Berliner Freestyle-Küche, quer durch Kontinente & Zeitzonen

Für kritischeren Konsum: Rezension von “Das Klimakochbuch”

Mit seinem Einkauf ein wenig die Welt retten? Das geht tatsächlich. Jede*r kann einen Beitrag leisten und sei er auch noch so klein. Wer bisher immer dachte: "Ich bin ja nur ein kleines Rädchen im Getriebe – ich allein kann ja nichts ändern!" wird hier eines Besseren belehrt.

Cover von "Das Klimakochuch" vom Kosmos Verlag

Ankochen gegen den Klimawandel

Denn die Essenz dieses speziellen Kochbuches ist, dass man seinen CO2-Fußabdruck (auch CO2-Bilanz oder Treibhausgasbilanz genannt – dies gibt an, wie viele Kohlenstoffdioxid-Emissionen man verursacht) allein schon durch den Kauf und die Nutzung der richtigen Lebensmittel verringern und somit Einfluss auf den Klimawandel nehmen kann.

Entstanden ist das Klimakochbuch* ursprünglich aus dem ehrenamtlichen Zusammenschluss einer Gruppe kochwütiger Freunde, die das Weltklima im Auge hatten. Neu ist es nicht, sondern eine vor ein paar Jahren überarbeitete Version des zehn Jahre alten Klassikers mit neuen Rezepten und aktualisierten Fakten.

Rezension "Das Klimakochbuch"

Natürlich steht auch der Wunsch im Vordergrund, die Wertschätzung für Kochen und Genuss wiederbeleben. Anstatt zu Fertignahrung oder zur Tüte zu greifen, laden die Autor/innen dazu ein, sich selbst und anderen Zeit zum gemeinsamen Kochen und für ein gemeinsames Mahl zu schenken. Slow Food eben - das, indem direkt für mehrere gekocht wird, auch noch Ressourcen spart
Die Rezepte sind in Qualität und Anspruch durchwachsen und mit Buchstaben markiert, die anzeigen, ob sie mit regionalen, saisonalen oder rein veganen Zutaten sind. Die Angabe "Einhorn" hat mich allerdings etwas verwirrt, ich vermute, dass es Rezepte der Berliner Firma "Einhorn Catering" sind. Im Buch finden sich gleichermaßen vegane, vegetarische und omnivore Rezepte – es wird aber immer wieder dazu eingeladen tierische Produkte durch Alternativen zu ersetzen, allerdings ohne dabei missionarisch zu sein. Ein Hinweis zum zu erwartenden Kochaufwand oder der vorausgesetzten Kocherfahrung wäre zudem gut gewesen. Die Rezepte sind durchwachsen in Qualität und Art, lesen sich aber alle gut machbar. Hier findet sich für jede/n etwas Leckeres – vom Erdbeer-Spargel-Salat, über Nussbraten und Rehrücken bis hin zu veganem Gulasch, Suppe aus Teltower-Rübchen, Brandenburger Hefeplinsen, schwedischem Schokokuchen und Mangold-Linsen-Curry. Einiges davon werde ich sicherlich demnächst ausprobieren.

Einige Rezepte, wie das mit dem veganen Tiramisu aus pürierter Margarine und Tofu, geschichtet mit Zwieback lesen sich wiederum echt schräg und befeuern mich in keinster Weise das nachzukochen. Eher dazu eine bessere Variante zu entwickeln. Ich mein: Warum denn pürierter, bröckeliger Supermarkttofu und kein köstlicher Seidentofu? Und dann Zwieback. Vielleicht wegen der Konsistenz? Ist das eines der zehn Jahre alten Rezepte aus den Zeiten wo es für Veganer*innen nischt zu koofen gab? Inzwischen gibt es doch so viel tolles veganes Gebäck zu kaufen (oder schlicht selbst zu backen - alles ist besser als Zwieback!), dass da als Alternative dienen könnte.

Die diversen Autor/innen des Buches streifen aber neben den Rezepten noch zahlreiche andere Themen: Von Mülltrennung, über Tipps gegen Energieverschwendung beim Kochen bis hin zur Erklärung warum man sich einen neuen Kühlschrank anschaffen sollte.

Kritischer Konsum: Zucker, Agavendicksaft und der Co2-Fußabdruck

Mein erfährt viel Wissenswertes: Das weißer Zucker nicht als wahnsinnig gesund gilt ist ja nichts Neues. In den Kuchen wandert er dennoch oft. Dass er aber unter so hohem Energieaufwand hergestellt wird, dass Süßungsalternativen wie Honig, Roh-Rohrzucker oder Agavendicksaft (der ja nicht gerade regional hergestellt wird) besser abschneiden, das wird für viele wahrscheinlich eine überraschende Information sein. Für mich war es auch spannend zu erfahren, dass das gar nicht mal so stark verarbeitete Gemüse oder Obst aus der Tiefkühltruhe oder der Dose so viel schlechter abschneidet als frische Produkte - so sie denn regional und saisonal verfügbar sind. Erstaunlich (und eigentlich logisch), dass außerhalb der Saison hingegen, eine im warmen Spanien gewachsene Tomate, trotz langer Transportwege, von der Co2-Bilanz her günstiger ist, als ein in Brandenburg im beheizten Gewächshaus gesprossenes Tomätchen. Es ist immer ein stetes Abwiegen gegeneinander und Bedenken von Alternativen.

Und dennoch, der Co2-Abdruck ist nicht alles, wie am Beispiel einer Tiefkühlpizza dargestellt wird. Die daheim gebackene Pizza und die aus der Fabrik unterscheiden sich in der Treibhausgasbilanz marginal. Aber man muss den Blick weiter setzen: Die Zutaten für die selbstgemachte Pizza kann man auswählen und so auf regionale und ökologisch wertvolle Produkte zurückgreifen, während die Zutaten für das Tiefkühlprodukt aus ganz Europa, wenn nicht gar aus noch weiter entfernten Teilen der Welt, stammen und so die Rechnung ungleich erhöhen. Selber machen lohnt sich laut Buch also, auf die Gesamtheit betrachtet, auf jeden Fall. Weshalb auch selbst Eingekochtes positiv hervorgehoben wird. Zur Abrundung gibt es am Ende eine Saisontabelle für heimisches Obst und Gemüse, samt guten Hinweisen zur Verwendung.

Fazit: Ein interessantes Buch für bewussteres Einkaufen und kritischeren Konsum. Für die, die schon totale Klima-Experten sind und eventuell vegan leben, wird dieses Kochbuch wahrscheinlich nicht genug in die Tiefe vordringen. Für den Großteil der Menschheit, deren Form von Klimafreundlichkeit sich bisher nur auf das Weglassen von Plastiktüten beim Einkauf beschränkte, kann das Klimakochbuch aber ein großer Zugewinn – von den Informationen, bis hin zu den geeigneten Zutaten – und Wegweiser sein, um selbst aktiv zu werden. Wer mehr regional und direkt von Erzeuger*innen einkaufen möchte, dem sei die Organisation "Marktschwärmer" sehr ans Herz gelegt. Ich kaufe dort mehr oder minder regelmäßig ein und hatte bei deren Start in Berlin auch über sie berichtet, damals nannten sie sich noch etwas zungenbrecherisch "Food Assembly".

 

Julia Balz, Jenny Blekker, Boris Demrovski,
Judith Keller, Jan Lohr, Christian Noll und
Christoph Zinsius
Das Klimakochbuch*
Kosmos Verlag, 2015
ISBN: 978-3440151747
128 Seiten, 16,99

 

*Werbung. Affiliate-Links zu Amazon. Bei einem Einkauf hierüber erhalte ich eine kleine Provision. Danke.
Die Rechte für die Bilder liegen beim Kosmos Verlag

Frühlingsfrisch: Bärlauchpesto

Momentan habe ich meine Ernährung quasi auf Bärlauch umgestellt. Mein knuspriges Frühstücksbrötchen wird mit zitronig-pfeffriger Bärlauchbutter bestrichen und auch den Karfreitagsfisch (bei uns Goldbrasse und Regenbogenforelle) bekamen eine schicke Füllung aus Bärlauch und Butter.

Rezept für Bärlauchpesto mit Cashews

Pesto aus wildem Knoblauch

Und wer noch mehr Grün auf dem Teller will und auf dieses leicht scharfe, knoblauchige Aroma steht, kann auch ganz einfach seine Nudeln damit beglücken und schnell ein frühlingshaftes Pesto zaubern. Mit einem guten Pürierstab, der richtig Kraft hat, geht das wirklich wie von Zauberhand, während die Nudeln im Topf vor sich hin blubbern. Ich verwende für mein Pesto kein Olivenöl, ich habe immer den Eindruck, dass es durch das Pürieren dazu neigt bitter zu werden. Aber ihr könnt natürlich das Öl hineingeben, das ihr am Liebsten mögt (oder in der Vorratskammer habt). Auch bei den Nüssen könnt ihr nach Belieben variieren. Pesto kann man unter einer Ölschicht im Kühlschrank rein theoretisch ein paar Wochen aufheben, bei uns wird diese große Menge aber direkt großzgügig für eine ganze Packung (500g) Spaghetti verwendet.
Nach dem Abgießen einfach in einer großen Schale das reichhaltige Pesto unter die noch heißen Spaghetti heben - fertig ist dieses wundervolle vegetarische Nudelgericht. Wer mag, kann dazu noch einen kleinen Salat reichen.

Rezept für Bärlauchpesto

100 g frischer Bärlauch
70 - 100 ml Sonnenblumenöl
60 g geriebener Parmesan
1 Dose geröstete, gesalzene Cashews (150 g)
1/2 TL Meersalz (fein)
1/4 TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  • Den Bärlauch waschen, etwas trocken schütteln und die Stiele entfernen. grob Stückeln und in eine hohe Schüssel oder Rührschüssel geben.
  • Etwas Öl dazu geben und mit einem leistungsfähigen Stabmixer pürieren, bis die Blätter und das Öl einen cremigen Brei ergeben. Bei Bedarf etwas Öl nachgeben.
  • 2/3 der gerösteten Cashewnüsse zum Pesto geben und fein pürieren.
  • Das letzte Drittel der Nüsse dazu geben und nur kurz pulsierend zerkleinern, so dass größere Stücke erhalten bleiben.
  • Mit einem Löffel den geriebenen Parmesan untermischen.
  • Das Pesto mit der heißen, abgegossenen Pasta in einer großen Schale vermengen und direkt servieren.

Frohe Ostern!

Frohe Ostern! Osterwünsche im Foodblog

Ich wünsche euch frohe und entspannte Feiertag. Genießt die Zeit mit euren Herzmenschen und haltet die Nase in die wundervolle Frühlingsluft!

Bis bald,

Shermin

Die #12von12 im April 2019

Wer es nicht kennt: Bei #12von12 geht es darum, am 12. Tag des Monats 12 Bilder aus seinem Alltag zu zeigen. Die Sammelstelle hierfür ist wieder bei "Draußen nur Kännchen", dort könnt ihr dann noch allerlei Einblick in die Leben anderer Menschen nehmen. Ich poste meine Fotos wie immer direkt am 12. auf meinem Instagram-Account und verblogge sie dann später hier. Also dann, auf geht's!

 

1. Arbeit. Symbolbild. Verfröstelt kuschel ich mich neben die Heizung und tue Dinge. Im Kopf immer mindestens drei verschiedene Projekte, die parallel laufen.

Arbeitsplatz im Homeoffice / Schreibtisch mit PC

 

2. Ich bin ja immer noch beim Umräumen, Aus- und Umsortieren. Schälchen ausleeren: Krimskrams aus Fimo wiederfinden, vor über 10 Jahren mal zusammengeschrömmelt. Kurz überlegen, ob es joy sparkt und dann an die Puppenstube vom Kind denken. Da darf es dann nachher hinziehen und Spielfreude verbreiten.

Krimkrams aus Fimo

 

3. Habemus Honig. Der Herzmensch hat heute endlich das Honigtauschpaket von Mama Juja freigekämpft bekommen. Yay! Es wurde direkt mit glänzenden Augen ein Glas geöffnet und genießerisch dran geschnuppert. Scheint viel Raps dabei zu sein? Mein Ding ist Honig ja nur beim Kochen, der Mann ist allerdings ein wahres Honigmonster und freut sich über diesen Schatz. Danke!

Paket voll mit deutschem Honig - direkt von der Imkerin

 

4. Gebloggt. Für das Dauerevent "Entstaubte Klassiker" habe ich mein Rezept für flaumig weichen Osterzopf nochmal neu fotografiert.

Rezept für Osterzopf

 

5. Kaffeepause mit Marmorkuchen. Nessie guckt zu.

Kaffeepause mit großem Milchkaffee und selbstgebackenem Marmorkuchen

 

6. Es graupelschneit in Berlin - aber ich habe soeben die erste Beelitzer Spargelhütte entdeckt!

Beelitzer Spargelhütte

 

7. Bei eisigen Temperaturen stand der Kindgergeburtstag an. Wir haben dann mal ne Kleinigkeit eingekauft... Gut, dass ich mein Lastenrad habe. Die Kurvenlage auf der Heimfahrt (untendrunter sind noch massig Getränke) war.... speziell.

Wochenendeinkauf im Lastenfahrrad

 

8. "Ick versteh das nich! Du findest Spinnen so eklich, aber kloppst dir so ein riesiges güldenes Insekt auf den Mantel.."
"Das ist ein süßes Bienchen. Summ, summ!
"Ja, aber diese Biene sieht aus, als hätte sie bei nem Goldschmied in Tschernobyl gearbeitet."

Emaillierte Brosche in Form einer Honigbiene

 

9. Ein kalter, schneegraupeliger, wolkengrauer Tag. Um so schöner, wenn mich bei der Heimkehr ein Päckchen von Hanser Verlag mit "Good Night Storys fo Rebel Girls"* (die Rezension dazu gibt es demnächst bei Lesehunger) empfängt. 100 außergewöhnliche Frauen quer durch Kulturen und Zeitgeschichte werden hier vorgestellt. Malbuch & Karten gibt es davon auch. Teil zwei vom Buch ist auch schon erhältlich. Das erhellt auch stressige Aprilfrösteltage. (Werbung, weil Rezensionsexemplare)

Rezensionsexemplar: Good Night Stories for Rebel Girls

 

10. Hello Papageienkuchen, my old friend. You here. Again? Für die große Kindergeburtstagsparty verbringe ich den Abend damit, die saubere Küche wieder zu verwüsten, mit Lebensmittelfarbe rumzuspielen und mich nebenbei ins Bett zu wünschen. Das Rezept für meinen Papageienkuchen wird auch bald hier im Blog einziehen.

Papageienkuchen: Schüsseln mit bunt eingefärbtem Teig

 

11. Und der nächste Streich - äh Kuchen - folgt sogleich!

Kuchen backen: Mehl und Eier

 

12. Irgendwann um Mitternacht. Der Liebste kocht noch schnell Wackelpudding für den Kindergeburtstag morgen. Danach fallen wir dann endlich ins Bett. Soo müde...

Beim Kochen von Wackelpudding/Götterspeise mit Waldmeistergeschmack

*Werbung. Affiliate-Link zu Amazon. Bei einem Einkauf hierüber erhalte ich eine geringe Vergütung.

Es grünt so grün! Urban Gardening in Berlin {Werbung}

In Berlin ist ja nicht alles trist und grau - zwar sind durchaus einige Berliner Hinterhöfe plattbetonierte Steinplattenwüsten, aber manche entpuppen sich als wundervolle, verzauberte, grünberankte Schattenreiche voller Blüten und herrlich wucherndem Rankwerk.

Urban Gardening in Berlin: Tränendes Herz

Urban Gardening in Berlin

Wer brav bei mir mitliest, dem wird nicht entgangen sein, dass mich schon immer die Liebe zum Pflanzen, Jäten, Säen und zum Hegen und Pflegen von Pflänzchen umtreibt.
Ich hätte liebend gerne einen Schrebergarten hier in Berlin, aber dank steigender Preise und der Planung des Senats reihenweise Kolonien zu schließen und zu Bauland umzuwidmen, wird das wohl leider nichts werden. Meine Versuche, in einem in der Nähe gelegenen Urban-Garden-Projekt mitzugärtnern, scheiterten an der dort fehlenden Wasserversorgung und dem total entmutigenden Vandalismus. Wenn man an einem Tag noch einen leuchtenden Kürbis bewundert, der am nächsten Tag dann in matschige  Stücke zertreten zwischen Unrat gefunden wird, frustriert das einfach. Und andere Communitygärten hier im Kiez verstarben, weil die Brache nach Jahrzehnten des gekonnten Spekulierens endlich als Bauland interessant war. Immerhin leben wir in Berlin Friedrichshain...
Also konzentriere ich meine gärtnerische Energie momentan auf ein paar Flecken bei uns in den Innenhöfen und auf dem Balkon. Ich wohne in einem Berliner Altbau, hier fällt viel Schatten - nicht gerade günstig für mein seit Jahren stures Vorhaben, selbst Nahrung anzubauen. Aber auch hier kann man recht viel erreichen.  Blattsalate, Walderdbeeren, Kapuzinerkresse, Wildtomaten - und erstaunlicherweise Chilipflanzen gedeihen hier gut. Und die Klimaerwärmung trägt dazu bei, dass Pflanzen hier besser tragen. Mein Feigenbäumchen im Topf produzierte letztes Jahr tatsächlich zwei Feigen, Mein inzwischen fast zehnjähriges Mini-Granatapfelsträuchchen im Blumentopf, von dem ich dachte, dass es nur Blüten schiebt, trug plötzlich einen Granatapfel. Und die im Innenhof gepflanzte Hasel (sollten die nicht erst nach zehn Jahren tragen?) erfreute mich 2018 mit ihren ersten vier Haselnüssen.

Gärten der Kindheit

Diese gärtnerische Leidenschaft (und dieses Selbstmach-Gen) habe ich wohl zum Teil von meiner Omi geerbt. Ich habe intensive Kleinkinderinnerungen an ihren Schrebergarten in Leipzig. An den versteckten Sandkasten, an sommerwarme Sonntage, die nach Petersilienkartoffeln duften. An den schattenspendenden Kirschbaum, die Schaukel auf dem Gartenweg mit den dicken Holzperlen daran, den Birnbaum, von dem immer diese großen, duftenden, butterweichen Früchte fielen, die die Wespen lockten, die Beete voller Erdbeeren, die Reihe schwer tragender Johannisbeerbüsche (Omis Johannisbeergeleee auf dem Sonntagsbrötchen beim Frühstück mit der Familie - Noch so eine Erinnerung.), das Gefühl von stoppeligen Weizenfeldern unter nackten Füßen. Meine unangenehme Begegnung mit Liebstöckel, der Geruch klebte an meinen kleinen Händen und ich wurde ihn nicht mehr los. (Bis heute sind Liebstöckel und ich keine Freunde... 😉 )

Blühende Rosen aus dem Garten meiner Mutter

Und auch meine Mama hat ihren Garten geliebt - allerdings nicht als Nutzgarten. Sie liebte ihre Rosen und andere schöne Blumen. Das allerhöchste der Gefühle waren Kräuter, ein monströse großes Rosmarinstrauch und mein Weinstock, der in Duisburg bei meinen Eltern gut 30 Jahre lang an der Terrasse entlangrankte und kleine, süße Trauben produziert. Meine Schwester hatte die sehr schöne Idee, zwei von Mamas Rosenstöcken zur Beerdigung unserer Mama auf ihr Grab setzen zu lassen. So hat sie irgendwie uns und etwas von ihrem Garten bei sich, um den sich jetzt niemand mehr kümmern kann.

Hochbeet & Pflanztisch

In den letzten zehn Jahren habe ich alle Pflanzen immer auf den kleinen runden Tischchen um- und eingetopft, den der Großvater meines Mannes vor Jahrzehnten mal gebaut hatte. Das hat nicht nur für einen krummen Rücken, sondern auch für einen ständig mit Erde zugekrümelten und in der Pflanzsaison mit Töpfen vollgestellten Balkontisch gesorgt. Nicht so schön, wenn man sich ein paar Minuten hinsetzen, entspannen oder schlicht die Kaffeetasse abstellen will. Dank einer Kooperation mit Wayfair* konnte ich meinen Balkon jetzt im Frühjahr etwas aufrüschen. Ein altes, zugekramtes Regal flog raus und machte Platz für einen schon lange ersehnten Pflanztisch, der hier zu Beginn der Gartensaison noch sehr unberührt aussieht. Aber endlich habe ich alles zum Umtopfen, Einpflanzen, Hochbinden und Düngen an einem dafür zugedachten Ort gesammelt.

Hölzerner Pflanztisch mit Blumentöpfen, Anzuchttöpfen, Dünger und Pflanzen darauf

Die Säcke mit Erde kann ich unter dem Tisch und dem darunterliegenden Regalbrett verstauen, ebenso Töpfe, die unansehnlichen Pakete mit Hornspänen oder ähnlichem. Kleiner Krimskrams oder gut verpackte Samentütchen wandern ab jetzt in die Schubladen. Seitlich gibt es auch noch Haken. Der Pflanztisch* macht trotz aller Praktikabilität auch optisch viel her und lässt sich leicht von Erdresten reinigen. Ein paar neue Blumentöpfe* und dekorative Accessoires für den Balkon zogen auch noch bei mir ein. Mal sehen, wie viele Pflanzen ich in den Käfigen einsperre, oder ob ein Teil von Kerzen oder einer Lichterkette erhellt wird. Auch unsere Gartenbank bekam endlich eine neue Sitzauflage* in frühlingshaften Apfelgrün, so wir jetzt endlich bequemer sitzen können. Und ne hübsche  Steingut-Schale* einer sehr schönen französischen Serie ist für mich Küchenbegeisterte auch noch rausgesprungen. (Ich könnte ja ständig  Schüsselchen und Tassen kaufen. Meine Küchenschränke platzen aus allen Nähten. Geht euch das auch so?)

Apfelgrüne Auflage für eine Gartenbank

Das Kernstück meiner gärtnerischen Ambitionen ist allerdings dieses coole hölzerne Hochbeet*. Das Holz ist hochdruckimprägniert, ich habe im Baumarkt noch spezielle Noppenfolie für Hochbeete besorgt und es damit im Innenbereich ausgekleidet, damit das Holz nicht zu schnell verrottet. Ich habe mich absichtlich gegen die gern genutzt Teichfolie entschieden, da diese Weichmacher enthält, die ich nicht im Gemüse wiederfinden möchte.
Und warum ein Hochbeet? In unseren Innenhöfen läuft nämlich ein Nachbarskaninchen immer frei herum und frisst alles ab, was auch nur annähernd essbar aussieht. Darunter fallen für Bob, das Kaninchen, nicht nur Nutzpflanzen, sondern auch alle möglichen Blumen und blühende Bodendecker. Das Tränende Herz, das mir der Liebste zum Valentinstag zukommen ließ, steht extra erhöht, damit es nicht das grausige Schicksal der Vorgängerpflanze teilen muss. 😉
Mit dem Hochbeet kann ich nun also wieder versuchen Dinge anzupflanzen - ohne dass sie direkt weggeknuspert werden. Hinzu kommt, dass diese Anbauweise auch noch schonender für den Rücken ist.

Gemüse anbauen im Berliner Hinterhof: Hochbeet aus Holz

Tja, fotogener bekommt man ein hölzernes Hochbeet in einem schattigen Innenhof bei 6° Außentemperatur, und ohne schicke Begrünung drin, leider nicht abgebildet. Sorry - aber wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr wenigstens als Bonus den flauschigen Hintern meiner nagenden Nemesis - natürlich direkt unter dem neuen Hochbeet. Ich glaube Bob ist hier eingezogen, vorhin genehmigte er sich wieder einen kleinen Snack, bestehend  aus meinen Primeln, und schlürfte das runtergelaufene Gießwasser von den Steinen. 😉

Nutzpflanzen im schattigen Hinterhof

Unser Innenhof, in dem ich immer mal wieder vor mich hin guerillagärtnere, liegt sonnentechnisch im lichten Schatten. Das heißt er ist schattig, aber hat noch indirektes Sonnenlicht. Hier wächst gut: Minze, Zitronenmelisse, Basilikum, Kapuzinerkresse, Koriander, Bärlauch, Knoblauchrauke, Blutampfer, Spitzwegerich, Rauke (Rucola ziehe ich immer gerne im Topf und schneide da den frischen Salat für uns), Senf (da kann man tatsächlich einfach die Senfsaat aus dem Gewürzregal nehmen und das hochgewachsene Grün dann später anbraten), Walderdbeeren, Chilis (ja, tatsächlich) und Wildtomaten oder kleine Cherrytomaten. Bohnen tragen leider nur gering. Asia-Salate, Kohlrabi, Pak Choi und Radieschen sollten eigentlich auch gelingen - damit werde ich dieses Jahr im Hochbeet den ersten Versuch waren. Auch Kartoffeln hatte ich vor ein paar Jahren vollkommen unbedarft mal in einem Topf angepflanzt und ein paar Handvoll geerntet.  Mein Kartoffelkorb in der Küche scheint unfreiwilligerweise der ideale Keimort für Kartoffeln zu sein.. auch setzt liegen da schon wieder ein paar schrumpelige Bio-Kartoffeln, die mit ihren herauswuchernden Keimen wie ein paar schützenswerte Aliengewächse aussehen und darauf warten, dass sie nach den Eisheiligen im Mai in die Erde dürfen.

Chili-Pflanzen mit Blüten und Chilischoten daran - gezogen auf dem Balkon im lichtten Schatten

Mein Kartoffelanbauversuch war damals allerdings nicht so ergiebig, bzw. die Kartöffelchen zu winzig. Vielleicht lag es wirklich am Licht oder an der Anbautechnik? Kartoffeln soll man ja sogar einfach in die Säcke mit Pflanzerde setzen können. Ich werde dieses Jahr jedenfalls einen erneuten Versuch im anderen Innenhof starten, wo deutlich mehr Licht ist. Dafür habe ich mir so spezielle Pflanzsäcke mit Eingriffsfenster zugelegt, aber zu diesem Versuch dann nochmal in einem gesonderten Eintrag mehr. Mais - ich habe letztens Popcorn gemacht und die Tüte mit den Bio-Maiskörnern sehr interessiert beäugt, die kann man nämlich einfach so nutzen, genau wie viele Gewürz - steht ebenso auf meiner Anbau-Liste wie Erdnüsse.

Falls ihr Lust habt: Erzählt doch mal, welche Anbaumöglichkeiten ihr habt? Lebt ihr auch in der (Groß)Stadt und verrenkt euch für ein paar Pflanzmöglichkeiten auf dem Fensterbrett oder dem Balkon? Oder habt ihr einen großzügigen Garten? Vielleicht eine Pflanzbeteiligung auf einem richtigen Acker? Welche Hacks und Erfahrungen habt ihr? Ich bin neugierig auf eure Gärtner*innengechichten!

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