Review: Berlin Food Night 2013

Gestern war ich bei der Berlin Food Night, Thema: “Junk Food”. Die Kommunikation im Vorfeld war wirklich supernett und locker, auch wenn man sich etwas geheimnisvoll gab. Nettes Essen, bekannte und unbekannte Gesichter sehen. Neue Konzepte kennenlernen. Netzwerken. Klingt doch nett?

BerlinFoodNight-sAber irgendwie kam es dann doch etwas anders. Ich hatte es schon sanft geahnt, als ich versuchte mehr über die Location herauszubekommen. Alt Stralau 4,  die alte Teppichfabrik. Als wir ankamen war mein erster Eindruck der von Menschen. Vielen Menschen. Die Schlange vor der Akkreditierung schrumpfte aber schnell dahin. Die Servicekräfte  (teils im Stewardessen-Look, da Lufthansa mit Sponsor war) waren durch die Bank weg sehr freundlich und machten einen hervorragenden Job. Kurz darauf fanden wir uns in einer alten Fabrikhalle wieder.  Stylisch mit abblätternder Farbe. Dunkel mit roten und gelben Lichtinseln. Am Rand platziert ein paar gestapelte Holzpaletten mit Polstern, seltene Sitzplätze. Dazu Techno.

Der Rest: Hunderte von Menschen in betont lässigen schwarzen Klamotten, die sich an Champagner- und Weißweingläser klammerten, sich angeregt unterhielten oder verzweifelt versuchten bekannte Gesichter zu entdecken. Man feierte ein wenig sich selbst. Oder die Vorstellung von sich selbst. Euphorisch, mit vielen Menschen, die gewichtig mit den Köpfen nickten und sagten: “Ja! Ja! Genau das ist die Zukunft!!”, während vorne Männer Reden hielten und mit der Technik kollidierten. Zwischendrin ab und an ein Mensch mit einem Bauchladen, der Fingerfood herumreichte. Da viel zu wenig Essen da war, kann ich nur über den ersten Gang urteilen: Mini-Nürnberger mit Senfdip im trockenen Brötchen. Schmeckte so, wie es klingt. Nichts, was mich von den Socken gehauen hat.

Berlin Food Night

Ob aus dem Konzept der Berlin Food Weekend/Week, die folgen soll, was wird: Ich weiß nicht. Ich glaub das kann wirklich schick werden. Das was ich trotz mangelhafter Technik, und zu vielen Leuten von den Plänen für 2014 und 2015 verstehen konnte, klang echt nett.

Und ja. Wir müssen besser essen. Mehr auf  Zutaten achten. Vielleicht nicht unbedingt Bio, aber gut produziert. Auch Wege, die erst nach und nach zu mir finden. Viel auch geldbedingt. Dieses Gewissen muss  man sich zum Teil nämlich auch erstmal leisten können. Von der Bereitschaft andere Wege einzuschlagen, ganz abgesehen. Und ich bin sicherlich keine absolute Musterschülerin.

Aber wenn ich in den Nachrichten höre, wie viele tausend Schweine allein im letzten Jahr wegen Arbeitspfusch lebendig in die Brühanlagen kamen, dann legt das Schnitzel in meiner Kehle bei dieser Vorstellung den Rückwärtsgang ein. Das Thema rennt bei mir offene Türen ein.

Gutes Essen bedeutet für mich allerdings auch Nahrungsmittel abseits von seltsamen Konservierungs-, Aroma- und sonstigen Zusatzstoffen. Zum Abschied gab es einen Goodie Bag. Da wir weit vor den Massen aufbrachen bekamen wir den noch. Inhalt: Ein Laib Brot vom Lieblingsbiobäcker, Pralinen von Lufthansa/Hachez (mit allerlei Milchproduktpülverchen drin) und die für Berlin wohl etwas klischeebehaftete obligatorische Currysauce, deren Zutatenliste dank Ketchup und Cola mich allerdings erschauern ließ. Das kann jeder am eigenen Herd besser und zusatzstoffärmer zusammenrühren und fällt – ebenso wie die Pralinen – für mich nicht unter nachhaltige oder bewusste Ernährung und Kochen.

Zur Abrundung noch ein paar Tweets des gestrigen Abends:


Fassen wir zusammen…

Pro: Nette Leute wiedergetroffen. Dank Peggy von Multikulinarisches auch andere neue Leute kennengelernt. Zum Beispiel Micha von Glut & Späne, (Nen lieben Gruß die Straße hier entlang. ;) Hoffentlich schaffe ich es endlich mal, bei euch einzukaufen.), die Köpfe (sogar samt Baby) hinter Berliner Honig (das honiggewordene Heiligtum auf dem Frühstückstisch des Liebsten), Hendrick Haase und Valentina.

Kontra: Ich stand drei Stunden lang hungrig und ohne Sitzmöglichkeit in einer Location herum, die eher für eine Vernissage oder einen Rave geeignet gewesen wäre. Produkte, die mich im Gesamtkonzept nicht überzeugten. Mentales Stolpern über den Begriff “Junk Food”. Größtes K.O.-Kriteriuem: Eine Food Night ohne ausreichend Food.

Fazit: Durchwachsen. Hat Potential, viele Kohle steckt dahinter, manchmal treibt das ja Kinderkrankheiten aus. Aber das Konzept des Abends war – bei aller hineingesteckter Liebe – undurchdacht. Das fängt bei zu vielen Menschen an und hört bei Produkten auf, die ich – aufgrund der verwendeten Inhaltsstoffe – nicht als gutes Essen bezeichnen würde. Ich bleibe gespannt.

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