Berliner Freestyle-Küche, quer durch Kontinente & Zeitzonen

“Café Schümli” in Celle

cafeschumliIch treibe mich ja gerade in Niedersachsen herum und besuche meine liebe  Freundin Lilia. Nachdem Sie mich erfolgreich am Bahnhof eingesammelt hatte, wanderte mein schicker schwarzer Lack-Koffer (wenn schon verreisen, dann bitte mit Stil 😉 ) in den Kofferraum, es gab eine kleine Sight-Seeing-Tour via Automobil (Celle bietet der weltoffenen Touristin ja immerhin drei Schlösser) und danach einen ausgedehnten Bummel durch die wirklich wunderschöne und gut erhaltene Altstadt. Den schönen Nachmittag ließen wir dann im "Café  Schümli" in der Zöllnerstraße ausklingen. Wir saßen im Sonnenschein, tranken leckeren Café au Lait und genossen das Ende des Winterwetters

Atmosphäre:

Ein hübsches, kleines Straßencafé mit gemütlichen Stühlen - hier kann man es schon ein Weilchen aushalten, während man in die Frühlingssonne blinzel. Die Einrichtung im Inneren ist gediegen bis edel. Die Toiletten befinden sich im renovierten Gewölbekeller. Sauber und in Ordnung. Es gibt sogar einen kleinen Vorraum samt Wartebereich - austaffiert mit einem bezaubernden chinesischen Sofa, einem (pseudo? - egal, jedenfalls hübsch) antikem Tischchen und Spiegel im Goldrahmen.

Bedienung:

Etwas verplant. Das Service-Team wirkte ein wenig überfordert, aber sehr freundlich und zuvorkommend. (Kein Wechselgeld, kaum im Außenbereich greifbar, falsches Wasser - aber wie gesagt: dennoch sehr bemüht.) Wahrscheinlich von der Gästeflut des Frühlingswetters etwas überrollt?

Essen:

Erstmal zum Preis, den fand ich für ein gutes Café mit selbstgemachten Kuchen und Torten inklusive pittoreskem Altstadt-Ambiente  sehr OK. Für zwei "Pott" Café au Lait, ein wirklich äußerst leckeres Stück Baumkuchen-Buttercreme-Torte (empfehlenswert!) und eine kleine Flasche Wasser habe ich knapp 10 Euro bezahlt.

Das "Café Schümli" ist also ein lohnender Anlaufpunkt für Diejenigen, die es mal hierhin treibt.

Liebe Grüße aus der Gegend um Celle,

Eure Shermin

“Anastasia” in Friedrichshain

Bei uns im Kiez gibt es das "Anastasia" (ich würde an dieser Stelle ja echt gerne eine Homepage verlinken, habe aber keine gefunden), seines Zeichens russisches Restaurant, mit Café-Betrieb (normale europäische Kuchen), Frühstücksangebot und Cocktails. Ich war schon mehrmals dort, mal zum Essen (naja.. nett), mal zum Kaffee (auch ganz nett). Meine syrische Lieblingsnachbarin und notorische Sonnenstrahlensüchtige hat mich heute Nachmittag in die Samariter Straße geschleift, damit wir unsere hübschen Nasen in die Sonne halten können.

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Atmosphäre:

Das das "Anastasia" in türkischem Besitz ist, tut dem Lokal keinen Abbruch: scheinbar ist ein echt russischer Koch vorhanden. (In einer Welt in der mein  Lieblings-Steakhouse fest in arabischer Hand ist, der japanische Sushi-Hersteller aus Vietnam kommt und wir Kurden fest im Sattel der italienischen Pizza-Mafia sitzen, gar nicht so selbstverständlich) Wer etwas düstere, leicht angeranzte russisch-zaristisch-melancholische Farbwahl (dunkles Rot und Gold) liebt, wird sich dort sofort heimisch fühlen.  Ein klitzkleines Bisschen russische Klischee-Seele. Draußen kann man wunderbar sitzen, Kaffee schlürfen, in die ersten frühlingshaft-warmen Sonnenstrahlen blinzeln, Zeitung lesen und ungeniert und hemmungslos vorbeihastende Leute beobachten.

Die sanitären Anlagen waren vollkommen OK (nachdem ich im Dunkeln den Lichtschalter ertastet und sie endlich gefunden hatte). Großer Bonus des Cafés: bis auf Sonntag ist das WLan für Gäste wohl kostenfrei.

Bedienung:

Sehr nett, freundlich. Der Kellner schien heute allein zu sein bei vielen Gästen und deswegen etwas verwirrt. Die Dame die uns bei vorherigen Gelegenheiten bediente hab ich auch in sehr guter Erinnerung.

Essen:

Die Preise bewegen sich im oberen Mittelfeld für den Bezirk.  Eine Portion Pelmeni gibt es ab 6 Euro. Noch in Ordnung, aber ich hab dabei leichte Zahnschmerzen.  Ich hatte einen Milchkaffee (trinkbar und OK) und ein Stück Kirschirgendwas Kuchen (nicht wirklich empfehlens- oder essenswert - auf Nachfrage erfuhren wir, dass es ausnahmsweise keinen selbstgebackenen Kuchen sondern gekauften gab. Vor der Bestellung fragen lohnt sich also). Die mit Schweinefleisch gefüllten und in Sauerrahmen schwimmenden Pelmeni meiner Freundin waren hingegen wirklich sehr lecker. Ja, ich gebe es zu. Ich hab zwei geklaut - aber die rochen nach dem seltsamen Kuchen gleich doppelt so gut. 😉

Lemon Day: Zitronenlikör & Zitronen-Maracuja-Orangen-Gelee

Anlässlich des Lemon Day im Kochtopf gab es bei mir zwei Dinge: Zitronenlikör und Zitronen-Maracuja-Orangen-Gelee. Zumindest das Gelee ist schon mal sehr lecker, der Liköransatz zieht noch ein Bisschen im Vodka vor sich hin. Erst dachte ich ja an einen echten Limoncello, die Preise des Apotheken-Alkohols ließen mich allerdings noch ein wenig darüber nachdenken. Am Wochenende fiel mir in einer Ecke (seit der letzten Feier nicht begutachtet *hüstel*) dann eine Flasche mit einem Rest Vodka in meine zarten Hände. Damit war dann alles klar - da ich oft angesetzte Liköre mit anderen Früchten mache (Meine Favoriten: selbstgemachter Himbeer- oder Pfirsichlikör), wirds diesmal halt zitronig. Mit der kleinen Menge kann ich gut austesten, ob es auch wirklich schmackhaft oder ein Fehlgriff ist. Und damit der der Zitronensaft nicht umkommt, gabs auch noch was leckeres aufs Brot. Zitronen im Doppelpack und auch noch alles verwendet. Ich will ein Fleißkärtchen!

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Zutaten für selbstgemachten Zitronenlikör

200 ml Vodka
Zitronenzesten von 2 Bio-Zitronen
2 Stängelchen der ersten Zitronenmelisse des Frühlings
100 g Zucker
100 g Wasser

Zubereitung des Zitronenlikörs

  • Mit einem sehr, sehr guten Sparschäler oder einem Zestenreißer die zwei Zitronen schälen (nicht vergessen: dekorativ und fotogen auf einem Teller drapieren). In ein sauberes Einmachglas geben.
  • Die Zitronenmelisse kurz unter kaltem Leitungwasser abspülen, trocken tupfen, dazu geben.
  • Den Vodka darüber gießen. Deckel drauf und einige Tage ziehen lassen. Ab und an das Glas schütteln und die Nase hineinstecken.
  • Wenn es zitronig genug erscheint, durch einen Filter oder einen sauberen (neuen und in klarem Wasser ausgewaschenen) Damenstrumpf abseihen.
  • Zucker in einem Topf mit dem Wasser erhitzen bis er sich auflöst. Den Zuckersirup runterkühlen lassen und dann nach persönlichem Geschmack als Likör verdünnen.

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Rezept für Zitronen-Maracuja-Orangen-Gelee

Was für ein langer, langer Name. Das Gelee habe ich nur aus den Resten der für den  Zitronenlikör verwendeten Zitronen gemacht, deswegen die etwas klein erscheinenden Mengen.  Der Geschmack ist säuerlich-süß-fruchtig. Genau das Richtige für mich, mein geliebter Gatte verzieht dabei entsetzt den Mund. Ich habe zum ersten Mal eine Maracuja zum Kochen verwendet. Dumm von mir, dass ich nicht daran gedacht habe die Kerne vorher rauszufiltern/passieren.

Zutaten für das Zitronen-Gelee

135 g Zitronensaft & Saft einer Maracuja

55 ml Blutorgangensaft

65 g Gelierzucker 1:3

einige Zitronenzesten, fein geschnitten

Zubereitung Gelee

Zitronen auspressen, Kerne raussuchen und mit Maracuja, Zitronenzesten und Blutorangensaft verquirlen. Zusammen mit dem Gelierzucker in ein Töpfchen geben, drei Minuten sprudelnd kochen lassen und in ein heiß ausgespültes, sauberes Schraubglas geben. Zuschrauben, umdrehen, abkühlen lassen, beschriften. *mjam*zitronengelee_mini

Ich hoffe meine liebe Leserschaft honoriert auch die schönen Bilder. Die gute Distel hat mich in die Geheimniss der Bildbearbeitung eingewiesen und das sind quasi meine ersten visuellen Gehversuche.

Das brennt sich ein…

Vorgestern kam meine  Eisenpfanne an.  Nach zig Generationen von Pfannen, deren Beschichtung sich trotz vorsichtigster Behandlung dennoch irgendwann abrollt, hatte ich beschlossen mal einen Versuch mit den historischen Vorgängern zu wagen.  Auch in Erinnerung daran, dass meine Eltern eine sauschwere tiefe Eisenpfanne ihr eigen nannten, die ich damals heiß und innig liebte und mit der zusammen ich  meine ersten Kochversuche auslebte.

Also umschlich ich ein wenig die Angebote bei Ebay und habe dann (insgesamt relativ günstig - denke ich Ahnunglose zumindest) so ein kaltgeschmiedetes Pfannending mit zwei Henkeln ersteigert. Wie mir dann auffiel nicht unbedingt praktisch, weil die Dinger natürlich ziemlich heiß werden. Aber so kann ich die Eisenpfanne auch mal kurzerhand in den Ofen schieben - zum Warmhalten oder Gratinieren oder Fertiggaren und und und ... 🙂

Ich hab meine neueste Errungenschaft dann natürlich auch direkt "eingebrannt" - brav mit Öl, viel Salz und (in Ermangelung von Kartoffelschalen) einigen Kartoffelscheiben - damit sich eine schöne, schützende Patina auf dem porösen und rostanfälligen Eisen bildet.  Extravagante Gerüche durchzogen unsere Wohnung. Der Nachbar, der mittendrin sein Paket bei mir abholte, dachte sicherlich ich betreibe hier ne Frittenbude im Heimservice.  (Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass ich eine ähnliche Aktion letztens auch schon in irgendeinem Food-Blog gesehen habe... *grübel*  Wie gesagt, mein 30. Geburtstag naht und beeinträchtigt da scheinbar gerade partiell die Erinnerungsfähigkeit.) Da gleichzeitig mit der Erstbenutzung die Lampe über dem Herd den Geist aufgab, ist die Bildqualität leider mal wieder etwas bescheiden.

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Gekocht wurde auch schon drinnen. Hühnerbrust, die ich dann in einer Rotweinsauce zusammen mit ein par Pilzen und Zwiebeln schwimmen ließ.  Das Kochfeeling ist noch ein wenig ungewohnt aber ganz gut. Das Kochgerücht besagt ja, dass Eisenpfannen nur besser werden je länger sie in Benutzung sind.

Liebe Grüße

Shermin

Indisches Möhrchen-Curry

Für meinen Mann bin ich seit dem Essen heute Abend definitiv zur "dunklen Seite" übergelaufen. Der Grund? Es gab Möhrchen. Gekocht. Eigentlich für uns beide (seit frühester Kindheit) ein kulinarischer Horror. Die einzig denkbare Steigerung davon: Möhreneintopf. Allein beim Gedanken daran wellen sich meine Magenwände.

Aber. ... Aber es gibt da natürlich eine Ausnahme, sonst wäre der Beitrag an dieser Stelle ja schnell zu Ende. In unserer Redaktion wird bei den gemeinsamen Mittagessen in letzter Zeit öfters mal gekocht, mittels des Kaminofens auf dem man wunderbar Schmorgerichte zubereiten kann. Hier begegnete ich letztens Karotten und anderem vegetarischem Getier in einer völlig neuen Form als der urdeutschen: bissfest, scharf gewürzt und mit Kokosnussmilch.

Und so begab es sich heute, dass wir in getrennten Töpfen rührten. Für meinen Liebsten gab es Brokkoli und Blumenkohl, für mich meine persönliche Freestyle -Möhrchen-Variante mit indischem Touch und als Beilage Salzkartoffeln.  Ich bin jetzt nicht gerade mit wehenden Fahnen zu den gekochten-Möhrchen-Fanatikern übergelaufen, aber so sind die verhassten Wurzeln für mich zum ersten Mal in einer essbaren gekochten Form und ziemlich lecker. Bestimmt auch mit anderem Gemüse (Zucchini, Paprika, Kichererbsen, Auberginen?) sehr lecker.

Rezept für exotische Möhrchen:

1 Bund Möhren

1 große Zwiebel

1 Knoblauchzehe

250 ml Kokosnussmilch

Butter/neutrales Öl

1 TL Curry

Salz,  frisch gestoßener Pfeffer, 1 Spritzer superscharfe Asia-Chili-Sauce

Zubereitung der Curry-Karotten:

Zwiebel grob hacken und in einem kleinen Topf mit etwas Butter/Öl anbraten. Die Möhren gründlich waschen, die Enden versäubern und in dicke Scheiben schneiden. Zu den angeschmorten Zwiebeln dazu gebben. Die Knoblauchzehe häuten, feinhacken und natürlich auch in den Topf werfen. Alles schön verrühren, damit nix anbrennt und jetzt die Kokosnusmilch, Gewürze (kräftig salzen) und evtl.  noch ein halbes Glas Wasser hinzugeben. Einige Minuten vor sich hin brodeln lassen, darauf achten, dass die Möhren nicht zu Matsch zerkochen sondern richtig bissfest bleiben. Dazu gibt es dann Kartöffelchen. 🙂

Hier noch ein Bild des Ganzen. Nicht wirklich ansprechend - aber ich schätze gekochte Möhren sind nun auch nicht unbedingt die besten Food-Fotoobjekte.

mohrchen