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Kaiser’s Tengelmann GmbH, mein Leben in der Filterbubble & freundlicher Alltagsrassismus

Für diesen Artikel habe ich in den letzten Tagen wirklich mit mir gerungen. Ich war erst vor den Kopf gestoßen, dann sauer, verwirrt, traurig, abschließend verzagt und an mir selbst zweifelnd. Ich war zig Mal davor, den Artikel zu löschen, habe dann aber schlussendlich den Rat meines Mannes befolgt: "Es belastet dich, du denkst da dauernd drüber nach. Schreib's dir von der Seele."

Es geht darum, dass ich - mit kurdischer Beteiligung an meinem Genpool -  in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich lebe, denke, fühle, träume, atme in ihr. Sie ernährt mich sogar, da sie Grundlage meines Berufes ist. Ich habe mich in diesem Land immer erstaunlich geborgen und aufgehoben gefühlt, bis in mein Erwachsenenalter hinein hatte ich nur zwei bewusste Begegnungen rassistischer Art.

Aber in letzter Zeit habe ich immer öfter den Eindruck (und das gerade in meinem geliebten, bunten, queeren, coolen, weltoffenen Berlin), in einer Art bequemer Blase zu leben - einer regelrechten Filterbubble. Vielleicht ist das wirklich dumm (oder die Rettung vor der Paranoia), aber ich habe mir nie ernsthaft darüber Gedanken gemacht, wie viele Jobs ich vielleicht wegen meines Namens nicht bekommen habe. Oder was Menschen eventuell für Vorurteile mit sich herum tragen. Ich mag einen Menschen - oder eben nicht. Mir persönlich ist es dabei wirklich herzlich egal, welchen Bildungsgrad oder welche sexuelle Präferenz er hat, aus welchem Land er ursprünglich stammt, wieviel Metall er im Gesicht, Farbe auf der Haut und welche Klamotten er trägt, ob seine/ihre Haare magentafarben oder sittsam blond sind oder unter welchem fucking Stein dieser Mensch irgendwann mal hervorgekrochen ist. Dementsprechend vielfältig setzt sich auch mein Freundeskreis zusammen.

Erfahrungen mit Kaiser's Tengelmann GmbH (Sorry, aber das Idiotenapostroph gehört so...)

Ende letzten Jahres hat bei uns ein neuer Kaisers Markt aufgemacht. Quasi so fast gegenüber. Einmal aus dem Haus fallen und da sein. Und mit genialen Öffnungszeiten: Montag bis Samstag bis 24.00 Uhr. Nachts noch schnell die Zutaten für einen Kuchen zu kaufen, spät einkaufen gehen zu können, wenn man vorher arbeitstechnisch keine Zeit hatte und dabei wirklich noch Auswahl zu haben, schnell Zutaten (z. B. laktosefreie Produkte) zu bekommen, die der oft frequentierte Discounter um die Ecke eben nicht vorrätig hat oder einfach mal spätabends mit der besten Freundin das Ben & Jerrys-Fach spontan leerzuräubern: Das ist einfach ein angenehmer Luxus. Und als ich kurz nach der Eröffnung die Fleischauswahl sah - wundervoll.
Ganz ehrlich - wir waren begeistert. Gut, die Preise sind natürlich dementsprechend. Aber gen Wochenende wird ja gerne was reduziert, was kurz vorm Ende des MHD ist.

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und der kleine Kaisers Markt war für meine Mutter und mich zum Einkaufen eigentlich immer der erste Anlaufpunkt. Auch Fleisch wurde immer dort besorgt. Wie oft habe ich zu hören bekommen: "Geh doch noch mal schnell zu Kaisers..!" Die Verkäufer/innen kannten einen, dort hatte ich meine ersten unschuldigen Begegnungen mit exotischen Früchten (da gab es damals immer so kleine gelbe Broschüren mit Infos dazu), betrachtete voller erwachender Kochliebe ehrfurchtsvoll das Regal mit den asiatischen Zutaten und in der Oberstufe hat man sich in der großen Pause dort mit lebenswichtigen Dingen von Nikotin bis Zucker versorgt. Ich hegte also kindliches Verbrauchervertrauen in die Marke.

Das änderte sich, als ich vor sieben Jahren nach Berlin zog.  Vor allem durch die - damals noch unrenovierte - Filliale im Ringcenter. Nach dem Kauf verdorbener Hühnerherzen und (damals vom Gatten verbloggten) Erlebnissen mit der Fleischtheke, beschlossen wir, kein Frischfleisch mehr dort zu erwerben. Ein Grundsatz, der in den letzten Jahren langsam erweicht wurde.

Aber zurück zu "unserer" Filliale direkt vor Ort. Zur Eröffnung waren die Regale natürlich übervoll. Einige Zeit danach war dann abgepacktes Frischfleisch runtergesetzt. Noch im MHD, aber halt 50% rabattiert. Kaninchen aus der Region.  Sah frisch aus. Wunderbar. Vor meinem inneren Auge schwebte ein duftiges Stifado mit Rotwein... oder irgendwas mit Speck umwickeltes. Ich kaufte Filets und Keulen - die ich Daheim direkt in den Mülleimer wandern lassen konnte, da sie wenig vertrauenswürdig rochen und schleimig waren. Gut, dachten wir, das war halt Pech. Der Laden ist neu, die Regale waren voll. Ist zwar jetzt für uns geld- und magenmäßig echt schlecht gelaufen, aber kann ja mal zu Beginn mal passieren, wenn Abläufe vielleicht noch nicht so eingespielt sind.

Danach kaufte ich noch mehrfach Fleisch, das vollkommen in Ordnung war (zum Beispiel Perlhuhnbrust). Um Weihnachten herum wanderte ein Paket Fasanenbrust direkt ins Tiefkühlfach (und wurde nur aus Krankheitsgründen nicht zwischen den Jahren zubereitet). Vor einer Woche (05.01.) kaufte der Liebste dann abends noch rasch zwei Pakete mit Hühnchen-Drumsticks. Reduziert, aber voll im MHD. Ergebnis: Eine Packung verdorben, die andere noch gut. So langsam war ich dann doch ... mehr als irritiert. Ich setzte mich hin und tippte eine (wirklich noch freundlich gehaltene) Beschwerdemail.
Am Sonntag (06.01.) sollte es dann den Fasan geben. Bei Packungsöffnung wehte allerdings ein dermaßen schwefliger Geruch durch die Küche, dass wir das Tier direkt im ewigen Grab der Tonne versenkten.
Am Montagnachmittag (07.01.) kam dann schon eine Rückmeldung vom Kaisers Servicecenter. Man würde gerne direkt mit mir Kontakt aufnehmen und telefonieren. Am Dienstagnachmittag (08.01.) dann der Anruf vom Qualitätsmanagement hier in Berlin. Am Hörer ein sehr netter, bemühter und verständnisvoller Mitarbeiter der Firma, der sich für den Hinweis bedankte, sofortige Kontrollen und Nachbesserungen bei der Kühlkette versprach und mir als Ausgleich für den entstandenen Schaden und den Ärger einen Präsentkorb anbot. Ich war leicht skeptisch, aber fand das schnelle Handeln, die Ernsthaftigkeit, mit der meine Beschwerde behandelt wurde, und die Kompetenz, die Kaiers in diesem Fall an den Tag legte, wirklich sehr positiv. Überrascht erhielt ich schon einige Stunden einen knappen Anruf aus "meiner" Filliale, dass der Korb bereit stehe und ich machte mich am Abend samt Gatten auf den Weg.

Wir haben da mal was aus ihrer Heimat für sie zusammengepackt...

Irgendwie war es dann doch eine dezent unangenehme Situation und ich ziemlich nervös. Die Marktleiterin kam verbissen lächelnd mit dem Korb auf mich zu, rasselte in typisch Berliner Herzlichkeit ("Ja, Tschuldigung nochmal. Hier.") ihre Erklärung herunter und hielt mir den Korb entgegen, bevor sie die sofortige Flucht antrat. Was ich ja verstehen kann, niemand ist glücklich darüber, wenn in seinem Laden vergammeltes Fleisch verkauft wird und jemand sich dann auch noch beschwert. Und zugegeben, auch bei mir setzten akute Fluchtreflexe ein. Ich hatte nach einem Blick auf den Korbinhalt (türkische Seampaste, türkische getrocknete Tomaten im Glas, türkische Bohnenpeperoni im Glas, türkische gefüllte Weinblätter in der Dose, türkischer Apfel-Feige-Tee, marokkanischer Minz-Honig-Tee, Pralinen von Lindt, Lindor-Schokolade und Filterkaffee von Jacobs) nämlich das Gefühl, als hätte mir jemand in den Magen getreten. Ich konnte das Ding nicht mal anfassen, sondern drängte es meinem Mann auf. Auf den 30 Metern Heimweg fasste mein Mann grinsend mein unbestimmtes Bauchgrimmen in Worte: "Tja. Wenn du Müller heißen würdest, hättest du wenigstens ein anständiges Steak reingepackt bekommen!" Ich lachte locker und versuchte das flaue Gefühl, das mich dabei beschlich, zu verdrängen.

Später am Abend unterhielten wir uns darüber. Ich merkte, dass es ziemlich an mit nagte, ich aber Schwierigkeiten hatte das Problem richtig zu benennen. Falls jemand einfach nur zufällig einen schon fertigen Präsentkorb gegriffen hat und alles nur Zufall war - fein. Kein Problem.
Aber wurde dieser Korb speziell für mich zusammengestellt? Das hört sich auf den ersten Blick total harmlos an und war bestimmt superlieb und nett gemeint. Vielleicht hat sich der oder diejenige da wirklich Nichts bei gedacht oder wollte mir sogar eine Freude machen.
Aber es ist für mich dennoch im zweiten Fall eine Form von verstörendem Alltagsrassismus aufgrund von Vorurteilen. Vorurteile aufgrund meines kurdischen Namens, die ich gerade in Berlin - vielleicht allenfalls in irgendeinem urdeutschen Provinzkaff - wirklich nicht erwartet hätte und die mir bisher so noch nicht begegneten. Meine Mail war in korrektem Hochdeutsch formuliert. Bei beiden Telefonaten sprach ich sauberes und akzentfreies Deutsch. Und dann das.

Ja, wahrscheinlich ist es im Grunde wirklich keine große Sache und das Verständnis ist dafür bei vielen gering. Als ich das letzte Woche erzählte, meinte eine Bekannte, dass ich das alles doch nicht so eng sehen sollte. "Ich kann dir sagen wie das ablief. Die haben da im Geschäft nen Anruf gekriegt 'Packt mal was Passendes zusammen, der Name ist Shermin Arif.'"

Ähm.. ja genau. Und ein Korb mit türkischen Weinblättern ist also zu mir passend. Sorry. Aber das hat für mich einfach einen unschönen sarrazinesken Beigeschmack. Ich gehe ja nicht zu Kaisers, um arabische Spezialitäten einzukaufen. Und mal für einen anderen Blickwinkel: Ich würde im umgekehrten Fall auch nie auf die Idee kommen, für jemanden mit zufällig polnischem Namen einen Präsentkorb mit frischen Kutteln, eingewecktem Bigos und Krakauer Wurst zusammenzustellen. Oder wie eine andere Bekannte verständnisvoller witzelte "Wir haben da mal was aus Ihrer Heimat für Sie zusammengepackt.. Ha, ha!"

Bin ick ne Drama-Queen?

Der Korb steht noch immer unangetastet in der Küche und raubt Raum. Ab und an schleiche ich darum herum. Gebe ich hier gerade die Drama-Queen? Ist mein Verhalten eine übertriebene Reaktion? Vielleicht. Ich hab es versucht verkrampft lächelnd wegzuschieben. Ich habe tagelang darüber nachgedacht. Darauf gewartet, dass es versandet. Gefühle haben allerdings die lästige Angewohnheit wiederzukehren. Und dieser Kloß in der Kehle, dieser Druck hinter den Augen, dieses lastende Tonnengewicht im Magen, das verschwindet eben nicht so leicht wieder. Eben war ich noch ein Teil von dem Ganzen hier. Und mit einem einzigen, nett gemeinten Geschenkkorb stehe ich außerhalb, komme von draußen. Für den Durchschnittsbürger ganz selbstverständlich werde ich aus meiner Heimat ausgegliedert. Und das ist - mit Verlaub - ein echt beschissenes Gefühl.

Berliner Brot – die deutsche Antwort auf Cantuccini?

Es ist soweit. Ich kann es leider nicht mehr leugnen: Weihnachten naht. Der Weihnachtsmann bringt mir dieses Jahr leider immer noch keinen neuen coolen Backofen, aber Inspiration für neues Weihnachtsgebäck. Diesmal ist es Berliner Brot. Und weil sich alle Rezepte, die ich im Netz oder meinen Backbüchern gefunden hatte, irgendwie nicht ganz so lasen, wie ich dieses Weihnachtsgebäck von meiner Mama in Erinnerung habe, habe ich auf dem Papier ein neues Rezept entworfen. Das im gebackenen Zustand tatsächlich sehr lecker ist.

Übrigens... bei Wikipedia steht - nebst einer einzelnen und sehr märchenhaft klingenden Quelle eines Herstellers -, dass das Berliner Brot an Cantuccini  erinnern soll.  Ich liebe Cantuccini. Wirklich. Aber - nö. Die Gemeinsamkeit besteht hier allenfalls in der Form und in der Verarbeitung ganzer Nüsse. Mal ganz davon abgesehen, dass Berliner Brot nur einmal gebacken wird. Es soll zwar nicht supersaftig, sondern eher ein wenig kompakter und härter sein, geht aber (zumindest bis auf einige halb mumifizierte - und noch essbare - Ausnahmen, die nach der Weihnachtszeit noch einsam durch Keksdosen geistern) von der Konsistenz und Feuchtigkeit her  eher in Richtung Lebkuchen.

Die dunkle Farbe ergibt sich übrigens daher, dass traditionell mit Rübenkraut (Zuckerrübensirup) gebacken wird.

Rezept für Berliner Brot

500 g Mehl
300 g Haselnüsse
215 g Rübenkraut
200 g Zucker
125 g Butter
50 g echter Kakao
3 Eier
4 cl Rum oder Wasser
2 gestrichene TL Backpulver
1 EL Zimt
1/2  TL frisch gemahlener Kardamom
1/2 TL frisch gemahlener Piment
1 Prise Salz

Glasur (optional)

Puderzucker, Wasser

Zubereitung

  • Eier, Zucker, Rum/Wasser und weiches Fett in einer Backschüssel miteinander verrühren.
  • In einer zweiten Schüssel Mehl mit Gewürzen, Backpulver, Salz und dem Kakao vermengen und nach und nach unter den Teig mischen.
  • Danach die ganzen Haselnüsse unterheben. Der Teig sollte relativ zäh und klebrig sein.
  • Jetzt kann der Teig auf ein mit Backpapier belegtes Blech gekämpft befördert werden. Da dies eine sehr zähflüssige Angelegenheit ist, empfiehlt sich entweder a) viel Geduld und/oder b) eine zweite Person, die Blech und Backpapier festhält.
  • Die Teigmasse auf dem Blech mit einem großen Messer oder einem großen Löffel glattstreichen. Kleiner Tipp: Zwischendurch in kaltes Wasser tauchen macht die Aufgabe sehr viel einfacher.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 200° Umluft für circa 15-20 Minuten backen. Da der Kuchen von Natur aus sehr dunkel ist, ist der Bräungsgrad kein Indikator. Ein guter Hinweis ist es, wenn  man den Rand anheben kann und das Berliner Brot sich vom Backpapier lösen lässt.
  • Nach dem Backen noch heiß mit einer dünn angerührten Glasur aus Puderzucker und etwas Wasser bestreichen.
  • Kurz etwas abkühlen lassen und mit einem sehr scharfen Messer (immerhin muss man durch ganze Nüsse) noch warm in Streifen  schneiden

Berliner-Brot-Fazit

Habe mich selbst überrascht. Sehr lecker. Das Rezept darf sich bei den liebsten Weihnachtsbackrezepten mit einreihen. Und vor allem: Ich muss keine Plätzchen dafür ausstechen. 🙂
Das leicht malzige Aroma des Rübenkrauts passt hervorragend zu den Gewürzen. Und dann die ganzen Nüsse.. hach. Ich liebe große Nuss- oder Mandelstücke. Apropos - wer mag, kann auch noch ganze Mandeln im Teig versenken, die passen auch sehr gut dazu.

 Weitere Weihnachtsrezepte

 

Noch schnell zum Ende der Erntezeit: Zucchinicremesuppe mit Knusperbrot

Laut den Weiten des Internets zieht sich die Erntezeit für Zucchini - ich finde die schweizerdeutsche Bezeichnung Zucchetti ja irgendwie viel schöner - bis in den Oktober hinein. Also kann ich noch rasch das in der Zucchinischwemmenhauptsaison gekochte Rezept für eine Zucchinicremesuppe als Blogeintrag dazwischen quetschen. Wäre ja auch schade um die hübschen Bilder.

Das Brot, was da auf den Bildern so hübsch modelt, ist übrigens Caputher Landbrot aus dem Berliner Bio-Bäckerei-Kollektiv Die Backstube, wo eine liebe Freundin von mir als Bäckermeisterin tätig ist. Tollen eigenen Sauerteig (nix mit fertigem Innungszeugs oder so) haben die da und ich bin ganz verliebt in ihre (ich glaub sogar veganen?) Müslibrötchen. Manchmal kriege ich welche mitgebracht - dick mit nicht ganz so veganer Butter drauf sind die Dinger einfach toll. Der Gatte und ich liefern uns immer einen kleinen Kampf, wer nun wie viele bekommt, wenn nur eine ungerade Anzahl der rosinenlastigen Vollkornbrötchen seinen Weg zu uns fand. Oh, apropos Brötchen - da ich demnächst irgendwann mal wieder die alte Heimat in Duisburg besuchen werde, muss ich dann unbedingt daran denken, beim Bäcker Denkhaus in der Augustastraße weiße Brötchen einzusacken, um sie dann im Tiefkühlzustand nach Berlin zu schleppen. Die Schrippen hier sind alle irgendwie nix und die Denkhausbrötchen halt einfach toll. Hoffentlich immer noch, war ja schon eine Weile nicht mehr im alten Zuhause.

Rezept für Zucchinicremesuppe

(Hauptgericht, 2 Personen)

500 g Zucchini (küchenfertig geputzt)
500 ml Hühnerbrühe oder Gemüsebrühe
300 ml Milch
50 ml Sahne
2 große Zwiebeln
1 kleine Knoblauchzehe
Schinkenwürfelchen
Butterschmalz
2 dicke Scheiben Roggenbrot
Gewürze: Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer, Harissa, etwas frischen Thymian

Zubereitung

  • Zwiebeln grob hacken und in Butterschmalz anbraten. Sie sollen  höchstens  leicht gebräunt und nicht zu dunkel sein.
  • Zucchini und Knoblauch grob hacken, zu den Zwiebeln dazu geben und kurz mit anschwitzen.
  • Mit Brühe und Milch ablöschen, Gewürze und etwas Harissa hinzufügen und gar kochen.
  • Währenddessen den Schinken in einer kleinen Pfanne ausbraten, das Brot würfeln und dann im ausgelassenen Schinkenfett und/oder etwas Butterschmalz anknuspern.
  • Die gar gekochte Suppe von der Platte nehmen, leicht abkühlen lassen, Sahne dazu geben und mit dem Pürierstab zu einer cremigen Zucchinisuppe verarbeiten. Abschmecken und eventuell nachwürzen. Dabei im Hinterkopf behalten, dass gleich noch salzige Schinkenwürfel hineinwandern.
  • Zucchinicremesuppe in Suppenteller geben, Roggenbrot-Croûtons und Schinkenwürfelchen dazu geben, etwas frischen Thymian darüber zupfen und schnell servieren.

Zucchinicremesuppenfazit

Achtung. Jetzt kommt mal wieder das kulinarische Unwort: Lecker. Schnell. Einfach. Nette Alltagsküche halt. 🙂
Lässt sich auch gut in eine komplett vegetarische Variante umstricken. Und ist sogar mit unserem heißgeliebten Braun-Pürierstab zubereitet, den ich im Zuge von Foodblogger-hilft-Foodblogger vor einigen Jahren von Petra gespendet bekam. Passt doch. Kann ich hiermit also auch direkt noch Zorra zum achtjährigen Bestehen ihres Foodblogs gratulieren.
8 Jahre kochtopf Geburtstags-Blog-Event - Rezepte für Sieger und mehr! (Einsendeschluss 6. Oktober 2012)

Sommerlicher Ausblick aus dem Küchenfenster

Es ist Ende August, der Regen tropft vor meinem Arbeitszimmerfenster ab und an etwas fragmenatisch-unmotiviert auf meinen - das muss ich mal mit gärtnerischem Stolz verkünden: dieses Jahr zum ersten Mal geblüht habenden -  Flieder und von mir gibt es jetzt noch schnell den von Barbara angefragten Ausblick aus dem Küchenfenster.
Zum Einstimmung - und im Grunde total Off-Topic, da aus der Terrassentür heraus fotografiert - noch schnell eine Dosis Niedlichkeitsfaktor via gerade flügge gewordenem Vogelkind. Das Fotos stammt schon aus dem Mai und zeigt eine der hofeigenen Baby-Elstern während der ersten anstrengenden Flug-, Kletter- (und Ausruh-)Stunden.

Anschließend hat  sich die Baby-Elster noch auf das große Windlicht rechts auf dem Fensterbrett geflüchtet und musste sich dort erstmal ziemlich schläfrig erholen und schreckte auch nur ganz kurz auf, als ich die Küchenmaschine, die auf meinem breiten Fensterbrett in der Küche steht, zum Teig kneten anmachte. (Ja, ich weiß, total selbstsüchtig von mir. Ich hätte ja auch einfach auf Brot verzichten können. ;))

So. Jetzt aber zum eigentlichen Küchenfenster, das auch den Blick auf unsere kleine Terrasse preis gibt. Auch wenn derzeit noch alles grünt und im Saft steht - so ganz sommerlich wirkt es nicht. Das liegt daran, dass a) der Blick ja hinaus auf meine Schattenterrasse (Will heißen:  Nur  im Hochsommer haben wir hier morgens eine halbe Stunde Sonne - wofür man allerdings temperaturbedingt auch durchaus dankbar sein kann. Geht man von hier aus zum ersten Innenhof durch und gelangt dann zur Straße,  hat man innerhalb von Sekunden ein erstaunliches Temperaturgefälle hinter sich  gebracht.)  im zweiten Hinterhof geht und b) war es an dem Tag sowieso gerade ein wenig diesig und nieselig.

Natürlich gibt es auch einen winterlichen Küchenfensterausblick - der ist allerdings schon zwei oder drei Jährchen alt.

Blick aus dem Küchenfenster: Sommer - bis 31.08.2012

 

Berliner Hinterhofgartenschnappschuss

Das Wetter ist diesig und angenehm kühl. Leise Regentropfen ruhen sich auf den Pflanzen aus, selbst Berlin scheint hier gerade in gedämpfte Ruhe getaucht zu sein. Ab und an schnattert eine Elster, eine Amsel singt und das entfernte Krächzen der Nebelkrähen scheint mir - zusammen mit dem hellen Licht, das meine Wohnzimmerlampe den mattgrau zum Fenster eindringen Farben wie einen leuchtenden Wärmeradius entgegen wirft - zuzurufen: Sofa. Buch. Kaffee. Wahlweise auch Tee oder Kakao. Oder einfach alles in ungeordneter Reihenfolge. Mit Keksen.

Urban Gardening in Berlin

Aber meine Arbeit wartet und außerdem nagt das schlechte Gewissen an mir. Im vorderen Hinterhof verlangen ein paar Pflanzen dringend nach meiner gießtechnischen Aufmerksamkeit. Unpraktischerweise gelangt der Regen dort nämlich nicht hin. Aber wenn man dann letztendlich da steht, mit der vergilbtgrünen Gießkanne in der Hand, dann fragt man sich: Was gibt es letztendlich Schöneres, als sich etwas genervt aufzuraffen und dann offenbarungsgleich allein zwischen den wachsenden Pflänzchen zu stehen. Hier eine Tomate auszugeizen, dort ein Blättchen zu befühlen (Hilfe - das klingt ja geradezu entsetzlich wertheresk!), da ein widerborstiges Stück Unkraut auszuzupfen, Töpfe zurechtzurücken, eine Erdbeere zu ernten und sich direkt in den Mund zu stecken.

Gibt es - mit Verlaub - etwas Geileres, als zu begreifen, dass da Leben aus dem Boden kriecht, das man selbst ausgesät und gepflanzt hat? Fasziniert verfolgen zu können, wie es größer wird, es ernten und tatsächlich essen, sich davon nähren zu können. Ich erwische mich jedes Jahr dabei, wie ich bewundernd verfolge, wie die Pflanzen plötzlich erscheinen und sich entfalten. Staunend begaffe ich die Schönheit und den wundervollen Kontrast eines durch die dunkle Erde brechenden, hellgrünen Bohnenkeims. Meine Nachbarn halten mich wahrscheinlich für bescheuert, weil die komische dicke Frau, die sonst immer so finster guckt, minutenlang im Rucolabeet verharrt und leicht debil lächelnd die ersten Blüten der Heir-Loom-Tomatenpflanze fokussiert, nur um anschließend liebevoll über den herrlich wuchernden Thymian zu streicheln und verträumt den sich von selbst angesiedelt habenden Holunder anzugucken.

Hach.. in meinen weltfernen Stunden träume ich vom eigenen Haus und vom großen Garten, wo ich mich austoben und pflanzen, bauen und machen kann was ich will. Aber immerhin - ich wohne quasi mitten in Berlin und hab ein Fleckchen Erde im vollschattigen Hinterhof und ein klitzekleines und sonnigeres Stückchen im vorderen Innenhof. Für Berlin Mitte und unser Einkommen: Luxus.

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