Geschenke aus der Küche

Rezept für Honiglebkuchen – geeignet für Pfefferkuchenhäuser

Ja, ich weiß. Wir haben Januar. Das Jahr hat gerade erst begonnen und ich veröffentliche ein Rezept für Honiglebkuchen? Hab ich einen ander Waf.. äh.. am Lebkuchen?

 

Rezept für selbstgebackene Honiglebkuchen - auch geeignet für Pfefferkuchenhäuser

 

Lebkuchen für das ganze Jahr

Die Antwort ist "Nö!". 😄 Ich bin in den letzten Jahren job- und kindbedingt immer so spät dran, dass ich immer erst kurz vor knapp Neues ausprobiere (Lies: kurz vor Weihnachten). Da fehlt es dann an der Zeit, um die Beiträge umzusetzen. Jetzt habe ich aber Bilder, das Backen noch frisch im Kopf und die Zeit zum Schreiben. Also gibt es eben jetzt Lebkuchen.
(Die brav vorausplanende/n Foodblogger*innen bereiten sowas meist sowieso schon im Sommer vor, um im Herbst dann mit den neuen Winterrezepten in den Startlöchern zu stehen. Ich ziehe das Backen halt nur um eine winzige Kleinigkeit vor. 😅 )

 

Selbstgebackene Pfefferkuchen mit Zuckerguss, Zuckerperlen und kleinen Delfinen aus ZuckerDunkeltürkises, handgetöpfertes Keramiktablett, darauf ein Blumenförmig ausgestochener Lebkuchen mit Zuckerguss, Zuckerperlen und kleinen Delfinen aus Zucker

 

Außerdem mögen reich geschmückte Lebkuchenhäuschen und Pfefferkuchen zwar  traditionelles Weihnachtsgebäck sein - sie gehören zu den sogenannten "Braunen Lebkuchen", die sich durch eine besonders lange Halt- und Lagerbarkeit hervor tun - in unterschiedlichsten Variationen und Härtegraden sind sie allerdings ein ebenso traditionelles Ganzjahresgebäck, was nur ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Überbleibsel hiervon sehen wir heutzutage noch auf Jahrmärkten oder beispielsweise auch dem Oktoberfest, wo man bunt bezuckerte Lebkuchenherzen oder andere Pfefferkuchengebilde erwerben kann. Oder denkt mal an Rheinischen Sauerbraten - mit Lebkuchen als Saucenzutat oder an schwedische und britische Pfefferkuchenvarianten wie Ingwerplätzchen/Gingersnaps, die dort auch traditionell während des Jahres und nicht nur zu Weihnachten weggeknuspert werden. Und last but not least: Seht doch einfach auf diese herzallerliebsten und total unweihnachtlichen Delfin-Zuckerstreusel*, die für den dank Pandemie ausgefallenen Kindergeburtstag im letztens Jahr erworben wurden und endlich Verwendung fanden.
Ich bin also zwar antizyklisch zur Weihnachtsbäckerei unterwegs, aber keineswegs grundlegend falsch. 😁

 

PfefferkuchenSelbstgebackene Lebkuchen

 

Honiglebkuchen mit Backpulver - geeignet für Lebkuchenhäuser

Aber erst einmal habe ich gesucht. Und gesucht. Und noch mehr gesucht. Denn ich wollte keine Pfefferkuchen mit Hirschhornsalztralala oder Pottaschegedöns backen. Beides habe ich schon in früheren Jahren genutzt und beides schmeckt man meines Erachtens zu sehr heraus, bzw. gefiel mir nicht. Ich wollte Backpulver! Irgendwann verfiel ich dann endlich auf den Gedanken in meinem liebsten Backbuch "Backen mit Lust und Liebe"*, das als Kind quasi meine Backbibel war, nachzusehen und wurde nicht enttäuscht. Das Lustige war, dass - als ich dann das Tütchen mit dem Lebkuchengewürz zur Hand nahm - auf der Rückseite fast das gleiche Rezept (nur mit Roggen- statt Weizenmehl) aufgedruckt war.

Falls ihr hiermit ein Lebkuchenhaus backen wollt, verdoppelt sicherheitshalber die Teigmenge, so habt ihr genug Teile, um bequem alle Elemente fürs Haus auszuschneiden oder auszustechen - samt Backup-Wänden. Aus dem überzähligen Teig erhaltet ihr dann zusätzlich noch ein bis zwei Bleche voller kleiner Lebkuchen zum Verzieren - in Geschenkbeuteln machen sie sich äußerst hübsch!

Aber Achtung! Die Lebkuchen nach diesem Rezept gehen beim Backen auf - müssen also mit Platz aufs Blech gelegt werden -  und werden nach dem Abkühlen hart. Wir mochten das sehr, ich nehme an, dass sich dies daraus ergibt, dass hier kein Fett zugegeben wird und der Honig karamellisiert.
Ich habe übrigens nicht selbst eine Vorlage erstellt und dementsprechend zugeschnitten, wie meine Mama damals, sondern mir recht günstig so ein Ausstechset für ein Pfefferkuchenhaus* bestellt - was auch sehr gut funktioniert hat. Die einzelnen Lebkuchen zum späteren Verzieren habe ich mit einem solchen Plätzchenausstecher* ausgestochen. Aber natürlich funktioniert hier einfach all das, was ihr schön findet und praktikabel findet. Meine überzähligen Hausplatten habe ich nach dem Abkühlen übrigens in 2 cm breite Streifen geschnitten und zum Kaffee genossen - obwohl nicht zwei mal gebacken, erinnerte mich das Gebäck durch Optik und Haptik etwas an Cantuccini.

 

Selbstgemachtes Pfefferkuchenhaus aus Honiglebkuchen

 

Rezept für Honiglebkuchen

400 g Mehl
125 g Honig
125 g Zucker
2 Eier
2,5 TL Backpulver (1 Tütchen)
2 EL Lebkuchengewürz*

Zur Verzierung: Puderzucker, Zitronensaft, Zuckerperlen*

Zubereitung

  • Den Honig in einem kleinen Topf bei geringer Hitze flüssig werden lassen. Den Zucker einrühren und die Masse abkühlen lassen.

 

  • Ist die Honigmasse kühl genug, nach und nach die Eier einarbeiten.

 

  • Mehl, Backpulver und Lebkuchengewürz in einer Schlüssel miteinander vermischen.

 

  • Nach und nach die Mehlmischung in die Honigmasse einrühren/einkneten. Das geht mit einer Küchenmaschine oder einem Handrührgerät sehr gut. Notfalls auch mit einem Löffel - die Masse ist sehr klebrig. (Und ich persönlich war an diesem Punkt sehr skeptisch, wie dieser Teig je zu Lebkuchen werden soll. 😅)

 

  • Den fertigen Teig bei Zimmertemperatur eine Stunde lang ruhen lassen. Er geht dadurch ganz leicht auf und verliert die massive Klebrigkeit, so dass er ausrollbar ist.

 

  • Den Teig kurz mit bemehlten Händen duchkneten und auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche 0,5 cm dick ausrollen und große Plätzchen ausstechen.

 

  • Die ausgestochenen Honiglebkuchen mit gutem Abstand aufs Blech legen - sie gehen beim Backen noch auf.

 

  • Bei 175 °C (Umluft, mittlere Schiene) für 10-12 Minuten backen. Größere Elemente für ein Lebkuchenhaus 1-2 Minuten länger.

 

  • Nach dem Herausnehmen aus dem Ofen auf dem Blech auskühlen lassen. Die Lebkuchen werden nach dem Abkühlen hart.

 

  • 100 g Puderzucker in eine kleine Schüssel geben, mit etwas Zitronensaft (mit ein paar Tropfen beginnen und langsam steigern, der Puderzucker fällt stark zusammen) zu einem dicken Zuckerguss anrühren.

 

  • Zuckerguss nun mit einem Löffel, Pinsel oder Spritzbeutel auftragen (Ich habe diesmal zum ersten Mal zum Auftragen so eine Saucenflasche* genutzt und war mit dem Handling sehr zufrieden.) und über einer Schüssel mit einem Löffel die Zuckerperlen darüber riesen lassen. So kann man Herunterfallende auffangen und weiter nutzen.

 

  • Zuckerguss erhärten lassen und die Honiglebkuchen dann in festschließenden Dosen verwahren.

 

Honiglebkuchen, dekoriert mit Zuckerguss und Zuckerperlen

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Anleitung für Marshmallow-Schneemann und -Schneeflocken

Achja.. Januar. Es schneegrieselt trüb vor sich hin im matschigen Berliner Winter. Die Pandemie ist - trotz ersehntem Jahreswechsel - leider immer noch da. Aber ich habe etwas Hübsches und Sinnfreies zur Aufmunterung für euch: Schneemann- und Schneeflocken-Marshmallows, die einfach so, zum Genießen und Gute-Laune-Haben, über die Oberfläche eures heißen Kakaos gleiten. Perfekt für die Winterzeit!

 

Anleitung/Rezept für Marshmallow-Schneemänner und -Schneeflöckchen

 

Rezept für Marshmallow-Schneemann & Schneeflocken

Ich musste ja erst über 40 Jahre alt werden und ein Kindergartenkind mein eigen nennen, damit ich die Göttlichkeit von Marshmallows auf heißem Kakao fahren durfte. Zu Schaumzucker bzw. Mäusespeck hatte ich vorher keinerlei Beziehung. Weil - naja. Zucker halt. Aber im schmelzenden  Zustand auf Kakao hat man das Gefühl, flutschige kleine Zuckerwattewölkchen mit Schokoladenzusatz zu trinken. So stelle ich mir Einhornnahrung vor. 😅

Falls ihr nicht auf fertigen Kakao zurückgreifen, sondern selbst Hand anlegen wollt, habe ich hier drei Kakao/Trinkschokoladenrezepte für euch - ein weiteres (für Instankakao) ist in der Pipeline:

  • Rezept für selbstgemischtges Kakaopulver - das lässt sich in einem hübschen Glas auch toll verschenken.
  • Rezept für Trinkschokolade am Stiel - ebenfalls ein tolles Geschenk aus der Küche
  • Und Trinkschokolade Aztec Choc - das Rezept stammt noch aus meinen Bloganfängen und verlangt nach etwas Chili in der heißen Schokolade.

 

Anleitung/Rezept für Marshmallow-Schneemänner und -Schneeflöckchen

 

Anleitung/Rezept für ein Schneemanngesicht und Schneekristalle aus Marshmallows

 

Eigentlich kann man das Ganze auch kaum Rezept nennen, denn es ist mehr eine Bastelanleitung. Zum Einsatz kommen normal große Marshmallows*, die halbiert werden, so dass diese dann als kleine Inseln im Kakao schweben, statt längs darin zu lagern.  Mini-Marshmallows sind aufgrund ihrer Winzigkeit allerdings ungeeignet. Die supergroßen Mega-Marshmallows* müssten hingegen funktionieren, dann passt aber nur ein süßes Teilchen in die Tasse und nicht zwei oder drei.

Was toll ist:  Hier muss auch nicht groß mit geschmolzener Schokolade und Spritzbeuteln hantiert werden, denn ich verwende einfach essbare Filzstifte* (ja, das ist auch für mich eine Neuentdeckung), die relativ günstig sind und mit denen sich erstaunlich gut auf  diesem Zuckerwerk tupf-zeichnen lässt. Da haben sicher auch Kinder ihren Spaß dran.

Die fertig bemalten Marshmallows habe ich danach in einem gut schließenden Vorratsbehälter trocken gelagert - so hielten sie sich bei uns über eine Woche - danach waren sie restlos aufgefuttert.

--> Tipp: Hübsch verpackt in ein Celophantütchen und mit schöner Schleife dran, sind solche individualisierten Marshmallows auch ein schönes essbares Geschenk (zum Beispiel zusammen mit einem Glas selbstgemischem Kakao). Und warum auf Schneeflöckchen und Schneemänner beschränken? In unseren Kakaobechern schwammen auch schon liebevoll aufgemalte rote Herzen und andere Sachen - lasst eure Fantasie spielen. 😀

 

Wie macht man Marshmallow-Schneemänner und -Schneeflocken?

 

Anleitung für Marshmallow-Schneemann und -Schneeflocken

Marshmallow (normal große oder Riesenmarshmallows)
Puderzucker
kleine Schale
scharfes Messer
essbare Farbstifte*
Schneidebrett

Zubereitung

  • Mit dem Messer auf einem Brettchen die Marshmallows* quer halbieren, so dass man nicht länger eine Walze, sondern zwei dicke  Marshmallow-Scheiben hat.

 

  • Ungefähr 2 EL Puderzucker in ein Schälchen geben und die Scheiben vorsichtig mit der klebrigen Schnittfläche hineindrücken.

 

  • Darauf achten, dass die gesamte Schnittfläche gut erneut mit Puderzucker "versiegelt" ist und überschüssigen Puderzucker sanft abklopfen. Das geht auch ganz gut, indem man mit einem Finger leicht darüber streicht. Ein trockener Backpinsel funktioniert sicherlich auch.

 

  • Die Marshmallow-Scheiben nun mit den frisch bepuderzuckerten Schnittkanten nach unten auf ein Brett setzen und die Oberseite nach Wunsch bemalen (siehe Bilder). Ein Schneemanngesicht lässt sich ganz leicht mit ein paar schwarzen Tupfen und einer karottenorangen Nase herbeizaubern. Ein Schneekristall ist leicht mit ein paar Strichen und Punkten angedeutet.

 

  • In eine luftdicht verschlossene Dose geben. Trocken und nicht zu warm lagern.

 

 

Anleitung/Rezept für Marshmallow-Schneemänner und -Schneeflöckchen

 

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[Werbung] Mein 1. Kochbuch ist jetzt im Print bestellbar!

Hey, ihr Lieben.

Mein 1. Buch "33 süße Rezepte aus der Vorratskammer" ist jetzt überall auch als Printbuch bestellbar!

Shermin Arif
33 süße Rezepte aus der Vorratskammer
ISBN: 9783752606102
BoD, 2020
96 Seiten, 12 €

Kochbuch zum Wohlfühlen in Krisenzeiten

Inhalt: Inspiriert vom quasi-Lockdown und den Einschränkungen Anfang des Jahres, findet ihr hier 33 einfache und günstige, süße Wohlfühlrezepte von traditionell bis vegan. Die Auswahl erstreckt sich von Keksen & Konfekt bis hin zu Kuchen, Gewürzen, Getränken und kulinarischen Geschenken. Ohne fancy Zutaten. Meine Superfoods sind Mehl, Butter/Öl, Kakao und Zucker. 😋

Bestellt es, teilt es und erzählt vielleicht dem/der Buchhändler*in des Vertrauens davon? Vielleicht bestellen die es auch zur Auslage im Laden? Ich arbeite ohne Verlag, habe alles selbstgemacht & bin im Marketing ne Niete. 😅

Bezogen werden kann es ohne Versandkosten auch direkt bei BoD* (da funktioniert auch die Vorschau). Bei Amazon ist mein Buch* natürlich ebenfalls verfügbar (auch ohne Versandkosten - klickt bei "Taschenbuch" auf "2 Neu", dann bekommt ihr es angezeigt), da ist nur die Vorschau noch fehlerhaft.

Falls ihr ein Buch mit Widmung möchtet, meldet euch bitte bei mir via Mail. Das Buch kann auch bei mir kontaktlos in Berlin Friedrichshain abholt werden, wird aber in den nächsten Wochen auch in zwei Verkaufsstellen - eine davon in Mitte - ausliegen.

Falls ihr Journalist*innen oder Blogger*innen seid: Ihr könnt direkt beim Verlag ein Rezensionsexemplar bestellen. Ich freu mich!

Liebe Grüße

Shermin

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Atraf al-tib – eine Gewürzmischung aus dem arabischen Mittelalter

Ich liebe Kräuter und Gewürzmischungen. Meine Hexenküche ist vollgepackt mit den verschiedensten Dosen, Gläschen und Verpackungen - randvoll gefüllt mit wundervollen exotischen Kräutlein und Gewürzen, die nur darauf warten, dass ich sie ihre Magie wirken lasse.

 

Atraf al-tib - eine Gewürzmischung aus dem syrischen Kochbuch "Scents and Flavors" aus dem 13. Jahrhundert

 

Versteht mich aber nicht falsch: Ich liebe simple, erdgebundene Gerichte, die nicht zu überladen daher kommen. Aber hier schon länger Mitlesenden wird aufgefallen sein, dass ich gerne meine eigenen Gewürzmischungen anfertige und beim Kochen darauf zurückgreife.

Ein Foodblog über Essensarchäologie...

Am Wochenende habe ich es endlich geschafft, mein neues Foodblog "Theophanu's Cauldron" mit dem Schwerpunkt historische Nahrung online zu stellen. Und - nicht lachen - ich blogge dort in englischer Sprache. Mal sehen, wie ich es langfristig handhabe, vereinzelt werde ich zumindest versuchen hier die deutschsprachige Version einzusetzen.
Für meinen ersten Artikel habe ich eine wunderbare Gewürzmischung aus dem syrischen Kochbuch "Scents and Flavors"* ("Al-Wusla ila 'l-Habeeb") ausgewählt, welches aus dem 13. Jahrhundert stammt. Ich nutze eine englische Ausgabe in der Übersetzung von Charles Perry, der eigentliche Autor des Werkes ist leider unbekannt. Da ich momentan vorrangig mit "Scents and Flavors" und einem anderen arabischen Kochbuch des 13. Jahrhunderts, dem "Kitâb al Tabîkh" (The Book of Dishes) von Al Baghdadi (als "A Baghdad Cookery Book"* ebenfalls in der Übersetzung von Charles Perry) arbeite, werdet ihr dem Namen noch öfter begegnen. Ich fangirle eher ungerne, das führt meist zu eher ernüchternden Ergebnissen. Aber Perry ist schlicht eine Koryphäe auf seinem Gebiet - er ist zum Beispiel auch beim legendären Oxford Symposium on Food and Cookery sehr aktiv.

 

Atraf al-tib - eine Gewürzmischung aus dem syrischen Kochbuch "Scents and Flavors" aus dem 13. Jahrhundert

 

Rezept für arabische Gewürzmischung aus dem Mittelalter

Verlässt man die eurozentrische Sichtweise, dass es im 13. Jahrhundert ja noch keine Kochbücher gegeben hat und sieht sich die arabische Lebenswelt an, stellt man rasch fest, dass es a) in diesem Zeitraum etliche Werke gibt b) es sogar noch deutlich jüngere Kochbücher gibt und c) hierauf durchaus auch europäische Werke aufbauen. Ein Beispiel hierfür wäre das "Púch von den chósten" ("Speisen auf Reisen"*) ein deutsches Kochbuch bzw. ein medizinisch-diätische Textsammlung aus dem 15. Jahrhundert, die wiederum auf der Übersetzung eines italienischen Medicus aus dem 13. Jahrhundert fußt, dessen Manuskript wiederum auf dem Arzneibuch "Minhaj al-bayan" aus dem 11. Jahrhundert basiert. Verfasst wurde das Minhaj von dem Baghdader Arzt Abu 'Ali Yahya ibn 'Isa b. Jazlah al-Baghdadi aka Ben Gesla (der Link führt zu einem Verkauf eines Buchexemplares bei Southebys und enthält eine Menge an Informationen zum Autor. Leider gibt es ja keinen Wikipedia-Eintrag in einer europäischen Sprache. Ich scheitere da leider an der Sprachbarriere).

Aber ich schweife ab.. Widmet man sich also diesen Kochbüchern, speziell dem Scents and Flavors, stolpert man da des öfteren über eine Würzung namens "mixed spices". So ominöse Angaben sind in mittelalterlichen Kochbüchern nicht ungewöhnlich, die Autor*innen gehen vom Wissensstand der Zeit aus. In diesem Moment weiß man halt, was da so regulär rein wandert. Kann ja keiner ahnen, dass wir uns da Jahrhunderte später nen Kopp drum machen. 😅 Erst dachte ich, dass ich hier vielleicht die Mischung für ein Kräutersalz nehmen kann, dass ich in Anlehnung an ein Rezept aus dem Kitâb al Tabîkh zusammengestellt hatte. Im Glossar stieß ich dann aber auf diese Anmerkung Perrys:

mixed spices: a spice mixture which probably varied by time and place. The name atraf al-tib, 'sides of scent', referred to the paper packets in which the spices were sold in markets. [...] " (Scents and Flavors, p. 155, glossary: mixed spices)

"Gemischte Gewürze: Eine Gewürzmischung, die wahrscheinlich je nach Zeitperiode und Ort variierte. Der Name Atraf al-Tib (Seiten des Dufts /duftende Seiten /Seiten des Wohlgeruchs?) bezieht sich auf die Papierpäckchen, in welchen die Gewürze auf den Märkten verkauft wurden. [...]" (Scents and Flavors, p. 155, glossary: mixed spices)

Er weist dann darauf hin, dass der unbekannte Autor tatsächlich zwei Fassungen dieser Gewürzmischung in seinem umfassenden Kochbuch festgehalten hat, weil sie so oft zum Einsatz kommt. Eine Version (chapter 4.4.) ist sehr reichhaltig und mehr eine Aufzählung mit vielen kostbaren Zutaten. Die andere (c. 2.14) ist zurückhaltender und Bestandteil eines (Heil-)Getränks. Perry kommt deswegen zu dem Schluss, das die Basisingredienzien sich wohl auf Ingwer, Kardamom und ein paar Nelken beschränken. Der unbekannte Autor setzt die Gewürzmischung übrigens vielfältig ein: in süßen Getränken (beispielsweise bei der zur Zubereitung des Heil- und Stärkungsmittels Oxymel) aber auch in herzhaften Gerichten wie Fleischbällchen aus Hühnerfleisch (c. 5.17), einem Rezept für persische Rübchen (c. 8.11) oder frittierten Gurken (c. 8.81).

Er benennt hierfür verschiedene Gewürze, wie Indische Narde, Betelnuss, Lorbeerblätter, Muskatnuss, Macis, Kardamom, Nelken, Hagebutten, Eschenfrüchte, Langen Pfeffer, Ingwer und schwarzen Pfeffer, allesamt einzeln gemörsert. ("spikenard, betel nut, bay leaf, nutmeg, mace, cardamom, clove, rose hips, ash tree fruits, long pepper, ginger and black pepper, all pounded seprately" (c. 4.4) )

Ich vermute, dass Atraf al-tib so ähnlich war wie das heutige Baharat (arab. "Gewürze"): Eine Würzmischung, die du eben bei dem Gewürzhändler deines Vertrauens gekauft oder nach familiärem Spezialrezept in der heimischen Küchen zusammengeklöppelt hast.
Für meine Version habe ich die Basiszutaten genommen und nach eigener Vorliebe um Kräutlein erweitert.

 

Mixed spices: Gewürzmischung "Atraf al-Tib" aus dem arabischen Hochmittelalter

 

Und an diesem Punkt stellte ich erschreckt fest, dass ich - basierend auf meinen Erfahrungen mit der arabischen Küche - auf den ersten Blick eine falsche Annahme getroffen hatte, da ich Rosenblätter statt der ungewöhnlicheren Hagebutten genommen hatte. Ich hatte die Zutat in einer Art Freudscher Fehlleistung in meinem Kopf schlicht falsch übersetzt (rose hips/rose buds). Aber wie man hier sehen kann, bin ich nicht die Einzige, die sich hier Fragen zu Hagebutten stellt. Wie mir inzwischen zugetragen wurde, haben die anderen 2 Übersetzer*innen des Textes ebenso wie ich gehandelt. Die aus dem Irak stammende Nawal Nasrallah, die unter anderem das Buch "Annals of the Caliph's Kitchens" verfasst hat, hat die Textstelle mit Rosenknospen übersetzt. Aufgrund des Tipps stieß ich in ihrem Buch Delights from the Garden of Eden (Glossary: Baharat, Seite 414) auf Rosenknospen in ihrer Übersetzung der Primärquelle und ihre Sichtweise, dass Atraf al-tib (oder Atraf al-teeb) ein Vorläufer des irakischen Baharat (Ha!) ist.

Aber zurück zu den Hagebutten als Gewürz. Bis jetzt sind mir Hagebutten noch nicht in arabischen Rezepten untergekommen, aber in Deutschland kennen wir ja Hiffenmark - eine seeeehr spezielle Sorte von Konfitüre, mit der in einigen Landesteilen auch Berliner Pfannkuchen gefüllt werden. Und wir alle kennen Hagebutten aus rotem Früchtetee (Na? Wer hat hier ein "roter Tee"-Trauma aus dem Schullandheim mitgebracht? Ich hatte Glück und mochte das Zeug, das in den verbeulten Metallkannen serviert wurde, immer recht gern). Hagebutten haben einen sehr hohen Anteil an Vitamin C und schmecken ziemlich säuerlich. Was mich vermuten lässt, dass sie als Gewürz eine ähnliche Geschmackseigenschaft wie Sumak* besitzen könnten.
Also entweder probiert ihr meine duftigere Variante mit Rosenblättern (die ja doch nicht so falsch ist, siehe weiter oben) oder ihr ersetzt diese durch 1 TL Sumak, bzw. besorgt euch getrocknete Hagebuttenschale und testet es damit aus - was ich sicherlich noch tun und hier ergänzen werde.
Ich habe diese Irrungen und Wirrungen hier dokumentiert, weil meiner Ansicht nach Überlegungen, Hinzulernen und Selbstreflexion zu unbewussten Annahmen zu einem transparenten wissenschaftlichen Prozess hinzugehören und eben eines sind: lebendige Forschung.

Ich mahle größere Mengen Gewürze übrigens nicht mehr stilecht im Mörser, sondern nehmen (zumindest, wenn ich daheim in einer modernen Küche bin) meine elektrische Kaffeemühle*, die einen entnehmbaren Mahlbecher hat. Entschuldigt, wenn ich euch da enttäusche, aber eure Handgelenke werden es mir danken. 😁

Ich empfehle euch zudem wirklich, so weit als möglich, die Gewürze frisch zu mahlen. Es ist einfach ein besseres Aroma. Der Duft von frisch gemahlenem Kardamom ist halt unvergleichlich und ungleich tiefgründiger. Mein Atraf al-tib habe ich bis jetzt für Gemüsegerichte, Dressings und als Gewürzbutter, die vor dem Braten auf das Hähnchenfleisch gestrichen wird, für Broiler eingesetzt.

 

Gebratenes Huhn mit Gewürzbutter

 

Rezept für Atraf al-tib

2 TL getrocknete Rosenblüten/Blätter von Rosenknospen (fein gemahlen)
1 TL grüne Kardamomsaat* (fein gemahlen)
1 TL getrockneter Ingwer (fein gemahlen)
1 TL schwarzen Pfeffer (fein gemahlen)
1 TL Langer Pfeffer* (fein gemahlen)
3/4 Macis (fein gemahlen)
3 Lorbeerblätter (fein gemahlen)
10 Gewürznelken (fein gemahlen)

Zubereitung

  • Alle fein gemahlenen Gewürze in eine Schüssel geben und gründlich miteinander vermischen.

 

  • Die arabische Gewürzmischung in ein gut schließendes Vorratsgefäß geben. Fertig. (Kein großes Hexenwerk, nur eine ellenlange Einleitung. 😅)

 


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Literatur:

Scents and Flavours: A Syrian Cookbook*, Perry, Charles (Übersetzer), New York University Press, New York 2020, ISBN: 978-1479800810


Delights from the Garden of Eden* (abbv., second edition): A Cookbook and History of the Iraqi, Nasrallah, Nawal, Equinox Publishing Ltd, Sheffield, 2018, ISBN: 978-1781798836

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Printausgabe meines Kochbuchs im Oktober / Cover Reveal

Ihr Lieben,

ich hüpfe nur mal kurz herein. Momentan werkel ich im Hintergrund an meinem neuen Foodblog, das sich mit historischen Rezepten befasst und in englischer Sprache (ich höre meinen nervigen alten Englischlehrer lachen...!) verfasst sein wird. Aber ich wollte euch jetzt endlich das wunderbare, tolle neue Cover zeigen, dass die Printausgabe meines ersten Koch- und Backbuchs für Naschwerk zieren wird.

Cover des Kochbuchs "33 süße Rezepte aus der Vorratskammer"

Anfang Oktober kommt endlich mein Buch "33 süße Rezepte aus der Vorratskammer" als Printbuch heraus. Ich weiß selbst, dass es bei Kochbüchern besser ist, richtiges Papier in der Hand zu haben und hin und her blättern zu können.
Nachdem ich Anfang Juli das eBook hiervon herausgebracht habe, habe ich mich dann doch dazu entschlossen das Buch optisch nochmals zu überarbeiten und habe mich bei verschiedenen Selfpublishing-Verlagen umgesehen.

Wie ihr wisst, bin ich zuhause mit einem Kleinkind und mache alles alleine - es zog sich deswegen ein wenig. Momentan warte ich noch auf die Zusendung eines weiteren Testdrucks, ich war mit der Druckqualität der Bilder leider nicht zufrieden. Wenn jetzt alles stimmt, dann kann ich auf den Knopf drücken und das Buch wirklich, echt, richtig (Wow!) veröffentlichen. Ich vermute, dass das Buch in der zweiten Oktoberwoche erhältlich sein wird. Ich hoffe ihr drückt mir die Daumen und rührt vielleicht auch ein wenig die Werbetrommel für mich?

Eine ISBN habe ich auch schon, der Preis wird (aufgrund der nun höheren Druckkosten) bei 12 € liegen. Ich werde versuchen, mir eine Lösung einfallen zu lassen, wie ihr ohne riesigen Aufpreis über mich Bücher mit Widmung beziehen könnt. Kontaktlose Selbstabholung ist natürlich möglich. Und in eins, zwei Geschäften in Berlin werden die Bücher ebenfalls zum Kauf ausliegen.

33 süße Rezepte aus der Vorratskammer
Shermin Arif
BoD, 20220
ISBN: 9783752606102
96 Seiten, ~ 12 €

Liebe Grüße

Shermin

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