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Rezensionen und Vorstellungen von Kochbüchern

Buchvorstellung “Wunderbarer Winter” #makingwinter {Werbung}

Ich schreibe ja seit über zehn Jahren regelmäßig Rezension für ein Printmagazin. Da kommen mit allerlei Bücher unter - Gute und.. mh.. naja.. manchmal weniger Gute. 😉 Aber dieses schöne Werk namens Wunderbarer Winter* von Emma Mitchell (im Original: Making Winter) wollte ich euch unbedingt auch noch hier vorstellen, weil ich mich in diesem Mix aus Handwerklichem und leckeren Dingen einfach selbst so wiederfinde.

Buchrezension "Wunderbarer Winter" (Making Winter) von Emma Mitchell

Mit Handarbeiten gegen den Winterblues

Die mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf im ländlichen England lebende Emma Mitchell ist keine Freundin der dunklen, farblosen und kalten Jahreszeit. Nach zwei rasch aufeinanderfolgenden Schicksalsschlägen entwickelte sie in der Winterzeit Depressionen und Angstzustände. In diesem Interview im Guardian spricht sie ausführlich über ihre Ängste und darüber und wie sie es schaffte diese in Schach zu halten. Das mag für viele ein etwas ungewöhnlicher Weg sein (viel andere wiederum werden instinktiv ähnliche Pfade gegangen sein), denn neben Standard- oder Lichttherapien kämpft Mitchell unter anderem mit Kreativarbeiten gegen ihre Depressionen und Angstzustände an. Im Laufe der Jahre stellte sie fest, dass das schöpferische Herstellen mit den eigenen Händen ihr in besonders trübsamen Phasen Kraft und Lebensfreude verlieh. Und dies ist der Grund, warum dieses Buch das Licht der Welt erblickte: Um anderen Menschen, mit ähnlichen psychischen Problemen, praktisches Werkzeug an die Hand zu reichen. Quasi kreatives Anarbeiten und gemütliches Genießen von köstlichen Dingen gegen depressive Verstimmungen und Winterblues.
Dass Handarbeiten – wenn sie nicht gerade in der Kindergartenbastelhölle unter Zeitdruck stattfinden – sehr entspannend und meditativ sind, muss nur den Leuten erklärt werden, die selbst (noch) nicht basteln, malen, spinnen, stricken, häkeln, sticken, gegen schwarze Wolken im Kopf mit Hefeteig ankneten oder mit Schokoplätzchen gegen das dunkle Loch, das sie zu verschlingen droht, anbacken. Mitchell sieht ihr Buch als kreativen Survival-Guide gegen die für manche eben schwer zu bewältigende, graue, alle Farben verschlingende Winterzeit. Die Waffen, die sie ihren Leser/innen hierfür an die Hand gibt, sind bunte Wollknäule und leuchtende Stoffe, goldene Herbstblätter, wunderbare und mannigfaltige Crafting-Projekte und leckere Rezepte.

Collage Wunderbarer Winter

Handgetöpferters Geschirr, Handspindel, Kaffee & Waffeln

Bastelanleitungen & Rezepte #makingwinter

Mitchell schreibt aus ihrem Herzen heraus und holt sich mit ihrem Bekenntnis zur Sehnsucht, sich zur kalten Jahreszeit nur noch einzuigeln und Kekse in sich reinzustopfen, sicher einige Sympathien (bei mir jedenfalls auf jeden Fall...), erklärt aber den therapeutischen Nutzen von Ausflügen in die Außenwelt. Ihre Anleitungen und Rezepte sind zudem gut geschrieben und oft mit Fotografien Schritt für Schritt begleitet.
Für einige Dinge benötigt man zwar besondere Produkte, die erst besorgt werden müssen – aber vieles lässt sich bei aufmerksamen Spaziergängen der Natur, dem Park in der Großstadt oder dem eigenen Garten entnehmen oder ist im Haushalt vorhanden.
Hier finden sich zum Beispiel Anleitungen dafür wie man ganz einfach bunte Blätter oder Blüten mit einer Lösung aus Glyzerin* konserviert (sehr cool - auf diese Weise kann man übrigens auch ganze Rosenblüten oder Sommerblumen konservieren), für diverse schöne Häkelprojekte (für Häkelanfänger*innen gibt es die Grundstiche als englischsprachige Anleitung auf ihrer Homepage), echte Silberanhänger (Aus Silberknete* - ich wusste gar nicht, dass so etwas existiert! Das - leider relativ teure - Zeug ist direkt auf meine persönliche Weihnachtswunschliste gewandert.), wie man ein Naturtagebuch anlegt, Kränze windet, Meisenknödel selbst macht, sich im Zeichnen übt oder hübsche Ketten herstellt. An Rezepten zum selbst verwöhnen und verschenken gibt es beispielsweise  Schlehen-Gin, schokoladigen Tassenkuchen oder Apfel-Karamell-Schnecken – zusammen mit der Empfehlung das zusammen mit Freunden zu genießen.

Handgetöpferters Geschirr, Handspindel, Kaffee & Waffeln

Für die Fotos habe ich mir einen Vormittag gegönnt, Kaffee gekocht, mir selbst eine frisch gebackene aus dem Tiefkühler befreite Waffel auf meinem selbstgetöpferten Geschirr kredenzt, Sachen in der Außenwelt gesammelt und kleine Schätze aus unserem letzten Familienurlaub zusammengetragen und zu Collagen gelegt, wie man sie auch auf dem Instagram-Account von Emma Mitchell sieht. Blätter von Ahorn, Linde und Hasel, eine olle Glasmurmel, Muscheln vom Ostseestrand, Kirschzweige, die ich mir zum Bau von Handspindeln beiseite gelegt habe, und die letzten Blaubeeren und ein paar Chilis vom Balkon fügten sich hier zusammen. Als ich zwischendrin alles los auf einem Teller zusammenkramte, sah selbst das gut aus und zierte dann die nächsten Tage als Jahreszeitenteller unseren Tisch. Selbiges mit meinen Anfang November (ja, so lange hab ich die draußen stehen) geernteten Chilis, die eine schöne Tischdeko abgaben, bevor sie zu Chilisauce eingekocht wurden.

Jahreszeitenteller Herbst

Chili-Ernte 2018

Und da ich eh schon alles an Steinchen und Muschelchen draußen liegen hatte, habe ich das Zeitfenster auch direkt dafür genutzt, eine mit unseren Urlaubsfotos bedruckte Postkarte und Sammelgut vom Strand in einem Schwebebilderrahmen* zu arrangieren und so ein greifbares Erinnerungsstückchen zu schaffen. Das war lange geplant und so kam ich endlich mal dazu.

schwebender Bilderrahmen #makingwinter

Selfcare - Pass auf dich auf!

Etwas anstrengend ist, dass einen auch hier das trendige Label "hyggelig" direkt auf dem Cover anguckt. Denn es geht nicht nur um das Klischee der skandinavischen Gemütlichkeit, es geht darum mit Kreativprojekten gegen Zeiten anzukämpfen, in denen die Depression einem schon um die Füße schwappt und droht zur großen Welle anzuwachsen, die einen verschluckt. Es geht natürlich auch um Gemütlichkeit und Geborgenheit, die man sich selbst gönnt und schenkt - aber mehr unter dem Label Selfcare als oberflächlichem Genuss. Und es kommt dem entgegen, was ich nach meiner Schwangerschaft für mich selbst erkannt habe, und was ich mir in Momenten, in denen ich wieder drohe mich komplett aufzureiben wie ein Mantra innerlich aufsage: "Achte auf dich. Sorge dich. Kümmere dich. Erlaube dir, dir etwas zu gönnen." Es wird in den seltensten Fällen jemand kommen, der diese Zeit (und oftmals sind es ja nur kostbare 5 Minuten oder so) für dich einfordert. (Ja, ich weiß - Erwachsensein ist manchmal anstrengend. ;))

Aber unabhängig davon, ob einem die dunklen Monate jetzt besonders psychisch angreifen oder nicht: Wunderbare Winterzeit ist ein sehr schönes und liebevoll erstelltes Buch, das schöpferische Herzen höher schlagen lässt. Bestimmt macht es sich auch gut als Geschenk unter dem Tannenbaum.

Wer mehr von ihren Projekten sehen will, kann ihr auf Instagram unter dem Handle @silverpebble2 folgen. Hier nahm auch alles seinen Anfang, unter dem Hashtag #makingwinter postete sie 2015 Bilder von ihrem Anarbeiten gegen den winterlichen Schwermut und rief andere auf, dies ebenso zu tun. Der Instagram-Account lag in den letzten Monaten etwas brach, was daran liegt, dass Anfang Januar in England ihr neues Buch "The Wild Remedy"* erscheint; Dieses soll wohl tagebuchartig über ihr Jahr berichten und sich, angereichert mit ihren Zeichnungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, noch intensiver auf den Zusammenhang von Depression und Naturerfahrungen konzentrieren. Wer aktuellere Einblicke in das Leben, Denken und Wirken von Emma Mitchell möchte, findet sie auf Twitter unter dem Handle @silverpebble.

Emma Mitchell
Wunderbarer Winter*
Kösel Verlag, 2018
ISBN: 978-3466347094
128 Seiten, 18 Euro

*Werbung. Affiliate-Links zu Amazon.

Lieblingstasse: Ab nach Hogwarts!

Vielleicht ist es regelmäßigen Leser*innen ja ganz dezent aufgefallen, aber ich habe einen unglaublichen Bücherhunger. Neben Sach- und Kochbüchern arbeite ich mich gerne genussvoll durch Romane, Sci-Fi und (Gute! Ist ja selten genug zu finden.) Fantasy-Bücherwelten. Natürlich wurde auch ab dem spätestens zweiten Band damals von der Potter-Manie befallen. Kein Wunder also, dass ich ab und an Harry-Potter-Devotionalien geschenkt bekomme.

Harry-Potter-Tasse in Form eines Kessels mit Hogwarts Wappen

Für Harry-Potter-Fans: Kessel-Tasse mit Hogwarts-Wappen

Gestern wurde mir diese wunderschöne Harry-Potter-Tasse in Form eines Hexenkessels* überreicht und musste direkt auf der Party noch eingeweiht werden. Wie immer, wenn ich von etwas begeistert bin, muss ich das sofort mit der Welt teilen und herumzeigen - deswegen also dieser kleine Artikel mit den Schnappschüssen vom heutigen Sonntagsfrühstückstisch. 🙂 (Unser Esstisch sieht inzwischen ziemlich schrömmelig aus, er will eigentlich dringend mal abgeschliffen und neu lackiert werden. Oder ersetzt. Aber der ideale Esstisch will mir einfach nicht begegnen..) Und so gibt es ja in der Rubrik "Lieblingstassen" endlich auch mal wieder einen neuen Eintrag.

Harry Potter Tasse magischer Kessel

Und überhaupt: Ein Harry-Potter-Magic-Cauldron-Mug, also eine Tasse, die ein magischer Kessel ist - was würde denn besser zu meinem Foodblog "Der magische Kessel" passen, mh? Die mattschwarze Tasse in Form eines Hexenkessels und mit einem edlen Golddruck des Schulwappens von Hogwarts (alle Häuser sind hier vertreten: Slytherin, Hufflepuff, Gryffindor und Ravenclaw) ist erstaunlich groß und vor allem schwer - und sie hat ordentlich Füllvermögen. Geschätzt passt da ein knapper halber Liter Tee, Kaffee oder Butterbier hinein. Auf dem Foto enthält sie gerade Yogitee "Green Chai"*, mein momentan liebster Gewürztee, versehen mit etwas Grüntee als Koffeinkick. Damit beginne ich derzeit immer meinen Tag.

Rezept aus dem Harry-Potter-Universum: Butterbier

Rezepte aus dem Harry-Potter-Universum:
Butterbier und Paczki

Die Bücher lese ich noch heute sehr gerne und sie haben mich auch schon rezepttechnisch inspiriert. Auf meinem Zweit-Foodblog Lesehunger, wo ich Bücher vorstelle und Gerichte daraus nachempfinde, findet ihr auch zwei Rezepte aus dem Harry-Potter-Universum: Zum einen meine Version von Butterbier (die, wie ich finde, näher als jedes andere verfügbare Rezept an die Beschreibungen im Buch herankommt). Zum anderen findet ihr dort auch mein Rezept für Paczki /Berliner Pfannkuchen, das durch das Buch und den Film "Fantastische Tierwesen und wo man sie finden kann" inspiriert wurde.

Rezept aus dem Harry-Potter-Universum: Paczki /Berliner Pfannkuchen aus dem Ofen nach dem Buch

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Buchvorstellung: Indisch vegetarisch von Meera Sodha

Vor einiger Zeit habe ich ja schon das erste Kochbuch "Original indisch" von Meera Sodha vorgestellt. Das letztens erst hier veröffentlichte Rezept für Coconut Cardamom Burfi / Kokoskonfekt stammt zum Beispiel aus diesem Rezeptbuch.
Im letztens Jahr erschien dann "Indisch vegetarisch"* in der deutschen Übersetzung. Für mich hält das Buch, was man sich nach dem ersten Kochbuch der britischen Foodbloggerin erhofft hat: Vegetarische Köstlichkeiten, die auch für europäische Hände geeignet sind und so wunderbar modernisiert und ins Jetzt geholt sind, dass man nicht erst zig Pasten zum Kochen eines Gerichts herstellen oder ausgefallenste indische Zutaten erjagen muss, sondern fast immer direkt drauf los kochen kann. Zutaten wie verschiedene Linsensorten, Koriandergrün, Minze, Gewürze, Ingwer, Chilis und Limetten sind ja heutzutage in fast jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich. Da muss man sowieso hin, um das ganze leckere Gemüse für die Gerichte einzukaufen. 🙂 Was mir aber gerade erst auffällt: Das "schnell" im Untertitel widerstrebt mir ein wenig. Es ist indische Hausmannskost und für die steht man/frau/eins - genau wie für traditionelle deutsche Rezepte - halt 45 Minuten bis bis anderthalb Stündchen in der Küche. Kartoffeln schälen und kochen und nebenbei Gemüse schnibbeln und anbraten braucht halt Zeit - egal ob auf deutsch oder indisch.

Kochbuchrezension: Indisch vegetarisch von Meera Sodha

Köstliche Gemüseküche: Vegetarische indische Rezepte

Meera Sodhas Familie lebt schon lange in England, stammt aber ursprünglich aus dem Bundesstaat Gujarat in Indien, der für seine vegetarische Küche bekannt ist. Viele der traditionellen und über Jahrzehnte erprobten Familienrezepte finden sich hier wieder, andere wiederum sammelte sie auf ihren Reisen durch Indien ein.
Frisches Gemüse und – na klar, schließlich ist es ein indisches Kochbuch, da dürfen sie nicht fehlen – die verschiedensten Hülsenfrüchte dominieren die vielseitigen gezeigten Speisen. Insgesamt sind es 130 Rezepte, aufgeteilt auf 12 Kapitel (Rezeptkategorien: Vorspeisen & Snacks, Wurzeln, Kürbisse & Verwandtschaft, Grandioses Grün, Auberginen, Salate, Eier & Käse, Hülsenfrüchte, Reis, Brot, Pickles, Chutneys & Raitas, Desserts, Drinks). Die Rezepte zeigen den Reichtum und die farbenprächtige Vielfalt der indischen Gemüseküche - von Shami Kebaps aus roter Bete und Paneer (indischer Käse), Samosas  (gefüllte Teigtaschen) mit Erbsen und Minze über Auberginen-Omelette (Humayuns Auberginen-Kuku - einfach total lecker) bis hin zu Erdbeer-Kardamom-Lassi.

strawberry Lassi
Viele der vorgestellten indischen Gerichte sind auch ganz traditionell gluten-, laktosefrei oder gänzlich vegan. Sehr praktisch, dass man dies anhand kleiner Symbole unter jedem Rezepttext sofort ablesen kann. Ganz nebenbei eingestreut erzählt Meera Sodha über indische Ess- und Lebensgewohnheiten. Abgerundet wird das Kochbuch durch Menüvorschläge, sehr schön ist auch wieder das alternative Inhaltsverzeichnis, geordnet nach Gesichtspunkten wie dass die Rezepte anfängergeeignet sind, die Zutaten aus dem Vorratsschrank stammen oder für Lunchpakete oder zum Verarbeiten von größeren Mengen Gemüse (Erntezeit!) geeignet sind.

Kochbuch "Indisch vegetarisch" von Meera Sodha

Mein Fazit zum Buch? Ich finde, es ist eines der schönsten indischen, vegetarischen Kochbücher der letzten Zeit.  Und überhaupt - jetzt wo ich es nochmals bewusst durchblättere: Ich sollte wirklich öfter hieraus kochen! Die Rezepte lesen sich so wunderbar, und sehen auf den Bildern so schön aus, dass man am liebsten sofort eine große Tafel, sich biegend unter all diesen verlockenden Gerichten, vor sich hätte. Das schafft auch nicht unbedingt jede Rezeptsammlung.

Wer mehr zu der Autorin erfahren möchte, wird auf ihrer Webseite fündig. Ursprünglich war sie ja Bloggerin, ich habe den Eindruck, dass sich der Schwerpunkt etwas verlagert und damit auch die Webseite verändert hat. Es sind aber immer noch einige leckere Rezepte gelistet, die ihr auch ohne Kochbuchkauf ausprobieren könnt.

Meera Sodha
Indisch vegetarisch*
Dorling Kindersley, 2017
ISBN: 978-3831032372
304 Seiten, 24,95 Euro

* Afiliate-Link zu Amazon. Bei einem Einkauf über diesen Link erhalte ich eine Provision. Danke! 🙂

Kochbuch: Original Indisch von Meera Sodha

Kurz vor meinem Geburtstag gibt es mal wieder einen kleinen Blick in mein Kochbuchregal. Sonst hibbel ich immer ein gaaanz klein wenig meinem Geburtstag entgegen, in diesem Jahr - hätte ich nicht schon die Geburtstagsparty fest im Kalender stehen - hätte ich ihn wahrscheinlich fast vergessen. Mit Kind ist irgendwie immer was los und andere Alltagsdinge stehen mehr im Fokus: Zum Beispiel, dass ich bald ein Kindergartenkind haben werde. Puh... ein Meilenstein, der stolz und wehmütig gleichzeitig macht.  Anyway - da das Kind ja schon so schön mit isst und auch vor indischer Küche nicht halt macht, geht's hiermit zur Buchvorstellung. 🙂

Original_indisch-dorlingkindersley

Kochbuch "Original indisch" von Meera Sodha

Wenn schon Yotam Ottolenghi – quasi der israelisch-britische Godfather of Kochbuch – das Buch "Original indisch"* von Meera Sodha als "bezaubernd, persönlich und voller Liebe und Knoblauch" anpreist, muss man einfach einen Blick in dieses allein schon optisch wundervoll aufgemachte, gebundene indische Kochbuch hineinwerfen. Verfasst ist es von Meera Sodha, die Enkelin indischer Einwanderer lebt in London und betreibt ihr eigenes Foodblog. Anfang diesen Jahres Jahres ist gerade ihr zweites Buch ("Indisch vegetarisch"*) erschienen.

Die Ausrichtung der Rezepte orientiert sich an der klassischen indischen Küche, was sich auch in der Inhaltsangabe niederschlägt. Neben einer ausführlichen Einleitung und Einführung findet man hier unter anderem die Einteilung nach Vorspeisen, Snacks, Beilagen, Desserts, Drinks und die Sortierung der Speisen nach Fleisch, Fisch, Eiern, Hülsenfrüchten, Chutneys und Pickles. Sehr hübsch ist das zusätzliche Kapitel zum Selbermachen von Panir (Käse), Ghee (geklärter Butter) und der Weiterverwendung von Essensresten – aus übriggebliebenem Reis lässt sich zum Beispiel laut Meera köstliches Fladenbrot zaubern. Sehr gut ist auch das kleine Troubleshooting ("Hilfe. Meine Chapatis sind nicht weich genug"), das sich neben einer ausführlichen Vorstellung der Zutaten am Ende des Buches befindet. Eine wirklich nette Idee ist zudem das alternative Inhaltsverzeichnis, geordnet nach Rezepten für Anfänger, Partygerichten, Kochdauer, und sogar nach Gesichtspunkten wie fettarm, einfriergeeignet, vegan, laktose- oder glutenfrei.

Lamm Burger aus "Original indisch" von Meera Sodha

Echt indische Hausmannskost

Samosas, diverse Currys (mit Fisch, Fleisch oder Gemüse) oder Gerichte wie Teigbällchen mit Erbsen-Zimt-Füllung, bengalische Fischstäbchen, Sardinen mit Koriander und Kreuzkümmelfüllung, Gedämpfter Butterreis mit Dill, Raita mit Minze, Lamm-Burger, gebackener Blumenkohl mit Kreuzkümmel, Kurkuma und Zitrone oder gar Chai-Schokopudding machen – zusammen mit den großformatigen Fotos wirklich Appetit und Lust sofort zwecks Nachkochaktionen die Vorratskammer zur stürmen. Die Rezepte entstammen der indischen Familienküche – mit stark traditionellen Anteilen, aber schon modernisiert und so alltagstauglich, dass Europäer*innen mit ihnen keine Probleme haben und nicht im Vorfeld zum Kochen erst zig Spezialpasten herstellen müssen.

Was für mich persönlich etwas anstrengend ist, sind die Überschriften über den Gerichten: Ganz oft steht hier die Bezeichnung in Originalsprache mit dabei (sehr gut!) – manchmal allerdings eben nicht, mal ist die Übersetzung groß abgedruckt, dann wieder die Originalbezeichnung, dann findet sich wieder im Begleittext die Herleitung. Eine Kleinigkeit, die schlicht ein wenig irritiert. (Ich bin da gebranntes Kind und persönlich schlicht maximal genervt, wenn ich nicht weiß, wie ein Rezept in der Landessprache nun bezeichnet wird. Denn wenn ich koche, reise ich ja gedanklich schon irgendwie in das Land. Besonders schlimm ist sowas in orientalischen Kochbüchern, wo man nur so kolonial-fantastend-deutsche Fantasienamen à la "Sultan Alis Leibspeise" vorfindet. Aber das nur zur Erklärung, warum ich da sehr subjektiv und so empfindlich darauf reagiere. Und das ist natürlich kein Vergleich zu "Original Indisch".) Ausprobiert haben wir die Lamm-Burger – allerdings nicht im Burgerbrötchen, das steht noch an, sondern geformt wie Kebaps und begleitet von frisch gebackenem Naan und einem frischen Joghurt-Dip. Ebenfalls ausgetestet und schon mehrfach hergestellt habe ich das Kokos-Burfi (Toprak pak). Kleine Kokospralinen mit Kardamom, die supertoll und schnell zu machen sind und sich auch gut als essbares Mitbringsel eignen. Das Rezept werde ich auch nochmal extra im Blog vorstellen. Dann auch mit besseren Bildern als hier in den Handyschnappschüssen zu sehen.

Lamm Burger und Kokospralinen aus "Original indisch" von Meera Sodha

Und ja, der gute Yotam hat durchaus recht: Hier hält man ein wunderbar geschriebenes indisches Kochbuch in den Händen. Ohne steif oder zu kompliziert zu werden, nimmt einen Meera mit in ihre Küche. Sie schreibt angenehm leicht, mit Witz und Charme, hier fühlt man sich direkt wohl und das Buch ist so aufgebaut, dass es auch Menschen auf eine lukullische Reise in die entferntesten Zonen ihrer Küche mit nimmt, die noch keinen größeren Kontakt zur indischen Kochwelt hatten. Sehr empfehlenswert und für Anfänger*innen und Indienfans gleichermaßen geeignet.

Meera Sodha
Orginial indisch*
Dorling Kindersley, 2015
ISBN: 978-3831027842
312 Seiten, 19,95 Euro

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Lesehungrig? – Immer doch!

Ihr Lieben,
zückt die Gabeln, wetzt die Messer und staubt die Lieblingsbücher im Regal ab, denn es wird wieder fantastisch: Der bibliophile Dauerevent Lesehungrig! startet wieder! <3

Bücherliebendes Blogevent Lesehungrig!

Nach einem Jahr Babypause, vielen Nachfragen und einer Zusammenfassung, die ich euch natürlich noch schulde, darf Lesehungrig! No. 10 in diesem Quartal endlich wieder stattfinden. Ich freue mich auf viele kreative, köstliche und fantastische Ideen und Umsetzungen von Literatur von euch - und natürlich auf das Kennenlernen von vielen neuen und spannenden Büchern.


Lest und dann kocht darüber!

Wie oft ist es euch geschehen, dass ihr eine Szene in einem geliebten Buch gelesen habt und direkt dort wart? Greift ein Rezept aus einem literarischen Werk auf, gießt ein Gedicht in die Form eines Menüs, esst und trinkt, was eure Heldin genießt, wandelt eine ganze Szene in einen Happen - und dann schreibt darüber und teilt dies mit uns. Seid lesehungrig!

Hier findet ihr genauere Infos zum geistig-köstlichen Dauerevent der bibliophilen Natur gibt es hier. Und wer Bedenken wegen Zitaten hat, dem sei dieser Artikel der Rechtsanwaltskanzlei Schwenke ganz innig ans Herz gelegt.
Wie im verlinkten Orga-Artikel erklärt, könnt ihr mir eure Teilnahmebeiträge ganz einfach per Mail schicken. Wer sich lieber in sozialen Netzwerken organisiert, für den/die habe ich einen Event auf Facebook erstellt.