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Kleine Ruhepause…

Hallo, ihr Lieben!

Ich trete gerade ein klein wenig kürzer. Viele andere Projekte laufen gerade nebenbei und ich habe gerade eine Operation an einer Hand hinter mich gebracht und bald kommt ja eh noch der Sommerurlaub. Zeit, um eine kleine Pause hier einzulegen - wie eigentlich fast jedes Jahr. Wir sehen uns wieder, wenn es wieder etwas kühler ist (vielleicht auch schon vorher, wenn ich ganz dringend etwas mit euch teilen muss! 😉 ).

 

Gartenkräuter aus dem Hinterhofgarten in Berlin

Zur Pause gibt es ein Foto von im schattigen Hinterhof gezogenen Gartenkräutern - zum Teil sind die auch in meinem neuen Hochbeet hier gewachsen. Diese Zusammenstellung aus Knoblauchrauke, Mibuna, Rauke, asiatische Blattsalate und Basilikum wanderte letztens in einen köstlichen Kräuterquark, den es zu Pellkartoffeln gab. Mjam!

Also genießt den Sommer, grabt tief in der Erde, schwimmt weit hinaus, wackelt mit den Zehen im Sand und genießt ganz viel tolles Eis!

Liebe Grüße & auf bald!

#12von12 im Juni 2018

Momentaufnahmen: 12 Bilder aus dem Alltag am 12. eines Monats. Wie immer findet sich bei Draußen nur Kännchen das große Sammelbecken für die ganzen Beiträge und Einblicke in fremde Leben. 🙂

#1von12 Selfcare. Nach einer Nacht mit kindbedingt nur recht kurzen Schlafsequenzen morgens nochmal 1,5 Stunden dran hängen, um den Tag zu überleben. Lerne mein schlechtes Gewissen mundtot zu machen und muss dann eh abends noch ne Stunde Arbeit dran hängen.

 

#2v0n12 Selfcare II. - weitere Zeit für mich in Anspruch nehmen. Die geht drauf für Morgensport, Pflege & Medikamente. Im ersten Babyjahr kam ich da körperlich zu sehr zu kurz. Ich muss mich jeden Tag erneut zusammenreißen, brav erwachsen sein und mich nicht nur um andere, sondern auch um mich selbst kümmern. Macht ja sonst niemand. Und ja, das ist ein maaaanly Rasierer, den ich da für meine Beine zweckentfremde. 😉

 

#3von12 Ich versuche unserer halbtoten Waschmaschine noch eine Ladung Wäsche abzuringen. Nebenbei noch: Küche aufräumen, Wohnzimmer von Geschirr befreien.
Und ja, dieses Handtuch gab es vor über 2 Jahrzehnten mal bei Ikea. Ja, das ist war meins, jetzt wurde es vom kleinen Kind assimiliert. Widerstand war zwecklos. 😉  (Krass, wie viele Rückmeldungen ich zu dem Handtuch bekam und wie viele das wohl auch hatten.)

 

#4von12 Finally: Frühstück! Heute mal kein #DailyPorridge, sondern Roggenbrot mit Frischkäse und ein paar gedörrten Erdbeeren. (Ich konnte meinen neuen Dörrapparat endlich einweihen! Die Erdbeeren und die Blaubeeren sind super geworden. Die Bananen blieben zu feucht und die Äpfel schienen super zu sein, bekamen dann aber nen Flaum... Bin offen für Rezeptideen von euch!)

 

#5von12 Arbeit, Mails, Rechnungen, Texte, Artikel, Recherche, Nachdenken, Grübeln. Symbolbild: Rezensionsexemplare auspacken.

 

#6v12 Gaaanz wichtig: Haferflocken für das mein (fast) tägliches Porridge auffüllen! Und ja, ich tendiere da zu einer bestimmten Sorte für meinen Morgenbrei, wenn ich sie denn bekomme. Ich kaufe auch von anderen Herstellern, aber mit denen hier wird der Haferbrei gefühlt besonders cremig.

 

#7von12 Das kleine Kind mit dem Lastenrad vom Kinderladen abholen. Das coole Kind ist passend zum Berliner Kiez mit einem "Gefahrengebiet"-Shirt gewandet. Die selbstgenähte Dino-Hose - obwohl total zugeschlunzt vom Spielen und Blumengießen - wollte das Kind dann selbst zum Schlafgengehen nicht ausziehen. Wir konnten nur tauschen: frisches Dino-Shirt gegen zugesiffte Hose.

 

#8von12 Heimweg. Ein Sommertag in Berlin. Mit dem Lastenrad unterwegs und ausnahmsweise mal nicht im Berliner Straßenverkehr genötigt oder fast angefahren worden. Sollte mir den Tag rot im Kalender ankreuzen.

 

#9von12 Einkauf. Im Discounter gibt es arabische/türkische Lebensmittel im Angebot, da musste ich zuschlagen. Gefüllte Weinblätter, Paprikamark, Yufkateig und eingeweckte Okraschoten durften neben Granatäpferln und Auberginen mit in den Einkaufswagen.. Dabei wollte ich doch nur ein paar Sachen fürs Abendessen... egal! Mit dem Lastenrad geht es ja Göttin sei Dank problemlos.

 

#10von12 Blumen gießen auf Balkonien. Das Kind hat wie immer mit Feuereifer mitgegossen. Sich selbst natürlich auch. Muss ja schließlich noch wachsen.

#11von12 Sandkasten-Intermezzo. "Mamaaaaaaaa? Sandkastenspieln'? Komm, Mama!"

#12von12 Abendessen. Es gibt Stullen mit Tomaten-Gurken-Salat, gewürzt mit Spitzwegerich, Knoblauchsrauke, Rauke und Basilikum.

#7Tage7Dinge – Kalenderwoche 18

Puhhh... ich galoppiere nur ganz schnell durchs Bild. Ich komme diese Woche zu nix. Job(s), eigene Textprojekte, die Orga vom WollWechsel für Ende Mai, mein anstehender Geburtstag, Mamabesuch (gleich eintreffend), Heerbann, zwei Partys und tausenderlei Kleinigkeiten, die nebenher noch zu erledigen sind. Da blieb in dieser Woche keine Zeit, um köstliche Dinge zu verbloggen. An dieser Stelle gibt es wie immer Infos darüber, was ich hier tue und wie ihr an 7 Tage - 7 Dinge teilnehmen könnt.

7Tage7inge im Mageischen Kessel, KW 18/15Ich habe....

  • wundervolle flammenfarbene Batts gesponnen, die ich auf dem letzten WollWechsel ergattert hatte.
  • habe Quasten gemacht, aus handgesponnener Seide, um
  • sie an meinen Pilgerbeutel zu nähen, den ich nach einem halben Jahr Pause endlich fertiggestellt hatte, damit ich
  • ihn zum Heerbann tragen konnte, auf dem wir dieses Jahr zum ersten Mal waren. Sehr cool.
  • Lángos nach diesem Rezept von Anikó hergestellt. Sehr lecker. (Frittieren für den Weltfrieden! ;))
  • gegärtnert. (Im 1. Innenhof und in meinem Minischattengarten)
  • mich sehr, sehr, sehr über ein ganz lieb bestücktes und wundervolles Überraschungspaket gefreut. <3

 

Berliner Hinterhofgartenschnappschuss

Das Wetter ist diesig und angenehm kühl. Leise Regentropfen ruhen sich auf den Pflanzen aus, selbst Berlin scheint hier gerade in gedämpfte Ruhe getaucht zu sein. Ab und an schnattert eine Elster, eine Amsel singt und das entfernte Krächzen der Nebelkrähen scheint mir - zusammen mit dem hellen Licht, das meine Wohnzimmerlampe den mattgrau zum Fenster eindringen Farben wie einen leuchtenden Wärmeradius entgegen wirft - zuzurufen: Sofa. Buch. Kaffee. Wahlweise auch Tee oder Kakao. Oder einfach alles in ungeordneter Reihenfolge. Mit Keksen.

Urban Gardening in Berlin

Aber meine Arbeit wartet und außerdem nagt das schlechte Gewissen an mir. Im vorderen Hinterhof verlangen ein paar Pflanzen dringend nach meiner gießtechnischen Aufmerksamkeit. Unpraktischerweise gelangt der Regen dort nämlich nicht hin. Aber wenn man dann letztendlich da steht, mit der vergilbtgrünen Gießkanne in der Hand, dann fragt man sich: Was gibt es letztendlich Schöneres, als sich etwas genervt aufzuraffen und dann offenbarungsgleich allein zwischen den wachsenden Pflänzchen zu stehen. Hier eine Tomate auszugeizen, dort ein Blättchen zu befühlen (Hilfe - das klingt ja geradezu entsetzlich wertheresk!), da ein widerborstiges Stück Unkraut auszuzupfen, Töpfe zurechtzurücken, eine Erdbeere zu ernten und sich direkt in den Mund zu stecken.

Gibt es - mit Verlaub - etwas Geileres, als zu begreifen, dass da Leben aus dem Boden kriecht, das man selbst ausgesät und gepflanzt hat? Fasziniert verfolgen zu können, wie es größer wird, es ernten und tatsächlich essen, sich davon nähren zu können. Ich erwische mich jedes Jahr dabei, wie ich bewundernd verfolge, wie die Pflanzen plötzlich erscheinen und sich entfalten. Staunend begaffe ich die Schönheit und den wundervollen Kontrast eines durch die dunkle Erde brechenden, hellgrünen Bohnenkeims. Meine Nachbarn halten mich wahrscheinlich für bescheuert, weil die komische dicke Frau, die sonst immer so finster guckt, minutenlang im Rucolabeet verharrt und leicht debil lächelnd die ersten Blüten der Heir-Loom-Tomatenpflanze fokussiert, nur um anschließend liebevoll über den herrlich wuchernden Thymian zu streicheln und verträumt den sich von selbst angesiedelt habenden Holunder anzugucken.

Hach.. in meinen weltfernen Stunden träume ich vom eigenen Haus und vom großen Garten, wo ich mich austoben und pflanzen, bauen und machen kann was ich will. Aber immerhin - ich wohne quasi mitten in Berlin und hab ein Fleckchen Erde im vollschattigen Hinterhof und ein klitzekleines und sonnigeres Stückchen im vorderen Innenhof. Für Berlin Mitte und unser Einkommen: Luxus.

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DIY – Selber kochen, selber backen, selber Dinge machen. Rock your Umwelt. :-)

Als ich an meinem Artikel über das Pflaumenchutney tippte, flossen mir noch einige andere Gedanken in die Tasten. Immer, wenn ich Obst und Gemüse einkoche, muss ich an meine Omi denken. Sie hatte in ihrem Schlafzimmer einen Schrank, hinter dem sich allerlei eingekochte Leckereien verbargen. Zu Ostzeiten hatte sie einen (mir jedenfalls groß erscheinenden) Schrebergarten mit ellenlangen Johannisbeerhecken (der Duft schwarzer Johannisbeeren..), Erdbeeren, einem Birnenbaum (um dessen große, herabgefallene , supersaftige Früchte sich immer irgendwelche Wespen neben unserer Schaukel stritten) und einen Kirschbaum. Gurken und massenweise Bohnen waren auch vertreten, Pflaumen muss es auch irgendwo her gegeben haben - diese sind mit ihrer ledrigen Haut, ebenso wie das schwammige Pendant aus rotgrauen Matsch-Erdbeeren, als eingekochtes "Kompott" allerdings immer die eingeweckte Nemesis meiner Kindheit gewesen.
Oh... aber dieser verschlossene, bis oben hin angefüllte geheimnisvolle Wandschrank in der Sommerkühle  eines Oma-Schlafzimmers. Ich habe ihn heute noch vor Augen. Wenn ich daran denke, ist das Zimmer da. Samt Geruch, den herrlich kitschigen rosa Prinzessinnen-Rüschengardinen, dem Geräusch der Straßenbahn vorm Haus und Fachwerkholz. Und der erwartungsvollen Stille, die man nur aufdecken müsste, um das Verborgene zu sehen.

Eingekochtes macht glücklich!

Es ist ja oft so, dass einem Dinge im Alltag überall mehr zu begegnen scheinen, wenn sie bei einem persönlich stärker in den Fokus rücken. So geht es mir gerade mit dem Thema "Selbermachen". Ich fand es als Kind schon immer spannend, seine Vorratskammer mit dem Werk der eigenen Hände zu befüllen. Ein Konzept, das mich ja auch zu vielen anderen Bereichen - nicht nur dem Kochen - geführt hat. Ich gärtnere (im Rahmen meiner Möglichkeiten) in Hinterhof und einem Communitygarten herum. Ich finde es faszinierend, Gebrauchsgegenstände und Nahrung selbst herzustellen. Wenn ich einen Strang handgesponnener Wolle fertiggestellt habe oder die Gläser mit selbstgemachter Marmelade in die Vorratskammer stelle, dann erfüllt mich ein absurder Stolz und bringt mich dazu, debil grinsend mein Werk zu bewundern. Ich erwische mich dabei, wie ich verliebt über Gläser mit selbstgekochtem Ketchup und Chutney streichle und verträumt innehalte, wenn ein Sonnenstrahl den Edelsteinton des selbstgemachten Brombeerlikörs erhellt.

Ich möchte daneben stehen und sagen: So schön! Seht wie schön es ist! Guckt was ich geschaffen habe! Ich! Nur mit diesen beiden Händen hier, meinen Gedanken und meiner Vorstellungskraft. Ich nehme die Sachen in die Hand. Befühle die Struktur der Wolle, denke darüber nach, was wohl aus ihr entstehen will. Ich bewundere die Farben in den glatten Gläsern und wie die Substanz im Inneren sich an die Wand drückt, bin erfüllt mit Vorfreude - Wann und wozu werden wir das wohl zukünftig essen? - oder denke darüber nach, wem es als Geschenk wohl besondere Freude bereiten würde. Diese Transformation von einfachen Ausgangsmaterialien in Gebrauchsgüter - nicht mal abgehobene Sachen, sondern Dinge, die man wirklich nutzt - finde ich einfach faszinierend.
Es ist wie eine Gewürzmischung, die man erstellt. Zig einzelne kleine Kräutlein, die alleine nicht wirken und erst wenn man sich für sie Zeit nimmt, sie von ihrer Schale befreit, röstet, zerstampft, mischt und dann anderer Nahrung hinzufügt - dann bilden sie ein großes Ganzes, das seinen Zauber ausspricht und über das Gericht legt. Und wenn einem das glückt, man eine gute Leistung erbringt, durch Zufall und Erfahrung das richtige Zauberpulver anrührt - dann ist man eben einfach zufrieden und glücklich.

Urbane Landwirtschaft? Cityfarmen in Berlin?

Das klingt jetzt alles sehr Öko - aber ich bin eigentlich keine klassische Verfechterin von Grünkernprodukten (Wobei die auch essbar sein können. Glaub ich.), Hippie oder typisch-klischeehafte Birkenstockträgerin. Ich habe die Dinger immer gehasst und mein Kosmetikregal und Kleiderschrank sehen nicht unbedingt nach ungefärbtem oder gebatiktem Naturleinen aus oder so... Ich glaube, ich bin einfach eine urbane Mischung aus technikinteressiertem Nerd,  garniert mit von Extrem-Feministinnen sicherlich naserümpfend betrachteten Weibchenskills, einer großen Prise (Geistes-)Wissenschaftlerin und Historikerin, die begeistert und gerne alles ausprobiert, sich kein "Das geht nicht" gefallen lässt,  herumtüftelt, dem latenten Hang zum Nachdenken und nachhaltigen Produkten frönt, aber durchaus auch mal die gekaufte Currywurst mit Pommes Schranke zu schätzen weiß (Steinigt mich doch!). Hätte ich mehr Geld, würde man mich wahrscheinlich in die unsäglich hippe Ecke der Lohas stecken. Wobei - gibt es die eigentlich noch? Sind die vielleicht gar nicht mehr hipp?

Letztens las ich jedenfalls das Buch Meine kleine Cityfarm: Landlust zwischen Beton und Asphalt von Novella Carpenter. Gut, der deutsche Titel ist mal wieder schrecklich und ich möchte zwar nicht in einem absoluten Ghetto wohnen (Friedrichshain ist angenehm alternativ, allerdings leiden wir unter der zunehmenden Gentrifizierung) aber dieses Konzept das Landleben, das Selbermachen und Landwirtschaften mit allen Vorzügen der City zu verbinden - hach bitte, wo kann ich das sofort haben? Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich mir Ziegen, Hühner und auch ein glückliches Schaf anschaffen. Vielleicht noch einen Lehmofen bauen und einen kleinen Fischteich anlegen. Hochbeete auf jeden Fall. Einen Amboss könnte ich auch gebrauchen. Schmieden wollte ich nämlich schon immer mal. Und das mitten in Berlin im Hinterhof - ist doch klar. Wenigstens würde ich dann zur Abwechslung mal meine Nachbarn in den Wahnsinn treiben und nicht umgekehrt. 😉 Ja, ich weiß. Es wird wahrscheinlich ein utopischer Traum bleiben.

Die Rückkehr des Handwerks in den Alltag

Aber ich finde diese "Trends", die sich gerade entwickeln, einfach spannend. Ich fühle mich ein wenig wie eine Sozialwissenschaftlerin (ähm, Moment, stimmt.. da habe ich ja tatsächlich auch einen Studienabschluss drin... ), die sich zurück lehnt, alles über den Rand ihrer Brille beobachtet, amüsiert ihren Tee schlürft und sich über die Jahre hinweg geistig Notizen zur Gesellschaftsentwicklung machen. Ich bezweifle allerdings, dass diese Entwicklung insofern rein auf die Wirtschaftskrisen zurückgeht, dass man auf diese Weise Dinge herstellt, die zu teuer für einen geworden sind. Diese Theoretiker haben wahrscheinlich noch nie einen Blick in einen Handarbeits- oder Bastelladen geworfen oder eine Zusammenkunft mit Geschäften gehabt, in denen Gläser im Vintage-Landhaus-Look zu mehr als ordentlichen Preisen verhökert werden. Die zahlkräftigen Hausfrauen (sorry für das Klischee), die gerne selbst wieder aktiv werden wollen und teilweise absolut keine Ahnung von den Marktpreisen haben, werden nämlich von findigen Geschäftsleuten durchaus ganz schön abgezockt. Dabei kann man natürlich durchaus preiswert ganz fantastische Sachen zaubern - wenn man weiß wie. Was die Wirtschaftskrisen angeht nehme ich persönlich eher an, dass sie die DIY-Leidenschaften antriggern, weil der Mensch auf der Suche nach Sicherheit und Geborgenheit seinen Nestbautrieb anwirft.

Stricken ist das neue Cool?

Früher wurde ich von Freunden oft komisch angeguckt, wenn ich Handarbeiten machte oder Kochbücher nach Metrezepten durchforstete - heute guckt kaum noch jemand komisch, oder fragt eher, ob ich es ihr oder ihm beibringen kann (ich gebe übrigens auch Spinnkurse hier in Berlin ;-)). Foodblogs und Do-it-yourself-Blogs boomen, und als ich eben im Buchladen rumkramte, stach mir neben dem Stapel mit Strick-Basic-Büchern und drei verschiedenen Werken, um die eigene Wohnung Shabby Chic-like zu pimpen und umzudekorieren, das Buch "Vintage your life!" ins Auge (nach kurzem Hineinlesen will ich mich damit allerdings nicht "vintagen", scheinbar bin ich schon total "vintage", weil ich selbst Dinge einkoche und gärtnere. Beim Blättern las es sich wie eine en-vogue-mäßige Empfehlung zum Umstylen des Lebens. Neue Modeartikel: Schaufel und Einmachglas. Aber vielleicht tue ich dem Buch unrecht. Ein paar nette Links und Tipps waren ja auch drinnen.) und ein Rezensionsexemplar von "Hab ich selbst gemacht: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte" ziert seit ein paar Tagen meinen wolkenkratzerartigen Lesestapel. Lesenswert ist auch das Online-Magazin "Eigenwerk", das zumindest sehr nette Anregungen gibt. Letztens hatte ich eine Schülerin zum Einzelunterricht fürs Spinnenlernen da - sie kam im eleganten Georgette-Sommerkleid und in weißen Pumps. Ich hätte im Traum niemals geraten, dass sie wirkliches und ehrliches Interesse an dieser Technik hat.
(Kleiner Neben-Exkurs: Interessanterweise sind es vor allem eher Männer, die ein Problem mit den wiederentdeckten Handarbeiten haben und auf strickende Frauen eher naserümpfend reagieren. Ich wage die Vermutung, dass bei den meisten Herren der Schöpfung ein ausgeprägtes grässliche-Häkelkissen-Klöppeldeckchen-auf-Sofalehnen-oder-kratzender-Wollpullover-von-der-Oma-der-zwangsweise-getragen-werden-muss-Trauma besteht, weswegen sie Handarbeiten sofort mit ältlichen asexuellen Damen und nicht vorhandenem Geschmack asoziieren und dies dann mit dem Blick nackter Panik auf ihr cooles, modernes Artyarn verarbeitendes Gegenüber  projizieren.)

Und wenn man in Foren quer liest, fragen Leute in meinem Alter, wo sie Weckgläser und Einkochautomaten herbekommen. Sie würden das ja auch  ganz gerne mal machen. So irgendwie. Die Oma hätte sowas noch alles gehabt, die Mütter hatten dann meist eher kein Interesse daran und vor zehn bis zwanzig Jahren ist halt alles in den Müll gewandert, weil niemand den ollen Kram wollte. Wie oft habe ich in den letzten Jahren gelesen: Ach Mist! Hätten wir das gewusst, wir hatten ja alles dafür da! Und wie oft erntet man verständnislose Blicke und den leicht ungläubigen Satz "Wie...? Das ist eeehheeecht selbstgemacht?!"  (In meinem Fall antwortet man dann leicht verwirrt zurück: "Ähja.. in meiner Küche...?")

Und was sollte das Ganze jetzt?

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich kaufe gerne Dinge. Viel zu gerne. Ich gehe gerne Shoppen und komme dann beispielsweise mit unpraktischen Pumps wieder, die das Laufen auf dem Kopfsteinpflaster in Berlin eher zu einem extrem experimentellen Erlebnis machen. Aber ich investiere einen Großteil meiner freien Zeit eben in solche für viele sinnlos erscheinen Sachen. Ich sehe Dinge an und denke mir "Hey... das kann ich doch selber machen... Lass mich kurz überlegen wie..!" Ich liebe diese Denkaufgabe, freue mich, wenn ich erfolgreich improvisiere. Was dann oft akute Bastelphasen zur Folge hat. Das führt dann beispielsweise dazu, dass ich spontan eine Töpferei stürme, in Pappmaché versinke, Seife siede, fast von meinem Stofflager erschlagen werde und mit meiner widerspenstigen Nähmaschine kämpfe, mich plötzlich mitten im Selbstbau eines Regals wiederfinde, glücklich in meinem magischen Kessel rühre und Hustensirup einkoche oder mich am Ende freudig mit dreckigen, stinkenden, frisch geschorenen Schafsvliesen auseinandersetze. Die Belohnung liegt in der Befriedigung über die erbrachte Leistung und im Genuss des Produktes selbst.

Und hiermit komme ich dann auch endlich an das Ende meines ellenlangen kreativ-Geschwafels und Gedankenwustes. Eine Quintessenz dieses Blogposts bekommt ihr von mir allerdings nicht. Ich bin eher fasziniert. Und beobachte. Ich liege gerade mal im Trend. Aha. Ich betreibe sogar eine Form von Luxus-Hobby. Werde ich dem nächsten aus der Generation "Ieeeeh? Selbermachen?!?!", der mir herablassend mitteilt "Aber das kann man doch im Laden kaufen!!" mal unter die Nase reiben.

Was ich eigentlich sagen will: Handwerk ist toll, also nehmt euch ein wenig den DIY-Geist zu Herzen und rockt und nervt eure Umwelt. Habt Spaß und macht euch selbst glücklich. 😉

Liebe Grüße