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Italienisch genießen [Werbung]

Eigentlich sollte dieser Beitrag den Titel "Italienisch kochen mit Freunden" bekommen. Denn alle paar Wochen treffen wir uns mit lieben Freund*innen hier in meiner Küche und kochen gemeinsam vegetarisch. So haben wir uns nach und nach den verschiedensten Länderküchen und Kochtechniken via Festmahl genähert. Unvergessen auch das große Spargel(f)ressen mit selbstgemachter Hollandaise. 😉

italienischer Mozarella-Salat Caprese

Italienische Lebenmitte online kaufen

Und für diese Kochgruppe ging ich Anfang des Jahres eine nette kleine Kooperation mit Andronaco ein, die nicht nur reale Supermärkte besitzen, sondern auch einen Online-Shop für italienische Lebensmittel.

Wir planten ein schönes Menü - mit Risotto, reichlich Antipasti, verschiedenste Sorten Pasta, Bruschetta, diversen (Tomaten-)Saucen und Pasten, Gewürzmischungen, italienische Kekse, Torrone und Tramezzini, die wir gemeinsam vertilgen wollten. Wundervolles Olivenöl, Balsamico, Erdbeersaft, Pistazienlikör, Kräuterbitter und Fragolino Rosso (ein nach Erdbeeren duftender Perlwein) wanderten in mein virtuelles Einkaufskörbchen und strandeten in zwei riesigen Paketen an meiner Wohnungstür. Jedes Objekt fein verwahrt in stabiler Pappe und recyceltem Füllmaterial.

Doch dann wurde ich erst ziemlich krank und dann kam - wir wissen es alle - Corona. Dank Covid-19 gibt es also erstmal weder Kindergarten- noch Freundesbesuche und coole Kochabende. 😩
Die Situation wurde immer schlimmer, der Lockdown kam, Kisten standen weiter hier herum, bis ich mich dann mit etwas schwerem Herzen entschloss sie auszuräumen und dann halt uns allein nach und nach mit dem Inhalt zu beglücken. Wir hatten also zumindest keinen Mangel an Nudeln. 😉

 

Italienische Leckereien

Und hier kommt dann ein kleiner Blick auf die leckeren Dingen, die im Laufe der letzten Wochen auf unseren Tellern landeten. Die Fotos von den schwarzen Sepiaspaghetti mit Kirschtomatensauce sind leider verschollen - ich kann nur versichern, dass sie vorzüglich waren. 😉

 

Tramezzini-Sandwich mit Antipasti

Sandwiches aus Tramezzini-Brot. Hier eines mit Thunfischcreme, Mozzarella und Salat. Davor zu sehen Cipolle Borettane (Zwiebelchen), eingelegt in einem Aceto-Balsamico-Sud und Oliven mit Parmesanfüllung.

 

Frisch aus dem Ofen: Bruschetta mit Tomatensauce und überbackenem Käsea

Bruschetta-Brot mit Bruschetta-Creme und Käse überbacken. Das war unsere knusprig gebackene Beilage zu einer Paprikacremesuppe.

 

italienischer Mozarella-Salat Caprese

Ganz klassisch: Caprese mit hervorragendem Olivenöl, Balsamico, Tomaten, etwas frisch gemahlenem Pfeffer und Meersalz. Allerdings minus Basilikum. Im Hintergrund modelt eine mit Antipasti und Salami gefüllte Platte.

 

Getöpferte Kuchenplatte auf bestickter Tischdecke mit italienischem Gebäck: Kekse mit Nougatcremefüllung, Torrone und Schokokekse

Italienische Süßigkeiten - Torrone und Kekse - , die zum Kaffeetrinken weggeknuspert wurden.

Jetzt gibt es ja allerorten Lockerungen, ich hoffe das kommt alles nicht verfrüht und dass wir bald alle wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen und lachen, essen und trinken können - ohne Angst zu haben. Ich stoße dann mit einem Gläschen Pistazienlikör mit euch an. Passt auf euch auf! Stay safe.

Eure Shermin

Zu Besuch im Tungo’s [Werbung]

Letztens war ich zum Lunch-Talk über die Berliner Gastronomie im eingeladen. Gastgeber dieser erstaunlich intimen Runde war Hussein Jezzini, der mit dem Tungo's Mitte Juni seine erstes eigenes Lokal eröffnen wird.

Tungo's in der Oranienburger

Platziert ist das Tungo's in der Oranienburger Straße - in einer sehr gegensätzlichen Gegend,  zum Teil von Touristen überlaufen, zwischen Sternerestaurants, Berlin-Mitte-Hipstern, Büros und verfallenen Gebäuden. Das wunderbar eingerichtete Lokal (modern aber gemütlich) mit seiner offenen Küche, das Café und Restaurant sein möchte, ist in einem denkmalgeschütztem Gebäude untergebracht - in dem spannenderweise vorher ein Stripclub war. Heiß (hö, hö, - ich zahl dann mal nen Fünfer in die Wortspielkasse) geht es es jetzt aber nur noch in den Töpfen zu. Von der früheren Nutzung ist in den luftigen Räumen nichts zu merken. Das Café/Restaurant will dazu einladen, hier länger zu verweilen, zum Beispiel auch auf der Empore - die Atmosphäre und Einrichtung sind jedenfalls stimmig dafür.

Gefüllte Zucchinis mit Reis

Das Essenskonzept im Tungo's

An dem Tag wurde dort zum ersten Mal richtig gekocht, wir waren also quasi die Versuchskaninchen. (Noch ein Wortspiel. Konnte ich mir aber angesichts der Häschenohren des Logos ebenfalls nicht verkneifen.)

Soweit ich verstanden habe, wird die Küche sich kulinarisch im pan-arabisch-europäischen Raum bedienen und sich nicht kulturell kulinarisch limitieren. Quasi von deutschem Käsekuchen über Pasta bis hin zu Hummous.
Serviert wurden uns bei dem Lunch-Talk arabische Mezze - also kleine delikate Snacks zum Verzehren oder Tunken. Da gab es unter anderem mit Reis gefüllte Zucchini, Joghurt mit Kichererbsen und gerösteten Cashews, Gemüse, Salat aus angekeimten Kichererbsen, selbstgebackenes Vollkornbrot, frittiertes arabisches Fladenbrot (wie hier bei dem Rezept für Fattoush), Babaghanoush (Auberginencreme), sehr leckeres Hummous (Husseins Mama macht das Tahin - also die Sesampaste - dafür selbst), Za'tar zum Tunken (syrische Gewürzmischung mit Öl), aber auch Marmeladen, frisch gebackenener glutenfreier Schokoladenkuchen und ein Puddingdessert mit Xucker. Die Hersteller dieses Zuckeraustauschstoffs sind Partner von Hussein, der die Produkte auch in seinem Laden zum Verkauf anbieten will. Nun bin ich echt kein Fan von diesen Zuckeraustauschgeschichten, sondern verfolge eher das Lustprinzip "Alles wird besser mit Butter. Oder genug Schokolade (ohne Xylit 😉 )!" - aber hey, genug Leute finden das wohl toll, und wenn das als Konzept so klappt - ist doch super.

Das Spannende an der Menükarte des Tungo's ist eben gerade, dass die Leute selbst wählen können: Will ich ein köstliches Kalorienbömbchen in Käsekuchenform? Oder wähle ich die Variante mit Xucker? Möchte ich Penne Arrabiata mit geilen glutenhaltigen Oldschool-Nudeln? Oder möchte ich Zoodles Arrabiata? (Für die Uneingeweihten: Zoodles sind mit Spiralschneidern in Spaghettiform geschnittene Zucchinis - geht auch mit Möhren. Und nein, die können keine echte Pasta ersetzen, lasst euch nix erzählen. Aber sie können dennoch ganz gut schmecken - probiert's halt mal. Ich habe auch so ein Spiralschneidedings hier.)
Und das ist halt das Angenehme: Ohne sich lästig zu einer Lebensmittelreligion missioniert zu fühlen, kann man sich entspannt zurücklehnen, seinen (echt guten - die Berliner Kaffeerösterei ist halt auch mit im Boot) geeisten Milchkaffee schlürfen, und das wählen, was er/sie/eins gerne essen und seinem Körper Gutes tun möchte. Und genau so relaxt kann man dann eben auch mal vorsichtig in andere Genusswelten hineinschnuppern.

Gesund Kochen

Hussein ist im Ruhrpott mit vier Geschwisterkindern in monetär recht schwierigen Verhältnissen aufgewachsen. Er erzählt, dass er selbst mal sehr übergewichtig war - das scheint ihn innerlich auch anzutreiben erschwingliches, gesundes und gutes Essen anbieten zu wollen - ganz ohne Verzicht.

Leidenschaftlich beschreibt er, was er erreichen will, nämlich, dass die Leute wieder mehr selbst kochen, dass sie bei ihm Gerichte probieren und erkennen "Aha - das kann ich selbst auch Zuhause kochen!". Ein etwas bizarres, aber altruistisches Ziel für einen Gastronomen, der für Interessierte auch Kochkurse für die Zukunft angedacht hat. Sein Konzept vom guten und unkomplizierten Essen trifft aber zum Beispiel bei mir einen Nerv - genau das ist ja auch die Idee, in Kombination mit Koch- und Backlust, die hinter diesem Blog steht: Einfach & unkompliziert, aber gut.

Im Gespräch sagte er, dass er mit seiner Karte "ganz normale Menschen - wie du und ich" ansprechen wolle. Das schlägt sich auch in den geplanten Preisen nieder. Während weiter unten am Tisch die Preise von Berliner Nobelrestaurants diskutiert wurden, erfuhr ich, dass ein ordentliches Stück Kuchen preislich bei 3-4 Euro liegen soll. Die Zoodles Arrabiata werden wohl so um die 8 Euro kosten. Gut erschwinglich für die Ecke.

Wer mehr über Hussein und seinen Weg zum eigenen Restaurant - der so weit ich das verstanden habe, ohne Investor und nur mit Mitteln der Familie/Freunden bestritten wird - erfahren will, kann das im Blog von Orderbird nachlesen. Die Firma, die iPad-Kassensysteme vertreibt, begleitet Hussein als Partner im Geschäft und mit der Artikelserie "Mein Erfolgsrezept - Durchstarten mit Hussein" bei der Neugründung. Wer schon immer mal darüber nachgedacht hat ein eigenen Gastronomiebetrieb aufzumachen - bitte lesen! Hier finden sich mannigfaltige Informationen darüber, was man alles im Genehmigungsdschungel von Berlin zu beachten hat.
Und wer sich jetzt dazu angespornt sieht, endlich selbst, abseits von Fix-Tüten und Fertigprodukten, mal wieder zum Kochlöffel zu greifen, findet hier noch ein paar Tipps zur Einkaufs- und Rezeptplanung. Wer behauptet, das schlicht die Zeit zum Kochen fehlt: Es gibt inzwischen Maschinen, die einem das erleichtern. Mit etwas Planung kann man gute Gerichte schonend und zeitsparend im Slowcooker zubereiten. Andere wiederum werden erst mit der Geburt ihrer Kinder für gesunde, ausgewogenere Ernährung sensibilisiert. Vom Staatsinstitut für Frühpädagogik gibt es diese Ideen, wie man Kinder am besten in den Kochprozess einbindet - schließlich muss man sie sich früh holen. 😉 Im Artikel wird von älteren Kindern gesprochen, wir haben hier aber schon mit ein bis anderthalb Jahren angefangen, das spielerische Interesse des Kindes am Kochen und Backen zu fördern.

Und an das Team vom Tungo's: Danke für diesen kleinen Blick hinter die Kulissen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie das Lokalkonzept sich entwickelt. Euch viel Erfolg & einen guten Start!

Tungo's
Oranienburger Straße 37
10117 Berlin
Geplante Eröffnung: Mitte Juni 2018

*Werbung. Warum ich diesen Artikel u. a. als Werbung kennzeichne, könnt ihr bei Rechtsanwältin Miriam Vollmer nachlesen.

Die Macht der Worte – Alltagsrassismus in der Welt der Foodblogger*innen

Sprache prägt uns. Sie schafft subtil unsere Wirklichkeit, denn wir atmen, denken, träumen, lieben, hassen in unserer Sprache. Wir tragen sie auf der Zunge, in unseren Herzen und in jedem Gedanken in uns - und unsere Gedanken sind nunmal wir. Nehmen wir Worte auf, verbreiten sie weiter, nutzen sie - erschaffen wir täglich unsere Realität und die unserer Umwelt mit. Mit einem schlichten Wort kann man Gefühle hervorzaubern - ein Lächeln, berstende Freude, Unglaube, flammende Wut, Verlangen, ein ängstliches Einatmen, tiefste Verzweiflung, mitternachtsschwarze Traurigkeit - und das ist nur ein sanftes Kratzen an der Oberfläche des Universums an Gefühlen, zu denen wir fähig sind.

Wenn wir Worte als selbstverständlich nutzen, die andere Menschen verletzen, dann schmerzen diese - jeden Tag ein Stück mehr und wachsen manchmal zur Unerträglichkeit heran. Nicht umsonst sprechen wir von der Macht der Worte und davon, dass die Feder (also das geschriebene Wort) mächtiger ist als das symbolisch für gewaltsame Taten stehende Schwert.

Sprache ist lebending - und Achtsamkeit kostet nichts

Und gerade im wunderschönen und köstlichen Food-Bereich kommen noch mehr Emotionen hinzu - Essen ist wahnsinnig gefühlsbeladen. Omis Apfelkuchen, Mamas Rotkraut, die gegrillten Käsebrötchen von Papa, der Geruch der selbstgekochten Marmelade, der einen in die Kindheit zurückbeamt oder der Wein, der wie ein Urlaubssonnenuntergang vor 20 Jahren schmeckt...

Und wenn dann etwas ganz Banales umgedeutet wird, reagieren manche irrational bockig. Nein! Das will man sich nicht nehmen lassen, egal wie kleinlich dieses Festhalten erscheinen mag. Irgendwie nachvollziehbar, aber Sprache ist tatsächlich nicht in Stein gemeißelt - unsere Sprache ist nicht tot, sondern wandelt sich ständig und stetig, sie ist lebendig. Ich stelle sie mir immer wie ein riesiges, morphendes Meer vor, das alle paar Atemzüge lang neue Formen statt einer Welle hervorbringt. Vielleicht ein etwas seltsames Bild.

Events für Foodblogger und politische Korrektheit

Nun ist es schöne Sitte, ein wenig auf politische Korrektheit einzubashen. Kann ich mich in übermütigen Momenten privater Natur sicherlich nicht von ausnehmen. Eine andere Sache ist es allerdings, wenn ich als Gastgeber zu einem Event lade, dies moderiere und dann mit alltagsrassistischen Begriffen kokettiere. Ihr denkt die Foodblogger-Welt ist nett und friedlich und sowas passiert bei uns nicht? Da irrt ihr euch. Ich bin keine große Eventgängerin, aber mir ist es mehrfach passiert, dass ich solchen Momenten und großem Unverständnis begegnete. Und - trotz anwesender Menschen, die ich mag - einer schweigenden Mauer.

Wegsehen gilt nicht: Schaumküsse und das N-Wort

Einmal musste ich eine Foodblogger-Konferenz abbrechen, weil der Organisator mir mit dem Anwalt drohte und mich dann noch öffentlich an den Pranger stellte. Ein anderes Mal schwieg ich dann inmitten der ebenfalls schweigenden Menge. Ich hatte keine Kraft zu kämpfen, war ängstlich, schaute betreten und wütend weg und zu Boden, als der schwer tätowierte Koch über Schaumküsse und das N-Wort schwadronierte und an das Wir-Gefühl appellierte. Klar, waren optisch betrachtet ja auch alles nur Bio-Deutsche da. Ich gehe ja als "weiß" durch.

Schweigen Legitimiert

Dieser Abend vor ein paar Jahren hängt mir seitdem nach. Ich schäme mich dafür, dass ich mich selbst geschützt habe auf diesem Event. Es ist Selfcare gewesen, dennoch, ich (zer)breche innerlich, denn ich trage dieses Ideal in mir, das mit diesem Verhalten nicht vereinbar ist. Ich kann viele Kompromisse in meinem Leben schließen, aber bei Rassismus, Lügen und unfairem Verhalten habe ich schon als Kind eine Grenze gezogen. Und ich frage mich dabei: Wie viele nehmen sowas einfach hin? Wie viele haben vor 85 Jahren geschwiegen, weil es einfacher und harmonischer war? Denn eines ist klar: Schweigen, nicht Aufzustehen, das legitimiert Wortführer. Es bestärkt sie vor sich selbst in ihrem Denken und vor den anderen, die sehen, dass ja niemand das Maul gegen den Dreck aufmacht.

3, 2, 1 - Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!

Und nach all dem Pegida, AfD und sonstigem brauen Mist sollte man denken, dass Menschen doch sensibilisierter sind. Aber nein, kürzlich erst war ich auf einem Event, es ging um Süßigkeiten von hoher Qualität. Ich fühlte mich wohl. Jemand führte durch das Programm, Schaumküsse wurden gereicht. Es wurde auf den politisch korrekten Produktnamen hingewiesen, darauf, wie die lokal früher ja hießen "M*****köpfe" und jaaaa wie die Dinger denn hierzulande nochmal hießen?
(Zwinker, zwinker, hö hö hö. Schaffung eines Wir-Gefühls durch Ausgrenzung. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Wir sind ja unter uns Weißen, da kann man sich ja mal über sowas Unnötiges lustig machen, nicht wahr?)
"Neineineinein.. es war doch so nett und schön bis jetzt. Ich will euch nicht nicht mögen müssen.", denke ich.
"N****küsse!!" schallte es da schon mehrfach glücklich und kräftig durch den Raum.
Mich durchzuckt es. Im Geiste zähle ich rückwärts: "3...2...1..." - da wirft sich auch schon ein blonder junger Mensch in Pose und setzt laut zu einer Erklärung an: "Also ich, ICH habe damit ja absolut kein Problem. Ich.." Ich fahre dem Menschen zischend über den Mund. Ich habe damit nämlich durchaus ein Problem. Auch mit der mehrfachen Verwendung des Begriffs. Artikuliere das deutlich. Die Menge schweigt. Zu uns beiden. Flüchte mich mit meinem Wasserglas an einen kleinen Tisch und atme durch. Wütend, traurig. Dass jemand ebenfalls offen aufsteht erwarte ich in diesem Umfeld schon lange nicht mehr. Vielleicht ein Grund, warum ich mich immer mehr zurückziehe aus der Szene. Aber wenigstens habe ich diesmal nicht geschwiegen und keinen rotglühenden Klumpen der Scham im Magen.

Ein weißer, privilegierter, gebildeter Mensch verwendet einen rassistischen, menschenabwertenden Begriff aus der Dunkelzeit des Kolonialismus und erklärt wie gut er sich doch damit fühlt und das Wort weiternutzen will, weil es sich so heimelig-warm anfühlt und er es in seinen geschätzten 25 Lebensjahren schon immer gesagt hat. Man hat ja seine Traditionen. Mir egal, wen ich damit heute herabsetze und verletze. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man drüber lachen.
Aber es ist nunmal so: Wer heutzutage das rassistische und diskriminierende N-Wort für ganz normal hält, ist entweder a) im Idealfall dumm b) weiß ziemlich genau was er tut und ist damit als Rassist, der absichtlich solche Begriffe in gesellschaftlicher Umgebung nutzt und so legtimieren lässt, umso gefährlicher oder c) hat von der politischen Entwicklung der letzten Jahre aufgrund geringer Bodenhaftung null mitbekommen und sollte sich vielleicht mal schleunigst auf den neuesten Stand bringen, um nicht mit einem Jung-AfDler verwechselt zu werden.

Meine Bitte gegen das Schweigen

Was ich damit sagen will: Zeigt Rückgrat. Seid mutig. Blickt nicht weg und lächelt brav, wir wissen wo das hinführt. Ich bitte euch, wenn ihr es schafft, wenn ihr euch sicher fühlt, dann sagt etwas - auch bei einem geilen Event und wenn ihr euch um euren Sponsor sorgt. Gebt zumindest anderen Support wenn sie sich trauen Rassismen zu benennen. (An dieser Stelle vielen Dank an die mir bis dahin nicht persönlich bekannte Maria - ich traue mich gerade nicht, dich zu nennen oder zu verlinken, gib mir kurz Bescheid, wenn es für dich okay ist - für unser kurzes Gespräch. Danach fühlte ich mich nicht mehr wie ein totaler Alien.)
Traut euch, unbequem zu sein. Sorgt dafür, dass ihr in den Spiegel gucken könnt und andere Alltagsrassismus nicht länger für die Norm halten. Mit jedem kleinen Wort streut ihr Zweifel und entzieht solchen menschenverachtenden Aussagen die Macht. Denn ob ihr sie wollt oder nicht: Ihr lebt nun mal in dieser Welt und tragt damit die Verantwortung für kommende Generationen. Und ich für meinen Teil würde gerne auf eine Wiederholung des 1000jährigen Menschenhasses verzichten.

In Liebe

Shermin

P.S.: Die Kommentare sind moderiert. Mein Blog. Meine Party. Nur so als Troll-Info. Zwinker. Zwinker.

Mit dem Lastenrad durch Berlin [Werbung]

Ich habe es getan - ich bin eindeutig unter die Hipster gegangen. Ich kaufe Macadamia Milch, trinke gerne Chai Latte, spinne meine eigene Wolle, töpfere unser Geschirr, habe mich erfolgreich vermehrt und jetzt haben wir uns als Familienkutsche auch noch so ein Lastenrad zugelegt - zwecks Kindertransport. Einen Schnurrbart und Monokel trage ich immerhin noch nicht und meine Socken sind auch stilvoller als beim Hipsterdurchschnitt: schwarz, what else. 😉

Perfekt für die Fahrt durch Berlin: Ein Lastenrad!

Veränderte Bedürfnisse als Familie

Vor einem Kind kann man das Ausmaß der Lebensveränderungen ja meist nicht so ganz ermessen und nickt nur immer leicht genervt und augenrollend, wenn einem jemand kurz vor der Geburt noch leicht hämisch zuraunt: "Tja, euer bisheriges Leben ist jetzt vorbeeei!" (Ja, solche Menschen sind gar nicht so selten. 😉 ) Aber erstmal: Das bisherige Leben ist nach anfänglichem Chaos natürlich nicht vorbei. Ich verweigere schlicht die Aufgabe des eigenen Ichs und sämtlicher damit zusammenhängender Interessen. Aber das Leben ist natürlich anders und... erweitert. Man hat weniger Zeit für sich und muss sehr viel geplanter an Dinge heran gehen - schließlich hat man jetzt die Verantwortung für einen funkelnagelneuen Kleinstmenschen und dessen Bedürfnisse. Und so verschiebt sich mein persönlicher Fokus hier im Blog eben auch etwas, was ich als natürlichen Prozess empfinde. Ich habe schon länger darüber nachgedacht Dinge, die uns den Alltag erleichtern und die ich als Bereicherung im täglichen Leben mit einem Kleinkind schätze, auch hier vorzustellen. Wenn ich meinem Freundeskreis davon berichten kann, dann ja wohl auch Euch. 🙂

Und die größte Neuerung und Neuerwerbung, die massiv unseren Alltag verändert, ist der Kauf des Babboe Curve-E. Wir haben sehr, sehr, sehr lange darüber nachgedacht, die Anschaffung ist für uns immerhin nicht gerade winzig, auch wenn die Bakfiets von Babboe noch zu den günstigeren Lastenfahrrädern gehören. (Und hey – im Vergleich zu einem Auto gewinnen sie eh preistechnisch.)

Babboe Lastenrad Curve-E

Wohnen im Herzen Berlins

In der Hauptstadt ist es total normal, kein Auto zu besitzen. Und so praktisch es ab und an wäre - zumindest in unserer Altersgruppe/Freundeskreis ist es nicht Gang und Gäbe – während es im Ruhrpott, wo ich aufwuchs, quasi Standardausrüstung ist. Wir wohnen im Herzen Berlins, quasi Hipstertown, und fast alles ist gut fußläufig oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, selbst Autobesitzer*innen fahren lieber mit den Öffis zur Arbeit, weil es oft schneller geht und die Parkplatzsituation auch nicht immer wirklich schön ist. Wir sind halt bisher immer mit dem Rucksack oder dem Rad einkaufen gegangen. Allerdings gibt es einige Eckchen, wo man doch ein Weilchen hin laufen muss. Und ab und an – wenn man etwas Größeres einkaufen will, muss man Autobesitzer*innen im Bekanntenkreis um Hilfe bitten.

Mit dem Kinderwagen durch die Hauptstadt

Aber so nett die öffentlichen Verkehrsmittel sind - sie sind absolut unzureichend, wenn man als Mensch nicht gemäß der Norm funktioniert und zum Beispiel körperlich eingeschränkt ist. Und ansatzweise ähnlich ist es auch, wenn man einen Kinderwagen hat. Die Kita-Situation in Berlin ist ein wahrer Albtraum - wir haben nur durch Zufall einen Platz bekommen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Kinderladen (wenn alles am Schnürchen klappt) 30 Minuten entfernt – und meist klappt es halt eben nicht. Und sehr, sehr oft, sind an beiden Enden der Bahnstrecke die Aufzüge kaputt oder sogar willentlich gesperrt (warum auch immer, liebe S-Bahn Berlin).
Während ich also beobachten durfte, wie Menschen mit Krücken verzweifelt versuchten Treppen hochzukommen, war ich damit beschäftigt, unseren superwendigen, aber sehr massiven, Kinderwagen Treppen hoch und runter zu wuchten. Erwähnte ich, dass ich unter 1,60 m und jetzt nicht gerade Arnold Schwarzenegger bin? Jede/r, der das schon mal gemacht hat weiß, wie gefährlich es ist, einen sperrigen Kinderwagen diese Treppenabgründe hoch- oder hinunter zu bekommen - und das ist die Situation,die uns während der Sommermonate den Alltag bereicherte. Was jetzt zur Herbst- und Winterzeit passiert, wenn eine Schneeflocke das Berliner S-Bahn-Netz mal wieder ins totale Chaos stürzen wird, mag ich mir kaum vorstellen. Strande ich mit dem Kinderwagen, darf ich gute 40 Minuten nach Hause spazieren – was für uns täglich schlicht keine Option ist. Mit dem Lastenrad lege ich die Strecke aber in 10 bis 15 Minuten zurück und bin absolut unabhängig vom Schienenverkehr.

Beim Radfahren das Kind im Blick

Ein Lastenrad liefern lassen...

Wir haben unser Rad nicht bei einem Fahrradladen gekauft, sondern direkt beim Hersteller Babboe erworben. Das ging erstaunlich gut, die Lieferfrist beträgt so allerdings circa 4 Wochen. Das Rad kam fertig zusammengebaut, gut verpackt in einem monströsen Karton via Spedition bei mir an. Auch mitbestelltes Zubehör, wie zum Beispiel der Kleinkindersitz, lagen praktischerweise der Lieferung direkt bei. Der nette Fahrer ließ mich sogar ein Foto von ihm und dem Rad machen.
Das nur als kleine Randinfo für Interessierte, die nicht in Ballungsgebieten mit dem Babboe-Händler direkt in der Stadt wohnen. Ich empfehle allerdings mit dem Rad nochmal zur Kontrolle eine Fahrradwerkstatt aufzusuchen – bei mir stellte sich heraus, dass die Gangschaltung nicht richtig eingestellt war. Wer erstmal ein Lastenrad probefahren und es dann vielleicht sogar sofort mitnehmen möchte, der ist natürlich bei einem niedergelassenen Händlern besser aufgehoben. Auf der Homepage von Babboe findet sich eine Liste mit Adressen der offiziellen Händler. Ich habe das große Glück, dass einer davon direkt bei mir um die Ecke liegt, wo ich mit dem Rad auch zum ersten ausführlichen Check up hingerollt bin.

Die Lieferung des babboe Curve-E via Spedition

Und? Wie war die erste Fahrt mit dem Babboe?

Die erste Fahrt stand an -  und bei mir gab es großen Respekt vor diesem Fahrzeug, das ja richtig bedient werden will. So viel Technik und mit Gängen hin und her schalten hatte ich gar nicht erwartet und es überforderte mich auf den ersten Blick bei allem Neuen und beim Einlesen in die Anleitung etwas. Aber nach den ersten hundert Metern und den ersten Kurven stellte sich langsam etwas Gewohnheit ein – zum einen macht das Fahren richtig Spaß und nach den ersten Fahrten geht einem die Schaltung in Fleisch und Blut über.

Das erste Aufsitzen und Anfahren im geschützten Innenhof fühlte sich auch noch etwas wackelig und sehr unsicher an - wie ich bemerkte ist das allerdings keine Instabilität des Rades, sondern die Empfindlichkeit und Leichtgängigkeit, mit der dieses große Lastenrad auf Berührungen, Drehungen des Lenkers, Anfahren reagiert. Leicht abschüssig und einmal kurz angestippt, rollt das Babboe ohne angezogene Feststellbremse einfach weg (ja, samt Kind und allen Göttern sei Dank nur im Hausflur 😉 ), was ich bei dem Gewicht und der Masse schon sehr krass (gut) finde.
Das Fahren mit dem Lastenrad ist schon anders im Vergleich mit einem normalen Zweirad. Inzwischen fühle ich mich sicherer mit meinem Babboe und kurve immer beherzter durch den Kiez - im Schnitt bin ich zwischen mit 12 bis 21 Km/h unterwegs. Und ihr könnt euch gar nicht mein glückliches Grinsen vorstellen, wenn der Wind die Verspätungsansage zu mir herüber weht, während ich in Ruhe die S-Bahn-Strecke entlang radle und mir die Sonne auf die Nase scheint.

die erste Fahrt mit dem Lastenrad durch Berlin

Mit dem Lastenrad durch Berlin:
Unabhängigkeit auf drei Rädern

Um ehrlich zu sein, ich hatte bis zuletzt wirklich große Zweifel, ob so ein E-Bike-Lastenrad etwas für uns ist, schließlich bin ich klein, fett und echt unsportlich. Aber inzwischen bin ich wirklich überzeugt vom Rad – es ist für uns, in einem Alltag mit Kleinkind, schlicht Unabhängigkeit auf drei Rädern: Ausflüge, Einkaufen, Kind hin und her transportieren - ideal für eine Stadt wie Berlin, wo man nicht freiwillig Autofahren will, die S-Bahn oft ausfällt oder viele Ecken schlicht nicht erreicht.
Wir haben sehr lange das Für und Wider erwogen, hier unsere Überlegungen für das Babboe Curve-E nochmal in der Übersicht:

  • Das Elektro-Lastenrad erschien uns persönlich als die bessere Alternative zum E-Bike mit Kindersitz oder Anhänger, was Stauraum, Bequemlichkeit und Zugang zum Kind anbelangt. Ich habe das Kind während der Fahrt vor mir ständig im Blick und kann so beispielsweise kommunizieren, anhalten und Dinge reichen - ich sag nur:„Keeeekskreeeiiiisch!“ -, was bei Rücksitz oder einem Anhänger nicht möglich ist.
  • Die Unabhängigkeit mit Kind von den öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Die elektronische Trittunterstützung (Fahrrad + Kind + Gepäck würde ich vom Fitnesslevel her sonst nicht packen). Berlin ist nicht ganz so flach, wie man sich vielleicht denkt. Ein winzigkleiner Exkurs in die Geografie: Wir sind am Rand des Berliner Urstromtals – das wird ziemlich genau bei unserer Straße von der Endmoräne des Barnim (der Dreck, den der eiszeitliche Gletscher damals mitschleifte) begrenzt. Und diese Endmoräne sorgt für eine kleine Steigung, die ich nicht mit Krempel, Kind und Rad bewältigen kann und will.
  • Der Stauraum. Die erste Fahrt mit dem Babboe von der Kita zurück, ein spontaner Halt samt Kind an einem Supermarkt und dort beim Einkaufen die Erkenntnis: Ich muss mich zum ersten Mal nicht limitieren und überlegen: Kann ich das kaufen? Wie soll ich das nach Hause transportieren? Beispiele gefällig: Unser Lebensmitteleinkauf für anderthalb Wochen passt neben dem kleinen Fahrgast problemlos und mit viel Platz hinein.
    Für den WollWechsel, ein von mir organisiertes Crafting-Event in Berlin, musste ich am Wochenende kistenweise Material transportieren – kein Problem. Und ganz ehrlich, wenn ich daran denke, dass ich im nächsten Frühjahr nicht Fahrradgepäckträger Tetris spielen und überlegen muss, welche Pflanzen ich mir im Pflanzenmarkt gönnen darf und wie um Himmels Willen ich die dringend benötigte Pflanzenerde heim bekommen soll, freue ich mich ich einfach.
  • Es ist kein Auto. (Ja, das sehe ich tatsächlich als Vorteil) Wir produzieren keine Abgase, kein Feinstaub, müssen keinen Parkplatz suchen oder horrende Automobilversicherungen und Benzinkosten entrichten.

Vollgepacktes Lastenrad nach dem WollWechsel

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig wie ein unreflektiertes Loblied, aber ich habe bisher schlicht fast nur gute Erfahrungen mit meinem Lastenrad gemacht (bis auf den dämlichen Nupsie an der Lenkerseite, den ich ständig verliere, und den etwas komplizierten Einbau des Kleinkindersitzes.). Auch die Straßentauglichkeit im Winter ist noch offen. In Berlin gibt es ja meist eher mehr Feuchtigkeit als Schnee und Eis und die Straßen sind meist gut geräumt – darauf und auf die guten Berichte zum Babboe in der Winterzeit zähle ich – hoffentlich nicht zu blauäugig. Was für mich ein weiterer Negativpunkt ist, dass ich mit dem Lastenrad keine Züge oder S-Bahnen nutzen darf - auch nicht in ausgewiesenen Fahrradabteilen. Damit bin ich persönlich mit dem Rad relativ in der Reichweite eingeschränkt. Wie es sich mit dem Babboe langfristig verhält, muss ich sehen, ich habe inzwischen sanft läuten hören, dass das Rad anfällige Räder hat. Mal sehen, wie sich das entwickelt, Erfahrungen werden dann hier noch ergänzt.

Dieser Artikel ist als Werbung gekennzeichnet, da er in Kooperation mit Babboe entstand. Ich bemühe mich sehr, dennoch ein objektives Bild meiner Erfahrungen mit dem Lastenrad abzugeben.

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Knabberkram: Scharfe Blätterteigschneckchen mit Harissa

Ich weiß nicht, ob das auch bei euch in der Familie oder dem Freundeskreis zu trifft, aber bei mir ist es so, dass es mindestens immer einen Menschen gibt, der lieber was Herzhaftes knuspert anstatt zu nem Stück Kuchen zu greifen.

Rezept für Blätterteigschnecken mit Harissa

Unvorstellbar? Gar nicht mal so sehr. Selbst ich Schokoholic greife beim Kaffeetrinken gerne nach was Salzigem, um nicht der Versüßung anheim zu fallen. (Bin ja auch schon süß genug, wa?) Und wenn die Familie zum Kaffee zusammenkommt, weiß ich, dass ich meinem Schwiegervater mit unsüßem Knabberzeug eher einen Gefallen tue, als mit nem Lemon Meringue Pie. 😉 Also halte ich immer was kleines Selbstgemachtes für ihn bereit.

Fingerfood: Rezept für Blätterteigschnecken mit HarissaFingerfood: Rezept für Blätterteigschnecken mit Harissa

Fingerfood: Blätterteiggebäck zum Wegknabbern

Wie zum Beispiel diese leckeren Blätterteigschnecken mit Käse, Schinken, Tomatenmark, Thymian und Harissa. Da ich hier auf gekauften Blätterteig zurückgreife, sind sie wirklich schnell gebacken - nicht zu aufwändig aber dennoch selbstgemacht. Blätterteiggebäck ist jetzt zwar nicht gerade ein diätisches Lebensmittel (als ob es das hier auf dem Blog mit Absicht gäbe...), aber es steht ja auch nicht täglich auf dem Ernährungsplan. Die Harissa-Schnecken machen sich auch gut als Partygebäck, essbares Mitbringsel oder eben als netter Knabberkram für einen Abend mit Freunden und nem netten Craftbeer. Die kleinen Gebäckstücke eigenen sich bestimmt auch für Kinder / Kindergeburtstage - dann natürlich ohne Harissa.

Was ist eigentlich Harissa?

Harissa* ist eine scharfe Würzpaste, die ursprünglich aus dem Maghreb stammt (Tunesien, Marocco, Libyen, Algerien) und dort in der täglichen Küche fast überall Verwendung findet. Quasi sowas wie das arabische "Maggi" - nur dass es sich hier um eine aromatische und sehr scharfe Paste aus zerriebenen Chilischoten, Knoblauch und Koriandersaat handelt, nicht um eine braune Würzsauce. Aber vielleicht hilft ja dieser grobe Vergleich. In Deutschland sind in orientalischen Lebensmittelgeschäften meist auch Tuben mit dieser Gewürzpaste aus Tunesien erhältlich. Wer nicht an Harissa herankommt, kann im Notfall auch einfach ein wenig Chilipulver zum Würzen des Tomatenmarks nehmen. Zusätzliches Salz ist nicht notwendig, Schinken und Käse sind herzhaft genug. Wer jetzt neugierig ist, kann ja auch noch mein Rezept für Batata Harra (arabische Ofenkartoffeln) mit Harissa ausprobieren.

Fingerfood: Rezept für Blätterteigschnecken mit Harissa

Rezept für scharfe Blätterteigschnecken mit Harissa

1 Paket TK Blätterteig (6 Platten)
6 Scheiben milder Schnittkäse (zum Beispiel Gouda)
6 große Scheiben Prosciutto oder ein anderer roher, dünn aufgeschnittener Schinken
3 EL (gehäuft) Tomatenmark
1 TL (gehäuft) Harissa*
getrockneter oder frischer Thymian

Zubereitung

  • Den Blätterteig nach Packungsanweisung auftauen lassen.
  • In einem Schälchen das Tomatenmarkt gründlich mit der Harissa vermischen
  • Ist der Blätterteig aufgetaut, bestreicht man jede Teigplatte dünn mit der scharfen Tomatenpaste. Das geht mit einem einfachen Buttermesser als Hilfsmittel sehr gut.
  • Hierauf jetzt jeweils eine Schinkenscheibe legen. Die Länge und Breite des Schinkens sollte der Größe der Blätterteigplatte entsprechen. Ist dies nicht der Fall, kann man natürlich auch zwei oder mehr Scheiben nebeneinander legen.
  • Großzügig den gewaschenen, abgezupften frischen Thymian oder getrocknete Blättchen über den Schinken streuen.
  • Die Käsescheiben auflegen. Sie müssen nicht die volle Länge des Teiges bedecken, sollten aber in der Breite nicht über den Rand ragen.
  • Mit sanftem Druck den Blätterteig nun samt Füllung von der schmalen Seite her aufrollen.
  • Die Teigrollen mit einem scharfen Messer in circa 1,5 cm dicke Scheiben schneiden, mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen und auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen bei 175° (Umluft) ungefähr 20 Minuten backen, bis sie goldbraun sind.

Harissa Food Label [Werbung**]

Im Rahmen der Grünen Woche hier in Berlin war ich im Januar zu einem Event im Kochhaus (An dieser Stelle: Wirklich supernette Servicekräfte. Danke für den schönen Abend!) eingeladen. Wir kamen an diesem Abend zum Kochen zusammen, um über das "Food Quality Label Tunisia" informiert zu werden. Unter diesem Namen haben sich sieben Herstellerfirmen zusammengeschlossen, die sich selbst verpflichten nach traditionellem Rezept (5 Zutaten: Chilis, Knoblauchpaste, Koriandersaat, Kümmel & Salz) und mit besonderer Nachvollziehbarkeit und Transparenz in der Produktion zu arbeiten. Ein Zwischending aus Produktschutz (sehr zum tunesischen Leidwesen produzieren nämlich inzwischen auch europäische Firmen harissaartige Würzsaucen mit einer ellenlangen Zutatenliste), dem Drängen auf den europäischen Markt (wodurch die Qualität einheitlicher und der Hygienestandard gehobener sein muss) und Sicherung und Stabilisierung von an Arbeitsstellen. Die beteiligten Hersteller waren auch mit Mitarbeiter/innen vor Ort und man kam rund ums Kochen und Essen etwas ins Gespräch. Unter Anleitung des Kochs (dessen Name ich leider verdrängt habe - leider gab es nur Platzkärtchen und keine Namensschildchen zum Anpinnen..) zauberten wir ein wunderbares Mehrgangmenü. Besonders überrascht hat mich hierbei das Dessert. Das etwas zu saure Himbeerzeug habe ich nicht weiter beachtet, aber das Schokoladenmousse mit Harissa war tatsächlich göttlich. Und dabei hasse, hasse, hasse ich sonst Schokolade in Verbindung mit Chili. Viele Hersteller gehen da geschmacklich schlicht brachial vor - aber hier kam es als runde Note, mehr als sanfte Ahnung, zum Schluss zur Geltung, nachdem die Schokolade auf der Zunge zergangen war. Ich bin ja immer bereit, mich kulinarischen Belehrungen zu beugen und kleine Offenbarungen hinzunehmen, hier ist es mal wieder geschehen.

Kochen mit Harissa

Und für die Neugierigen folgen hier noch ein ein paar Fotos von mir beim Kochen. Hauptsächlich Bilder, auf denen ich äußerst finster und wenig dekorativ auf Lebensmittel starre. Nein, die armen Dinger haben mir nichts getan - auch wenn das Schälen der gerösteten Paprika einem mittelschweren Massaker glich. So gucke ich einfach, wenn ich mich konzentriere. 😉 Und wer genau hin schaut, findet auch Franziska von Dynamite Cakes, die mit mir zusammen beim Event war. Sie war auch so nett, das Foto von mir, der aufgespießten Garnele in Zwiebelkeimlingstroh und meiner Augenbraue zu machen und mir zur Verfügung zu stellen, welches sich in der oberen Bildcollage zusammen mit meinen Instagram-Schnappschüssen des Abends tummelt.

*Afiliate-Link zu Amazon. Bei einem Einkauf hierüber erhalte ich eine kleine Provision.
** Werbung. Ich kennzeichne diesen Part meines Artikel, weil wir dort zum Essen geladen waren. Geld ist keines geflossen, meine Meinung bleibt davon auch unberührt.

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