Ab ins Mittelalter – Rishta bi Adds: Arabische Butternudeln mit Hülsenfrüchten

Auch in orientalischen Ländern wird tatsächlich Pasta gegessen. Ich erinnere mich immer noch innigst an den genialen Makkaroni-Tomaten-Auflauf, den die Mama meiner aus Ägypten stammenden Freundin zu Grundschulzeiten immer für uns gemacht hat – den haben wir Kinder einfach geliebt.

Orientalische PastaFür dieses Gericht habe ich wieder tief in eines meiner Lieblingskochbücher, Claudia Rodens “The New Book of Middle Eastern Food“*, geblickt. Eigentlich heißt das Gericht in korrekter Übersetzung ja “Nudeln mit Linsen”.  (“Adds” = Linsen). Da ich dieses genial-simple und absolut gute Gericht aber zuerst mit eingekochten Bohnen aus der Dose gemacht habe, wäre die richtigere Bezeichnung wohl eher sowas wie “Rishta bi Ful”. Aber wir wollen hier mal nicht kleinlich sein. Die Version mit getrockneten Linsen haben wir inzwischen natürlich auch schon längst gekocht, beide Varianten sind im Rezept genannt. Mir persönlich schmeckte die Version mit den Wachtelbohnen/Borlottibohnen besser, was aber vielleicht daran liegt, dass ich keine große Linsenliebhaberin bin. Mit Kichererbsen kann ich mir das Gericht übrigens auch hervorragend vorstellen.

Arabische Nudeln mit HülsenfrüchtenUnd damit habe ich direkt Gelegenheit, um hier ein wenig Nahrungsmittelhistorie am Rande einzufügen. Die Bezeichnung “Rishta” für Nudeln war mir bis dato unbekannt. Claudia Roden schreibt erklärend, dass Pasta schon im antiken Persien bekannt war und auch in arabischen Kochbüchern aus dem Mittelalter vorkommt. “Rishta” stammt aus dem Persischen und bedeutet ursprünglich eigentlich Faden. Gemeint ist hiermit tagliatelleartige, also breitere Pasta und keine Spaghetti und Anverwandte. Der Koch “Al-Baghdadi” beschreibt sie in seinen Anmerkungen als riemchenartig.

Vor kurzem bin ich nämlich ganz begeistert in dem kleinen Artikel “Babylonian Breakfast” von Felicia Campbell über die Erwähnung des “Kitab al-Ṭabīkh”, dem “Buch der Gerichte” gestolpert.
(Edit: Sie bezieht sich auf das gleichnamige Kochbuch aus dem 10. Jahrhundert. Hier gibt es einen sehr lesenswerten und ausführlichen Artikel von Charles Perry dazu. Die preisgekrönte Übersetzung von Newal Nasrallah “Annals of the Caliphs’ Kitchens: Tenth-Century Baghdadi Cookbook“* ist bestimmt lesenswert – aber auch recht üppig im Preis.)
Der Autor des Kochbuches aus dem 13. Jahrhundert, ist Muḥammad bin al-Ḥasan bin Muḥammad bin al-Karīm al-Baghdadi, meist einfach – wer kann es bei dem langen Namen verdenken – “Al-Baghdadi” genannt. Das Originalmanuskript hiervon hat das Wirrwarr der Zeiten in der Türkei überlebt und hat dort laut dem Übersetzer Perry auch stark die landestypische Küche beeinflusst. Das erste türkische Kochbuch, das dann wiederum erst im 15. Jahrhundert erschien, ist quasi eine Übersetzung ins Türkische, samt ein paar ergänzenden Gerichten.

Ich war sofort Feuer und Flamme und – den Göttern sei Dank – gibt es seit ein paar Jahren ein schmales, preiswertes, englischsprachiges Büchlein in einer komplett korrigierten Neuübersetzung von Charles Perry. Was soll ich sagen? Die Historikerin in mir gab ein begeistertes Quietschen von sich, das  verdächtig wie das eines 15jähriges Fangirl klang und schwupps, lag das “Baghdad Cookery Book: The Book of Dishes (Kitab Al-Tabikh)“* in meinem virtuellen Einkaufswagen. Natürlich ist es ohne Bilder, aber ich finde es absolut spannend. Die Rezepte entfalten sich beim Lesen in meinem Kopf und ich finde es faszinierend, wie viele Sachen nach immerhin 800 Jahren problemlos in die heutige Zeit übertragbar sind und sich im Stil oder sogar fast unverändert in der orientalischen Küche wiederfinden. Ganz im Gegensatz zu so manchen europäischen Rezepten, die in mittelalterlichen Rezeptsammlungen überliefert sind. Meine Freude, als ich hier zudem noch auf  ein Rezept für “Rashta” stieß – einen dicken Eintopf mit Fleisch, Linsen und handgemachten Nudeln, ist wohl vorstellbar.

How to cook Rishta bi AddsMeine Mutter erzählte mir zudem, dass meine Eltern – als sie dieses Jahr im Frühling in Kurdistan waren, um Newroz zu feiern – auch ein Gericht mit Nudeln und Linsen aßen. Ich finde es ist eine ungewöhnliche, aber sehr gute Kombination – und die Menschen aus dem arabischen Raum sind ja nicht die Einzigen, die hierauf kamen, ich sage nur Linsen und Spätzle – quasi das kulinarische-schwäbische Nationalheiligtum. ;)

Und jetzt – nach all dem Geschichtsunterricht, geht es zu dem Rezept für dieses wunderschöne, buttrige Wohlfühlgericht. Es ist schnell gemachtes arabisches Soulfood, bei dem man nach der letzten Gabel mit einem zufriedenen kleinen Seufzen das Besteck beiseite legt.

Butternudeln mit Linsen/Hülsenfrüchten [Rishta bi Adds] (für 2 Personen)

250 g Tagliatelle (in ca. 2,5 cm lange Stücke gebrochen)
1 Tasse getrocknete braune oder grüne Linsen (gewaschen) /Alternativ: 1 Dose Wachtelbohnen, Abtropfgewicht 400 g
2 mittlere Zwiebeln (fein gehackt)
40 g Butter
1 EL neutrales Öl
2-3 Zehen Knoblauch (grob gehackt)
1 TL frisch gemahlene, getrocknete Koriandersaat
Pfeffer, frisch gemahlen
Meersalz

Zubereitung

  • Die geputzten und fein gehackten Zwiebeln in einer kleinen Pfanne mit dem Öl golden braten.
  • Knoblauch und den gemahlenen Koriander hinzufügen und mit anbraten, bis er anfängt zu bräunen. Dann die Pfanne vom Herd nehmen.
  • Die Linsen ohne Salz in reichlich Wasser für 10 bis 15 Minuten auf mittlerer Flamme köcheln lassen, bis sie weich sind. Er jetzt salzen, sonst  bleiben sie hart.
  • Die Nudeln zu den Linsen geben , gar kochen und alles durch ein Sieb abgießen. (Werden Dosenbohnen genutzt, werden nur die Nudeln gekocht, kurz vor Ende der Garzeit die abgegossenen Wachtelbohnen zum Erwärmen dazu gegeben und dann wie im Rezept weiterverfahren.)
  • Alles wieder zurück in den Topf geben und mit den gebratenen Gewürzzwiebeln und der Butter vermengen,  bis diese geschmolzen ist.
  • Mit Pfeffer und Salz abschmecken, in einer flachen Schale anrichten und servieren. Fattoush eignet sich noch als kleine, knackige Beilage.

* Affiliate-Link zu Amazon

Anzeige:
Print Friendly

Neugieriger Blick in die Töpfe Ecuadors

Na gut. Ich habe nicht nur einen Blick darauf geworfen, sondern ein ganzes Menü probieren dürfen.* Vom 22. – 31. Mai war in Berlin Ecuadors kulinarische Woche. Das Handelsbüro der Republik Ecuador hatte mich hierzu eingeladen und neben der Befriedigung der Neugierde, war dies gleichzeitig auch noch eine schöne Möglichkeit, um Frau Küchenlatein (übrigens in einem bezaubernden Kleid anwesend, mein Kleid fand ich übrigens auch bezaubernd) und ein paar andere Leute mal wieder sehen bzw. kennenlernen zu können.

Ecuadorianisches-DinnerZur Einstimmung gab es zunächst eine längere Rede und Begrüßung durch den ecuadorianischen Botschafter Jorge Jurado – wechselnd auf Spanisch und Deutsch. Der Botschafter ging auch auf den Rechtsstreit zur Ölverschmutzung in Ecuador ein, in der Online-Version vom Spiegel gibt es dazu einen sehr ausführlichen Artikel. Nach dieser Ansprache stellte sich der ecuadorianische Koch Guillermo A. Miranda und sein Menü für den Abend vor. Das Essen fand übrigens im (eigentlich peruanischen) Restaurant Serrano in Charlottenburg statt.

Bis jetzt hatte ich mich noch nie näher mit der Küche Ecuadors auseinandergesetzt. Meine einzigen Ideen bestanden relativ unbedarft aus Mais, Kartoffeln und gegrillten Cuy (Meerschweinchen). Letztere werden bei der ländlichen Bevölkerung in Peru und Ecuador seit Jahrhunderten als günstige Nutztiere gehalten – ähnlich wie bei uns Hühner oder anderes Kleinvieh. Ich nehme aber an, dass man die europäischen Gaumen nicht zu sehr verschrecken wollte. ;) Mit Mais und Kartoffeln lag ich aber immerhin richtig, auch wenn dies nur einen kleinen Ausschnitt der kulinarischen Vielfalt ist, die Ecuador bereit hält. Das kleine Land bietet dank Küstenregionen und verschiedensten Anbauflächen im Landesinneren (Amazonas, Hochland der Anden) eine für mich erstaunliche kulinarische Bandbreite, bestehend aus Meeresfrüchten und Feldfrüchten, die sich in den Zutaten des Menüs widerspiegelte.

Essen-Ecuador(Wie meist, wenn ich unterwegs bin, gibt es nur Fotos via Mobiltelefon. Das ist einfach schneller zur Hand und passt eher in die Handtasche als die große Kamera. Eine tolle Lösung ist das bei etwas düsteren Lichtverhältnissen – wie leider nur zu deutlich sichtbar – aber nicht so…)

Menü ecuadorianisches Dinner

Aperitif: Cocktails, Bällchen aus Maniok, Plätzchen aus Kochbananen oder Empanadas

Vorspeise: Ceviche aus marinierten Garnelen, frischen Tomaten, Limetten (dass das da in meinem Glas ein riesiges Limettensegment und keine Grapefruit war, stellte ich erst fest, nachdem sie in meinem Mund war… ;)) & roten Zwiebeln mit Patacones (Scheiben von frittierten, grünen Kochbananen)

Zwischengang: Sopa de Quinoa. Kräftige Rinderbrühe mit Quinoa. (War so ein bissel Kinderheitserinnerung an Mamas Graupensuppe…)
Kleiner Hinweis, da ich persönlich mit bei der Aussprache von Quinoa immer unsicher war und deswegen nachgefragt habe: Auf Spanisch wird es “Quinoa” gesprochen, in der indigenen Sprache Kichwa wird es “Kinwah” gesprochen.

Hauptgericht: Fritada Quiteña: Gebackenes Schweinefleisch (Bauch, glaube ich – mag ich sonst gar nicht, aber der war genial), Mote (gekochte monströse Maiskörner), Andenkartoffeln und Bollo de Pescado (eine Masse aus Fisch, Erdnüssen und Kochbanane, eingewickelt in ein Bananenblatt und dann gedämpft).

Dessert: Budín de chocolate (Schokoladenkuchen) und Helado de Paila. Letzteres ist traditionelles Fruchtsorbet, das von Hand in einem in Eis gebetteteten Metallkessel gerührt wird.

Das Restaurant war knackig voll, aber es war ein wirklich schöner und interessanter Sommerabend. Für mich war es wirklich spannend die einfache und traditionelle Landesküche Ecuadors in einer angenehme Mischung aus Bodenständigkeit und Moderne  kennenzulernen und sich hindurch zu kosten. Obwohl Berlin so ein wahnsinnig toller Schmelztiegel aller Kulturen ist, sind Produkte/Gerichte aus Lateinamerika hier leider doch eher selten anzutreffen. Trotz manch ungewohnter Dinge (mit Maniok werde ich glaube ich nicht so recht warm), würde ich mich jeder Zeit wieder an einem mit lateinamerikanischen Speisen gedeckten Tisch nieder lassen. Ich habe jedenfalls schöne Neue Dinge gelernt und ich glaub, ich werde mich demnächst mal mit traditionellen lateinamerikanischen Rezepten auseinandersetzen.

*Dieses Posting ist als Werbung gekennzeichnet, da ich Produkte unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekommen habe. Ich bemühe mich dennoch immer um größtmögliche Objektivität.
Print Friendly

Cocktail: White Lady für die Gartenparty

Ich trinke ja nur relativ selten Alkohol. Wein wird bei mir beispielsweise meist nur gnadenlos – und zum Entsetzen mancher Menschen – in diversen Saucen versenkt. Aber unsere Hausbar ist irgendwie dennoch reichlich gefüllt. Der Liebste neigt zu guten schottischen Single Malts und ich bin dann doch mit einem guten Gin Tonic relativ leicht zu begeistern. Und mit Cocktails natürlich.

Cocktail White LadyVor kurzem bekam ich die Anfrage einer Agentur aus Großbritannien, ob ich bereit wäre mir die Webseite eines Kunden anzusehen und vielleicht etwas darüber schreiben würde. Angesehen habe ich sie mir und da mir die Seite gefiel und die Inhalte zum magischen Kessel passten, gibt es jetzt auch einen Artikel zu The Bar DE. Die Webseite präsentiert viele verschiedene Mixrezepte für Cocktails, teils auch mit interessanten Neuinterpretationen klassischer Rezepte. Die Werbung ist, neben der Nennung und optischen Darstellung von Markenprodukten bei den Spirituosen, angenehm unterrepräsentiert – nur stellenweise findet sich ein Button, der zum Kauf selbiger einlädt. Das irritierte mich zunächst ein wenig, bis ich weitergrub und auf den dahinterliegenden großen Konzern namens Diageo stieß, der diverse große und bekannte Marken in seinem Sortiment hat – von exzellenten Single Malts, Weinen, Wodka- und Ginsorten bis hin zu einem (leider) sehr verbreiteten blended Scotch (der ja zumindest für Mixgetränke verwendet werden kann).

Sommercocktail DelilahGemäß meiner persönlichen Präferenz habe ich mich also unter den Cocktails mit Gin umgesehen und mir ein Rezept herausgepickt. Meine Wahl fiel auf  den Cocktail “White Lady”, ein klassischer Gin Sour, erfunden um 1920 (wie immer gibt es diverse Menschen, die hier Anspruch erheben) der auch unter den Namen “Delilah” und “Chelsea Sidecar” firmiert. Letztere Bezeichnung verweist darauf, dass es sich hier eigentlich um eine Abwandlung des Brandy-Cocktails “Sidecar” handelt, der um 1907 herum auftaucht, aber wiederum eine Abwandlung des im 19.  Jahrhunderts beliebten Cocktails “Brandy Daisy” ist, der wiederum ebenfalls Ahne für den modernen “Cosmopolitan” sein soll. Ihr seht – die Genealogie von Cocktailrezepten ist im Grunde ein weites Feld für Historiker/innen, das ich hier nur sanft ankratzen kann.

Cocktailrezept Chelsea SidecarUns hat die White Lady- die optisch eher gelblich auftritt, sich unkompliziert mixen lässt und es durchaus in sich hat -  jedenfalls gut gefallen. Erfrischend, spritzig, leicht und dank zugefügtem Zucker nicht zu sauer -  passt hervorragend zum Sommer und trinkt sich fast etwas zu leicht weg. ;) Die halbe Erdbeere ist mein persönliches Zugeständnis an die Jahreszeit.

Cocktailrezept White Lady

35 ml Gin (bei mir: Bombay Saphire)
25 ml Zitronensaft (frisch gepresst)
10 ml Triple Sec (Orangenlikör)
10 ml Zuckersirup (Läuterzucker: Zucker und Wasser 1:1 kurz aufkochen, abkühlen lassen)
Erdbeere zum Dekorieren (Optional)

Zubereitung

  • Einen Cocktailshaker mit Eis füllen.
  • Alle abgemessenen Zutaten in den Shaker geben, verschließen und schütteln, bis sich die Flüssigkeit kalt anfühlt.
  • Den Cocktail durch ein Barsieb oder feines Teesieb in ein Glas geben.
  • Geputzte, halbierte Erdbeere hinterher werfen.
  • Servieren.

Cocktail DelilahWerbung/Sponsored Post

Print Friendly

Für mehr Pink auf dem Teller: Rezept für Himbeeressig

Schon im letzten Jahr hatte mich in die Vorstellung von himbeerrotem Essig umhergetrieben. Ich liebe Himbeeren einfach. Gerade frisch sind sie wahnsinnig toll. Ihr Duft – von sanft bis bezwingend intensiv – und das Gefühl, wie die zarten Früchte dieses Rosengewächses im Mund zergehen. Hach… Das ruft in mir sofort Kindheitserinnerungen an einen speziellen Sommer in Tschechien wach. Mit einer längst vergessenen blonden Sommerfreundin verbrachte ich gefühlt halbe Tage im Wald auf einer Lichtung voller wilder Himbeerbüsche.

Selbstgemachter HimbeeressigMeine ultimative Verzehrempfehlung: Himbeeren schmecken am allergenialsten, während man auf dem Rücken im hohen Gras einer Lichtung liegt, zufrieden in den blauen Sommerhimmel blinzelt und sie nach und nach kichernd von dem langen Grashalm knabbert, auf die man sie vorher gezogen hat.

Zum ersten Mal über die schöne Idee für diesen Essig gestolpert bin ich übrigens bei dem schweizerischen Blog CosyCooking. Nun verfüge ich mitten in Berlin leider nicht über weite Felder voller reifer Himbeeren, weswegen ich zu tiefgekühlten Früchten gegriffen habe, damit dann aber auch jahreszeitunabhängig bin. An der Rezeptur habe ich auch noch ein wenig herumgespielt, bis es für mich persönlich perfekt war. Übrigens: Der selbstgemachte Himbeeressig ist wegen seiner Farbe natürlich ein toller Blickfang und ein besonders schönes Geschenk aus der Küche.

Rezept für selbstgemachten HimbeeressigIch mag den milden, süß-säuerlichen Himbeeressig. Neben den anderen Essigsorten in meinem Arsenal hat er seinen kleinen Platz. Letztens bekam ich ein Fläschchen von einem teuren, handegemachten süß-milden Granatapfelessig geschenkt – der ungelogen fast genau so schmeckt. Mein Essig ist fast eher ein Himbeersirup und wunderbar himbeerig-aromatisch. Bis jetzt habe ich ihn meist in Dressings oder zum Finish auf herzhaften Gerichten eingesetzt und nur einmal auf Vanilleeis. Das werde ich diesen Sommer aber nochmals genauer Austesten. Ich denke, sogar bestimmte Getränke könnten von dem süßen Himbeeressig profitieren. Bisher habe ich die Himbeeren mit weißem Balsamico angesetzt und mit mildem italienischen Weißweinessig. Das Geschmacksergebnis deckt sich ziemlich, mit weißem Balsamico (der aber nicht unbedingt immer zu bekommen ist) finde ich es aber etwas runder. Da spielt aber auch stark meine sehr sensible Nase mit.

Und dann… dann.. bin ich mit meinem Rezept auch noch für eine  menschliche Tragödie verantwortlich. Ich habe jemanden in die Abhängigkeit getrieben. Mit Himbeeressig! (Ich wollte ihr doch nur etwas Gutes tun. Schluchz! Wer hätte das denn ahnen können?) Als ich der syrischen Lieblingsnachbarin – die übrigens eine sehr gute Köchin ist – von meinem ersten Himbeeressig-Badge pflichschuldigst-nachbarlich ein Glas gab, war mir nicht klar, was ich damit anrichte. Ich glaube, sie hat zwischenzeitlich fast alles, was in ihrer Küche nicht schnell genug fliehen konnte, damit beträufelt und gegessen (sie gesteht allerdings nur so Sachen wie Guacamole, Nudeln, Salate, Tapas… – aber ich vermute da mehr. Viel mehr…. ;)). Zu Weihnachten bestand ihr Geschenkwunsch aus “Egal. Ich will nur Himbeeressig!”.
Da seht ihr, wie es euch ergehen kann…. Deswegen behandelt das nachfolgende Rezept bitte mit angemessener Vorsicht.

Wie man Himbeeressig selber macht.Rezept für Himbeeressig
(ergibt ~ 1,8-1,9 l Essig)

1 l weißer Balsamico oder ein milder (italienischer) Weißweinessig
500g TK-Himbeeren
600 g Zucker

Zubereitung

  • Die antauenden Himbeeren in ein großes Glas geben – ein großes Einmachglas leistet hier gute Dienste – und mit einer Gabel etwas andrücken.
  • Den Essig hinfügen, umrühren und abdecken.
  • Die Himbeeren 4-5 Tage bei Zimmertemperatur durchziehen lassen.
  • Danach die Flüssigkeit durch ein engmaschiges Sieb abseihen. Himbeeren nicht durchpürieren, in Ruhe abtropfen lassen, allenfalls sanft drücken.
  • Falls doch zu viele Trübstoffe mitgekommen sind, den Himbeeressig nochmals durch ein noch feineres Sieb, ein Mulltuch oder ein anderes geeignetes Stoffstück hindurch filtern. (Ignorieren und mit den Schwebstoffen leben ist natürlich auch eine Option.)
  • Die Flüssigkeit in einen Topf geben, Zucker hinzufügen und aufkochen. Der Zucker muss sich völlig aufgelöst haben.
  • Noch heiß in ausgekochte Gläser und Flaschen abfüllen, verschließen und umgekehrt auf ein feuchtes Tuch stellen (wie beim Einkochen halt auch….), hält sich in der Vorratskammer so eigentlich bis zu einem Jahr.
Print Friendly

Es gibt Fisch, Baby!

Schon im April war ich – zusammen mit anderen Presservertreter/innen und Blogger/innen – bei dem Blogger Event der Deutsche See Fischmanufaktur* auf dem Gelände des Großmarktes hier in Berlin. Interessantes zur Geschichte des Unternehmens konnte man hier erfahren (mir war beispielsweise nicht klar, dass sie sehr stark im gastronomischen Bereich aufgestellt sind und viele Köche in Deutschland beschäftigen/schulen), wie alt dieses deutsche Traditionsunternehmen ist (existiert seit 1939) und welche Neuerungen es bei Verarbeitung und Lagerung der Produkte gibt.

Großmarkt Produktionshalle Deutsche See

Nach dem freundlichen Empfang gab es einen Rundgang durch die Produktionshalle (Ich sah aus wie eine Köchin aus der Schulkantine. Inklusive weißer Haube, blauen Schluppen über den Schuhen und aufplatztender weißer Plastikrobe, die mich – in all meiner göttinnengleichen Herrlichkeit – nicht so ganz fassen wollte. Und den Schmuck musste ich auch komplett rausnehmen. Was natürlich dazu führte, dass ich a) natürlich prompt einen Ohrstecker verlor und ältere Herren auf der Suche danach zuvorkommend vor mir auf dem Fußboden herumrobbten. Und ich b) in der Kühlhalle zwischen lauter toten Meeresbewohnern eine Art bizarren Tanz aufführte, um in diesem bestechenden Outfit ja nicht von dem offiziell bestellten Fotografen abgelichtet zu werden. So. Jetzt wisst ihr alles. Ich kann ja zu meinen Peinlichkeiten stehen. ;))

Das Schönste an dem Abend (neben dem unglaublich vorzüglichen Menü – ich schwärme immer noch von dem absolut genialen ersten Gang) war aber, dass wir mitkochen, anrichten und viel selbst ausprobieren und lernen konnten. Professionell und im Timing gut abgestimmt wurden wir angeleitet und das Kochteam bereitete im Hintergrund alles für den nächsten Gang vor. Ich kröne mich hiermit selbst zur Austern-Queen – denn ich kann die leckeren Teilchen jetzt problemlos und gänzlich ohne zersplitterte Schale im Akkord knacken. Und ich weiß jetzt auch, dass meine heftigen körperlichen Reaktionen bei meinen vorhergehenden Versuchen mit Austern wohl eher an der schlechten Qualität/Lagerung der Ware lagen… Ich hatte schon eine Allergie befürchtet, mich aber aufgrund der hohen Produktqualität bei der Deutschen See nochmals zu einem letzten tapferen Versuch hinreißen lassen.

Menü-Deutsche-See-skUnd ich habe – unter der sehr guten Anleitung von Sebastian Bruns – gelernt, wie man ganze Fische am besten filetiert. Man merkt es – ich fand den Abend wirklich schön und stimmig. Das Event toll, die Betreuung  und die vorgestellte Ware ebenfalls – so sollten Blogger Relations ruhig öfter mal ablaufen. Ich hatte ja schon im Vorfeld Produkte testen dürfen und bei meinem Rezept für gebratene Jakobsmuscheln ausführlich darüber und den neuen Lieferservice in Berlin berichtet. Ich war auch wirklich nicht unglücklich, dass wir Ware – die dekorativ den ganzen Abend lang auf Eis ausgestellt war und nicht mehr in den regulären Verkauf durfte – quasi als Doggybag in Kühltaschen mit nach Hause bekamen. So siedelte sehr köstliches Rindersteak, wundervoller geräucherter Lachs und frisches Thunfischfilet in meinen Kühlschrank über. Am nächsten Abend gab es dann spontan Essen mit lieben Freunden, für das ich vormittags schon Sushi-Reis marinierte und den Thunfisch in geriebenen Ingwer, Zitronenschale & -saft, geröstetem Sesamöl, Harissa und ein paar anderen Gewürzen badete. Geniales Sashimi – das wir wirklich sehr genossen.

Sushi-Sashimi-sk

Natürlich war es auch sehr schön bekannte und unbekannte Gesichert (wieder) zu sehen. Zum Beispiel Jan, Peggy, Smámunir und Frau Bunt. Einige haben auch über den Abend  berichtet – wer will, kann dort also noch ein paar zusätzliche Einzelheiten erfahren.

*Dieses Posting ist als Werbung gekennzeichnet, da ich Produkte unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekommen habe. Ich bemühe mich dennoch immer um größtmögliche Objektivität.
Print Friendly