Fremdgegessen

“Café Schümli” in Celle

cafeschumliIch treibe mich ja gerade in Niedersachsen herum und besuche meine liebe  Freundin Lilia. Nachdem Sie mich erfolgreich am Bahnhof eingesammelt hatte, wanderte mein schicker schwarzer Lack-Koffer (wenn schon verreisen, dann bitte mit Stil ;-) ) in den Kofferraum, es gab eine kleine Sight-Seeing-Tour via Automobil (Celle bietet der weltoffenen Touristin ja immerhin drei Schlösser) und danach einen ausgedehnten Bummel durch die wirklich wunderschöne und gut erhaltene Altstadt. Den schönen Nachmittag ließen wir dann im “Café  Schümli” in der Zöllnerstraße ausklingen. Wir saßen im Sonnenschein, tranken leckeren Café au Lait und genossen das Ende des Winterwetters

Atmosphäre:

Ein hübsches, kleines Straßencafé mit gemütlichen Stühlen – hier kann man es schon ein Weilchen aushalten, während man in die Frühlingssonne blinzel. Die Einrichtung im Inneren ist gediegen bis edel. Die Toiletten befinden sich im renovierten Gewölbekeller. Sauber und in Ordnung. Es gibt sogar einen kleinen Vorraum samt Wartebereich – austaffiert mit einem bezaubernden chinesischen Sofa, einem (pseudo? – egal, jedenfalls hübsch) antikem Tischchen und Spiegel im Goldrahmen.

Bedienung:

Etwas verplant. Das Service-Team wirkte ein wenig überfordert, aber sehr freundlich und zuvorkommend. (Kein Wechselgeld, kaum im Außenbereich greifbar, falsches Wasser – aber wie gesagt: dennoch sehr bemüht.) Wahrscheinlich von der Gästeflut des Frühlingswetters etwas überrollt?

Essen:

Erstmal zum Preis, den fand ich für ein gutes Café mit selbstgemachten Kuchen und Torten inklusive pittoreskem Altstadt-Ambiente  sehr OK. Für zwei “Pott” Café au Lait, ein wirklich äußerst leckeres Stück Baumkuchen-Buttercreme-Torte (empfehlenswert!) und eine kleine Flasche Wasser habe ich knapp 10 Euro bezahlt.

Das “Café Schümli” ist also ein lohnender Anlaufpunkt für Diejenigen, die es mal hierhin treibt.

Liebe Grüße aus der Gegend um Celle,

Eure Shermin

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“Anastasia” in Friedrichshain

Bei uns im Kiez gibt es das “Anastasia” (ich würde an dieser Stelle ja echt gerne eine Homepage verlinken, habe aber keine gefunden), seines Zeichens russisches Restaurant, mit Café-Betrieb (normale europäische Kuchen), Frühstücksangebot und Cocktails. Ich war schon mehrmals dort, mal zum Essen (naja.. nett), mal zum Kaffee (auch ganz nett). Meine syrische Lieblingsnachbarin und notorische Sonnenstrahlensüchtige hat mich heute Nachmittag in die Samariter Straße geschleift, damit wir unsere hübschen Nasen in die Sonne halten können.

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Atmosphäre:

Das das “Anastasia” in türkischem Besitz ist, tut dem Lokal keinen Abbruch: scheinbar ist ein echt russischer Koch vorhanden. (In einer Welt in der mein  Lieblings-Steakhouse fest in arabischer Hand ist, der japanische Sushi-Hersteller aus Vietnam kommt und wir Kurden fest im Sattel der italienischen Pizza-Mafia sitzen, gar nicht so selbstverständlich) Wer etwas düstere, leicht angeranzte russisch-zaristisch-melancholische Farbwahl (dunkles Rot und Gold) liebt, wird sich dort sofort heimisch fühlen.  Ein klitzkleines Bisschen russische Klischee-Seele. Draußen kann man wunderbar sitzen, Kaffee schlürfen, in die ersten frühlingshaft-warmen Sonnenstrahlen blinzeln, Zeitung lesen und ungeniert und hemmungslos vorbeihastende Leute beobachten.

Die sanitären Anlagen waren vollkommen OK (nachdem ich im Dunkeln den Lichtschalter ertastet und sie endlich gefunden hatte). Großer Bonus des Cafés: bis auf Sonntag ist das WLan für Gäste wohl kostenfrei.

Bedienung:

Sehr nett, freundlich. Der Kellner schien heute allein zu sein bei vielen Gästen und deswegen etwas verwirrt. Die Dame die uns bei vorherigen Gelegenheiten bediente hab ich auch in sehr guter Erinnerung.

Essen:

Die Preise bewegen sich im oberen Mittelfeld für den Bezirk.  Eine Portion Pelmeni gibt es ab 6 Euro. Noch in Ordnung, aber ich hab dabei leichte Zahnschmerzen.  Ich hatte einen Milchkaffee (trinkbar und OK) und ein Stück Kirschirgendwas Kuchen (nicht wirklich empfehlens- oder essenswert – auf Nachfrage erfuhren wir, dass es ausnahmsweise keinen selbstgebackenen Kuchen sondern gekauften gab. Vor der Bestellung fragen lohnt sich also). Die mit Schweinefleisch gefüllten und in Sauerrahmen schwimmenden Pelmeni meiner Freundin waren hingegen wirklich sehr lecker. Ja, ich gebe es zu. Ich hab zwei geklaut – aber die rochen nach dem seltsamen Kuchen gleich doppelt so gut. ;-)

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“Café 100 Wasser” in Berlin

hundertwasser1Mein Mann hatte nach einem durcharbeiteten Wochenende heute seinen freien Tag. Als freie Journalistin war es mir ebenfalls vergönnt zeitgleich eine Auszeit nehmen zu können. Ursprünglich wollten wir ja in das Medizinhistorische Museum der Charité, um uns eine Sonderausstellung anzusehen. Da dort Montags leider Ruhetag ist, disponierten wir um, gammelten ein wenig fröhlich vor uns hin und beschlossen dann, statt der Ausstellung über Rechtsmedizin zu frönen, zur Gegend um den Boxhagener Platz zu flanieren. (Hm… vielleicht hätte die Überleitung von der Rechtsmedizin zum Café mich schon stutzig machen sollen…)

Auf der Suche nach einem netten Café / Restaurant liefen wir irgendwann am “Café 100 Wasser” vorbei. Ich  muss gestehen, mich sprachen die meisten Lokale sowieso nicht an, mein Gatte fühlte sich aber an frühere Zeiten erinnert, ich sehnte mich nach was zu Trinken und sanitären Anlagen und so schritt er nostalgisch-begeistert voran (und ich etwas zweifelnd hinterher).

Atmosphäre:

Schummrig, auf den ersten Blick gemütlich, hübsche Lampen. Auf den zweiten Blick: siffig. Sorry Leute, aber die Fliesenstücke, die da Hundertwasser-like-dekorativ im Mauerwerk untergebracht sind, sind von einer zweifelhaften beige-farbenen Patina überzogen. OK, ok… vielleicht soll das so sein, genauso wie die seltsamen Flecken an der Wand im Eingangsbereich… Man hat den Eindruck als wüsste man schon, warum das Licht so dermaßen runtergedimmt ist.  Die Toiletten.. *seufzt*…  sprechen wir lieber nicht davon. Nur so viel: Türklinken die nur noch von Panzertape zusammengehalten werden und Toiletten ohne Möglichkeit die Tasche anzuhängen oder mit einer Beleuchtung die quasi Blindpinkeln fordert, müssen nicht sein. Echt nicht.  Just my two Cent.

Bedienung:

Netter (etwas zu euphorischer? – persönliches Empfinden, ich komme mir bei sowas immer leicht auf den Arm genommen vor…) Kellner. (Gefühlte) klitzekleine Ewigkeit beim Bedienen (Kai behauptet das Gegenteil). Kellner verzog keine Miene, fragte nach oder tat sonst irgendetwas dass darauf hinwies, dass es nicht absolut normal ist, dass Gäste ihr Essen so eklig finden, dass sie es zurückgehen lassen.

Essen:

Ich war noch nie, wirklich noch nie in einem Lokal wo ich das Essen als absolut nicht essbar empfunden habe.  Bis jetzt.  Das Café 100 Wasser kann sich glücklich schätzen diese “Trophäe” errungen zu haben.

Ich hatte nur einen kleinen Snack:  “Oliven mit Schafskäse und Baguette” für günstige 2,80 Euro und ein stilles Mineralwasser – eigentlich  Tapas mit denen man absolut nichts falsch machen kann. Sollte man jedenfalls meinen.  Ich erwartete einen kleinen Teller mit nicht vielen Olivchen und etwas Käse, dazu leckeres Brot.  Was ich bekam war eine  Schale, zum Bersten gefüllt mit grünen und schwarzen Oliven, darauf ein Berg mit Käsebrocken, einem lieblosen Tomatenschnitz und einer Gurkenscheibe von knapp 3 Cm Durchmesser. Dazu ein Körbchen mit (immerhin) nicht altbackenem Baguettebrot – wenn es auch nicht knusprig war.

Beim Probieren stellte ich dann mal wieder fest, dass Quantität Qualität bei weitem nicht aufwiegt. Der Käse war schlichtweg ekelhaft und dermaßen salzig, dass man ihn nicht genießen konnte. Und ich bin als Kurdin nun wirklich keine Schafskäse-Kostverächterin. Die grünen Oliven:  zu salzig, die schwarzen Oliven: matschig, absolut neutral mit dem intensiven Geschmack nach billigem Öl. Dazwischen dümpelten  (als Gruß aus der Küche?) ein paar einsame gehackte Stückchen Petersilie zwischen Olive und ungenießbarem Käse herum. Um der Sache noch eine Chance zu geben (und nach einem halben Glas Wasser um nicht spontan zu dehydrieren) – das Gesamtkunstwerk zählt ja, wie wir immer alle brav bei Johann Lafer oder Horst Lichter lernen dürfen – zwang ich mir tapfer die Kombination “geschmacksneutrale Olive mit Salzgehalt des toten Meeres aufwiegenden Schafskäse samt Baguette” in den Mund. Vielleicht hatte sich der Koch ja gewieft die Zutaten extra so zurecht gelegt? Aber: zuviel der guten Hoffnung. Absolut nicht essbar.

Was mich persönlich ja am meisten wunderte: der Kellner nahm mein fast unberührtes  Essen einfach so wieder mit. Ohne Kommentar, ohne interessiert nachzufragen, die Küche des Lokals loyal zu verteidigen, sich zu entschuldigen oder verwundert zu gucken. Nix, niente, null.  Löste in mir seltsame Vermutung über die Frequenz der Essensverweigerung aus.

Nach meinen Erfahrungen mag ich euch noch die andere Seite hören lassen. Ich war ja schließlich nicht allein dort und mein Mann hat todesmutig auch einige Dinge (sogar komplett, wow) verzehrt. Nein, er hat noch keinen leicht grünlichen Teint. Die Sachen sind ihm wohl ganz gut bekommen.

Kais Version:

Die Fluktuation im Kneipengewerbe ist ja grade im Friedrichshain relativ hoch.
Ein Laden der sich wirklich seit langen, langen Jahren hält – und das trotz gelegentlicher Streitereien mit den Anwohnern – ist das Café 100 Wasser. Nach unserem heutigen Besuch wundert uns das allerdings eher. Ich hatte den einzigen Lichtblick im Hundertwasser. Der Latte Macchiato war perfekt. Herrlicher Milchschaum und guter Kaffee. Dafür war die Käsesuppe etwas
enttäuschend. Man nehme eine mittelprächtig gewürzte Tomatensuppe, “verdünne” sie 1:1 mit Sahne und streue etwas geriebenen Käse darüber. Äußerst nahrhaft aber mit Käsesuppe hatte das nicht wirklich etwas zu tun. Das Ambiente fand ich genau wie Shermin eher deprimierend. Irgendwer sollte ziemlich vielen Wirten mal den Unterschied zwischen gemütlich-schummerig und stockdunkel erklären. Wenn es nämlich so düster ist, dass man den Eindruck hat, der Wirt macht mit Absicht das Licht aus damit man den Dreck nicht so sieht, dann wirkt das eher abschreckend als anheimelnd. Eher abschreckend sind auch die Preise. 3,20Euro für die Tomatensuppe lassen eigentlich mehr erwarten als geboten wird.

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