Fremdgegessen

Schwein gehabt – Silvesterferkerl to go

Huch. Heute haben wir schon den 23. Januar – höchste Zeit für den ersten Blogbeitrag im Jahr. Das Jahr fängt ja gut an, wenn der erste Monat schon so im Fluge vergeht, dass ich kaum zum Bloggen komme. Und bei dem Thema “Feisch” fällt mir zum Beispiel ein, dass ich eigentlich noch dringend etwas (nur bedingt leckeres, eher enttäuschendes) über den Besuch unserer Redaktionsrunde im alteingesessenen Restaurant “Zur letzten Instanz”  Anfang Dezember schreiben wollte…

Zum Jahreswechsel hatten wir ein Spanferkel bestellt – quasi als köstliches Glücksschwein (Bringt es eigentlich Unglück, wenn man das Glücksschwein auffrisst? Also, außer natürlich für das Schwein selbst…). Der Metzger unserer Wahl  war Marcus Benser, der  Blutwurstritter, der (wie es der Beiname schon sanft her gibt) vor allem für seine Blutwurst bekannt und sogar von der normannischen “Bruderschaft der Ritter der  Blutwurst” (Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin) zum “Chevalier du Goûte-Boudin” (Ritter der Blutwurst/Blutwurstritter) geschlagen wurde.

Kontakt und ein sehr nettes längeres Telefonat zum Thema Spanferkel und Weißwürste hatte ich allerdings mit Mathias Helfert, der sich ab und an auch als Blutwurstknappe mit – wer hätte es gedacht – Blutwurstrezepten durch das Web bloggt.

Kleine geistige Aussetzer und der Schweinehimmel

Auch wenn ich in der Vor- und Nachweihnachtszeit stressbedingt leichte Aussetzer zu haben schien (Vokabeln wie “Spieß-Schwein!-Dingens!-äh…Grill!-Ferkel-Span!-maaanwienenntmandiesesverdammteViechdennnunduweißtdochwasichmeine!!” gingen in die Annalen der Familiengeschichte ein und werden  wohl auch  noch in etlichen Jahren bei jedem Schweinebraten hervorgekramt werden.) -  mit unserer Annahme: “Preisgekrönte Blutwurst = der Mann/die Metzgerei kennt sich bestimmt auch super mit ganzen gegrillten Schweinen aus!” lagen wir jedenfalls goldbraun-knusprig  richtig.

Und, weil es dutzend verwirrte Nachfragen im Freundes- und Familienkreis gab: Nein, ein Spanferkel bereitet man natürlich nicht im eigenen Ofen  zu. Das wird fertig gegrillt, heiß und direkt verzehrfertig geliefert. (Und ja, im Ganzen. Ja, natürlich mit Kopf. Ja, auch die Füßchen waren noch dran. Nein, das war nicht ekelig. Selten genug, dass man mal das ganze Tier zu sehen kriegt und nicht nur ein formloses Fleischstück auf dem Teller landet, das man keinem Lebewesen mehr zuordnen kann.) So ein Silvesterferkel ist jedenfalls sehr praktisch, wenn man feiertechnisch keinen großen Akt machen will.  Wir hatten dazu frischen Salat, grüne Bohnen, Sauerkraut und Dinkel-Sesam-Baguette – das ließ sich superschnell und gut vorbereiten. Also quasi Silvesterfestmahl to go. Da wir auf den obligatorischen Apfel im Maul verzichteten, der in der Vorstellung jedes Fragenden im Maul des köstlichen Tieres  stecken muss, gab es dazu zumindest Cidre.

Und das Ferkel selbst? – Sollte es einen Schweinehimmel geben, dann ist dieses Tier verdienter Maßen dort wiederzufinden. Wir waren uns alle einig, unsere Zähne noch nie in so köstlich-knusprige Haut geschlagen und so zartes und betörend saftiges, im eigenen Saft gesottenes Schweinefleisch gegessen  zu haben, das praktisch auf der Zunge zerging. Natürlich war es nicht mager, das findet man aber wahrscheinlich weder bei Spanferkerln, noch der fettigen Weihnachtsgans, aber es fanden sich auch keine monströsen Fettablagerungen oder  schwabbeligen Schwarten am Schwein. Zusätzlich war die Haut eine kompakte, knusprig-krachende Kruste, in die man einfach nur lüstern seine Zähne schlagen wolle.

Jetzt noch ein knuspriges Bild vom herrlichen Schweinehintern:

Und abschließend eine kleinere Handyaufnahme, des in gierig-zerknautschte Alufolie gebetteten und dezent angenagten Spanferkels. Der Gatte twitterte hierzu glücklich, dass er sich wie Obelix fühle.

Auf diesem schweinischen Wege (man verzeihe mir dieses äußerst platte Wortspiel) also liebe Grüße und uns allen die besten Wünsche für unsere Projekte, Träume, Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche im (nicht mehr ganz so..) neuen Jahr. Mögen die guten davon in Erfüllung gehen. ;-)

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Done: Bubble-Tea

OK, das Probieren dieses Trendgetränks habe ich dann hiermit auch erfolgreich von meiner kulinarischen To-do-Liste geschmissen. Ich bin ja schon seit letztem Jahr darum herumgeschlichen, war aber eher versucht es endlich mal selbst in der heimischen Küche zu fabrizieren. Damals war ich nämlich über diesen Blogbeitrag im Bento Lunch Blog zur Herstellung von Bubble Tea gestolpert.

Ich hatte den vorderen Becher – grüner Jasmintee mit verschiedenen Sorten Fruchtsirup, Tapioka-Perlen, streifen verschiedener Fruchtgelees und Bobas (so molekularküchentechnisch hergestellte, ungesund-bunte Teilchen mit Sirupfüllung). Der Liebste hatte Schwarztee mit einer ähnlichen Auswahl von Toppings und Taro-Pulver.

Mein Urteil: Mhja… wie soll ichs sagen. Die Flüssigkeit war ganz lecker (ich will mir gar nicht vorstellen, wieviel Zuckerzeugs das war), fruchtig, leicht bitter und erfrischend. Die Tapiokaperlen fand ich toll, die Fruchtgelees nicht wirklich und die auf meine Zunge zerplatzenden Bobas fand ich anfangs erträglich, aber gegen Ende so widerlich, dass mir schlecht wurde und ich den Rest habe stehen lassen. Der Liebste fand seinen Bubble Tea absolut lecker, ist jetzt zum Taro-Fan mutiert und empfand die Toppings im Grunde als geschmacksneutral und überflüssig – bis auf das Litschi-Fruchtgelee.

Also gerne mal wieder – falls sich die Gelegenheit ergibt. Jetzt wissen wir ja was schmeckt und was nicht.  Extra irgendwo hin pilgern werden wir deswegen aber wohl nicht. Mich reizt die selbstgemachte Variante jetzt ja noch mehr, gerne auch wieder mit Grüntee.

Bubble Tea in Friedrichshain

Zu finden ist der Bubble-Tea/Pearl-Milk-Tea/Cocktea-Shop in Friedrichshain übrigens auf der Frankfurter Allee, mittig platziert  zwischen Samariter und Gabelsberger Straße.  Liebhaber von echtem, guten Softeis werden den Laden (im Grunde ist es nur ein Straßenverkauf) noch von früher kennen. Das Softeis gibt es immer noch (ist nach dem Besitzerwechsel allerdings noch nicht wieder ausreichend getestet worden), jetzt allerdings gepaart mit dem asiatischen Kultgetränk und gekoppelt an eine wirklich nette (wenn auch etwas euphorische – ich tippe auf zu viel Koffeinzufuhr) Verkäuferin.  Mit sachkundigem Blick enttarnte sie uns unsicher vor den bunten Plakaten herumlungernde Gestalten als absolute Bubble-Tea-Jungfrauen (“Noch nie probiert, wa?”), nahm sich daraufhin Zeit, beriet uns geschmacklich, erklärte alles und stellte für jeden von uns nette Mischungen quer durch die quietschebunten Zusatzstoffe zusammen. Auch wenn uns der Tee partiell nicht schmeckt, lag sie bei uns grundlegend – was persönliche Präferenzen angeht – richtig. Der Bubble-Tea des Gatten schmeckte mir zum Beispiel überhaupt nicht (viel zu süß), während er bei meinem fruchtig-blumigen Tee die Zähne hochzog.

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Das Montoya in Berlin Friedrichshain (Café/Lounge/Coiffeur)

Letzte Woche hat es mich und eine liebe Freundin zum Ausprobieren in ein neues Café direkt bei mir um die Ecke verschlagen: das Montoya (Vorsicht, keinen Herzinfarkt bekommen. Die Website startet sofort mit Musik.) in der Voigtstraße in Friedrichshain.

Café & Coiffeur mitten im Samariterkiez in Berlin: Das Montoya-Konzept

Das Montoya ist nicht nur ein Café mit Lounge-Charakter, sondern bietet im Nebenraum auch einen Coiffeur. (Den ich noch nicht ausprobiert habe – dabei würden meine Spitzen endlich mal wieder eine Schere in Ihrer Nähe zu schätzen wissen…) Leckerer Milchkaffee, frisch aufgelegte Musik – scheinbar auch abendliche Parties mit wechselnden DJs? – und verschiedene (geplante? – mir ist spontan nichts  aufgefallen) künstlerische Ausstellungen treffen hier also auf Haarkunst. Folgerichtig gibt es auch zwei Getränkekarten, eine für die normalsterblichen Cafébesucher und eine für die Friseurnutzer, auf dieser Karte sind einige Getränke als gratis gekennzeichnet (nein, der Alkohol ist auch hier kostenpflichtig ;-) ).

Das Ambiente

Das Montoya ist relativ schlicht, aber dennoch gemütlich und liebevoll eingerichtet. Omas alte Stehlampe, samtige Sofas, Sessel und plüschige Hocker (nicht nur im 70ties Style, sondern original aus der Zeitperiode) tummeln sich hier einvernehmlich zusammen mit zahlreichen Anverwandten des klassischen Nierentischs aus den 50ties. Sowas will man/frau in meiner Altersstruktur vielleicht nicht unbedingt im eigenen Wohnzimmer haben, aber für ein Café ist es eine kultverdächtige Einrichtung (und die Sitzgelegenheiten sind echt bequem). Für Sonnenanbeter und Nikotinsüchtige gibt es auch ein paar kleine Tischchen direkt auf der Straße.

Zentral im Raum, direkt neben der Bar befinden sich die Turntables (die Dinger heißen doch so, oder?) und so ist ein herausstechendes Merkmal unter anderem eben auch die Musik, die einen direkt beim Schritt über die Schwelle (ich glaube sogar schon im Außenbereich) empfängt. Bei unserer Ankunft erklang Grace Jones – sehr nett. Weiter ging es dann mit Lounge- und Chillout-Klängen. Ich meine mich auch dumpf an jazzige Dinge zu erinnern, lege dafür aber nicht meine Hand ins Feuer. Normalerweise bin ich bei Musik in gastronomischen Einrichtungen etwas empfindlich – hier war es aber wirklich angenehm und man konnte sich problemlos in normaler Gesprächslautstärke unterhalten.

Service

Bei unserem Eintreten in den (relativ leeren) Laden steuerten wir etwas unschlüssig verschiedene Sitzgelegenheiten an. Die freundliche Bedienung (ich tippe auf Yves – einen der Betreiber?) sprach uns direkt an und empfahl uns, einfach überall Probe zu sitzen, um den perfekten Platz zu finden. Auch im weiteren Verlauf stellte er sich als sehr sympathisch und wirklich supernett heraus – also weit abseits von wieselartig-grauenhaft-aufgesetzter Freundlichkeit mit Plastiklächeln, das nicht bis zu den Augen reicht, oder der in manchen Läden üblichen LmaA-Haltung. Es war so, wie es im Grunde sein sollte: man fühlte sich als Gast wirklich gerne willkommen geheißen.

Getränke & Essen im Montoya

Die Preise sind echt anständig und wirklich bezahlbar. Ich habe für vier Getränke von zwei Personen nur 7,90 Euro bezahlt. Darunter ein riesengroßer und leckerer Milchkaffee, serviert in einer Bole, ein Tonic Water, eine Kanne 5 o’clock tea und ein Saft. Sehr nett: Leitungswasser ist kostenfrei. Sprich auf der Theke steht ein stets gefüllter Wasserkrug und ein paar Gläser, wo man sich gerne auch selbst bedienen darf.

Essbares gibt es leider nicht wirklich, da keine Küche vorhanden ist. Aber eigentlich soll es totaaal genialen Schokoladenkuchen mit meterdicker Schokoladenschicht und totaaal saftigen Karottenkuchen geben. Wurde uns erzählt. Gesehen haben wir den Kuchen leider nicht in persona, da diese invisible cakes gerade erst für den nächsten Tag gebacken wurden, als wir im Laden waren. Immerhin gab es je ein leckeres Cantuccini zu Tee und Kaffee (was mich daran erinnert, dass ich hier noch ein geniales Cantuccini-Rezept liegen habe, das endlich nachgebacken werden will…) und meine Freundin leierte dem netten Barmenschen jeweils noch ein zweites Cantuccini aus dem Kreuz, damit wir nicht endgültig dem Hungertod anheimfallen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich an meinen geheimen Toblerone-Notfall-Vorrat in meinem Survival-Bag erinnerte, waren wir doch ein wenig frustriert ob des Nahrungs- und Zuckermangels. Bitte, liebe Montoya-Florencianos: Schafft euch für solche Notsituationen doch bitte ein großes Glas mit Cookies an. Ich bezahle ja auch gerne für meine gebackenen Drogen. Stellt euch doch einfach mal vor, was andere Gäste -, nicht so friedlich, sittsam und gemütsstark wie wir – in so einem Zustand hätten tun können! Immerhin waren wir mit hölzernen Spindeln und scharfen Holzstricknadeln bewaffnet. ;-)

Sanitäre Anlagen

Kurz gesagt: klein, sauber, psychedelisch. Ich war natürlich nur auf der Damentoilette. Sichtbar alte Hardware, allerdings alles neu und gründlich renoviert. Nur eine Toilette und ein winziges Waschbecken, dafür aber eine coole Diskokugel oben an der Decke, weiß gestrichene Fliesen, eine darauf gesprayte Berlin-Silhouette und massenhaft giftgrün-graue Pilze. Soll nach Aussage des Betreibers an Alice im Wunderland erinnern. Ich finds nett, auch wenn die einen umgebenden Farben den Teint im Spiegel dezent fahl wirken lassen. Also Mädels, seid euch vorher sicher, welchen Lippenstift ihr nochmal auftragt.

Und wie war’s nu? Montoya-Fazit

Das Montoya wirbt mit dem Spruch “Wir sind euer neues Wohnzimmer!” – Jupp, kann ich bestätigen. Wir haben jedenfalls mit Strickzeug, Handspindel und lustigem Gequatsche einen äußerst netten Nachmittag dort verbracht. Unsere Sitzplätze waren direkt in einem der großen Fenster, so dass wir bequem die Außenwelt beobachten und dabei unseren Kaffee schlürfen konnten. Die Location ist also wirklich gut und hat definitiv auch abendliches Party-Potential. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich das Montoya hier in Friedrichshain entwickelt, ich komme auf jeden Fall wieder, in der Hoffnung, dann mal ein Stück des Kuchens zu ergattern.
Bleibt so angenehm anders, offen & echt und nehmt euch weiterhin Zeit für eure Kunden, dann wirds auch was mit den Nachbarn. ;-)

Montoya
Voigtstr.7/8
10247 Berlin
Tel: 030 405 77 500

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Das “Leander” in Berlin-Friedrichshain – oder auch: der Hauch des Todes

Freitag Abend und soziale Kontakte. Mit ein paar Freundinnen wollte ich mich für ein paar Stunden gemütlichen Quatschens im Leander treffen. ich persönlich war da vorher noch nie. Das Etablissement ist direkt hier in der Nähe und die syrische Lieblingsnachbarin hatte mir da auch schon mal von dem tollen Frühstücksbuffet vorgeschwärmt.

Das Ambiente im Leander

Ich bin da gegen 20.00 Uhr eingetrudelt, die Mädels saßen schon da, das Leander war gut besucht, aber nicht brechend voll, man hat problemlos einen Tisch gekriegt. Das Lokal machte einen sehr sympathischen und gemütlichen Eindruck. So ne Mischung aus Shabby Chic und  altberliner Charme. Sehr angenehm war, dass man sich gut unterhalten konnte und sich nicht über Musik hinweg anbrüllen musste.

Das Essen im Leander

Das war es dann leider  schon an positiven Dingen über die ich berichten kann. Ich saß dann ne ganze Weile dort herum, bevor eine blonde Kellnerin etwas schnippisch an mich heran trat und mich fragte, ob ich “schon” etwas bestellen möge. Ja, wollte ich (auch wenn meine Augenbraue dezent nach oben schnellte). Ein stilles Wasser und mangels Speisekarte fragte ich auch nach dieser. Das Wasser kam verhältnismäßig rasch, ebenso die Karte (in die ich fünf Minuten gucken durfte, bevor sie mir für einen anderen Tisch entrissen wurde). Da die anderen nix aßen, habe ich mich für Knoblauchbaguette (2,50 €) entschieden. Ich dachte mir: och, damit kann man nicht viel falsch machen! Wahrscheinlich hätte mich folgender Text auf der Speisekarte stutzig machen müssen:

“Sehr geehrte Gäste. Unsere Speisen werden frisch und ohne Geschmacksverstärker zubereitet. Deshalb kann es zu Wartezeiten kommen. Wir bitten Sie dafür um Verständnis. Ihr Leander Team”

Ah… ja… Nun ist es ja so, dass ich durchaus erwarte, dass mein Essen ohne Geschmacksverstärker oder sonstigen Scheiß zubereitet wird, sonst müsste es ja auf der Karte vermerkt werden. Aber warum zur Hölle braucht man länger fürs Kochen, weil man kein Glutamat an seine Brühe wirft? Ja, man muss selbstständig etwas gut Essbares herstellen – aber dazu ist man ja schließlich Koch geworden, oder nicht?

Jedenfalls wartete ich auf mein Knoblauchbaguette… und wartete… und wartete… Zwischendrin versuchte eine Freundin verzweifelt die Bedienung auf sich aufmerksam zu machen. Irgendwann rochen wir penetranten Knoblauchgeruch. Nur fünf Minuten nach der Geruchsattacke (und nach “nur” knapp 45 Minuten Wartezeit) wurde mein opulentes Mahl serviert.

Ich blickte etwas konsterniert auf den Teller, wo sich vier Scheiben Baguettebrot zusammen mit ein paar Krümeln Petersilie tummelten. Der Koch hatte wohl seinen guten Tag und wollte mir etwas besonders gutes tun: massenweise Knoblauch. Denn auf das aufgeschnittene Baguettebrot war fett einfach nur pürierter Knoblauch geschmiert, der verdächtig nach industrieller Pampe aussah. Meine eine Tischnachbarin fiel wegen der extremen Geruchsbelästigung beinahe in Ohnmacht, die andere konnte nur schwer ihren Würgereiz bezwingen. Da ich weder Besteck noch Serviette erhalten hatte, brach ich ein Stück Brot ab und begann damit den übelriechenden Knoblauchbrei vom durchweichten Baguette zu kratzen und lustlos daran zu knabbern. Überlegte zeitweise, ob ich meinen Mann anrufen und ihm sagen solle, dass er einige rohe Knoblauchsehen annagen soll, damit er die Nacht im selben Zimmer mit mir auch ja überlebt. Mein Minenspiel ob des ekelerregendsten Knoblauchbrotes ever sorgte am Tisch jedenfalls für reichlich Amusement, gepaart mit Beteuerungen, dass das Essen sonst nicht so widerlich wäre. Naja – per Definition war das Gericht genau das, was auf der Karte stand: Baguettebrot mit Knoblauch. Viel Knoblauch. Keine Butter. Nichts überbacken. Niente. Puristischer Knoblauchgenuss….welch Wonne!

Nach Beendigung meines köstlichen Mahls gönnte ich mir dann – quasi als Dessert – eine Kombination aus Salbeibonbons und zwei Kaugummis, gewünscht hätte ich mir eigentlich einen Grappa. Damit man mich nicht falsch versteht – ich mag Knoblauch. Eigentlich. Aber ich fühlte mich, als hätte ich eine ganze Knoblauchknolle vertilgt und würde den Odem des Todes ausdünsten. Mal ehrlich: was ist denn bitte so schwer daran, essbares Knoblauchbrot herzustellen? Brot rösten, mit ner Knoblauchzehe drüberreiben – fertig. Oder Brot mit Knoblauchkräuterbutter bestreichen, rösten, auf Teller schmeißen – fertig. Oder TK-Knoblauchbrot vom Großhändler kaufen, in den Ofen werfen – fertig. Alles, wirklich ALLES wäre besser gewesen als dieses…. Übelkeit erregende Zeugs. Für Variante eins bis zwei braucht man auch keinen Geschmacksverstärker oder mehr Zeit. Versprochen. Das nennt man dann Kochen. Wäre mal nen Versuch wert.

Wir haben dann jedenfalls bald darauf gezahlt. Mit Todesverachtung habe ich das Trinkgeld gestrichen und nur die verzehrten Sachen gezahlt. Ich habe wirklich für jede Servierkraft Verständnis, die an einem superstressigen Abend mal nicht so schnell kann und leicht genervt ist. Ebenso für längere Wartezeiten bei extrem vielen Gästen. Aber so? No way.

Vielleicht kriegt das Leander irgendwann nochmal ne Chance  – um fair zu sein, das Essen auf den anderen Tellern sah recht lecker aus. Ich wünsch mir dann aber bitte ne andere Bedienung und nen Koch, der nicht verliebt in Knoblauchbrei ist.

Leander
Jungstr. 29
10247 Berlin
Telefon: 030 / 29004803

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Apfelschnecke vs. Pfannkuchen vs. Berliner

Ich bin ja weitestgehend im Ruhrgebiet sozialisiert worden. Und diese Hefeviecher mit Marmeladenfüllung waren bei uns meist mit Zucker berieselt und hießen da immer Berliner oder Berliner Ballen. Als ich nach Berlin zog, stiftete ich in einigen Bäckerein Verwirrung und lüsterne Bäckereiwarenverkäuferblicke, wenn ich “einen Berliner zum Mitnehmen, bitte” bestellte.

So n Bäcker passt schlecht in den Einkaufsbeutel und auch der echte Berliner zu Hause hätte wohl bei diesem Anblick gemeutert. Also habe ich es mir schweren Herzens abgewöhnt und sage jetzt immer brav: “Einen Pfannkuchen, bitte!” Obwohl Pfannkuchen bei uns immer die flachen Dinger aus der Pfanne waren, aber die heißen ja hier Eierkuchen. Nicht Pfannekuchen. Und meine Mama, aus Leipzig, sagt immer “Berliner Pfannekuchen” – ich versuche es zu ignorieren.  Vielleicht ein Hinweis auf den gebräuchlichen Namen außerhalb von Berlin, die Sprache an sich ist ja ein lustiges Tierchen, die Menschen sind faul und dann schleift es sich in der mündlichen Tradierung mal schnell zum bloßen  “Berliner” oder “Pfannekuchen” ab.

Schnecke? Berliner? Pfannkuchen? Ballen? Krapfen? Was denn nu?

Nichtsdestotrotz: Man wird hier doch ziemlich, ziemlich (inklusive erhobener Augenbraue) schräg angeguckt, wenn man “Berliner” sagt.  Bis heute. Eben habe ich noch ein Paket für einen Kunden zur Post geschleppt, auf dem Rückweg kam ich an einer Bäckereikette vorbei. 5 Pfannkuchen für 1,99 Euro. Und sogar ohne diesen wieeederlichen Zuckerguss. Hach. Ich also hinein, eine nette Frau, die noch in ihrem Kinderwagen rumkramte ließ mich sogar vor. Mein Auge erspähte in diesem Augenblick auch noch bezuckerte Apfelschnecken. Apfelschnecken..mjam….

Ich komme dran und sehe mich einer dem älteren Semester angehörenden missmutigen urberliner Bäckereiwarenfachverkäuferin gegenüber, die den Lidstrich scheinbar bei ihrer Gothic-begeisterten Tochter entliehen hatte. Fröhlich verlange ich meine fünf Pfannkuchen, sie tütet sie lieblos ein. Dann kommen wir zu den Apfelschnecken, ich höre mich sagen “Die beiden Apfelschnecken da noch bitte…” Sie guckt mich finster an. Ich lenke um zu: “..schnecken…äh…Apfelkringel?” Stumm, starr und immer noch finster blickt man mit entgegen. Habe langsam den Verdacht die WILL mich nicht verstehen. Da liegen auch keine anderen Produkte mit eindeutigen Apfelstückchen hinter der Scheibe. Das einzige andere daneben sind mit Zuckerguss verseuchte Puddingteilchen. Aber die heißen hier wahrscheinlich eh anders. (Eine größere Abhandlung über das “Teilchen” an sich und seinen Stand im Ruhrpott verkneife ich mich mal. ;-) ) Gestikuliere inzwischen gen deutlich sichtbare Apfelschnecken und probiere es tapfer mit “Na die da, die Apfelschneckenkringel..äääh… Dingensoderwiedieheißen?” Da schallt es mir leicht angegiftet entgegen: “Ach, na dett sind Apfelberliner!” Ach.. na sowas… und schwupps sind die Teilchen Dinger Kringel Krapfen Schnecken Apfelberliner in einer zweiten Tüte versenkt. Ich zahle und gucke ein wenig verunsichert ob dieser Information. In meiner Welt schneit es gerade in der Hölle. Na wenigstens günstig wars. 2,79 Euro für 5 Berliner Pfannkuchen und zwei Apfelschnecken. Fühle mich in DM-Zeiten zurückversetzt. Waren sogar frisch und essbar.

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