Fleischeslust

Die Metro Kochherausforderung Frühling 2013 – Alles wird besser mit Butter

Die Metro veranstaltet zum dritten Mal eine Kochherausforderung und ich – ganz meinem fügsamen und liebreizenden Naturell entsprechend – folge diesem Ruf der Kulinarik natürlich wieder sehr gerne. Wie immer gilt: Alle Bestandteile müssen in irgendeiner Form im Menü Einsatz finden. Ende letzten Jahres durfte ich ja schon mal teilnehmen und mich durch einen Einkaufswagen voll leckerer Dinge und mir noch unbekannter Lebensmittel kochen, natürlich habe ich damals auch darüber gebloggt. Das ist überhaupt für mich das Faszinierendste daran, dass ich hier Zutaten zubereite, die sonst vielleicht nicht in meinen Einkaufskorb und auf meinen Teller gewandert wären. Und besonders spannend wird es, wenn ich mir ansehe, was die anderen Bloggerinnen und Blogger sich haben einfallen lassen. Ist diese Vielfalt nicht toll?

Ich habe wieder ein dreigängiges Menü zusammengestellt und mich diesmal – zwecks besserer Übersichtlichkeit und um einem unglaublichen Bandwurmartikel mit zig darin untergehenden Rezepten zu entkommen – dazu entschieden, mein gesamtes Menü in diesem Beitrag vorzustellen und dann auf die einzelnen Rezepte (die im Laufe der nächsten Wochen dann nach und nach als eigene Rezeptartikel online gehen) zu verlinken.

Und das waren übrigens die Zutaten, um die ich mir diesmal Gedanken machen durfte:Freilandbrathähnchen, Kartoffeln, Babyspinat, Brause, Riesling, Filoteig/Strudelteig, Meersalzflocken, Tomaten, Ingwer, Arganöl, Mango, Pesto

Ich hatte im Vorfeld schon bei anderen Blogs neugierig ein Auge auf die Bestandteile geworfen. Wie immer ist eine Zutat dabei, die ein wenig die Fantasie anstrengen und das Ganze nicht zu simpel machen soll. Diese Rolle sollte diesmal eindeutig der Brause zufallen, mit der ich aber eigentlich null Probleme hatte. Nicht mal der riesige Eimer mit den 100 Brausetütchen konnte mich schocken. Meine persönliche Nemesis hieß nämlich Fertig-Pesto. Allein der Anblick des Glases und des Markennamens auf anderen Blogs ließ mich leicht würgend erschauern. Pesto kommt bei uns normalerweise nur selbstgemacht auf den Tisch, in den gekauften Produkten (selbst bei denen aus dem Bio-Markt) finden sich oft billige Derivate statt der traditionellen Zutaten. Statt Olivenöl, Basilikum, Parmigiano, Pecorino, Pinienkernen, Salz und etwas Knoblauch findet sich hier leider oft eher günstiges Sonnenblumenöl, Cashewkerne, Sonnenblumenkerne, seltsame Milchprodukte, wenig guter Käse, dafür aber unsäglicherweise Kartoffelflocken und Dextrose (würg). Die Verbraucherzentrale Hamburg hat das in einer bildlichen Gegenüberstellung hervorragend auf den Punkt gebracht. Um so überraschter war ich, als ich mir das Pesto genauer ansah und feststellte, dass die Marke Finestro Fine Foods sich bei ihrem Pesto Genovese wirklich an einem ligurischen Originalrezept orientieret und hier wirklich nur das drin war, was auch wirklich drin sein soll. Wow.

Noch überraschter war ich, als ich bemerkte, dass es sich hier tatächlich um die Eigenmarke der Metro handelt. Das hervorragende Arganöl, mit dem ich im Hauptgang meinen Spinat beglücke, ist übrigens auch von Finestro.
Um es kurz zu machen: Die Zutaten waren wieder von toller Qualität und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht sich dafür Rezepte auszudenken, sich durch stapelweise Kochbücher zu blättern und alles zu verkochen. Sehr gerne wieder! Allein meine Mango war noch steinhart, so dass ich mit der Zubereitung einige Tage warten musste, und mein Babyspinat war etwas zerdrückt. Aber jetzt auf zum Menü:

Vorspeise
Zigarren-Börek (Sigarra Böregi) aus Filoteig/Yufkateig mit fruchtiger Mango-Chili-Salsa
Verwendete Zutaten: Filoteig, PestoEin einfach zu machender orientalischer Appetizer, der durch das spezielle Rollen der Teigplatten aber etwas arbeitsaufwändig ist. Das Pesto passte wirklich gut zu Käse und knusprigem Teig. Da ich noch etwas Frisches dazu haben wollte, gab es aus einer hinzugekauften Mango noch etwas fruchtige Salsa.

Hauptgang
Zitronenhähnchen mit gebackenen Kartoffeln, Zwiebeln und Babyspinat mit Granatapfelsirup-Dressing
Verwendete Zutaten: Brathuhn, Kartoffeln, Babyspinat, Arganöl, MeersalzflockenUnd hier kommt dann auch zum ersten Mal die Butter ins Spiel. Ich habe mein Brathähnchen darin schwimmen lassen und war nach dem Essen förmlich glücklich damit überzogen. Aber dafür verkörperte es dann quasi auch das Role Model des herrlichen, Mund wässrig machenden, knusprig braun gebratenen, super-saftigen und elegant gewürzten Brathähnchens schlechthin. Alles wird eben besser mit Butter. 😉 Das Brathähnchen, ein Loué Freilandhuhn vom Label Rouge, war aber auch einfach genial. Das Fleisch des Schwarzfederhuhns war ein wenig dunkler, kräftiger und muskulöser als gewohnt (ein Schneidezahn kollidierte etwas mit einer Sehne), aber wirklich sehr, sehr köstlich. Besonders schön: Die Fütterung besteht zu 80% aus Getreide, das Futter ist frei von Gentechnik und laut Label soll das Geflügeltier zu Lebzeiten auch zur Wiederaufforstung der bäuerlichen Heckenlandschaft und zur Förderung der erneuerbaren Energien beigetragen haben (wie auch immer es das getan hat).
Mein Babyspinat war ja leider etwas derangiert, weswegen ich ihn nicht – wie eigentlich geplant – roh als Salat eingesetzt habe, sondern rasch noch gedämpft habe. Das Arganöl hat eine angenehm samtige, nussig-geröstete Note. Damit hatte ich bisher nur im kosmetischen Bereich zu tun und wäre wohl auch nie auf die Idee verfallen das kostbare Öl wirklich zum Kochen zu kaufen. Inzwischen haben wir es schon öfter verwendet, auch ein simpler Tomatensalat profitiert hiervon immens.

Dessert
Dreierlei aus gebackenen Mandelfingern mit Orangenblütenwasser, Mango-Sorbet mit Weißwein und Ingwer und Zartbitter-Pralinen mit prickelnder Brause.
Verwendete Zutaten: Filoteig, Mango, Riesling, Ingwer, BrauseHier taucht dann abermals eine ordentliche Portion Butter auf, die dafür sorgt, dass dieses orientalische Gebäck luftig und knusprig wird. Die Mandelfinger sind einfach fantastisch –  ich hab sie direkt warm aus dem Ofen probiert und war im buttrig-blättig-süßen Baklava-Himmel. Das spritzig-frische Sherbet/Mangosorbet mit dem Riesling und dem Hauch von Ingwer ist ein guter Ausgleich zu der schweren, orientalischen Süße. Und was Schokoladiges muss einfach sein – sonst ist ein Dessert für mich nicht komplett vollständig. Die restlichen Zartbitter-Brause-Pralinen habe ich übrigens bei unserer ESC-Party serviert und die kamen so gut an, dass ich die demnächst auf jeden Fall nochmals machen werde. Ich liebe ja sowieso die Kombination aus samtiger Zartbitterschokolade und fruchtig-frischer Kompononente. Passte also perfekt.

So.. schnell nochmal kontrolliert und nachgezählt – aber damit müsste ich alle Zutaten erfolgreich in kulinarische Genüsse umgesetzt haben. :) Und wer noch nicht genug köstliche Dinge gesehen hat und gespannt ist, was andere aus (fast) den gleiche Zutaten gebastelt haben, der sollte sich auf diesen Blogs umsehen:

Alice im kulinarischen Wunderland, Essen ohne Grenzen, from snuggs kitchen, …in Frau Kampis Küche, moeys kitchen, Nur das gute Zeugs, Obers trifft Sahne, Penne im Topf, Lunch for one

Abschließend noch die Kochbücher, die mich inspiriert haben, bzw. aus denen Rezepte stammen. Das Granatapfel-Dressing und die Idee zum Zitronenhuhn ist aus “Just Add Spice”. Das Rezept für die arabischen Mandelfinger habe ich aus Claudia Rodens sehr empfehlenswerten Kochbuch “The New Book of Middle Eastern Food“.

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Metro Kochherausforderung: Orientalisches im magischen Kessel

Dieses Jahr war auch ich zum erste Mal bei der Metro Kochherausforderung dabei.  Um es vorweg zu nehmen: Nicht alles hat so geklappt, wie ich es mir ausgedacht hatte – das reale Leben durchkreuzte etwas meinen Zeitplan und brachte mich ein wenig zum Schwitzen. Dennoch hat alles sehr gut geschmeckt und die Erfahrung war anstrengend aber wirklich toll.  Mehr dazu findet sich unterhalb der Rezepte im Fazit. Vorsicht, dieser Blogartikel ist dank Bildern und Rezepten ellenlang. Mein orientalisch inspiriertes Menü sah so aus:

Vorspeise:
Kürbis-Hummus mit geröstetem Knoblauch, Schafkäse und Kapern

Hauptgang:
Camargue-Reise mit gerösteten Mandeln und karamellisierten Datteln
Iberico-Nacken mit Pagoden Salz
Senfkraut
Rotweinsauce mit Datteln und Pfifferlingen

Dessert:
Maispudding mit süßem Walnuss-Physalis-Minz-Pesto und Hibiskusblüten

Und das hier war das, was wir –  nach etwas bürokratischem Chaos, Herumirren durch den riesigen Markt und der hektischen Suche der netten Mitarbeiter – bei der Metro am Ostbahnhof in Berlin eingesammelt haben. Dieser niedliche kleine Kürbis da wiegt übrigens gute 5 Kg. Der süße kleine Kohlkopf daneben hatte ein Gewicht von rund 3 Kg. Erwähnte ich eigentlich schon, dass wir total blauäugig zu Fuß unterwegs waren? Nein? Zurück haben wir dann jedenfalls ein Taxi genommen.

Genau enthalten waren knapp 900g Nacken vom Iberico-Schwein, Schafskäse, Roter Camargue-Reis, 1 Kürbis, Pfifferlinge, Datteln, Hibiskusblüten in Sirup, Popcornmais, Senf, Physalis-Marmelade, 1 Flasche Wein: Beso de Vino Tinto. Die Alternative für Veganer bekam ich auch gleich und habe sie – obwohl ja Carnivore – mit verkocht: 1 Glas Kapern, 1 Weißkohl

Vorspeise

Kürbis-Hummus mit geröstetem Knoblauch, Feta und Kapern – das Rezept reiche ich noch mit einem eigenen Beitrag nach.

Hauptgang

Iberico-Nacken

900 g Iberico Nacken
Olivenöl
Pagodensalz

  • Mit etwas Öl das Fleisch von jeder Seite her scharf anbraten, dann in den vorgeheizten Ofen bei 125° Umluft geben.
  • Nach anderthalb Stunden war das Stück nach dem Anschnitt noch nicht ganz durch. Ich wollte das Schwein (entgegen älterer Lehrmeinungen) zwar rosa haben, aus dem Ofen kam es im Kern aber roh. Deswegen habe ich die  Scheiben noch rasch in der Pfanne nachgebraten.

Camargue-Reis mit gerösteten Mandeln und karamellisierten Datteln

1 Tasse Camargue-Reis
2 Tassen Wasser
Butterschmalz
Kräutersalz (mein selbstgemischtes Kräutersalz enthält getrocknete Zitronen- und Orangenschale)
50 g Mandelstifte
60 g ganze, entkernte Datteln

  • Den Reis zunächst in etwas Butterschmalz im Topf anrösten, mit dem Wasser ablöschen.
  • Salz hinzufügen, Deckel aufsetzen und kräftig aufkochen lassen.
  • Dann die Hitze reduzieren und auf kleinster Flamme für 40 Minuten simmern lassen.
  • Die Mandeln und die Datteln jeweils mit einem halben Teelöffel Butterschmalz anrösten. Achtung, die Mandel neigen dazu, schnell zu dunkel zu werden. Hier muss die ganze Zeit gerührt geröstet werden. Die Datteln nehmen durch ihren hohen Zuckeranteil einen karamellig-knusprigen Geschmack an.

 Rezept für Senfkraut

1 kleine Zwiebel
circa 600 g fein geschnittenes Weißkraut
1 EL mittelscharfer Senf
Sahne
Butterschmalz
Weißweinessig
Honig
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer

  • Die Zwiebel in feine Scheiben schneiden und in Butterschmalz anschwitzen.
  • Den gut abgespülten und noch feuchten Kohl mit etwas Salz in den Topf geben und durchgaren.
  • Den Senf, etwas Essig und Honig hinzufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken, kurz ziehen lassen.
  • Gegen Ende etwas Sahne untermischen.

Rotweinreduktion

400 ml herber Rotwein
2 EL Honig
2 EL Balsamico
2 Datteln
Pfifferlinge aus dem Glas
Meersalz
1/3 TL Zimt
2 Körner Piment, zerstampft
eiskalte Butter

  • Den Honig in eine Kasserolle geben und karamellisieren lassen.
  • Mit dem Rotwein ablöschen, die in feine Scheibchen geschnittenen Datteln, Balsamico, Zimt und Piment dazu geben und die Sauce auf ungefähr ein Drittel einreduzieren lassen.
  • Die Hitze reduzieren, ein paar Pfifferlinge abtropfen lassen und noch kurz mit erwärmen, Sauce mit Salz abschmecken.
  • Zum Binden die eiskalte Butter in die Rotweinsauce einarbeiten und rasch servieren.

Dessert

Arabischer Mais-Pudding mit Walnuss-Physalis-Minz-Pesto und Hibiskusblüten

400 ml Milch
150 ml Sahne
150 g Maisgries/Polenta (ich habe den Popcornmais gemahlen)
70 g Honig
frisch abgeriebene Schale einer Bio-Orange
1 TL reine Maisstärke
1/2 TL frisch gestampfter Kardamom
1/3 TL gemahlene Vanilleschote

  • Milch mit Honig, Sahne und Gewürzen aufkochen.
  • Hitze etwas reduzieren, mit Stärke vermischten Maisgries einrieseln lassen und mit Schneebeseneinarbeiten.
  • Den Brei 15-20 Minuten unter Rühren kochen, bis der Pudding anzieht und der Maisschrot nicht mehr bissfest, sondern weichgekocht ist.
  • Die Masse in kalt ausgespülte Puddingformen füllen, etwa abkühlen lassen und dann im Kühlschrank kalt stellen.
  • Vor dem Servieren stürzen, mit dem süßen Pesto und den Hibiskusblüten anrichten.

Walnuss-Physalis-Minz-Pesto

50 g Walnüsse
4 TL Physalismarmelade
4 kleine Zweige Apfelminze
Saft 1/2 Orange

  • Mit einem Wiegemesser die Nüsse klein hacken und in ein Schälchen geben.
  • Die Apfelminze waschen, die Blättchen abzupfen und ebenfalls fein hacken.
  • Alle Zutaten zusammen mit dem frisch gespressten Orangensaft und der Physalismarmelade vermischen.

Fazit

Sehr spannend. Sehr lecker. Einige Teile des Gerichts haben sich leider anders verhalten als gewollt, das Essen war dennoch genial. :)
Einige Zutaten ließen sich bei der Auswahl natürlich auch nicht ganz so perfekt unterbringen. Eine wirkliche Herausforderung also. So war ich zum Beispiel – das war von Foodblogger zu Metro-Markt unterschiedlich – mit relativ geschmacksneutralen Pfifferlingen aus dem Glas beglückt. Aber vor allem die Kapern (Ich finde die Dinger entsetzlich. Ihre einzige Daseinsberechtigung haben die eingelegten Knospen meiner Meinung nach in der Sauce von Königsberger Klopsen – und selbst da sortiere ich die anschließend auf den Tellerrand.) haben bei mir persönlich Entsetzen ausgelöst. Aber immerhin habe ich sie tapfer als Deko eingesetzt. (Für diese Überwindung sollte es ein Fleißkärtchen mit Sternchen geben. So!)
Und was war ich dankbar, nicht wie andere mit einem Spaghettikürbis gestraft worden zu sein… auch wenn ich gerade intensiv darüber nachgrüble, was ich mit dem restlichen Kürbis nun anstellen soll. Der Liebste hat sich übrigens spontan in das Kürbis-Hummus verliebt und große Teile für sich geclaimt.

Auch bei dem Senf kam ich bei meinem orientalisch angehauchten Menü etwas ins Schwitzen. Ich wollte dem armen Iberico nicht wirklich einen Rub mit Senf der etwas einfacheren Preisstufe antun. Das hatte das arme Vieh nun wirklich nicht verdient. Außerdem wollte ich es bei unserer ersten Begegnung eben ganz pur probieren. So musste der Senf eben mit dem veganen Bestandteil, dem Weißkohl, Bekanntschaft schließen. Das Senfkraut war in Ordnung, aber kein absolutes Highlight – die Schuld hierfür muss ich allerdings wirklich dem armen Weißkohl zuschieben.
Das Fleisch vom Iberico-Schwein  hat sich auch nicht entsprechend meinem Plan verhalten, war aber dennoch einfach köstlich. Falls sowas mal vor euch im Regal liegt: Kaufen! Damit kann man wirklich nicht viel falsch machen. Und geschmacklich ist es den Preis wert.

Sehr positiv überrascht wurde ich auch vom Camargue-Reis. Ich bin nicht so der riesige Reisfan – erst recht nicht von Vollkornreis. Im Supermarkt hätte ich sicherlich nicht danach gegriffen. Aber der leicht nussige Geschmack und dazu die gerösteten Mandeln, die karamellisierten Datteln und die Rotweinsauce – beim Tippen bekomme ich gerade schon wieder Hunger… 😉

Der Maispudding war ebenfalls etwas widerspenstig und kann sicherlich noch einiges mehr an Flüssigkeit vertragen. Er wurde leider sehr kompakt (fast pratchettiesk – kennt hier jemand Zwergenbrot und Kampfmuffins?) und hat die anfänglich wunderschönen Aromen der Gewürze und der Orangenschale  durch seine Konsistenz geschluckt. Sehr viel weniger Maisgries, keine zusätzliche Maisstärke (ich war halt etwas ängstlich, da noch nie geprobt) oder untergehobener Eischnee sind bei einer Wiederholung sicherlich meine Maßnahmen der Wahl. Die Rezeptidee an sich finde ich nämlich immer noch  sehr gut. Vielleicht sehe ich das gerade auch ein wenig zu finster – da ich den Popcornmais unbedingt mahlen wollte, habe ich es geschafft, hierbei ein Erbstück meiner Omi ins Nirvana zu schicken. Die Plastikhalterung des Mahlwerks der uralten elektrischen Kaffeemühle, mit der ich sonst Kräuter mahle, wurde leider am Ende von ein paar Popcornmaiskörnern erlegt… :( Das süße Pesto hingegen klappt genau wie vorgestellt. Gab es bestimmt nicht zum letzten Mal.

Und noch eine kleine sentimentale Anwandlung am Rande, die das Ganze für mich abrundet. Mein Mann erzählte mir heute morgen, dass die Metro Group zur Franz Haniel & Cie GmbH gehört, deren Stammsitz Duisburg-Ruhrort ist. Ich bin zu einem beträchtlichen Teil in Homberg – direkt auf der anderen Rheinseite – aufgewachsen, wo Haniel ein bekannter Name ist. Ich ging auf das nach dem Gründer benannte Gymnasium, wohnte jahrelang direkt neben dem Park, wo Franz Haniel zum ersten Mal linksrheinisch Kohle abbaute, spielte in der Nähe zum Haniel-Hof, bewunderte aus der Ferne sehnsüchtig die weiße Direktorenvilla und erforschte heimlich darin herumkletternd mit Freunden die  – damals noch – verfallenen Gebäude der alten Zeche. Ja, wenig sinnreich. Aber schön, da ne unsinnige Verbindung zu etwas zu entdecken, mit dem man aufwuchs, und alte Erinnerungen anzustoßen.

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Schnelle Küche: Avocado BLT-Bagel

Klassischerweise ist es ja eigentlich ein BLT(Bacon-Lettuce-Tomato)-Sandwich,  bei Petra stolperte ich via Pinterest letztens über eine leckere Variante mit Avocado. Und da ich gerade mal wieder eine Avocado-Phase durchlebe, habe ich die Anregung für ein schnelles und recht unkompliziertes Abendessen direkt mal aufgegriffen.

Rezept für Avocado-BLT-Bagel

1 – 1/2  reife Avocado
Saft 1/2 Zitrone
(Bärlauch-)Meersalz, Pfeffer
1 Packung Bacon
4 Bagels
2 Tomaten
Salatblätter
Zwiebeln, Zucker,  Balsamico und etwas Butterschmalz für karamellisierte Zwiebeln

 Zubereitung

  • Avocado aufschneiden, entkernen und mit einem Löffel aushöhlen.
  • In einer Schale das Fruchtfleisch mit einer Gabel zerdrücken und mit Zitronensaft, (Bärlauch-)Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Den Bacon in einer Pfanne knusprig braten und auf Küchenkrepp zum Abtropfen geben.
  • Danach in derselben Pfanne (evtl. ist gar kein Butterschmalz mehr nötig – je nachdem wie viel Bratfett vom Bacon da ist) die karamellisierten Zwiebeln nach  Anleitung zubereiten.
  • Aufgebackene Bagels halbieren, Unterseite mit Guacomole bestreichen, Tomatenscheiben, Bacon und Salatblätter in beliebiger  Reihenfolge schichten, das  Ganze zum Abschluss mit den säuerlich-süßen Zwiebeln toppen und den Deckel aufsetzen.



BLT-Bagel-Fazit

Hm… irgendwie… unbefriedigend. Was aber weder an der leckeren Avocado, dem frisch gebratenen Bacon oder den köstlichen karamellisierten Zwiebeln und ihrer Sauce lag, sondern an den gekauften Bagels, die gefühlt im Mund immer mehr wurden, sich wie Schaumkissen kauten und die Tendenz hatten alle Aromen zu schlucken.

Ich hatte noch frisches und saftiges Dinkel-Hafer-Nuss-Brot da, mich aber der Optik wegen für die Bagels entschieden – was ein totaler Fehler war. Nächstes Mal also Finger weg von den komischen Aufback-Bagels und lieber ein gutes Brot und damit eine klassische Sandwichvariante oder den perfekten Bagel-Dealer in Berlin auftun. Ansonsten waren die einzelnen Bestandteile toll. Vor allem der Bacon. Ich meine.. Bacon! Und dann auch knusprig gebraten. Hach.

 

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Irish Stew mit tschechischem Schwarzbier

Fast jeder der kocht, und einen minimalen Faible für Kochbücher hat, hat die Anne Wilson-Kochheftchen irgendwo im Regal versteckt herumstehen. Auch bei mir tummeln sich etliche der günstigen, aber durchaus hübsch gemachten Druckwerke. Gekauft habe ich sie mir noch zu Studienzeiten so für ein bis zwei Euro das Stück und habe mich Zuhause dann glücklich hindurchgeblättert.

Letztens fielen mir die Heftchen wieder in die Hände, der Liebste blieb kurz am Irish Stew mit Guiness hängen und beim Einkaufen gestern wurde ich beim Anblick von Rindergulasch von spontanen Gelüsten auf dieses doch sehr handfeste Gericht überwältigt. Guiness gab es nicht, also musste es das günstige (und einzig greifbare) tschechische Schwarzbier Breznák Cerné richten. Die Wahl war wahrscheinlich nicht mal so schlecht, mein letzter Guiness-Genuss liegt schon einige Jahre zurück, aber ich meine mich zu erinnern, dass es deutlich bitterer im Geschmack war. Das Stew hier ist eine mit Mehl gebundene Kreuzung aus Eintopf, Schmorgericht und Ragout. Seit dem Ragout aus Hühnerherzen ist meine Leidenschaft für solche saucentriefenden Schmurgelgerichte ja eigentlich auch klar…

Also – diese flüssige Hauptzutat plus Fleisch, Gemüse und ein wenig Zeit …

… ergibt dieses köstliche Mahl.

Rezept für Irish Stew mit Schwarzbier

1 Kg Rindergulasch
500 ml Schwarzbier (hier: Breznák Cerné)
circa 500 ml Wasser oder Brühe
4 große Zwiebeln
2 große Karotten
150 g Trockenpflaumen, halbiert
2 große, gehäufte EL Mehl
2 Zehen Knoblauch
1 1/2 TL getrockneter Thymian
2 Lorbeerblätter
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
Butterschmalz

Zubereitung

  • In einem großen Schmortopf das Rindfleisch in Butterschmalz nach und nach portionsweise scharf anbraten. Gibt man direkt alles hinein, wird es durch das gesammelt austretende Wasser nur gekocht.
  • Grob in Streifen geschnittene Zwiebeln und den Knoblauch hinzugeben und mit anschwitzen.
  • Den Topfinhalt mit dem Mehl überstäuben, gründlich untermengen und das Bier einrühren. Das geht sehr gut und ohne Klümpchen. Fleisch und Zwiebeln sind jetzt von einer dicken, braunen Sauce ummantelt.
  • Wasser oder Brühe unterrühren, die geputzten und in dicke Scheiben geschnittenen Möhren zusammen mit den Gewürzen hineingeben.
  • Aufkochen lassen, auf kleinste Flamme runterschalten und ein bis anderthalb Stunden köcheln lassen. Öfters umrühren, evtl. Flüssigkeit nachfüllen.
  • Gegen Ende der Garzeit die Trockenpflaumen hinzu geben, vor dem Servieren nochmals abschmecken.


Irish Stew Fazit

Mehr davon. Passt perfekt in die Herbst- und Winterzeit und auch zu einem verfröstelten, windigen Halbfrühlingstag Ende Februar. Als Beilage (zum Dazuessen, Reinbrocken oder Auswischen des Tellers) gab es frisch gebackenes Kartoffelbrot, passt ja zu nem irischen Rezept. Man darf sich nur nicht die Finger an dem heißen Brotlaib verbrennen. Obwohl das Bier nicht so bitter und sehr malzig war, fügten sich die Trockenpflaumen hervorragend ein. Da das Stew recht früh mit Mehl gebunden wird, muss man ab und an umrühren, um sicher zu gehen, dass es nicht am Topfboden anbäckt.
Das ist Comfort Food at its best, das auf mehr als einer Ebene wärmt. Inklusive zufriedenem Schnaufen, wenn man angenehm satt den Löffel weg legt.

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Schwein gehabt – Silvesterferkerl to go

Huch. Heute haben wir schon den 23. Januar – höchste Zeit für den ersten Blogbeitrag im Jahr. Das Jahr fängt ja gut an, wenn der erste Monat schon so im Fluge vergeht, dass ich kaum zum Bloggen komme. Und bei dem Thema “Feisch” fällt mir zum Beispiel ein, dass ich eigentlich noch dringend etwas (nur bedingt leckeres, eher enttäuschendes) über den Besuch unserer Redaktionsrunde im alteingesessenen Restaurant “Zur letzten Instanz”  Anfang Dezember schreiben wollte…

Zum Jahreswechsel hatten wir ein Spanferkel bestellt – quasi als köstliches Glücksschwein (Bringt es eigentlich Unglück, wenn man das Glücksschwein auffrisst? Also, außer natürlich für das Schwein selbst…). Der Metzger unserer Wahl  war Marcus Benser, der  Blutwurstritter, der (wie es der Beiname schon sanft her gibt) vor allem für seine Blutwurst bekannt und sogar von der normannischen “Bruderschaft der Ritter der  Blutwurst” (Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin) zum “Chevalier du Goûte-Boudin” (Ritter der Blutwurst/Blutwurstritter) geschlagen wurde.

Kontakt und ein sehr nettes längeres Telefonat zum Thema Spanferkel und Weißwürste hatte ich allerdings mit Mathias Helfert, der sich ab und an auch als Blutwurstknappe mit – wer hätte es gedacht – Blutwurstrezepten durch das Web bloggt.

Kleine geistige Aussetzer und der Schweinehimmel

Auch wenn ich in der Vor- und Nachweihnachtszeit stressbedingt leichte Aussetzer zu haben schien (Vokabeln wie “Spieß-Schwein!-Dingens!-äh…Grill!-Ferkel-Span!-maaanwienenntmandiesesverdammteViechdennnunduweißtdochwasichmeine!!” gingen in die Annalen der Familiengeschichte ein und werden  wohl auch  noch in etlichen Jahren bei jedem Schweinebraten hervorgekramt werden.) –  mit unserer Annahme: “Preisgekrönte Blutwurst = der Mann/die Metzgerei kennt sich bestimmt auch super mit ganzen gegrillten Schweinen aus!” lagen wir jedenfalls goldbraun-knusprig  richtig.

Und, weil es dutzend verwirrte Nachfragen im Freundes- und Familienkreis gab: Nein, ein Spanferkel bereitet man natürlich nicht im eigenen Ofen  zu. Das wird fertig gegrillt, heiß und direkt verzehrfertig geliefert. (Und ja, im Ganzen. Ja, natürlich mit Kopf. Ja, auch die Füßchen waren noch dran. Nein, das war nicht ekelig. Selten genug, dass man mal das ganze Tier zu sehen kriegt und nicht nur ein formloses Fleischstück auf dem Teller landet, das man keinem Lebewesen mehr zuordnen kann.) So ein Silvesterferkel ist jedenfalls sehr praktisch, wenn man feiertechnisch keinen großen Akt machen will.  Wir hatten dazu frischen Salat, grüne Bohnen, Sauerkraut und Dinkel-Sesam-Baguette – das ließ sich superschnell und gut vorbereiten. Also quasi Silvesterfestmahl to go. Da wir auf den obligatorischen Apfel im Maul verzichteten, der in der Vorstellung jedes Fragenden im Maul des köstlichen Tieres  stecken muss, gab es dazu zumindest Cidre.

Und das Ferkel selbst? – Sollte es einen Schweinehimmel geben, dann ist dieses Tier verdienter Maßen dort wiederzufinden. Wir waren uns alle einig, unsere Zähne noch nie in so köstlich-knusprige Haut geschlagen und so zartes und betörend saftiges, im eigenen Saft gesottenes Schweinefleisch gegessen  zu haben, das praktisch auf der Zunge zerging. Natürlich war es nicht mager, das findet man aber wahrscheinlich weder bei Spanferkerln, noch der fettigen Weihnachtsgans, aber es fanden sich auch keine monströsen Fettablagerungen oder  schwabbeligen Schwarten am Schwein. Zusätzlich war die Haut eine kompakte, knusprig-krachende Kruste, in die man einfach nur lüstern seine Zähne schlagen wolle.

Jetzt noch ein knuspriges Bild vom herrlichen Schweinehintern:

Und abschließend eine kleinere Handyaufnahme, des in gierig-zerknautschte Alufolie gebetteten und dezent angenagten Spanferkels. Der Gatte twitterte hierzu glücklich, dass er sich wie Obelix fühle.

Auf diesem schweinischen Wege (man verzeihe mir dieses äußerst platte Wortspiel) also liebe Grüße und uns allen die besten Wünsche für unsere Projekte, Träume, Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche im (nicht mehr ganz so..) neuen Jahr. Mögen die guten davon in Erfüllung gehen. 😉

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