frau.
    Nein, aber mir wäre es wirklich passiert. Mein Chef hätte mir gesagt: “Pass auf, pack mal nen Korb als Wiedergutmachung.” Ich hätte mich am Kopf gekratzt, denn man will ja das die Person sich ernst genommen fühlt, hätte also ich Tampons oder Inkontinenz Einlagen weg gelassen und mir den Namen angeschaut und versucht vielleicht was zu finden, was den Geschmack trifft.
    Ich wäre so unbedarft gewesen eben nicht an all die hier aufgewachsenen Menschen mit abendländisch klingenden Namen zu denken.
    Ich wäre vielleicht auch von einer Frau ausgegangen, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne, die zwar in Deutschland lebt aber in der Kultur ihrer Eltern verankert ist.

    Ich setze mich nicht in meinem Alltag bei allem was ich tue so sehr damit auseinander. Wenn ich einem Menschen vor den Kopf stoße dann nicht auf Grund seines Genepools sondern einfach weil ich unachtsam war.
    Ich glaube bei Müller, Meier, Schmidt wäre mir das noch schwerer gefallen und es hätte Geleebananen gegeben.

  5. eni

    Da möchte man gerne Mäuschen spielen wie denn das Auswahlgespräch für den Korb abgelaufen ist. Ich denke auch dass es eher so war wie deine Bekannte vermutet aber ein wenig mehr Gedanken, ob man denn nun alleine vom Namen ableitet, hätte man sich schon machen können. Bei meiner Tochter wären vielleicht gar Kondome im Korb >.>;;;

    Nicht ganz vergleichbar: Ich arbeite ehrenamtlich mit Senioren und bekomme da gelegentlich mal kleine Aufmerksamkeiten. Diese sind grundsätzlich nach dem Schema “Ich weiß ja dass Sie Kinder haben…” ausgewählt, also gar nicht für mich selber. Ganz anders dagegen die Auswahl für kinderlose Kolleginnen (z.B. Likörpralinen). Ich erwarte keine Geschenke und leite die Sachen gerne an meine Kids weiter, aber es bedrückt doch manchmal etwas wenn man auf “das ist eine Mutter, die freut sich eher über was für die Kinder” reduziert wird. Das passiert im Alltag recht oft und machmal sitze ich wirklich hier und frage mich ob ich noch als eigenständige Person wichtig bin. Dann fühle ich mich auch manchmal schlecht wenn ich eigene Interessen mal ausnahmsweise über die Kinder stelle, insbesondere wenn es von befreundeten Parade(groß)müttern bemerkt wird.

    Wie gesagt, nicht ganz vergleichbar mit Alltagsrassismus. Aber ich kann das bedrückene Gefühl das nur ein Teilstück meiner Person wahrgenommen wird gut nachvollziehen *liebdrück*

  6. Julia

    Hey, du hast ganz recht! Klar könnte man deine Aufregung als zumindest überzogen darstellen – nur macht man es sich dann allzu leicht. Der unterschwellige Rassismus im Alltag ist eben da, auch wenn man ihn nicht gerne sehen möchte. Ich habe letzthin selbst sowas erlebt, allerdings aus der umgekehrten Perspektive. Da hat eine (urdeutsche) Nachbarin beim Gespräch mit mir (als Schweizerin in Berlin) plötzlich heftigst über die deutsch-türkische Familie (seit längerem eingebürgert) im Stockwerk über ihr geschimpft. Ja, klar machen die Kinder manchmal Lärm und ich verstand, dass das stört, aber das hat doch nix mit der Herkunft zu tun! Und dass sie sich gerade bei mir, der einzigen “echten” Ausländerin im Haus, über “diese Ausländer” beklagt, fand ich dann speziell unangebracht. Sie hat auch entsprechend perplex reagiert, als ich sie auf diesen Sachverhalt hingewiesen habe. Als Schweizerin bin ich halt nicht exotisch genug, um ins Klischee zu passen, obwohl man mir meinen Akzent problemlos anhört…
    Wir werden eben alle immer wieder aufgrund unseres Aussehens und unseres Namens in Kategorien eingeteilt, unbesehen davon ob die Vorurteile nun zutreffen oder nicht. Lass dich davon nicht einschüchtern, aber lass dir die gerechtfertigte Empörung darüber auch nicht ausreden. Auch latenter Rassismus ist Rassismus!

  7. Pink Püppi

    Ach Liebes *drücks* …dem Menschen geht es eben leichter von der Hand wenn er seine Umgebung in Schubladen packen kann. Vorurteile helfen uns leichter durchs Leben zu manövrieren und Menschen einzuschätzen, die sind da…bei allen von uns.

    …und auch wenn ich dich verstehen kann, kann ich dir nur raten…lächeln und winken. Am Ende belasten solche Dinge mehr und führen doch zu keiner Lösung.

  8. Shermin

    Sorry, dass ich mich jetzt erst zurückmelde. Ich hab erstmal etwas Abstand benötigt…

    @BeeNe – Das ernsthafte Feedback zum Artikel hilft. Ich hatte wirklich starke Bedenken, meine Gefühle hierzu in Worte zu fassen und hier zu veröffentlichen. Vor allem auch wegen den möglichen Reaktionen darauf. Danke. 🙂

    @Franzi – Wo ich doch eine Schwäche für (gute!) Blutwurst habe. 😉 Nein, im Ernst. Ich werde einen Teil verschenken (Wozu gibt es denn jetzt Foodsharing.de?) und den Rest an eine liebe Besucherhorde verfüttern, die Ende des Monats hier einfallen wird.

    @multikulinaria – Jepp. Wobei ich wirklich keine abgrundtiefböse Absicht unerstelle.

    @Madison – Danke für den Hinweis auf Geleebananen und Inkontinenzbinden. Geht ja immer schlimmer. 🙂

    @eni – Ja, diese Reduzierung verwundert mich auch immer wieder. Auf der anderen Seite sehe ich auch viele Frauen, die sich leider freiwillig auf ihr Muttersein reduzieren lassen. Mich schaudert es immer wieder, wenn ich in Sozialen Netzwerken oder Communities Nicknamen à la “Die-Mami-von-klein-Yannik” oder “Angeline-9-Monate” lese. Also erwachsene Frauen, die sich selbst so anderen erwachsenen Menschen präsentieren. Furchtbar. Von den Schuldgefühlen, die Frauen eingeredet werden (bzw. sie sich selbst daraus machen) fang ich gar nicht erst an, sprengt sonst echt hier den Rahmen.

    @Julia – Ja, ähnliches habe ich auch schon mal erlebt (ich sehe danke sehr heller Haut “deutsch” aus) und bin dann immer sehr… fasziniert. Darauf angesprochen wird das dann gerne relativiert. Vielen Dank für dein Kommentar.

  9. Distelfliege

    Also, deine Gefühle hier – gar nicht übertrieben.
    Das muss sich zwangsläufig scheisse anfühlen, ansonsten wäre mit deiner Wahrnehmung wahrscheinlich was nicht in Ordnung.
    Kulturelle Wurzeln hin oder her, sich irgendwo verorten und seine familiären Kulturconnections pflegen kann ja jede_r nach Lust und Laune, aber wenn Leute, die eine Person überhaupt _gar_ nicht kennen, die klischeemässig auf eine Kultur reduzieren? Wegen des Namens? Nä, Nänänä – ganz großer Fauxpas, ganz schlecht. Daß es wahrscheinlich trotzdem (häufig) vorkommt und viele das nicht aufm Schirm haben: Auch schlecht. Aber das ist halt weißes “Leitkultur”-Privileg: Mit diesem ausgestattet, kann mensch sich so ein ignorantes Verhalten erlauben und die meisten Leute finden nix dabei und wenn, dann haben sie trotzdem noch Verständnis dafür, dass es halt passiert ist.
    Ich empfinde Berlin übrigens nicht deshalb als multikulti und weltoffen, weil weißdeutsche Berliner_innen so wahnsinnig fortschrittlich wären, sondern weil die Bevölkerung so divers ist, trotzdem und obwohl weißdeutsche Berliner_innen oft die Ignoranz in Person sind. Ich nehme mich da auch nicht unbedingt aus. Wenn ich was Neues in Sachen Weltoffenheit und interkultureller Kompetenz lerne, dann meistens von Menschen, die aus irgendeinem Grund aus dem typischen “Kraut” Raster rausfallen.

    Wenn du willst (ich komme jetzt zum eigennützigen Teil) nehme ich dir die Produkte “aus deiner Heimat” ab – oder wir killen sie halt beim 3. Berlin spinnt Geburtstag gemeinsam?

  10. Annekatrin

    Ich glaube, ich versteh’ Dich ganz gut. Das koennte mir hier genauso passieren, nur wuerde der Korb dann aus Sauerkraut, Bier, ein Dirndl und als Nachtisch Schwarzwaelder Kirschtorte bestehen… das ist hier in Canada (und vermutlich auch USA) die vorherrschende Vorstellung von Deutschen.

  11. Faserpiratin

    Krass, ich verstehe deine Gefühle total gut. Das geht sowas von gar nicht.
    Deinen Hinweis auf dein gutes Deutsch war nur unnötig – selbst mit gebrochenem Deutsch wäre so ein Präsentkorb nicht okay gewesen 😉

  12. Eva

    Ich finde es richtig, dass du den Artikel geschrieben hast und gehe zu 100% mit dir konform. Es ist sowas von egal, wie ein Mensch aussieht, was er glaubt oder woher er kommt. Wir sind alle Menschen. Und für mich sind alle Menschen gleich. Dass Menschen sich von anderen Menschen abgrenzen, indem sie Gruppenzugehörigkeiten erfinden, entspringt, glaube ich, der Angst, allein zu sein. Mist, ich kriege das auf die Schnelle nicht anständig formuliert…Ich wollte eigentlich nur sagen, dass du dich nicht schlecht zu fühlen brauchst, weil du dich schlecht fühlst. So etwas ist rassistisch und ich glaube, ich würde mich sogar bei Kaiser’s darüber beschweren… Ganz liebe Grüße Eva

  13. Kirstin

    Weil Deinen Artikel gerade jemand auf FB gepostet hat: Ich kann zwar verstehen, dass man sich da veräppelt fühlt, wenn man so einen Präsentkorb bekommt, aber ich glaube in dem Fall war es vielleicht wirklich gut gemeint. Ich finde Dein Name macht auch nicht auf den ersten Blick klar, welchem Land er zuzuordnen ist. Wahrscheinlich hat ein gut meinender Mitarbeiter sogar gegoogelt, um zu sehen, woher er stammt und sich dann überlegt, was er wohl in den Presäntkorb NICHT einpacken sollte, um den vermeintlichen Ausländer mit möglichen religiösen Essenseinschränkungen nicht noch mehr zu vergrätzen… Und dann kam ihm diese grandiose Idee… 😉
    Also nicht zu sehr ärgern und Abnehmer scheinst Du ja schon genug zu haben… 🙂
    Und für Fleisch: versucht doch einfach mal den Bioladen schräg gegenüber! 😉

  14. Tilla Pe

    Moin 🙂

    Die vorhergehenden Kommentare haben eigentlich schon die komplette Palette dessen in Worte gefasst, was mir auch beim Lesen des Artikels in den Sinn kam.
    Deswegen nur eine kurze Anmerkung. Ach wenn Du vielleicht das Gefühl hast, Dich als Sissi mit dünner Haut dargestellt zu haben – es war richtig. Denn nur so geht einem die ein oder andere Laterne auf 😉
    Sensibilität wächst eben nicht immer auf Bäumen sondern muss manchmal in kleinen Dosen verpackt überreicht werden.

    (Ich hätte im Leben keine Blutwurst oder Sauerkraut in den Korb gepackt, hätte ich nur einen Namen bekommen!)

  15. Shermin

    Entschuldigt, dass ich beim Antworten auf die einzelnen Kommentare etwas hinterher hinke. Ich bin einfach überwältigt über die zu 95% positiven Reaktionen, die mich erreichen. Danke. Danke. Danke.

    Da einige Bedenken (auch offline) in die Richtung kamen: Ich klage hier nicht speziell den oder die arme Kaisersmitarbeiter/in an mich aus abgrundtief böser Fremdenfeindlichkeit heraus mit dem Korb beschenkt zu haben. Ich habe Verständnis dafür. Ich kann nachvollziehen wie es eventuell abgelaufen ist. Und ich verstehe und sehe, dass es bestimmt total lieb gemeint war. Die Geschichte hier ist auch nicht an einem einzelnen Menschen (der vielleicht auch Wurzeln in einer anderen Kultur hat? Wer weiß?) festzumachen. Ich hoffe wirklich sehr, dass dieser Person keinerlei Schaden hieraus entsteht.
    Aber das Verständnis für einen anderen Menschen und seine Beweggründe ändern nichts an meinen Gefühlen. Ich schreibe hier über einen alltäglich vorkommenden Rassismus, so wie ich ihn (natürlich subjektiv) erfahren habe und wie ihn andere Menschen auf tausenderlei Arten ebenfalls erfahren (und sehr wahrscheinlich auch selbst unbewusst weitergeben – wie schon gesagt, da kann sich wahrscheinlich niemand, auch mich nicht, ausnehmen.). Den können wir natürlich bequem alle weiterhin beiseite kehren und ignorieren. Ob das für eine moderne Gesellschaft allerdings der richtige Weg ist? Ich mag es bezweifeln.
    Meine Optionen waren: Klappe halten, alles weiter in mich rein fressen und mich dabei weiterhin allein in meinem Kämmerlein scheiße fühlen. Oder darüber offen sprechen – was mir wirklich nicht gerade leicht fiel. Und (vielleicht) ein Bewusstsein schaffen.
    Ich hoffe dies habe ich in meinem Artikel ausreichend ausdrücken können.

    @Pinkpüppi – Ich möchte mich beim Schubladendenken gar nicht ausnehmen. Wie du schon schreibst – das ist quasi ein bei der Menschheit vorinstalliertes Add-on. 😉
    Das ist vielleicht auch mal ein Erinnerungstritt für mich selbst, bewusster mit solchen Situationen in anderen Themenfeldern umzugehen.

    @Distelfliege – Deswegen habe ich ja in letzter Zeit oft den Eindruck, dass ich in meinem Alltag scheinbar in einer Art Filterbubble lebe. Vielleicht auch, weil ich eher mit Menschen zusammen bin, die da anders damit umgehen und das unbewusst als selbstverständlichen Standard annehme.
    Zur Nahrungsabnahme: Hast du Interesse am Kaffee und den Bohnenpeperoni? Tee und restliche Zutaten wollte ich dann – wie schon richtig von dir vermutet – zum dritten Geburtstag von Berlin spinnt! an alle verfüttern. Das fühlt sich irgendwie richtig an.

    @Annekatrin – Uh… ja. Deutschland hat sicherlich keine alleinige Option auf sowas.

    @Faserpiratin – Danke. Ich dachte ich erwähne es mal lieber zum besseren Verständnis. Dabei spreche ich nicht mal Kurdisch oder Arabisch. 😉

    @Eva – Danke. 🙂 Ich habe gestern nach Veröffentlichung des Artikel an Kaisers eine Mail geschrieben, mich für die schnelle und kompetente Reaktion bedankt und abschließend auf den Korb und den Link hier hingewiesen. Ob da noch eine Rückmeldung kommt oder nicht – wie werden sehen.

    @Kirstin – “Jemand” ist eine amüsante Umschreibung. Ich glaube wir wissen beide, wie du hierher gefunden hast. 😉 Das es nett gemeint war, davon gehe ich aus – ich hoffe das wird deutlich, wenn man meinen Artikel wirklich liest.
    Nochmal: Meinen Namen einer vermeintlichen Heimat zuzuordnen – genau das ist ja das Problem. Ich bin übrigens von Geburt an deutsche Staatsbürgerin und lebe auch keinen religiösen Verzicht auf Schweinefleisch. Und ja, ich kaufe auch beim Biomarkt Fleisch ein. Gerne auch mal Schwein.
    Deine Argumentation zeigt sehr deutlich, dass mein Artikel richtig und notwendig war. 🙂 Vielen Dank!

    P.S.: Ich kann dir zudem versichern, dass in der Filliale nicht gegoogelt wurde. Während meines ersten Telefonats versuchte ich auf mein/en Foodblog/Job hinzuweisen, daraufhin wurde mir von der betreffenden Person gesagt, dass sie nur den Textinhalt weitergeleitet bekam und das es in den Fillialen ja sowieso kein Internet gäbe und die dort dann ebnfalls nicht gucken könnten.

    @Tilla Pe – Sissi! Ja, das passt. Ich hatte wirklich Bedenken, dass das niemand ernst nimmt. Danke, dass du kommentiert hast.

  16. Mela

    Auf der einen Seite kann ich die damit verbundenen Gefühle durchaus verstehen, ich möchte dennoch aber auch eine andere Seite zu bedenken geben:

    Ein gläubiger Muslim hätte sich vermutlich vor den Kopf gestossen gefühlt, wenn er auf seine Beschwerde hin einen Fresskorb mit 100 Delikatessen vom Schwein bestückt erhalten hätte. Ebenso natürlich auch ein Vegetarier oder Veganer.

    Als kundenbewusster Einzelhändler versuche ich möglichst solche Frustration zu vermeiden (allerdings versuche ich dann auch schon Frustration beim Einkauf zu vermeiden … das hat Kaisers schon mal nicht hinbekommen).

    Als freundlicher Einzelhändler muß ich mit dem arbeiten, was ich über den Kunden weiß und das ist meist herzlich wenig, also nur der Name.

    Religionszugehörigkeit ist geographisch nicht gleichmässig verteilt. In Indien leben mehr Hindus als Christen, in Japan mehr Buddhisten als Christen und in Mitteleuropa zusammengenommen immer noch mehr Christen als Atheisten.

    Ebenso sind Namen geographisch immer noch nicht gleich verteilt. Ich würde im Telefonbuch von Tokio nicht mehr als eine Handvoll Personen namens “Müller” erwarten, im Telefonbuch von Berlin würde mich ein Mangel an Müllers dagegen sehr verwundern.

    Ist das nun Rassismus oder ‘common sense’?

    Wenn ich also nicht mehr weiß als den Namen, wäre es schlau mal kurz anzurufen und nachzufragen ob es denn Lebensmittelgruppen gäbe, die eher nicht so gut ankämen. Wäre das auch Alltagsrassismus? Immerhin gibt es 9% Vegetarier und Veganer in Deutschland, bei denen diese Frage ebenso angebracht wäre.

    Oder Allergiker. Mein Mann ist schwerer Himbeerallergiker. Was habe ich mich über die Sammlung an Himbeerleckereien aus dem Garten meiner Tante gefreut, die sie uns zu Weihnachten schenkte. Nicht.

    Also, wie gesagt, die schlaue Variante wäre mal nachzufragen, also mehr Infos einzuholen als nur den Namen des Kunden. Wenn ich die Möglichkeit nicht habe, würde ich als Einzelhändler zumindest versuchen kritische Lebensmittel wegzulassen, ohne dass der Inhalt nun direkt als halal oder koscher zu erkennen wäre.

    Klar, diese plakative Bestückung wie sie hier beschrieben wurde .. das wirkt auf mich sehr stumpf und gedankenlos.

    Aber wo verläuft die Grenze zwischen Alltagsrassismus und gedankenvollem Kundenservice?

  17. Mela

    Nachschub:

    Ich bin Vegetarierin. Und dem Nachnamen nach Deutsche (da liest man die französische und polnische Verwandtschaft eben nicht einfach so raus). Würde ich jetzt, sagen wir in London leben und ich hätte dort auf meine Beschwerde hin, einen Fresskorb voller Eisbein- und Sauerkraut-Konserven erhalten… ich wäre vermutlich hochgegangen wie ein HB-Männchen.

  18. Celi

    Guter Artikel, war ja auch nich tanders zu erwarten 😉
    Erinnert mich immer wieder sehr unschön an die Mail die ich dmals an Kraft Foods schickte und nach koscher zertifizierten Speisen fragte, woraufhin ich kommentarlos(!) eine Liste mit Helal-Produkten zugemailt bekam..
    Verschenk das Zeug, verfuttere es und vielleicht liest das hier ja ein Social-Media-Beauftragter von Tengelmann 😉

  19. Kirstin

    Shermin, ich habe tatsächlich den Artikel _nicht_ über Kai gefunden, sondern über Martin der Camillas Link weiterverteilt hat! Erst als ich den Kommentar bei dir schon eingetragen hatte, hat mir Facebook Mobil gezeigt, dass auch Kai darauf hingewiesen hat. Sonst hätte ich das auch so geschrieben. Ich würde Kai ganz bestimmt nicht als ‘Jemand’ beschreiben! *lach*
    Ansonsten seh ich das eher so wie Mela. Wenn ich für Freunde koche, geh ich erst mal durch was da so für Leute dabei sind und was die essen und das ist mittlerweile auch nicht mehr so einfach, weil alles vertreten ist, Veganer, Vegetrier, Allergiker aller Art, Nicht-Schweine-Esser usw. Wenn also jemand dabei ist, den ich nicht so gut kenne, von dem ich nichts weiß und die einzige Angabe ist ein Name, der hinweist, dass derjenige vielleicht aus religösen Gründen kein Schweinefleisch ist, dann würde ich eben jenes nicht gerade zubereiten, um denjenigen nicht vor den Kopf zu stoßen… und das hat für mich nichts mit Rassismus zu tun, eher im Gegenteil…
    Wie ich schon bei Kai auf Facebook kommentiert habe. Ich kann mir schon vorstellen, dass es nervt, wenn man immer aufgrund seines Namens in falsche Schubladen sortiert wird, besonders wenn das andere Bereiche wie Jobsuche und solche Dinge betrifft. Aber in diesem speziellen Fall würde ich es mir nicht so sehr zu Herzen nehmen. Ihr wisst doch, der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten. 😉
    Oder wie meinte mein Mann gerade das ist so rassistisch wie es sexistisch ist einer Frau die Tür aufzuhalten…

  20. Kirstin

    Jetzt musste ich gerade meinen Mann fragen, woher ER den Artikel denn schon wieder kannte, die einfache Lösung, er folgt Kai auf Twitter, haha…

  21. Shermin

    @Mela – Danke für deinen Input. Wie ich schrieb: Ich wurde direkt von der Marktleiterin angerufen und habe mit ihr eine Abholung einige Stunden später vereinbart. Das Gespräch war etwas kühl (was ich ja verstehen kann). Möglichkeiten zum Nachfragen hätten also problemlos existiert – wenn man gewollt hätte.

    @Celi – Ich werd nen Teil verschenken und den Großteil bei ner schönen Party mit sehr lieben Menschen verkochen. 🙂

    @Kirstin – Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich bin weder Muslima, noch habe ich ein Problem mit Schweinefleisch. Ich bin also auch in keinster Weise dankbar dafür, dass man so nett war, mich mit Schweinefleischprodukten zu verschonen und mir diese netten Dinge aus meiner “Heimat” zusammengestellt hat. (Ich bin übrigens in Leipzig geboren.) Deine Annahmen zeigen mir (nochmals) sehr deutlich, dass mein Artikel richtig und wichtig war.

  22. Kirstin

    Shermin, ich WEIß, dass Du weder Muslim bist noch Probleme mit Schweinefleisch hast! Das weiß der Kaisers Tengelmann-Mitarbeiter aber nicht, deshalb fand ich es eher umsichtig als rassistisch! Wie soll ich das denn sonst noch ausdrücken? Ich finde halt einfach es gibt so viele wirklich rassistisch motivierte Handlungen in Deutschland (auch in Berlin!), dass man sich über einen gut gemeinten, wenn auch falsch angekommenen Präsentkorb nicht so ärgern muss. Aber ich glaube, es ist eh egal was ich hier argumentiere… Schade… 🙁

  23. Celi

    @Kirstin: Herzlichen Glückwunsch, willkommen im Alltagsrassismus. Deine Argumentation macht sehr schön deutlich, worum es hier geht. Nämlich um eine Andersbehandlung , weil $Mensch einen fremd klingenden Namen hat.
    Genau darum geht es doch. Und es geht hier nicht um Schweinefleisch oder helal oder koscher.
    Es geht eben genau um diese “Guten Absichten” die einfach mal mit Zuckerguß überzogene im Kern vorurteilsbelastete ( ob das nun gut oder schlecht ist sei dahingestellt) Handlungen sind.
    Und eben weil man Paul Müller aus Oberschöneweise eben NICHT diesen Korb gepackt hätte, IST ES RASSISMUS. Weil eine Andersbehandlung auf Grund von Annahmen stattfindet, weil der Name ” ausländisch ” ist.
    Wie “schlimm” oder nicht das derjenige zu empfinden hat, ist ne persönlcihe Angelegenheit. Aber ich würde mich hüten darüber und darüber wie schwer so etwas für den einzelnen wiegt, urteilen zu wollen.

  24. Hesting

    Ja, klingt alles nicht schön. Ich glaube trotzdem nicht an Vorsatz seitens der Verkäuferin. Gerade nach all dem Ärger mit dem Fleisch ist es doch eigentlich gut,, dass diesmal keines drin war. Wer weiß, was da.hinter den Kulissen abgegangen ist. Ich weiß nicht,wie es bei Kaisers ist, aber allgemein würde ich nicht als Marktleiterin arbeiten wollen.
    Ich verstehe deinen Frust, aber soweit ich Belin kenne, ist es eben auch: ein Dorf.. Und nicht mit London oder New York zu vergleichen.

  25. Distelfliege

    Ich wollte mich auch nochmal kurz zu Wort melden. Also, Kirstin, ich weiss nicht, was dich und deinen Mann zu solchen Expert_innen für Alltagsrassismus macht, dass du hier einer Person, die diesen eben erfahren hat, erklärst, was Rassismus ist und was nicht. Kannst du deine Referenzen mal nennen?
    Nein, mal im Ernst: Was Shermin beschreibt, ist Rassismus wie er im Buche steht und wie er allen klassischen Definitionen nach daherkommt. Vielleicht solltest du in ein solches Buch mal reinlesen. Ich empfehle gerne “Deutschland Schwarz Weiß” von Noah Sow, weil es sehr unterhaltsam und verständlich geschrieben ist.

    Und Mela: Ich finde, Allergien und Vegetarismus, das ist ein völlig anderes Thema. Ich bin auch Vegetarierin, aber wenn in einem Präsentkorb (ich habe auch schon welche bekommen) was mit Fleisch ist, fühle ich mich nicht anders behandelt, und als jemand “Fremdes”, der nicht “zu uns gehört” kategorisiert und aus der Gesellschaft mal eben rausdefiniert.
    Von daher: Nö, es geht hier um keine Grauzone, sondern um Äpfel und Birnen, aber sowas von. Da seh ich einen klaren Unterschied.

  26. Shermin

    Liebe Leute,

    ich möchte nicht, dass der Eindruck von Zensur entsteht, aber ich habe mich jetzt dazu entschlossen die Kommentare zu moderieren.
    Ich werde keine Kommentare mehr veröffentlichem, wo mein Erlebnis mit dem Hinweis darauf, dass das ja alles nur nett gemeint war, relativiert wird. Kommentare dieses recht simplen Inhalts sind mehrfach aufgetaucht und haben Platz eingeräumt bekommen und ich habe mehrfach (im Artikel und in den Kommentaren) darauf hingewiesen, dass ich es auch als nett gemeint verstehe und auch nicht als Bösartigkeit werte. Das ändert allerdings wenig daran, dass es eine Form des Alltagsrassismus war. So nett es gemeint war. Vieles ist total nett gemeint im Leben und trotzdem voll daneben. Und ich mag nach dem ersten Schritt, den ich gewagt habe, da jetzt nicht “lieb” sein und die Klappe halten, nur weil es vielleicht für alle bequemer ist.
    Bitte bleibt auch bei der Diskussion beim Thema (das nicht aus Nahrungsmittelallergien und vegetarischer Lebensweise besteht, sondern Alltagsrassismus). Danke!

  27. Julia

    Ich verstehe Dein flaues Gefühl im Magen und dass Du Dich “ausgeschlossen” fühlst. Es sind ja oft die kleinen Spitzen, die weh tun. Wenn man mir im Ausland permanent mit Hitler-Witzen kommt, find ich das auch nur bedingt witzig. Aber was mich eigentlich interessiert: Haben die sich auf Deine Mail hin mal gerührt??

  28. Shermin

    @Julia – Für mich ist Deutschland eben nicht das Ausland. Ich habe meine Wurzeln zum Teil in einer anderen Kultur, aber ich bin Deutsche. Das hier ist meine Heimat.
    Und nein, von Kaisers kam keinerlei Rückmeldung mehr. Rechne ich inzwischen auch nicht mehr wirklich mit.

  29. Hesting

    Tut mir leid, aber ich bin im Moment ganz allgemein nicht in der Lage, *irgendwem* zu sagen: ja, ich verstehe Deine Sorgen, ja, Du hast vollkommen recht, nein, jede andere Sichtweise ist verkehrt. Das hat nichts mit Dir zu tun, Shermin. Ich verstehe den Umfang Deiner persönlichen Aggression gegen derartige Vorkommnisse nicht komplett, weil ich Deine Erlebnisse nicht teile. Aber ich laufe auch seit fast 35 Jahren in einer Gemeinschaft herum, in der ich mich allgemein eingeschränkt wohlfühle (in der näheren Vergangenheit noch ein wenig eingeschränkter) und gerade deshalb bin ich so motiviert, anderen Verständnis zu zeigen, gerade auch in kritischen Situationen. Ich würde auch immer wieder für denjenigen einspringen, den ich aufgrund meines Informationsstandes als schwächer wahrnehme. Ich gebe aber zu, daß ich in einer mündlichen Diskussion nicht ganz so schnell eingesprungen wäre, da bin ich dann doch gehemmter.
    Ich weiß sehr gut, wie es sich anfühlt, nicht verstanden zu werden. Ich könnte aber nicht jeden Tag aufs Neue aufstehen und meinen Verrichtungen nachgehen, wenn ich mich nicht genau von der Vorstellung verabschiedet hätte, daß mich jemand anderes ohne eine längere Vorrede auch nur ansatzweise versteht. Bin ich freundlich und hilfsbereit, kann ich wenigstens Brücken bauen zu Menschen, die mir im Notfall evtl. helfen. Deshalb würde ich immer wieder so entscheiden.
    Keine Ahnung, ob das jetzt ein thematisch passender Beitrag ist. Ich habe nur gedacht, ich sollte mich erklären. Es mag armselig sein, aber genau das sind halt die zwei Brückenpfeiler meines Verhaltens: freundlich sein und im Zweifelsfall versuchen, mich bzw. das, was der andere mit mir erlebt hat, schlüssig zu erklären, sodaß man bei der freundlichen Ebene bleiben kann.

  30. Distelfliege

    Hesting, das einzige, was ich gerade an “Aggression” wahrnehme, kommt
    von dir: Du sagst, du könntest niemandem sagen “jede andere Sichtweise
    sei verkehrt”, und suggerierst damit, es hätte dir Shermin oder
    irgendjemand abverlangt, jemand anderes Sichtweise zu übernehmen und zu
    allem zu nicken, wenn lediglich darum gebeten wurde, beim Thema zu bleiben.

    Dann Shermin mit ihren “Aggressionen” anzukommen, ist ziemlich weit
    hergeholt. Ihr gegenüber ist Rassismus passiert, sie hat das geschluckt,
    ist still nach Hause gegangen und hat lang und breit geschrieben, dass
    sie zugesteht, dass alles lieb gemeint war. Hat viel Verständnis
    geäussert, auch immer wieder in den Kommentaren. Sie musste mit einer
    Agression ihr gegenüber zurechtkommen und hat selber alles andere als
    aggressiv reagiert. Was meinst du also? Daß sie ungute Gefühle hat? Soll
    das eine “Aggression” von ihrer Seite sein? Dass sie diesen Artikel
    veröffentlicht hat? In dem sie der anderen Seite auch einiges an Lob
    ausspricht, sagt, dass alles sicherlich gut gemeint war, aber trotzdem
    wagt, zu berichten, dass ihr trotzdem damit geschadet wurde? Für mich
    sieht Aggression wirklich anders aus.

    Naja, ich könnte jetzt so weiterschreiben, aber ich belasse es erstmal
    dabei. Vielleicht mal bei derailingfordummies.com vorbeischauen, da wäre
    noch der “But it happens to me, too” Abschnitt für dich evtl. interessant.

    Insgesamt finde ich es aber bemerkenswert, wie viel Aufmerksamkeit und
    Mitgefühl hier für die armen, armen Kaisers Marktleute aufgebracht wird,
    während gleichzeitig Shermin irgendwie als aggressiv wahrgenommen wird
    und wie es u.A. von dir, für nötig gehalten wird, beschwichtigende,
    relativierende Kommentare zu schreiben. Was ist denn so furchtbar daran,
    wenn jemand mal sagt, was ihrer Meinung nach schlecht gelaufen ist und
    dass sie dadurch ganz schön schlechte Gefühle hatte? Klar wär’s schöner,
    wenn’s schöner wär, aber manchmal ist die Welt halt nicht schön.
    Ich finde das z.b. super, dass es diesen und viele andere Artikel gibt,
    weil sie das Potential bieten, dass sich etwas verändert und verbessert,
    wenn genug Leute mal lesen und verstehen wollen. Wenn du so motiviert
    bist, anderen Verständnis zu zeigen: Wie wärs, wenn du deine Motivation
    mal auf das Verstehen wollen des Textes richtest? Und wenn du so gerne
    verstehst, dann versuch doch mal zu verstehen, wieso es Shermin so geht.
    Ich kann echt nicht so gut schreiben wie Shermin und finde, noch
    verständlicher und nachvollziehbarer kann sowas fast nicht mehr
    beschrieben werden. Ich bin selbst von solchen alltagsrassistischen
    “Mikroagressionen” auch nicht betroffen und werde es hierzulande wohl
    nie sein, aber zum Verstehen-wollen muss mensch nicht selber betroffen
    sein. Der Wille zur Erweiterung des eigenen Bewusstseins und ein bissel
    über den eigenen Tellerrand zu schauen hilft schon enorm weiter.

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