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Unkompliziertes Familienessen: Toad in the hole [Würstchenkuchen]

Wer mir auf Instagram folgt, wird dort ab und an ein Gericht gesichtet haben, welches das kleine Kind beim ersten Anblick sehr passend "Würstchenkuchen" getauft hat: Toad in the hole!

Familienessen: Auflauf mit Bratwürstchen / Rezept für Toad in the hole

Klassiker der britischen Küche: Toad in the hole

Toad in the hole (also Kröte im Loch) ist ein traditionelles britisches Arbeiteressen, dessen Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden können. Würstchen werden in einer Auflaufform im Ofen gebacken und dann mit eine Art "Pfannkuchenteig" übergossen und weitergebacken. Dieser Teig, der übrigens auch bei Yorkshire Pudding - der klassischen Beilage zum guten, britischen Sunday Roast (Sonntagsbraten) - zum Einsatz kommt, geht im Ofen beim Backen auf und fällt nach dem Herausnehmen in der Mitte etwas ein. Bei manchen Rezepten mehr, bei diesem weniger. Die Zutaten sind relativ günstig, meist im Haus vorhanden und das Gericht ist sättigend. In der Anfangszeit dieser Speise wurden übrigens keine Wüstchen genutzt, sondern entweder das billigste erhältliche Fleisch genutzt oder Fleischreste, die aus anderen Gerichten übriggeblieben waren, wurden hier weiterverwendet und durch den Pfannkuchenteig gestreckt und geschmacklich aufgewertet.

Familienessen: Auflauf mit Bratwürstchen / Rezept für Toad in the hole

Kochen für Kinder

Der Würstchenkuchen (oder Bratwürstchenauflauf) kommt gut bei Kindern an und bietet sich wegen der gut vorzubereitenden Komponenten eigentlich auch als Essen bei einem Kindergeburtstag oder so an. Den Teig kann man Stunden vorher herstellen und im Kühlschrank lagern, die Würstchen sind schnell in einer Auflaufform und im Ofen versenkt.
Mein Kind mag die Apfelstücke im Auflauf nicht so gerne, deswegen mache ich in einer kleinen Auflaufform immer eine kleine Kinderversion ohne Apfelstücke. Auch die Mühe einer Zwiebelsauce muss man sich bei einer Kinderparty vielleicht nicht unbedingt machen.

Familienessen: Auflauf mit Bratwürstchen / Rezept für Toad in the hole

Familienessen: Wie wird's serviert?

Der Würstchenkuchen kommt direkt heiß in der Auflaufform auf den Tisch (übrigens habe ich mit gläsernen Auflaufformen die besten Erfahrungen gemacht, bei meinen metallenen buk es am Boden immer wieder an). Dazu gibt es frisch gemachte "brown sauce" eine Art Bratensauce oder Zwiebelsauce mit karamellisierten Zwiebeln und Balsamico, die ich hier auch verewige. Das Saucenrezept lässt sich übrigens auch hervorragend veganisieren und ergibt eine tolle, runde Sauce mit viel Umami, die zu vielen Gerichten passt. Dass ich sie nie völlig klümpchenfrei hinbekomme tut der Sache geschmacklich keinen Abbruch. 😉
Dazu reiche ich immer noch einen Salat - ich brauche bei all den gebratenen Würstchen und dem leckeren Teig einfach was Grünes zum Ausgleich. Mein Rezept für Toad in the Hole ist übrigens an dieses hier bei BBC Good Food angelehnt. Wer jetzt Lust auf weitere Rezepte aus der britischen Küche hat, hier im Foodblog gibt es noch viele weitere (bin selbst gerade über die Anzahl erstaunt) Rezepte. Zum Beispiel für Spinatsuppe, Porridge und gebackenes Erbspüree. Wer mehr Lust auf Tea Time hat, kann sich auch an wunderbare Scones, Lime Curd, Lemon Meringe Pie, köstliche Gurkensandwiches, erfrischendes Lemon Posset oder schottisches Cranachan mit Whisky und Himbeeren wagen.

Familienessen: Auflauf mit Bratwürstchen / Rezept für Toad in the hole

Rezept für Toad in the hole (Würstchenkuchen) mit Gravy (Zwiebelsauce)

450 g Nürnberger Würstchen (oder 8 aromatische normale Schweinsbratwürstchen)
2-3 süßsaure Äpfel (optional)
1-2 EL Sonnenblumenöl

Für den Teig:
210 g Mehl
400 ml Milch
4 Eier (M)
1/4 TL Salz (Meersalz, fein)
1/8 Tl getrockneter Thymian (oder Blätter von 4 frischen Zweigen)
frisch gemahlener Pfeffer

Für die Brown Sauce (Zwiebelsauce):
300 ml Fleischbrühe (ich nutze Instanthühnerbrühe, alternativ Gemüsebrühe)
2 mittelgroße Zwiebeln
1 TL brauner Zucker
1 gehäufter EL Mehl
1 EL Balsamico
Salz (Meersalz, fein) & frisch gemahlener Peffer

 

Zubereitung

  • Den Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen.
  • Salz, Mehl und getrocknete Gewürze in einer Rührschüssel miteinander vermengen.
  • Mit dem Rührlöffel eine kleine Mulde hineindrücken, die Eier und etwas Milch hineingeben und mit Mehl zu einem dicken Grundteig rühren. (So vermeidet man Mehlklümpchen im Teig.)
  • Nach und nach die restliche Milch einarbeiten. Entweder mit einem großen Löffel oder einem Schneebesen. Falls frischer Thymian verwendet wird, wieder dieser jetzt untergerührt.
  • Den Teig beiseite stellen und etwas ruhen und quellen lassen. Währenddessen die Äpfel waschen, putzen und in Spalten schneiden.
  • Die Apfelspalten zusammen mit den Würstchen in eine Auflaufform geben. Das Öl großzügig darüber geben und mit einem Esslöffel "umrühren", bis alles - auch der Boden - gleichmäßig vom Öl benetzt ist. Das geht recht fix.
  • Die Auflaufform (20 x 30 cm) mit den Würstchen und Äpfeln in den vorgeheizten Ofen geben bis die Würstchen braun gebraten sind und "Sizzle"-Geräusche von sich geben. Zwischendrin einmal umrühren.
  • Die Auflaufform aus dem Ofen holen und sofort den vorbereiteten Teig über die heißen gebratenen Köstlichkeiten und das brutzelnde Öl geben. (Dabei aber bitte vorsichtig sein - es ist kochendes Öl mit dem ihr hier arbeitet!)
  • Die Auflaufform zurück in den Ofen geben und backen bis der Würstchenkuchen hoch kommt, an der Oberfläche bräunt und die Stäbchenprobe sauber bleibt. Das dauert zwischen 20-30 Minuten.
  • Währenddessen die Sauce kochen: Die geputzten und in Streifen geschnittenen Zwiebeln werden in einem kleinen Topf auf mittlerer Stufe und unter gelegentlichem Rühren in Öl ausgebraten bis sie schön gebräunt und etwas zusammengeschmurgelt sind.
  • Den braunen Zucker dazu geben, unter die Zwiebeln rühren und ein paar Minuten mitbraten/ankaramellisieren lassen. Dann das Mehl dazu geben, ebenfalls gründlich unterrühren und auch nochmals etwas mitbraten.
  • Mit etwas Brühe ablöschen und dabei immer weiter rühren. Wie bei dem Kochen einer Mehlschwitze: Die mehlige Sauce immer wieder aufkochen lassen, bis sie eindickt, dann wieder etwas Brühe nachgießen und die Sauce glattrühren.
  • Ist alle Flüssigkeit hinzugefügt, die Sauce nochmals für ein paar Minuten leise köcheln lassen, damit sich der Mehlgeschmack verliert. Mit dem Balsamico, Meersalz und etwas Pfeffer abschmecken.

Buchvorstellung: Indisch vegetarisch von Meera Sodha

Vor einiger Zeit habe ich ja schon das erste Kochbuch "Original indisch" von Meera Sodha vorgestellt. Das letztens erst hier veröffentlichte Rezept für Coconut Cardamom Burfi / Kokoskonfekt stammt zum Beispiel aus diesem Rezeptbuch.
Im letztens Jahr erschien dann "Indisch vegetarisch"* in der deutschen Übersetzung. Für mich hält das Buch, was man sich nach dem ersten Kochbuch der britischen Foodbloggerin erhofft hat: Vegetarische Köstlichkeiten, die auch für europäische Hände geeignet sind und so wunderbar modernisiert und ins Jetzt geholt sind, dass man nicht erst zig Pasten zum Kochen eines Gerichts herstellen oder ausgefallenste indische Zutaten erjagen muss, sondern fast immer direkt drauf los kochen kann. Zutaten wie verschiedene Linsensorten, Koriandergrün, Minze, Gewürze, Ingwer, Chilis und Limetten sind ja heutzutage in fast jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich. Da muss man sowieso hin, um das ganze leckere Gemüse für die Gerichte einzukaufen. 🙂 Was mir aber gerade erst auffällt: Das "schnell" im Untertitel widerstrebt mir ein wenig. Es ist indische Hausmannskost und für die steht man/frau/eins - genau wie für traditionelle deutsche Rezepte - halt 45 Minuten bis bis anderthalb Stündchen in der Küche. Kartoffeln schälen und kochen und nebenbei Gemüse schnibbeln und anbraten braucht halt Zeit - egal ob auf deutsch oder indisch.

Kochbuchrezension: Indisch vegetarisch von Meera Sodha

Köstliche Gemüseküche: Vegetarische indische Rezepte

Meera Sodhas Familie lebt schon lange in England, stammt aber ursprünglich aus dem Bundesstaat Gujarat in Indien, der für seine vegetarische Küche bekannt ist. Viele der traditionellen und über Jahrzehnte erprobten Familienrezepte finden sich hier wieder, andere wiederum sammelte sie auf ihren Reisen durch Indien ein.
Frisches Gemüse und – na klar, schließlich ist es ein indisches Kochbuch, da dürfen sie nicht fehlen – die verschiedensten Hülsenfrüchte dominieren die vielseitigen gezeigten Speisen. Insgesamt sind es 130 Rezepte, aufgeteilt auf 12 Kapitel (Rezeptkategorien: Vorspeisen & Snacks, Wurzeln, Kürbisse & Verwandtschaft, Grandioses Grün, Auberginen, Salate, Eier & Käse, Hülsenfrüchte, Reis, Brot, Pickles, Chutneys & Raitas, Desserts, Drinks). Die Rezepte zeigen den Reichtum und die farbenprächtige Vielfalt der indischen Gemüseküche - von Shami Kebaps aus roter Bete und Paneer (indischer Käse), Samosas  (gefüllte Teigtaschen) mit Erbsen und Minze über Auberginen-Omelette (Humayuns Auberginen-Kuku - einfach total lecker) bis hin zu Erdbeer-Kardamom-Lassi.

strawberry Lassi
Viele der vorgestellten indischen Gerichte sind auch ganz traditionell gluten-, laktosefrei oder gänzlich vegan. Sehr praktisch, dass man dies anhand kleiner Symbole unter jedem Rezepttext sofort ablesen kann. Ganz nebenbei eingestreut erzählt Meera Sodha über indische Ess- und Lebensgewohnheiten. Abgerundet wird das Kochbuch durch Menüvorschläge, sehr schön ist auch wieder das alternative Inhaltsverzeichnis, geordnet nach Gesichtspunkten wie dass die Rezepte anfängergeeignet sind, die Zutaten aus dem Vorratsschrank stammen oder für Lunchpakete oder zum Verarbeiten von größeren Mengen Gemüse (Erntezeit!) geeignet sind.

Kochbuch "Indisch vegetarisch" von Meera Sodha

Mein Fazit zum Buch? Ich finde, es ist eines der schönsten indischen, vegetarischen Kochbücher der letzten Zeit.  Und überhaupt - jetzt wo ich es nochmals bewusst durchblättere: Ich sollte wirklich öfter hieraus kochen! Die Rezepte lesen sich so wunderbar, und sehen auf den Bildern so schön aus, dass man am liebsten sofort eine große Tafel, sich biegend unter all diesen verlockenden Gerichten, vor sich hätte. Das schafft auch nicht unbedingt jede Rezeptsammlung.

Wer mehr zu der Autorin erfahren möchte, wird auf ihrer Webseite fündig. Ursprünglich war sie ja Bloggerin, ich habe den Eindruck, dass sich der Schwerpunkt etwas verlagert und damit auch die Webseite verändert hat. Es sind aber immer noch einige leckere Rezepte gelistet, die ihr auch ohne Kochbuchkauf ausprobieren könnt.

Meera Sodha
Indisch vegetarisch*
Dorling Kindersley, 2017
ISBN: 978-3831032372
304 Seiten, 24,95 Euro

* Afiliate-Link zu Amazon. Bei einem Einkauf über diesen Link erhalte ich eine Provision. Danke! 🙂

Zimtig, duftig, herbstlich: Rotweinkuchen

Das Rezept für diesen herbstlichen, wegen dem enthaltenen Zimt und Rotwein auch oft (fast zu unrecht - ich kann den auch im Hochsommer problemlos vernaschen) als weihnachtlich empfundenen, Gewürzkuchen schwirrt in zig Varianten durchs Netz. Meine ursprüngliche Rezeptur bekam ich vor einigen Jahren - im Zusammenhang mit einer aus Versehen nach einer Feier offen stehen gelassenen Flasche Rotwein - von meiner liebsten Freundin Nelly überreicht, in deren Familie dieser Rotweinkuchen wiederum auch schon seit Jahren (Jahrzehnten?) so gebacken wird.

Und frage ich den Liebsten, welchen Kuchen er sich zum Geburtstag, der Anfang Oktober ist, denn so wünscht, dann war es in den letzten Jahren (neben dem obligatorischen Käsekuchen - da ich mich aber aus dem Käsekuchen-Business weitgehend heraushalte, zählt das nicht) immer Rotweinkuchen.

Rezept für Rotweinkuchen

250 g weiche Butter oder Margarine
250 g Mehl
250 g Zucker
250 ml (trockenen) Rotwein
150 g Zartbitterschokolade
4 Eier
1/2 TL gemahlene Vanilleschote oder Mark einer Vanilleschote
1 Tütchen Backpulver
1 EL echter Kakao
1 TL Zimt
frisch geriebene Orangenschale

Zum Tränken mit Rotweinglasur

3 EL Puderzucker
5 EL Rotwein

Zubereitung

  • Die Butter in eine große Backschüssel geben, schaumig schlagen und dann Eier und Zucker hinzugeben und zu einer cremigen Masse verarbeiten.
  • Zimt, Vanillezucker, Orangenschale und echten Kakao dazu geben und verrühren.
  • Das mit Backpulver vermischte Mehl und den Rotwein abwechselnd in den Teig geben und mit dem Rührgerät einarbeiten.
  • Die grob gehackte Schokolade unter den fertigen Teig heben.
  • Die Backform (zum Beispiel Gugelhupf- oder eine Springform mit Kranzeinsatz) mit Butter oder Margarine ausfetten, ausmehlen und den Teig vorsichtig in die Form füllen. Darauf achten, dass die Schokoladenstücke gleichmäßig verteilt sind.
  • Den Kuchen im vorgeheizten Backofen (Umluft) bei 180°  auf der mittleren Schiene für circa 50 Minuten backen.
  • Will man den Rotweinkuchen tränken (so mag ich es ja am liebsten) muss der Kuchen nach etwas Abkühlzeit noch warm aus der Form gelöst und gestürzt werden.
  • Die dünnflüssig angerührte Glasur nun entweder mit einem breiten Backpinsel auftragen oder mit einem Esslöffel über den warmen Kuchen geben. Der gesüßte Rotwein zieht so ins Innere ein, was dem Rotweinkuchen mehr Feuchtigkeit und ein unvergleichliches Aroma schenkt.
  • Alternativ zur eingesunkenen Glasur kann man den Kuchen auch erst nach dem Erkalten aus der Form lösen und ihn erst dann komplett mit einer dicker angerührten  Rotweinglasur überziehen.

Rotweinkuchenfazit

Noch warm serviert ist der Rotweinkuchen eine duftig-locker-aromatisch-würzig-schokoladige Offenbarung und gehört einfach zu einem regnerischen Herbstsonntag oder zur nahenden Weihnachtszeit (ich wehre mich ja derzeit noch tapfer gegen Spekulatius-, Baumkuchen- und Dominosteinkäufe) dazu.

Ich persönlich mag ihn fast noch lieber, wenn er einen Tag durchziehen konnte, vielleicht noch eine Nacht im Kühlschrank verbracht hat und so die Schokolade und die in den Teig eingesunkene Glasur fest anziehen konnten und den Gewürzkuchen so etwas kompakter machen.