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Ran an die Schnitten: Bütterken trifft Ziege

Heike hat es aufs klassische Butterbrot (auch ohne Butter) abgesehen. Im Ruhrpott - meinem Hauptsozialisierungsbereich, wie der letztmalige Besuch Ende September und mein bei Berührung mit Duisburger Luft quasi sofortiger Wechsel in ein sprachliches Idiom, das eine Freundin von mir mal als "30 Km Luftlinie Thyssen-Krupp" bezeichnet hatte, bewies - wird sowas gerne Bütterken genannt. Mein aus Leipzig stammender Anteil flüstert mental winzigklein nach ner Bemme und hier in Berlin essen wir gerne mal abends "Ne Stulle mit Brot". Sagt man so. Wirklich.

Und als ich noch klein war, gab es zum Abendessen von Mama liebevoll geschmierte  Schäfchenbrote. Was nix anderes war, als Roggenbrot, meist mit Frischkäse drauf, das in kleine Vierecke geschnitten auf dem Abendbrotteller verteilt war. Aber die kindliche Fantasie isst ja mit. Und wenn ihr mir genug Zeit gebt, dann kann ich euch sicherlich total schlüsslig herbeikonstruieren und faseln beweisen, dass die wolkig-weißen Frischkäsebrotstückchen garantiert verdammte Ähnlichkeit mit einer auf einem Rheindeich verteilten Schafsherde hatten. Jawoll.

Und ja... wir haben alle die gleichen Teller im Schrank stehen. Aber sie sind doch auch wirklich so hübsch! (Hätte ich nur mehr gekauft....)

Rezept für Ziegenfrischkäsetaler im Haselnuss-Thymian-Mantel

6 Ziegenfrischkäsetaler (Je 1,5- 2 cm dick)
1 Ei
60 g Haselnüsse, grob gehackt
25 g Dinkelvollkornmehl
1 EL Milch
1 TL getrockneter Thymian
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer, Öl zum Braten

Zubereitung

  • Ähnlich wie bei einer klassischen Schnitzelpanierung die Zutaten vorbereiten: Je einen Teller mit den Haselnüssen, dem mit der Milch verklemperten Ei und dem mit Gewürzen  (Thymian, Salz, Pfeffer) vermengtem Mehl befüllen.
  • Jeden Frischkäsetaler mit Hilfe von zwei Gabeln erst komplett in der Mehlmischung wälzen, überschüssiges Mehl sanft abklopfen, dann durch die Eiermilch ziehen und dann mit den groben Haselnüssen ummanteln. Sanft andrücken.
  • Die nussumhüllten Käsetaler in ausreichend Öl bei mittlerer Hitze langsam rundum braten, bis die Haselnüsse goldbraun sind. Überschüssiges Fett auf Küchenpapier abtropfen lassen und dann noch lauwarm auf Brot genießen.
  • Die Reste der Panierung zusammenkippen, gründlich zu einem Teig vermengen und esslöffelweise als Pfannenbrot ausbacken. Ist eh das Beste daran, Dinge zu panieren. 🙂

Ziegenfrischkäsetaler-Fazit

Ich bin zwar garantiert nicht die Erste, die diese brillante Idee hatte, aber dennoch: Da hatte ich wirklich eine sehr gute (und köstliche) Idee. 🙂
Früher habe ich die Panierung mit fein gemahlenen Nüssen gemacht, aber die werden zu schnell dunkel und ich mag Geschmack und Textur der größeren Nussstücke einfach lieber.
Wir essen die gebratenen Haselnuss-Frischkäsetaler gerne  zu gutem Brot und etwas Salat zum Abendessen. Bei uns war es diesmal Rapunzelsalat und getoastetes gekauftes Giabatta vom Biobäcker. Klingt doch so, als ob sich unser Bütterken mit Ziege - plus frischem Thymian-Haselnuss-Pfannenbrot (gibt es dafür eigentlich Extrapunkte?? ;)) - für Heikes Butterbot-Event problemlos qualifiziert, nicht?

Butterbrot Event

Produkttest: Kochzauber im magischen Kessel

Endlich bloggt sie mal wieder. Jepp - erst war ich mit einem erfreulichen Haufen an Lohnarbeit beschäftigt und kaum hatte ich das hinter mir, schaffte es mein geliebter Mann noch, mir ein paar grippale Viren anzuhängen. (Und auch noch die fiese Sorte, bei der man dann tagelang so heiser ist, dass man sich am besten mit Handzeichen oder gemalten Hinweisschildern behilft. ) Aber jetzt bin ich wieder weitgehend im Lot und kann mich dem magischen Kessel widmen.

Im Mai hatte ich das Angebot angenommen, eine Box von Kochzauber auszuprobieren. Nach kurzem Zögern und einem netten Telefonat ließ ich mich recht neugierig darauf ein. Momentan mehren sich ja die Anbieter solcher gelieferter Lebensmittelboxen und -tüten.
Wer das nicht kennt: Man abonniert eine Box mit Zutaten für zwei oder vier Personen, bekommt diese einmal die Woche geliefert und hat (bis auf Basiszutaten, da bekommt man aber zumindest bei Kochzauber im Vorfeld eine Liste der benötigten Sachen per Mail) alle Zutaten, um jeden Abend oder Mittag eine leckere Mahlzeit selber zu kochen. Begleitend erhält man ein gedrucktes Rezeptheft samt Foto, genauer Kochanleitung, Tipps, ab und an Variationsmöglichkeiten (zum Beispiel für Kinder) und ein paar Infos zum Hintergrund mancher Rezepte.

Und so sah die Box via Handyschnapshots aus, als sie bei mir ankam und von dem netten Herrn mit dem Leipziger Akzent (Leute, verdreht nicht die Augen. Es ist meine Geburtsstadt - egal wie viel ich sprachlich ruhrpöttel oder berliner, bei dieser speziellen Sprachmelodie geht mir einfach immer ein wenig rührselig das Herz auf. ;)) fürsorglich in die Wohnung geschleppt wurde. Das Öffnen der großen Pappkiste war schon ein bissel wie kulinarisches Weihnachtsgeschenkauspacken. Ich war wirklich erstaunt über die Vielfalt, Reichhaltigkeit und Qualität der Zutaten.

Kochbox-Fazit

Wir hatten die drei-Tages-Box für vier Personen zum Testen. Enthalten waren zwei Gerichte mit Fleisch und ein vegetarisches Gericht. Aber auch bei den fleischlichen Genüssen war jedes Mal - neben einer guten Portion Fleisch - ein wirklich hoher Gemüseanteil vertreten.
Überhaupt... anfänglich hatten wir ja etwas Angst - wir sind ja nun nicht gerade kleine, zarte Elfen und langen alle bestimmt auch gut zu. Würden wir nicht vielleicht verhungern? Würde das Essen auch wirklich für alle reichen? Alle satt werden? Diese sanfte Futterpanik erwies sich wirklich als absolut unbegründet, die Portionsberechungen sind wirklich sehr großzügig bemessen und niemand stand hungrig vom Tisch auf. Bei einem Gericht hatten wir sogar den Eindruck, dass da locker auch noch eine fünfte Person von hätte abgespeist werden können.

Zudem waren wir überrascht über die Vielfalt der Zutaten und wie hoch der Bioanteil war (das der beiliegende Honig von einer Imkerei stammt, die uns schon mal negativ auffiel, weil sie auch Honig aus nicht EG-Staaten verteibt.. naja..) - gerade beim Fleisch. Sogar Knoblauchzehen und Paniermehl lagen grammgenau abgepackt in Tütchen dabei. Sehr praktisch.

Auch vom Geld her fand ich die Kochzauberbox überzeugend. Rechnet man den Preis durch (beispielsweise 54 € für fünf Tage, zwei Personen, inklusive Lieferung), ergibt das knapp 5, 40€ pro Person und Abendessen, was durchaus sehr anständig ist. Gehen wir einkaufen - was ja oft beinhaltet, dass man leider meist mit mehr Sachen als geplant nach Hause geht - gebe ich meist (ebenfalls leider) mehr aus. Und da ist dann garantiert kein Biofleisch enthalten. (Ja, wer gut im Haushalten ist, am Wochenende Essenspläne schreibt, sich auch an diese Planung hält und mit einem Wocheneinkauf auskommt - der schafft das wahrscheinlich auch.)

Der größte Vorteil solcher gelieferten Boxen ist allerdings dieser: Kein verwirrtes Herumtapern im Supermarkt, kein verzweifeltes "Umgotteswillenwaskochenwirheutedennnur?!", keine Lebensmittel nach Hause schleppen, kein hektisches durch Supermärkte hetzen nach Feierabend. Sondern einfach nur Zeit zum - möglichst gemeinsamen - Kochen und Essen nehmen. Nicht falsch verstehen: ich gehe gerne einkaufen, stöbere durch Delikatessen und wandere über den Wochenmarkt usw., aber hierzu muss man auch die Zeit und die Muße haben. Da fehlt es im Alltag leider oft dran.

So und nach dieser ernstgemeinten Lobhudelei kommt jetzt noch ein "Aber". Aber... meiner/unserer Meinung nach (zum Teil standen hier drei kocherfahrene Leute zusammen in der Küche), kommen die Zubereitungs- und Kochzeiten einfach nicht hin. Eine Tomatensauce braucht eben nicht nur 15 Minuten zum Köcheln. Die braucht neben der Liebe, mit der man die Zutaten hineinschmeißt, auch ein wenig Zeit, um "rund" zu werden. Fleischbällchen mögen es, wenn man sie etwas anbrät und sie so noch ein paar leckere Röstaromen sammeln können, bevor man sie in eine Sauce wirft. Und eine nicht entbeinte Perlhuhnbrust mit Schenkel wird eben nicht nach knapp fünf Minuten Bratzeit auf jeder Seite mit anschließendem Warmhalten durch sein. Ich hatte den Teilchen schon extra mehr Zeit gegeben und biss dann dennoch in halbrohes Geflügelfleisch (*gulp*). Vielleicht liegt hier der Wunsch zugrunde, möglichst knappe Zubereitungszeiten angeben zu können, damit mensch gewillter ist zu kochen, statt Convenience-Fraß zu kaufen. Klappt aber nicht, ich habe schon beim durchlesen die Stirn gerunzelt, später waren wir dann leicht entnervt davon.
Da sich die Box auch an kochunerfahrenere Menschen richtet, finde ich das durchaus etwas problematisch.
Das erste Rezept habe ich aus Neugier wortgetreu nachgekocht, ab dem zweiten Gericht habe ich mir dann mehr zarte kulinarische Freiheiten herausgenommen. Ich denke solche kleinen Variationen sind allerdings sowieso im Sinne des Erfinders, sklavisches Nachkochen ist eben nicht so mein Ding.

Tag 1: Zarte Perlhuhnbrust an Balsamico-Honig-Sauce und Bio-Rosmarinkartoffeln

Die Garzeit bei den Hühnerteilen kam wie erwähnt nicht hin, obwohl schon länger in der Pfanne gelassen als angegeben. Und ja, ich habe einen Teil der Mandeln für den nächsten Tag geklaut, um den Brokkoli damit zu verschönern. Is ja gut. 😉 Ansonsten - lecker.

Tag 2: Bio-Hackfleischbällchen "Albondigás" an fruchtigem Gemüseragout und Mandelreis

Nur ein verwischtes Bild - Entschuldigung, der Hunger war an diesem Abend zu groß für Fotoorgien. Auch hier kam die Garzeit nicht so ganz hin, ungeliebte Gewürze wurden weggelassen, dafür wanderte etwas Zimt, Chili und Thymian in die Sauce, die Paprika wurden - zwecks besserer Verträglichkeit - geschält und die Fleischbällchen durften sich noch kurz in einer heißen Pfanne aalen. Auch die Reiskochweise fand keinen Anklang und wurde lieber so gemacht, wie vom kurdischen Papa gelernt. Insgesamt aber ein schönes Gericht.

Tag 3: Beelitzer Spargel nit Maracujanote auf herzhaften Vollkornpfannkuchen

Das vegetarische Gericht - auch hier stimmte die Garzeit ebenfalls so ganz und gar nicht. Ich bin ja ein Fan von in der Pfanne gebratenem Spargel der noch knackig ist, auch im Ofen gegrillt, auf selbstgemachter Pizza oder einer Tarte ist er toll. Aber roh geht er für mich einfach mal gar nicht. Die Maracujas in der Sauce empfand ich zudem als überflüssige Spielerei. Die Früchte lieferten quasi nur unaromatische Säure, die man dann noch ausgleichen musste. Da wäre ein Spritzer Orangensaft besser gewesen.
Allerdings sehr nett: Als Alternative für spargel- und karottenunwillige Kinder lagen Äpfel für Apfelpfannkuchen mit bei. Und die Dinkel-Vollkornmischung für den Eierkuchenteig war wirklich sehr gut.

Schade ist auch, dass es die Box leider noch nicht in laktosefreier Form gibt. Was vielleicht hoffentlich noch irgendwann kommt - das fände ich jedenfalls interessant. Das ist jetzt auch kein wirklicher Minuspunkt, ich wusste das ja vorher und habe den Produkttest mit dem Hinweis darauf angenommen. Ich fand es auch durchaus spannend zu sehen, wie ich da mit zugekauften Alternativprodukten zurechtkomme. Klappte erstaunlich gut.

Was mich allerdings wirklich in den Wahnsinn getrieben hat, waren die Kochanleitungen. Man bereitet drei verschiedene Teile zu (Fleisch, Gemüse, Beilagen) und diese Anleitungen sind nicht nacheinander aufgelistet, sondern in einer vorgegebenen chronologischen Reihenfolge durcheinander. Im gleichen Absatz wird die Herstellung der Fleischklößchen und in einem Nebensatz das Kochen der Beilage abgehandelt. Die einzelnen Zutaten (allerdings nicht der Gerichtbestandteil auf den es sich bezieht) sind dazu in dem kleinen Text noch gefettet und schaffen zusätzliches Chaos. Mit "schnell mal im Rezept nachlesen" ist es dann nicht sehr weit. Ständig muss man konzentriert auf die unübersichtliche Auflistung in der Broschüre starren, um herauszufinden welchen Zubereitungsschritt man jetzt bei welcher Zutat befolgen soll. Hat bestimmt irgendwie seinen Sinn. Wir kamen damit aber alle irgendwie nicht klar, weil ständig in der Zeile verrutschend.

Abschließend lässt sich für mich aber sagen: Die Lebensmittelbox von Kochzauber ist vom Konzept her eine wirklich geniale Idee und für gestresste Familieninhaber oder auch Singles, die frisch und ausgewogen kochen wollen, aber keine Zeit für Planung und Einkauf haben, eine spannende Alternative. So ein gesundes Zwischending zwischen "Selberkochen" und "Lieferservice". Bestellung, Infomails und Lieferung klappten reibungslos und die Leute waren wirklich nett. Oh. Und geschmeckt hat es natürlich auch.
Auf Dauer und für immer wäre das allerdings nichts für mich persönlich, dafür experimentiere ich zu gerne und halte mich zu ungerne an feststehende Rezepte. Kochen ist ja auch Ausdruck von Kreativität und Erfindungsgabe.

Orientalische Gewürzpost

Es ist schon ein paar Wochen her, da wurde ich von dem Inhaber des  Gewürz- und Teehandels Anna Luise gefragt, ob ich gerne etwas aus ihrem Sortiment testen würde. Nach einem längeren Blick auf die Seite und einem netten Mailwechsel mochte ich, und traf meine Auswahl. Ich hatte mich für drei verschiedene Gewürzmischungen und zwei Teesorten entschieden. Kurz darauf bekam ich dann auch schon ein Päckchen wohlriechendem Inhalt, zusätzlich lagen auch noch einige kleinere Proben bei.

Wie man sieht (und der Shop Anna Luise legt hier ja auch seinen Schwerpunkt), habe ich mich für Gewürze und Tees aus dem orientalischen Raum entschieden.  Kleine Nebeninfo für Lebensmittelallergiker:  Alle Gewürzmischungen sind laut Webseite ohne Glutamat, Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder künstliche Aromen.

Gewürzmischungen

Baharat - Da war ich sehr skeptisch wegen dem ungewöhnlich hohen Basilikumanteil und wurde dann sehr positiv überrascht. Ich verwende sonst
beim Kochen nie getrockneten Basilikum, die leicht dumpfe Note passte aber perfekt zu meinen Kochplänen. Ich habe mit dem arabischen Gewürz (von dem jede arabische Köchin wohl ihre eigene Variante zu mischen versteht, Baharat heißt übersetzt auch nichts anderes als "Gewürz")  inzwischen  schon mehrfach einen großen Börek (Fleischpastete) mit Yufkateig, Pinienkernen, Zimt und getrockneten Sultaninen gemacht und die war einfach immer göttlich. Wurde auch schon wegen dem Rezept bekniet, ich denke das spricht für sich. (Ja, das Rezept taucht hier demnächst auch noch auf.)

Za'tar - Das hatte es etwas schwer bei mir. Ich weiß, dass das syrische Original eigentlich aus einer besonderen Thymianart besteht. Kann man
hier nicht bekommen, ist ja auch kein Problem. Aber ich kenne es auch eher mit etwas mehr Sumak und teilweise gemahlener/gerösteter Sesamsaat. Vielleicht ist der direkte Vergleich etwas unfair, weil ich frischen Zatar aus Damaskus (Mitbringsel der syrischen Lieblingsnachbarin) zum Vergleich hier liegen habe.  Allein bei der Optik ist der Unterschied halt schon riesig, das syrische Original ist viel feiner ausgemahlen und geschmacksintensiver.  Hier ist alles im Ganzen, das Gewürz ist aber dennoch lecker. Ich habe es einfach als Brotgewürz im Teig, beim Backen von Kastenweißbrot verwendet, funktionierte super. Gibt einen aromatischen, herzhaften, runden Geschmack, ohne zu aufdringlich zu sein.

Grüner Curry - Duftet beim Öffnen sehr schön kräuterig und stark Dill-lastig. Wurde zu einer Gemüse- Hühnerfleisch-Pfanne mit Kokosnussmilch und Udonnudeln getestet und war da leider von der Würzkraft her für mich zu zurückhaltend. Das grüne Curry war lecker, aber für diese Zubereitungsart einfach zu mild, so dass es geschmacklich dezent von der Kokosnussmilch erschlagen wurde. Ich nehme an, dass es zu einem frischen Gurkensalat oder bei einem gekräuterten Rührei einfach besser zur Geltung kommen würde.

Tees

Ägyptischer Schwarztee mit Minze - Ich liebe Minze. Ich liebe Schwarztee. Dennoch ist diese Mischung nicht wirklich mein Fall. Mein Mann findet ihn aber aber absolut genial und ist emsig dabei, das Teepaket leer zu trinken. Man muss dazu aber sagen, dass das wirklich nur rein an persönlicher Vorliebe liegt. Der Liebste steht auf erdigere, kräftige Teesorten wie Assam usw. - mich findet man eher beim blumig-leichten Darjeeling. Es lag noch ein Probepäckchen Gunpowder/Minze bei, der wird wohl erfahrungsgemäß eher mein Ding sein.

Chocolate Chai - Leider etwas enttäuschend. Wir trinken oft und gerne Gewürzchai, haben auch schon selbst welchen gemischt, nach traditioneller Art gekocht und viele bekannte und unbekannte Marken durchprobiert. Ein Blick in die Tüte offenbarte allerdings, dass alle Zutaten unzerkleinert oder nur grob zerkleinert enthalten sind. Als mein Mann den Chai gemäß Packungsanweisung aufbrühte, musste er erstmal das immense Bedürfnis überwinden, ihn nicht nochmal kurz in den Mörser zu werfen.  Wir wollten ihn eben unverfälscht ausprobieren, so schmeckt man aber im Grunde nur die  Kakaobohnenschalen und eine zarte Note von den Rosa Beeren heraus. Wir waren uns einhellig einig, dass der Tee bestimmt nicht schlecht ist und wahrscheinlich geschmacklich sehr davon profitierten würde, wenn er einfach feiner gemahlen bzw. beispielsweise die Kardamom-Samenkapseln aufgebrochen wären. Wird demnächst noch so ausprobiert.

Insgesamt finde ich die  Produkte qualitativ gut, ebenso die sehr schöne Aufmachung. Für mich scheint es stellenweise halt etwas am Mahlgrad zu hapern.  Gewürze und Getränke  zu bewerten und darüber zu berichten ist immer etwas schwer, da es ja wirklich subjektive Eindrücke und die persönliche geschmackliche Präferenz sind, die hier entscheidend zum tragen kommen. Es gibt eben nicht "die eine, einzigartige, total originale"  Gewürzmischung von Baharat oder Za'tar  und ein grünes Curry darf halt auch gerne mal mild-würzig sein.

Was ich - gesehen mit den Augen eines Kunden, der auch ein wenig auf den Geldbeutel achten muss - auch noch nett fand: Man kann die Gewürze entweder in einer schönen Metalldose erwerben, oder circa 50 % günstiger im Nachfüllbeutel/Aromabeutel. Wie ich beim Schreiben dieses Blogbeitrags zudem gerade auf der Webseite entdecke, werden inzwischen versandkostenfrei und für kleines Geld Probepakete mit sechs bis acht verschiedenen Gewürzmischungen/Tees angeboten. Das finde ich ne richtig nette Idee, so kann man sich mal quer durch alles hindurchschnuppern und -kochen  oder hat ein hübsches Geschenk für kochfreudige Freunde zur Hand.

Ich wünsche dem (ja noch recht neuen) Team von Anna Luise jedenfalls viel Erfolg, bedanke mich, dass ich mich mal quer durch ihre Auswahl testen durfte und hoffe, dass ihnen das Feedback hier bei ihrer Entwicklung hilft.

 

 

Speedcooking: Thymian-Forellen à la Jamie Oliver

Jepp, die Forellen häufen sich im magischen Kessel in letzter Zeit.  Nachdem ich sie jahrelang nur äußerst vorsichtig umkreist habe, finde ich es spannend zu erforschen, was man alles mit den echt leckeren Teilchen in der Küche anstellen kann. Ich bin wirklich erstaunt, wie köstlich und wandelbar dieser im Grunde sehr günstige Fisch ist. Da kein Fischdealer zu unseren Einkaufszeiten bequem erreichbar ist, greife ich meist auf TK-Forellen zurück. Die sind zwar im Schnitt durchaus kleiner als die frisch im Laden erstandenen Exemplare, geschmacklich können sie ihnen aber problemlos das Wasser reichen.

Thymian-Forellen à la Jamie Oliver

Das Rezept hatte mir Frau Foodfreak bei der letztverbloggten Forelle verlinkt, es entstammt einem schon älteren Jamie Oliver Kochbuch. Nun muss ich ja gestehen, dass ich - wenn ich zufällig hineinzappte - den lustigen kleinen Engländer ganz gerne mal gucke, aber irgendwie habe ich den Hype um ihn verpasst und so ist nie eines seiner Werke in mein Regal gewandert. Das Rezept für die im Ofen gebacken-gegrillten Thymian-Forellen ist aber wirklich toll und bei Gelegenheit opfere ich mich und gebe so einem Druckwerk gerne Obdach.

Thymianforellen à la Jamie Oliver

Rezept für im Ofen gegrillte Thymian-Forellen

4 Forellen
2 Bio-Zitronen
3 EL Olivenöl
3 TL getrockneter Thymian (oder 2 Handvoll frischer Thymian)
1TL Meersalz
Lorbeerblätter
frisch gemahlener Pfeffer

Zubereitung

  • Gewürze (bei frischem Thymian die abgestreiften und gewaschenen Blätter) und Öl im Mörser* zu einer Paste stampfen.
  • Die aufgetauten/frischen Forellen waschen, mit Küchenkrepp trocken tupfen. Innen und außen die Kräuterpaste leicht einmassieren und die Fische auf ein nacktes Backblech legen.
  • Mit den Händen ein wenig das Öl auch auf dem Blech verteilen. Die Zitronen vierteln, vier dünne Scheiben abschneiden und jeder Forelle eine halbierte  Zitronenscheibe in den Bauch legen.
  • Das Fruchtfleisch mit einem Messer mehrfach einschneiden, pro Zitronenviertel ein Lorberblatt hineindrücken und flach auf das leicht geölte Blech setzen.
  • Im auf die höchste Stufe vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene für 10 -15 Minuten grillen, bis sich die Rückenflosse leicht herauslösen lässt und die Zitronen eine marmeladige Konsistenz haben.

Thymian-Forellen-Fazit

Oh. Mein. Gott. Das ist definitiv ab sofort mein Forellen-Lieblingsrezept. Die Haut, die gebackenen Zitronen, die man dann über den Fischen ausdrückt, das Fleisch. Hach. Und das allerbeste: Es ist sauschnell und supersimpel zu machen. Während die Forellen im Ofen schmurgeln wird schnell frisches Brot geschnitten und ein schneller Salat gezaubert. Wir haben zwar gerade mal März, aber das ist garantiert das perfekte schnell gemachte und leichte Essen für schwerelose Sommerabende - samt kitschig zirpender Grillen. 😉 Das Gericht duftet halt einfach nach Wärme, sonnenaufgeladenem frischen Thymian und saftigem Fisch, gepaart mit der frischen und marginal bitteren Note der Lorbeerzitronen.

Und weil das Gericht so schnell herzustellen ist, mit wenigen Zutaten auskommt und ein gelingsicheres und geniales Essen für einen total verkorksten Tag ist, reiche ich den Beitrage noch rasch für den Speed-Cooking-Blogevent ein, der diesmal von Alex ausgerichtet wird. Leider habe ich die Fotoserie (grippaler Infekt war im Anflug und ich wohl schon tattriger, als ich annahm), bis auf eines (und das auch noch aus einer blöden Perspektive) total verwackelt. Ich versuche tapfer, mich  nicht all zu sehr zu ärgern. Kommt Zeit, kommt neue Thymian-Forelle.

Blog-Event LXXV - Speed-Cooking (Einsendeschluss 15. März 2012)

*Werbung. Affiliate-Link zu Amazon. Bei einem Einkauf hierüber erhalte ich eine geringe Vergütung.

Irish Stew mit tschechischem Schwarzbier

Fast jeder der kocht, und einen minimalen Faible für Kochbücher hat, hat die Anne Wilson-Kochheftchen irgendwo im Regal versteckt herumstehen. Auch bei mir tummeln sich etliche der günstigen, aber durchaus hübsch gemachten Druckwerke. Gekauft habe ich sie mir noch zu Studienzeiten so für ein bis zwei Euro das Stück und habe mich Zuhause dann glücklich hindurchgeblättert.

Letztens fielen mir die Heftchen wieder in die Hände, der Liebste blieb kurz am Irish Stew mit Guiness hängen und beim Einkaufen gestern wurde ich beim Anblick von Rindergulasch von spontanen Gelüsten auf dieses doch sehr handfeste Gericht überwältigt. Guiness gab es nicht, also musste es das günstige (und einzig greifbare) tschechische Schwarzbier Breznák Cerné richten. Die Wahl war wahrscheinlich nicht mal so schlecht, mein letzter Guiness-Genuss liegt schon einige Jahre zurück, aber ich meine mich zu erinnern, dass es deutlich bitterer im Geschmack war. Das Stew hier ist eine mit Mehl gebundene Kreuzung aus Eintopf, Schmorgericht und Ragout. Seit dem Ragout aus Hühnerherzen ist meine Leidenschaft für solche saucentriefenden Schmurgelgerichte ja eigentlich auch klar...

Also - diese flüssige Hauptzutat plus Fleisch, Gemüse und ein wenig Zeit ...

... ergibt dieses köstliche Mahl.

Rezept für Irish Stew mit Schwarzbier

1 Kg Rindergulasch
500 ml Schwarzbier (hier: Breznák Cerné)
circa 500 ml Wasser oder Brühe
4 große Zwiebeln
2 große Karotten
150 g Trockenpflaumen, halbiert
2 große, gehäufte EL Mehl
2 Zehen Knoblauch
1 1/2 TL getrockneter Thymian
2 Lorbeerblätter
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
Butterschmalz

Zubereitung

  • In einem großen Schmortopf das Rindfleisch in Butterschmalz nach und nach portionsweise scharf anbraten. Gibt man direkt alles hinein, wird es durch das gesammelt austretende Wasser nur gekocht.
  • Grob in Streifen geschnittene Zwiebeln und den Knoblauch hinzugeben und mit anschwitzen.
  • Den Topfinhalt mit dem Mehl überstäuben, gründlich untermengen und das Bier einrühren. Das geht sehr gut und ohne Klümpchen. Fleisch und Zwiebeln sind jetzt von einer dicken, braunen Sauce ummantelt.
  • Wasser oder Brühe unterrühren, die geputzten und in dicke Scheiben geschnittenen Möhren zusammen mit den Gewürzen hineingeben.
  • Aufkochen lassen, auf kleinste Flamme runterschalten und ein bis anderthalb Stunden köcheln lassen. Öfters umrühren, evtl. Flüssigkeit nachfüllen.
  • Gegen Ende der Garzeit die Trockenpflaumen hinzu geben, vor dem Servieren nochmals abschmecken.


Irish Stew Fazit

Mehr davon. Passt perfekt in die Herbst- und Winterzeit und auch zu einem verfröstelten, windigen Halbfrühlingstag Ende Februar. Als Beilage (zum Dazuessen, Reinbrocken oder Auswischen des Tellers) gab es frisch gebackenes Kartoffelbrot, passt ja zu nem irischen Rezept. Man darf sich nur nicht die Finger an dem heißen Brotlaib verbrennen. Obwohl das Bier nicht so bitter und sehr malzig war, fügten sich die Trockenpflaumen hervorragend ein. Da das Stew recht früh mit Mehl gebunden wird, muss man ab und an umrühren, um sicher zu gehen, dass es nicht am Topfboden anbäckt.
Das ist Comfort Food at its best, das auf mehr als einer Ebene wärmt. Inklusive zufriedenem Schnaufen, wenn man angenehm satt den Löffel weg legt.