Schlagwort-Archive: Bohnenernte

Berliner Hinterhofgartenschnappschuss

Das Wetter ist diesig und angenehm kühl. Leise Regentropfen ruhen sich auf den Pflanzen aus, selbst Berlin scheint hier gerade in gedämpfte Ruhe getaucht zu sein. Ab und an schnattert eine Elster, eine Amsel singt und das entfernte Krächzen der Nebelkrähen scheint mir - zusammen mit dem hellen Licht, das meine Wohnzimmerlampe den mattgrau zum Fenster eindringen Farben wie einen leuchtenden Wärmeradius entgegen wirft - zuzurufen: Sofa. Buch. Kaffee. Wahlweise auch Tee oder Kakao. Oder einfach alles in ungeordneter Reihenfolge. Mit Keksen.

Urban Gardening in Berlin

Aber meine Arbeit wartet und außerdem nagt das schlechte Gewissen an mir. Im vorderen Hinterhof verlangen ein paar Pflanzen dringend nach meiner gießtechnischen Aufmerksamkeit. Unpraktischerweise gelangt der Regen dort nämlich nicht hin. Aber wenn man dann letztendlich da steht, mit der vergilbtgrünen Gießkanne in der Hand, dann fragt man sich: Was gibt es letztendlich Schöneres, als sich etwas genervt aufzuraffen und dann offenbarungsgleich allein zwischen den wachsenden Pflänzchen zu stehen. Hier eine Tomate auszugeizen, dort ein Blättchen zu befühlen (Hilfe - das klingt ja geradezu entsetzlich wertheresk!), da ein widerborstiges Stück Unkraut auszuzupfen, Töpfe zurechtzurücken, eine Erdbeere zu ernten und sich direkt in den Mund zu stecken.

Gibt es - mit Verlaub - etwas Geileres, als zu begreifen, dass da Leben aus dem Boden kriecht, das man selbst ausgesät und gepflanzt hat? Fasziniert verfolgen zu können, wie es größer wird, es ernten und tatsächlich essen, sich davon nähren zu können. Ich erwische mich jedes Jahr dabei, wie ich bewundernd verfolge, wie die Pflanzen plötzlich erscheinen und sich entfalten. Staunend begaffe ich die Schönheit und den wundervollen Kontrast eines durch die dunkle Erde brechenden, hellgrünen Bohnenkeims. Meine Nachbarn halten mich wahrscheinlich für bescheuert, weil die komische dicke Frau, die sonst immer so finster guckt, minutenlang im Rucolabeet verharrt und leicht debil lächelnd die ersten Blüten der Heir-Loom-Tomatenpflanze fokussiert, nur um anschließend liebevoll über den herrlich wuchernden Thymian zu streicheln und verträumt den sich von selbst angesiedelt habenden Holunder anzugucken.

Hach.. in meinen weltfernen Stunden träume ich vom eigenen Haus und vom großen Garten, wo ich mich austoben und pflanzen, bauen und machen kann was ich will. Aber immerhin - ich wohne quasi mitten in Berlin und hab ein Fleckchen Erde im vollschattigen Hinterhof und ein klitzekleines und sonnigeres Stückchen im vorderen Innenhof. Für Berlin Mitte und unser Einkommen: Luxus.

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Bohnenernte: Datt reicht für nen Teller Suppe

War eben kurz in meinem dauerschattigen kleinen Berliner Hinterhofgarten, um meine Pflanzen brav zu tränken und entdeckte da dieses kleine, zierliche Böhnchen.

Bohnenernte

Ich glaube das allein reicht schon für nen Teller Suppe.

Gartenfreuden im Berliner Hinterhof

Als Zwischenmeldung vom weiteren Gärtnerglück: die Tomaten sind inzwischen den Weg alles Irdischen gegangen. Mein Salbei im Boden krepelt (wie immer) halbtot vor sich hin, auch der Zitronenthymian findet es hier wohl zu feucht und dunkel - leider. Die englische Minze, die sonst immer kräftig kommt, ist dieses Jahr etwas sehr dünnstielig und mickert vor sich hin, dafür ist die Zitronenmelisse explodiert, ebenso wie der Ananassalbei (was kann man eigentlich damit kochen?!?) und die Trompetenblume produziert gerade ihre erste monströse Blüte. Die neu erworbene und in einen Topf übergesiedelte Apfelminze steht stramm und duftend bereit, der Basilikum scheint mit ihr zu wetteifern. Streicht man nur sanft über ihn hinweg explodiert er förmlich und parfümiert mit seinem göttlich-würzig-frischem Aroma alles in olfaktorischer Reichweite. Seltsamerweise sind meine Astilben dieses Jahr noch nicht gesichtet worden, der Knöterich hat innerhalb von 5 Monaten den gesamten neuen Rosenbogen geentert und der Zierhopfen breitet sich auch langsam tapfer aus. An der Front der Protulakröschen formiert sich herrlich wucherndes Grün und bunte Blütenkelche, der Miniaturgranatapfel verhält sich ähnlich. Meine Hokaido-Kürbisse hingegen sind eher launisch. Die Pflanzen blüh(t)en wie verrückt, produzierten dann kleine Kürbisse, die daraufhin abstarben oder abfaulten (ich habe ja gießwütige Kinder im Vorderhof im Verdacht). Jetzt habe ich einen kleinen Hokaido entdeckt, der wieder vielversprechend aussieht und drücke ihm die Daumen, auf dass er zu Halloween in meine Suppe wandern kann.

Tipps, Tricks & Ratschläge nem wie ich wie immer gerne an.
Eure Shermin