Berliner Freestyle-Küche, quer durch Kontinente & Zeitzonen

Raspberry Bars – Rezept für süße Himbeerschnitten

Letztens wies ich hier auf diese köstlichen Lemon Bars hin - was bei mir die Frage aufwarf: Geht das nicht auch mit Himbeeren? Also unten köstlich-buttriger Vanille-Mürbeteig, obendrauf fruchtig-frischer, süßer gebackener Himbeer-Custard?

 

Rezept für Himbeerschnitten/Raspberry Bars

 

Unkomplizierter Himbeerkuchen

Die Antwort lautet: Na klar geht das! (Sonst wäre dies auch ein sehr kurzer Artikel. 😅) Zwar werden die Himbeeren durch ein Sieb gestrichen, aber das ist schon das Komplizierteste an diesem Himbeerkuchen. Hier muss kein Mürbeteig mit kalter Butter geknetet werden, im Kühlschrank vor sich hin ziehen, nur um dann steinharten Teig ausrollen zu dürfen. Flüssige Butter wird einfach mit dem Mehl verrührt und direkt in die Form gegeben, flach gedrückt und gebacken - es kann manchmal so simpel sein.
Außerdem bekommt ihr auch noch eine zusätzliche Kurzanleitung für einen Himbeerlikör aufgedrückt.

 

Raspberry Bars - ein einfacher und köstlicher Himbeerkuchen

Rezept für einfachen Himbeerkuchen

 

Himbeerschnitten: Frische oder TK-Himbeeren?

Ich nutze hierfür ganz simpel tiefgefrorene Himbeeren, die ich auftauen lasse. Natürlich können für die Raspberry Bars auch frische Himbeeren Verwendung finden, das finde ich persönlich aber meist zu schade, da das Kind und ich diese lieber pur wegnaschen. Aber macht nur - ihr seid da ganz frei. Und mit Erdbeeren (da würde ich die Früchte wahrscheinlich einfach pürieren) kann ich mir das Rezept übrigens auch ganz gut vorstellen!

Falls ihr auf der Suche nach noch einem schönen Himbeerrezept seid, möchte ich euch angesetzten, süßen Himbeeressig ans Herz legen. Dieser zaubert eine wundervoll fruchtig-süße Note ins Dressing und ist ganz nebenbei auch noch ein hübsch-köstliches Geschenk aus der Küche.

Noch ein Tipp: Nachdem Beigabe der Eier durch das Backen verfärbt sich die Himbeermasse der Raspberry Bars eher in Richtung Grau-Lila-Pink. Wer es rötlicher möchte, kann etwas rote Lebensmittelfarbe hinzu geben.

 

Rezept für Raspberry Bars / Himbeerschnitten

 

Rezept für Raspberry Bars / Himbeerschnitten

Für den Mürbeteig:
175 g Mehl
130 g geschm. Butter
60 g Zucker
1/8 TL gemahlene Vanilleschote*, alternativ Mark einer Vanilleschote

Für den Himbeer-Custard:
175 g Zucker
5 Eier
300 g Tiefkühlhimbeeren
100 g Wasser
30 g Zitronensaft
50 g Butter
50 g Mehl

Optional: rote Lebensmittelfarbe

Zubereitung

  • Himbeeren auftauen lassen. 100 ml Wasser dazu geben, anquetschen und durch ein feines Sieb passieren, so dass fast nur Kerne im Sieb zurückbleiben. Achtet darauf, das Himbeermark an der Unterseite des Siebs immer wieder währenddessen abzustreichen.

 

  • Daraus sollten sich circa 250 g Himbeermasse ergeben. Sollte es nicht ganz reichen, kann mit einem Esslöffel Wasser ergänzt werden.

 

Tipp zur Resteverwertung: Die Himbeerreste nicht wegwerfen, sondern in ein hohes Schraubglas geben, mit 200 ml Vodka oder Korn aufgießen, die ausgekratzte Vanilleschote oder etwas Vanillepulver hinterher werfen, zuschrauben, schütteln, für 2 Wochen vergessen. Dann abseihen, abwiegen und mit der gleichen Menge Läuterzucker (einfacher Sirup) ergänzen.

 

  • In einer Schale alle trockenen Zutaten für den Teig miteinander vermischen.

 

  • Flüssige Butter dazu geben, mit einem großen Löffel oder einem Backspatel verrühren, bis der Teig von der Konsistenz her wie fettige Knete ist.

 

  • Eine Browniebackform* (eckige Auflauf- oder Backform in den klassischen Maßen 23 x 23 cm) mit Backpapier ausschlagen. Wenn man die Ecken einfaltet, geht das mit einem rechteckigen Stück Backpapier sehr gut.

 

  • Teig auf dem Boden verteilen, mit den Fingern/einem Esslöffel andrücken und so eine gleichmäßige Fläche bildern. Wer mag kann ein zylindrisches Trinkglas zum Ausrollen nutzen. Der Mürbeteig soll nur flach der Boden bedecken und keinen Rand bilden.

 

  • Den Boden für den Himbeerkuchen im vorgeheizten Backofen bei 175 °C (Umluft) auf der mittleren Schiene für circa 20 Minuten goldbraun backen.

 

  • In der Zwischenzeit Mehl und Zucker in einer Schüssel vermengen und die mit dem Zitronensaft vermischte Himbeermasse mit einem Schneebesen einarbeiten.

 

  • In dieses Gemisch nun zuerst die flüssige Butter und dann die Eier einrühren, so dass sich eine homogene Masse bildet.

 

  • Die Form mit dem fertiggebackenen Mürbteigboden aus dem Ofen nehmen. Und die Eiermasse direkt auf den heißen Mürbteigboden gießen. Bitte nicht stehen und durchweichen lassen, sondern sofort in den heißen Ofen zurückgeben.

 

  • Die Himbeerschnitten bei 175 °C (Umluft, mittlere Schiene) circa 25 Minuten backen, bis die Himbeermasse gleichmäßig gestockt sind.

 

  • Den Himbeerkuchen aus dem Ofen nehmen, runterkühlen lassen und in Stückchen schneiden. Mit Puderzucker bestäuben und servieren.

 

Step-by-Step-Anleitung Himbeerkuchen

Da sie so schön kompakt und flach sind, lassen sich die Raspberry Bars nach dem Abkühlen hervorragend in Dosen verpacken und zum Beispiel zu einem Picknick mitnehmen. Im Kühlschrank werden sie noch etwas fester und halten sich ein paar Tage (wenn ihr denn so lange die Finger davon lassen könnt). Viele tolle Gründe, warum ich diese schnell gemachten und buttrig-fruchtigen Himbeerschnitten zum großen virtuellen  Picknick zu Zorras monatlichem Blogevent mitnehme. Die Gastgeberin für das schöne Sommerpicknick ist in diesem Monate übrigens Katja von dem Foodblog "Kaffeebohne".

Blog-Event CLXXXVIII – Wir treffen uns zum Picknick! (Einsendeschluss 15. August 2022)

*Werbung: Affiliate-Link zu Amazon. Bei einem Kauf hierüber erhalte ich eine geringe Vergütung. Vielen Dank! 😄

Cremiger, fruchtiger & alkoholfreier Cocktail für die Sommerzeit

Die nächste Hitzewelle rollt heran und ich bin auf meinem Handy gerade über Schnappschüsse des letzten Sommerst gestolpert - deswegen gibt es für euch jetzt dieses wunderbare pi-mal-Daumen-Rezept zum Abkühlen.

 

Schneller Sommercocktail für Kinder aus drei Zutaten

 

Alkoholfreier Sommercocktail mit nur 3 Zutaten

Wie ist ein guter (virgin) Cocktail? Da gibt es die Cocktailvarianten, die cremig-sahnig sind. Fruchtig mag ich es auch, tatsächlich ist das eine erstaunlich gute Kombination. Aber wir hantieren jetzt hier nicht mit cremigen Likören, Sahne und einem Mixer, sondern schmeißen einfach etwas cremige Eiscreme ins Glas.

Vielleicht erinnert ihr euch aus eurer weit entfernten Jugend noch an dieses geniale Gebräu namens Schlammbowle? Allerlei Früchte, Alkoholika, Säfte und geschmolzenes, in die Flüssigkeit eingerührtes Vanilleeis ergaben da eine riesige, köstliche Schüssel mit Vanilleschlamm obenauf. Nach selbigem Prinzip gehen wir hier auch vor.

 

Einfacher, schneller alkoholfreier Cocktail - Rezept

 

Kühler Blitz-Cocktail für Kinder

Ich verwende hierfür gerne veganes Vanilleeis, gerne auch mit einer Fruchtkomponente wie Mango - aber herkömmliche Vanilleeiscreme funktioniert hier ebenso gut. Und natürlich könnt ihr auch andere Saft benutzen - zum Beispiel Orangensaft, Ananassaft oder Multivitaminsäfte mit starker Passionsfruchtnote? Ein bekannter Eishersteller bietet ja ein geschmacklich recht ähnlich aufgebautes Eis am Stiel an, das im Kern aus Vanilleeis besteht und außen herum aus Maracuja-Fruchteis. Apropos Fruchteis: Mit Himbeereis oder ähnlichem könnte ich mir das auch vorstellen - das ist aber bei uns noch ungetestet.
Mein Kind war jedenfalls begeistert und fand diesen kühlen, süßen Drink für den Sommer ganz wunderbar. Und ganz ehrlich - der lässt sich halt auch einfach gut weg trinken.

 

Rezept für einen erfrischenden, einfachen Virgin-Cocktail gegen Sommerhitze

 

Rezept für einen Sommercocktail für Kinder

Klarer Apfelsaft (100% Frucht)
Vanilleeis
Eiswürfel
Optional zur Dekoration: Je 1 Kirsche/Himbeere/aufgeschnittene Erdbeere pro Glas

Equipment: Trinkglas mit circa 0,33/0,4 l Fassungsvermögen, Strohhalm, Löffel

Zubereitung:

  • Je nach Größe 4-6 Eiswürfel pro Person in ein Trinkglas geben.
  • Mit Apfelsaft auffüllen.
  • Pro Glas 2 dicke Esslöffel Eiscreme hinzugeben.
  • Vorsichtig umrühren, so dass oben eine Schicht aus Eiscreme und Vanilleschaum ist - der Apfelsaft sich aber mit dem schon geschmolzenem Eis vermengt.
  • Optional: Kirsche, Himbeere oder eine ausgeschnittene Erdbeere aufsetzen und servieren.

 

Lemon Bars – Rezept für köstliche Zitronenschnitten

Zitronen und fruchtig-spritzig-zitronige Köstlichkeiten gehören für mich zum Sommer dazu - und zwar nicht nur als Zutat zu herzhaften Salaten, sondern gerade als Süßspeise.

 

Rezept für Lemon Bars aka Zitronenschnitten

 

Rezepte für wundervolle Zitronenkuchen

Hier im Magischen Kessel findet ihr ein schönes Rührkuchenrezept für Zitronenkuchen, aber auch für Lemon-Cardamom-Sticky Buns mit wundervollen Zitronenzesten und natürlich auch ein Rezept für Lemon Meringue Pie - für den eins allerdings vorher schon Lemon oder Lime Curd kochen muss. (Und wer gar nicht backen möchte, kann sich an Lemon Posset mit gekauften Butterkeksen oder Shortbread erfreuen.)

 

Rezept für Lemon Bars

Lemon Bars = Lemon Curd plus Kuchen

Mit diesen Zitronenschnitten aka Lemon Bars nehmt ihr quasi die kulinarische Abkürzung für Lemon Curd - ohne dies vorher langwierig kochen zu müssen. Der vanillelastige Mürbeteigboden benötigt auch keine Ruhezeit, sondern wird mit flüssiger Butter angerührt, in die Form gedrückt und nach dem Vorbacken kommt eine Masse aus Zitronensaft, Zitronenzesten, Butter, Zucker und Eiern auf den noch heißen Boden und wird durchgebacken.
Das Ergebnis ist ein knuspriger Boden mit einem cremigen, zitronigen Lemon-Curd-Custard - also eine Art gebackener Pudding - obendrauf. Sehr reichhaltig, aber halt einfach mal unglaublich göttlich, aromatisch und geschmacksintensiv.

Mein Rezept für die Lemon Bars habe ich schon vor einigen Jahren veröffentlicht, allerdings nicht in diesem, sondern in meinem inzwischen aus Zeitmangel leider relativ brach liegenden Foodblog "Lesehunger". Dort findet ihr das Rezept für die Zitronenschnitten als "Sansas Zitronenküchlein".  Dennoch wollte ich meinen Leser*innen hier diesen Zitronenkuchen nicht vorenthalten. Da ich ihn letztens erst wieder gebacken habe, dachte ich, ich lasse euch hier mal einen kleinen Wegweiser da. Wie dem Namen zu entnehmen, kommt vor dem Rezept erst einmal ne Runde was zu Game Of Thrones. Scrollt einfach nach unten, dann gelangt ihr zum Kuchenrezept.

Liebe Grüße und bis bald

Shermin

 

Rezept für Zitronenkuchen aka Lemon Bars

Rezept für schnelle Apfeltaler – neues Leben für alte Runzeläpfel

Apfeltaler sind schnell zusammengeknetete, kleine, kuchige Gebäckstückchen aus Quark-Öl-Teig mit frischen Apfelstückchen darin, die nach rund 20 Minuten Backzeit direkt aufgeknabbert werden können. Blitzschnell gemacht sind sie frisch außenrum angenehm knusprig, im Innern locker, apfelig, vanillig - und da sie ohne Eier auskommen, kann man hier auch gut kleine Kinder im Teig rumkneten lassen.

 

Rezept für schnelle und köstliche Apfeltaler - perfekt zur Resteverwertung alter Äpfel

 

Resteverwertung von alten Äpfeln

Ihr kennt das: Ihr geht an der Obstschale vorbei und da gucken sie euch traurig und leicht vorwurfsvoll an - ein paar runzelige Äpfelchen, die niemand mehr so essen möchte. Zum Wegwerfen sind sie aber auch zu schade, weil noch sind sie ja gut. Wenn auch etwas sehr faltig und labberig. 😅 Wie gut, dass ich da letztens auf Juttas Apfeltaler stieß, die das Rezept wiederum von Slava hat.
Natürlich könnt ihr auch einfach frische Äpfel verwenden, ich finde es aber immer ganz praktisch solche Rezepte im Ärmel zu haben. Nahrungsverschwendung widerstrebt mir und ich mag es, Zutaten einfach und unkompliziert doch noch verbrauchen zu können. Falls die Apfelschalen und -griepsche von Bio-Äpfeln sind und zusätzlich auch noch gut und aromatisch genug sind, könntet ihr damit sogar zusätzlich noch einen vanilligen Apfellikör ansetzen.
Wobei bei uns meist eher Bananen zu reif werden, weswegen sich hier im Blog eher die Rezepte zur Resteverwertung dieser Früchte tummeln. Wenn ich überreife Bananen also nicht ganz simpel für Nicecream oder Smoothies einfriere, dann schenken ich ihnen gerne ein neues kulinarisches Leben als Bananenpudding, Bananeneis am  Stiel mit Walnüssen, Banana-Buchweizen-Pancake aus dem Backofen, Banana Cheesecake oder als Black Banana Cake.

 

Runzlige, alte Äpfel für Apfelküchlein

 

Meine Apfeltaler, deine Apfeltaler...

Das Rezept eignet sich übrigens hervorragend für Variationen. Werft ne Hand voll Rosinen, Cranberrys oder Mandelstückchen dazu - oder würzt vielleicht mit Apple Pie Spice statt reiner Vanille?

Ich habe die kleinen Kuchen aka Apfeltaler abschließend mit Zimtpuderzucker (Puderzucker und Ceylon-Zimt mischen und durch ein Sieb streichen) bezuckert, Slava nutzt einfach Puderzucker, Jutta nimmt feinen Kristallzucker. Ihr könnte es da halten, wie es euch gefällt und passend ist. Vanillezucker ist beispielsweise auch noch eine schöne Idee.

Aber nun ab zum Rezept für die kleinen, schnellen Apfelküchlein!

 

Rezept für schnelle Apfeltaler - perfekt zur Resteverwertung alter Äpfel

Rezept für schnelle Apfeltaler

(für 12-15 Stück)

2 Äpfel (300-350 g, ungeputzt gewogen)
300 g Weizenmehl
200 g Magerquark
100 ml Sonnenblumenöl
100 g Zucker
15 g Backpulver (1 Beutelchen)
1/8 TL gemahlene Vanilleschote* (alternativ: Mark 1/2 Vanilleschote, Vanillezucker)
1 Prise Salz

Zum Bepudern: Puderzucker, Ceylon-Zimt, feines Sieb zum Durchstreichen.

Zubereitung

  • Äpfel schälen, in kleine Stückchen schneiden, in eine Schale geben und zur Seite stellen.

 

  • Alle trockenen Zutaten in eine große Backschale geben und vermischen.

 

  • Quark und Öl dazu geben und erst mit einem Löffel durchrühren, dann rasch von Hand durchkneten. (Da das anfangs recht feucht ist, trage ich hierzu einen Latexhandschuh. Alternativ: nutzt eine Küchenmaschine/Knethaken beim Handrührgerät)

 

  • Darauf achten, nicht zu lange zu kneten, nur bis der Teig gerade so bindet und kein loses Mehl mehr da ist.

 

  • Nun von Hand die Apfelstücke unterarbeiten.

 

  • Mit den Händen Teigklumpen von 65-70 g abnehmen, zu einer groben Kugel pressen, auf ein mit Backpapier bezogenen Blech setzen und etwas flach drücken.

 

  • Im vorgeheizten Backofen (mittlere Schiene 180 °C, Umluft) für 18-20 Minuten goldbraun backen.

 

  • Aus dem Ofen nehmen, auf dem Blech kurz etwas herunterkühlen lassen und noch warm mit Zimtpuderzucker bestäuben.

 

Schritt für Schritt Zubereitung der Apfeltaler

*Werbung: Afiliate-Link zu Amazon. Bei einem Einkauf hierüber erhalte ich eine geringe Vergütung. Danke!

No-Knead-Kulitsch: Rezept für ukrainisches Osterbrot

Viele können mit dem Begriff "Kulitsch" wahrscheinlich eher wenig anfangen. Ein Kulitsch ist ein zylindrisches, hohes Osterbrot - aus fluffigem Hefeteig und gerne noch verziert mit Zuckerguss -, das traditionell in Russland und der Ukraine gebacken wird.

 

Rezept für No-knead-Kulitsch Paska - köstliches ukrainisches Osterbrot

 

Kulitsch Paska - tradtionelles, ukrainisches Osterbrot

Wie auch hierzulande in Deutschland, gibt es natürlich auch in Osteuropa die Tradition Osterbrot bzw. Gebildbrot zu backen. Während es hierzulande eher der geflochtene Hefezopf (hier findet ihr meine Version) mit oder ohne Rosinen ist, der an die jüdische Backtradition der Challa erinnert, sind es dort eben "Paska". So weit ich es verstehe, ist Paska (was via Byzantisches Imperium und Oströmische Kirche in den Sprachgebrauch gelangte und auf Altgriechisch schlicht "Ostern" bedeutet) der Oberbegriff für Osterbrote im Ukrainischen. Es gibt zum Beispiel auch süße Pies mit Quarkmasse, die zu den Paska gezählt werden. Die Vokabel "Kulitsch" ist wohl russischen Ursprungs und bezeichnet eben eine spezielle Sorte Osterbrot: Hoch, zylindrisch, reichhaltiger Hefeteig aus Mehl, Butter, Eiern,  Mandelkernen, Rosinen und allerlei  Gewürzen wie Kardamom, Vanille und Muskat. Gerne mit Puderzucker bestäubt oder mit herrlich tropfendem Zuckerguss glasiert und mit Zuckerperlen bestreut.

Ukrainisches Osterbrot Kulitsch

Wie man sieht, ist Kulitsch Paska recht nahe mit unserem Stollen verwandt - mein Rezept für Christstollen ist jedenfalls sehr ähnlich aufgebaut. Und auch der italienische Panettone ist inhaltlich ein naher Verwandter - sogar, was die Form angeht! Und falls ihr  noch ein anderes Osterbrot backen wollt - guck doch mal rein in dieses Rezept für kurdisches Gursa - ein dickes, würziges Hefefladenbrot.

Kultisch angeschnitten - ukrainisches Osterbrot

 

No-Knead-Hefebrot - und wie schmeckt der Kulitsch?

Am Besten schmeckt der Kulitsch direkt ofenwarm mit etwas Butter. Der süße, reiche aber total fluffige und saftige Hefeteig voller wundervoller, in Orangensaft getränkter Trockenfrüchte (ich verzichte auf Rosinen und Zitronat - kein Zutaten-Shaming, aber Cranberrys sind einfach die besseren Rosinen), Schokolade, Orangenschale, Gewürzen und Mandeln - ein absoluter Traum.

Da es sich hier um eine zum No-Knead-Teig umgearbeitete Version mit insgesamt circa 17 Stunden Ruhezeit (Teiggare) handelt, kann man das ukrainische Osterbrot entspannt am Vorabend zusammenklöppeln, ihm ab und an etwas Liebe in Form von Dehnen und Falten zukommen lassen und am nächsten Tag relativ entspannt einfach in den Ofen schieben. Total gut - wird es hier jedenfalls wieder geben.

Frisch von Hand zusammengerührter No-Knead-Hefeteig

 

#Synchronbacken

Synchronbacken Ukraine Kulitsch PeaceNatürlich kam ich nicht von selbst auf dieses wunderbare Rezept - auch wenn ich einige Änderungen eingebaut habe. Die Idee zum No-Knead-Kulitsch hatte Birgit, die hierfür das Originalrezept ihrer ukrainischen Babuschka etwas leichter gemacht und umgearbeitet hat. Im Rahmen der von Zorra regelmäßig organisierten Aktion #Synchronbacken haben viele Hobbybäcker*innen am letzten Wochenende gleichzeitig das Rezept in Abwandlungen gebacken und Backprozess und Ergebnisse auf Instagram geteilt. Als kleines Zeichen - neben allem anderen, was wir derzeit sicherlich alle zu leisten versuchen im Großen wie im Kleinen - das wir gedanklich bei den Menschen in der Ukraine sind, die gerade diesen furchtbaren, ungerechtfertigten Krieg über sich ergehen lassen müssen. Es gibt viele solche Grauenhaftigkeiten in unserer Zeit (ich sage nur Armenien, Kurdistan oder Afghanistan) und wir dürfen als westliche Gesellschaft nicht die Augen hiervor verschließen. Ich habe immer noch einen Funken Hoffnung, dass die Menschheit irgendwann über sich selbst hinauswachsen und sich weiterentwickeln wird - hin zu einer gesamten, besseren, klügeren, toleranteren, friedlicheren Zivilisation. Ich meine - wir fliegen zu den fucking Sternen, dann sollten wir es doch wohl schaffen uns selbst, Gier, Hass und Ängste zu überwinden.

Und nach diesem kleinen, emotionalen Ausbruch.. Es ist doch einfach auch spannend zu sehen, wie verschieden ein und dasselbe Rezept umgesetzt wird und was in den anderen Küchen geschieht.

Deswegen - bevor es zum Rezept geht - bekommt ihr hier eine Übersicht über alle Teilnehmenden, die auch darüber gebloggt haben:

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf ¦ Martha von Bunte Küchenabenteuer ¦ Caroline von Linal's Backhimmel ¦ Bianca von ELBCUISNE ¦ Britta von Backmaedchen 1967 ¦ Désirée von Momentgenuss ¦ Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum ¦ Susanne von magentratzerl ¦ Simone von zimtkringel ¦ Susanne von Was gibt's zu essen, Liebling? ¦ Laura von Aus Lauras Küche ¦ Manuela von Vive la réduction! ¦ Tina von Küchenmomente ¦ Petra von genusswerke¦

 

Aufgegangener-no-knead-Hefeteig fürs Osterbrot


Rezept für No-Knead Kulitsch Paska (Ukrainisches Osterbrot)

550 g Weizenmehl Type 550
300 g fettarme Milch (zimmerwarm)
4 g Salz
5 g Hefe frisch
75 g Butter (weich, zimmerwarm, gestückelt)
100 g Zucker
2 Eier (Größe M)
125 g getrocknete Aprikosen
100 g getrocknete Cranberrys (Alternativ: Rosinen, getrocknete Äpfel, Kirschen, Citronat usw.)
100 g Mandelstifte
100 g Schokoladentropfen
1 Bio-Orange
½ TL Kardamom (gemahlen)
1/8 TL Vanillepulver*

Zum Bestreichen

1 Prise Salz
1 Prise Zucker
2 EL Milch


Zuckerguss (dick)

20 g Zitronensaft
100 g Puderzucker
Zuckerstreusel*

Zubereitung

  • 2 Stunden vor der Teigzubereitung: Die Orange waschen, abtrocknen und mit einer feinen Reibe (ich nutze dafür diesen Reibe hier* - auch pferfekt für Parmesan btw.) die Schale abreiben.

 

  • In einem Schälchen die Orangenzesten gut mit dem Zucker mischen. Kurz den Duft genießen und abdecken.

 

  • Die Orange nun auspressen und in eine Schale geben. Die in kleine Stücke geschnittenen Aprikosen und die ganzen Cranberrys hineingeben und darin 2 Stunden ziehen lassen. Ab und an umrühren. (Alternativ kann auch anderer Fruchtsaft oder Alkoholika wie Rum oder Likör genutzt werden.)


Teig (14 Stunden-Gare)

  • Die Hefe in der zimmerwarmen Milch auflösen.

 

  • Eier und Zucker mit einem Schneebesen von Hand rasch schaumig schlagen. Es sollte sich eine dicke, helle, cremige Sauce ergeben.

 

  • Mehl in eine große Backschlüssel* geben. Salz, Vanille und Kardamom dazu geben und vermischen.

 

  • Die weiche Butter, die Helfemilch und die Eiermasse hinzu geben. Den Teig mit einem großen Holzlöffel zusammenrühren, bis er sich zu einem schönen, gleichmäßigen Hefeteig verbunden hat. Da der Teig recht feucht ist, geht dies erstaunlich gut und ohne all zu großen Kraftaufwand. (Alternativ kann natürlich eine Küchenmaschine oder ein Rührgerät genutzt werden.)

 

  • Trockenfrüchte abtropfen lassen (bei mir hatten sie den kompletten Orangensaft aufgesaugt) und zusammen mit den Mandelstiften und den Schokoladentropfen in den Hefeteig rühren. Den fertigen Teig abdecken und ruhen lassen.

 

  • Der Kulitsch-Teig hat bei normaler Raumtemperatur eine Gare von 14 Stunden. Das heißt, er benötigt weniger Zeit, wenn es wärmer ist.  Mehr Zeit, wenn es deutlich kühler in der Küche ist. Während dieser Zeit gilt es, ihn ab und an zu dehnen und zu falten. Birgit macht dies in der Anfangszeit jedes Mal, wenn sie an der Schüssel vorbeikommt und schreibt dazu: "Je öfter der Teig gefaltet wird, um so lockerer wird später die Krume. - Es reicht aber auch, den Teig erst nach 10 Stunden zum ersten Mal zu dehnen und zu falten. - Der Teig sollte dann beim Falten nicht mehr gedrückt werden, da sonst bereits gebildete Gase entweichen würden."

 

  • Ich habe den Teig abends angesetzt und ihn vor dem zu Bett gehen 2 mal in stündlichem Abstand besucht und dann 8 Stunden vollkommen in Ruhe gelassen, bevor ich ihn am Folgetag dann vorsichtig weiter faltete - ohne ihn in der Mitte zu sehr runterzudrücken. Der Teig war bei mir von Anfang an sehr feucht und blieb ziemlich am Holzlöffel kleben, weswegen ich das "Falten und Dehnen" einfach mit dem breiten Holzlöffel gemacht habe. Löffel am Schlüsselrand mit Teig von unten nach oben zur Mitte der Teigkugel ziehen und den Teig dabei gut mitnehmen. Ein bis zweimal rundherum. Klappt so hervorragend.

 

  • Nach der 14 Stunden Gare wird der Teig geformt. Dazu mit Hilfe eines Teigschabers den (noch immer relativ feuchten) Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben. Den Teig nicht drücken oder kneten, sondern wieder einfalten: Von einer Seite beginnend, rundherum zur Mitte ziehen und in der Mitte sanft andrücken, bis alle Anteile eingeschlagen sind.

 

  • Den Teigling nun umdgedreht auf die bemehlte Arbeitsfläche setzen, so dass die glatte Seite nach oben zeigt. Mit den Händen nun rund wirken: Seitlich mit beiden Händen  umfassen und den Teig Richtung Boden, unter dem Teigling zusammenziehen. Rundherum arbeiten, so dass eine schön geformte Kugel entsteht.

 

  • Den rund gewirkten Teigling in eine vorbereitete zylindrische Kuchenform legen. Bei mir war es eine Springform mit 19 Cm Durchmesser. In den Boden habe ich Backpapier eingespannt und eine hohe Manschette aus gefaltetem Backpapier eingelegt. Der Kulitsch soll ja noch höher steigen, ein wenig wie ein italienischer Panettone. Eins kann allerdings auch eine gefettete, mit Backpapier ausgelegten Topf nutzen.)

 

  • Die Form abdecken und nochmals 2 Stunden - oder bis sich der Kulitsch verdoppelt hat - gehen lassen.

 

  • Mit einem Teigschaber ein Kreuz in die Oberfläche hineindrücken (ich fürchte, ich habe das viel zu tief gemacht). Mit einem Backpinsel die mit Salz und Zucker verquirlte Milch auftragen.

 

  • Im unteren Drittel des Backofens (vorgeheizt, 180°C Umluft) für circa 50-55 Minuten goldbraun backen. (Falls die die Oberfläche zu schnell bräunt, mit Alufolie oder Backpapier abdecken.)

 

  • Währenddessen den Zuckerguss aus gesiebtem Puderzucker und Zitronensaft anrühren.

 

  • Den Kultisch aus dem Ofen nehmen, der fertig gebackene Kulitsch hört sich beim Klopfen auf den Boden hohl an.

 

  • Den Kulitsch noch heiß mit dem Zuckgerguss an der Oberseite glasieren und mit Zuckerstreuseln besprenkeln.

 

  • Das ukrainische/russische Osterbrot frisch und mit etwas Butter genießen. Er wird in den nachfolgenden Tagen etwas trockener und fester - ist aber immer noch köstlich. Aufgetoastet oder als Arme Ritter ist er auch ganz wunderbar.

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