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Die Macht der Worte – Alltagsrassismus in der Welt der Foodblogger*innen

Sprache prägt uns. Sie schafft subtil unsere Wirklichkeit, denn wir atmen, denken, träumen, lieben, hassen in unserer Sprache. Wir tragen sie auf der Zunge, in unseren Herzen und in jedem Gedanken in uns - und unsere Gedanken sind nunmal wir. Nehmen wir Worte auf, verbreiten sie weiter, nutzen sie - erschaffen wir täglich unsere Realität und die unserer Umwelt mit. Mit einem schlichten Wort kann man Gefühle hervorzaubern - ein Lächeln, berstende Freude, Unglaube, flammende Wut, Verlangen, ein ängstliches Einatmen, tiefste Verzweiflung, mitternachtsschwarze Traurigkeit - und das ist nur ein sanftes Kratzen an der Oberfläche des Universums an Gefühlen, zu denen wir fähig sind.

Wenn wir Worte als selbstverständlich nutzen, die andere Menschen verletzen, dann schmerzen diese - jeden Tag ein Stück mehr und wachsen manchmal zur Unerträglichkeit heran. Nicht umsonst sprechen wir von der Macht der Worte und davon, dass die Feder (also das geschriebene Wort) mächtiger ist als das symbolisch für gewaltsame Taten stehende Schwert.

Sprache ist lebending - und Achtsamkeit kostet nichts

Und gerade im wunderschönen und köstlichen Food-Bereich kommen noch mehr Emotionen hinzu - Essen ist wahnsinnig gefühlsbeladen. Omis Apfelkuchen, Mamas Rotkraut, die gegrillten Käsebrötchen von Papa, der Geruch der selbstgekochten Marmelade, der einen in die Kindheit zurückbeamt oder der Wein, der wie ein Urlaubssonnenuntergang vor 20 Jahren schmeckt...

Und wenn dann etwas ganz Banales umgedeutet wird, reagieren manche irrational bockig. Nein! Das will man sich nicht nehmen lassen, egal wie kleinlich dieses Festhalten erscheinen mag. Irgendwie nachvollziehbar, aber Sprache ist tatsächlich nicht in Stein gemeißelt - unsere Sprache ist nicht tot, sondern wandelt sich ständig und stetig, sie ist lebendig. Ich stelle sie mir immer wie ein riesiges, morphendes Meer vor, das alle paar Atemzüge lang neue Formen statt einer Welle hervorbringt. Vielleicht ein etwas seltsames Bild.

Events für Foodblogger und politische Korrektheit

Nun ist es schöne Sitte, ein wenig auf politische Korrektheit einzubashen. Kann ich mich in übermütigen Momenten privater Natur sicherlich nicht von ausnehmen. Eine andere Sache ist es allerdings, wenn ich als Gastgeber zu einem Event lade, dies moderiere und dann mit alltagsrassistischen Begriffen kokettiere. Ihr denkt die Foodblogger-Welt ist nett und friedlich und sowas passiert bei uns nicht? Da irrt ihr euch. Ich bin keine große Eventgängerin, aber mir ist es mehrfach passiert, dass ich solchen Momenten und großem Unverständnis begegnete. Und - trotz anwesender Menschen, die ich mag - einer schweigenden Mauer.

Wegsehen gilt nicht: Schaumküsse und das N-Wort

Einmal musste ich eine Foodblogger-Konferenz abbrechen, weil der Organisator mir mit dem Anwalt drohte und mich dann noch öffentlich an den Pranger stellte. Ein anderes Mal schwieg ich dann inmitten der ebenfalls schweigenden Menge. Ich hatte keine Kraft zu kämpfen, war ängstlich, schaute betreten und wütend weg und zu Boden, als der schwer tätowierte Koch über Schaumküsse und das N-Wort schwadronierte und an das Wir-Gefühl appellierte. Klar, waren optisch betrachtet ja auch alles nur Bio-Deutsche da. Ich gehe ja als "weiß" durch.

Schweigen Legitimiert

Dieser Abend vor ein paar Jahren hängt mir seitdem nach. Ich schäme mich dafür, dass ich mich selbst geschützt habe auf diesem Event. Es ist Selfcare gewesen, dennoch, ich (zer)breche innerlich, denn ich trage dieses Ideal in mir, das mit diesem Verhalten nicht vereinbar ist. Ich kann viele Kompromisse in meinem Leben schließen, aber bei Rassismus, Lügen und unfairem Verhalten habe ich schon als Kind eine Grenze gezogen. Und ich frage mich dabei: Wie viele nehmen sowas einfach hin? Wie viele haben vor 85 Jahren geschwiegen, weil es einfacher und harmonischer war? Denn eines ist klar: Schweigen, nicht Aufzustehen, das legitimiert Wortführer. Es bestärkt sie vor sich selbst in ihrem Denken und vor den anderen, die sehen, dass ja niemand das Maul gegen den Dreck aufmacht.

3, 2, 1 - Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!

Und nach all dem Pegida, AfD und sonstigem brauen Mist sollte man denken, dass Menschen doch sensibilisierter sind. Aber nein, kürzlich erst war ich auf einem Event, es ging um Süßigkeiten von hoher Qualität. Ich fühlte mich wohl. Jemand führte durch das Programm, Schaumküsse wurden gereicht. Es wurde auf den politisch korrekten Produktnamen hingewiesen, darauf, wie die lokal früher ja hießen "M*****köpfe" und jaaaa wie die Dinger denn hierzulande nochmal hießen?
(Zwinker, zwinker, hö hö hö. Schaffung eines Wir-Gefühls durch Ausgrenzung. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Wir sind ja unter uns Weißen, da kann man sich ja mal über sowas Unnötiges lustig machen, nicht wahr?)
"Neineineinein.. es war doch so nett und schön bis jetzt. Ich will euch nicht nicht mögen müssen.", denke ich.
"N****küsse!!" schallte es da schon mehrfach glücklich und kräftig durch den Raum.
Mich durchzuckt es. Im Geiste zähle ich rückwärts: "3...2...1..." - da wirft sich auch schon ein blonder junger Mensch in Pose und setzt laut zu einer Erklärung an: "Also ich, ICH habe damit ja absolut kein Problem. Ich.." Ich fahre dem Menschen zischend über den Mund. Ich habe damit nämlich durchaus ein Problem. Auch mit der mehrfachen Verwendung des Begriffs. Artikuliere das deutlich. Die Menge schweigt. Zu uns beiden. Flüchte mich mit meinem Wasserglas an einen kleinen Tisch und atme durch. Wütend, traurig. Dass jemand ebenfalls offen aufsteht erwarte ich in diesem Umfeld schon lange nicht mehr. Vielleicht ein Grund, warum ich mich immer mehr zurückziehe aus der Szene. Aber wenigstens habe ich diesmal nicht geschwiegen und keinen rotglühenden Klumpen der Scham im Magen.

Ein weißer, privilegierter, gebildeter Mensch verwendet einen rassistischen, menschenabwertenden Begriff aus der Dunkelzeit des Kolonialismus und erklärt wie gut er sich doch damit fühlt und das Wort weiternutzen will, weil es sich so heimelig-warm anfühlt und er es in seinen geschätzten 25 Lebensjahren schon immer gesagt hat. Man hat ja seine Traditionen. Mir egal, wen ich damit heute herabsetze und verletze. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man drüber lachen.
Aber es ist nunmal so: Wer heutzutage das rassistische und diskriminierende N-Wort für ganz normal hält, ist entweder a) im Idealfall dumm b) weiß ziemlich genau was er tut und ist damit als Rassist, der absichtlich solche Begriffe in gesellschaftlicher Umgebung nutzt und so legtimieren lässt, umso gefährlicher oder c) hat von der politischen Entwicklung der letzten Jahre aufgrund geringer Bodenhaftung null mitbekommen und sollte sich vielleicht mal schleunigst auf den neuesten Stand bringen, um nicht mit einem Jung-AfDler verwechselt zu werden.

Meine Bitte gegen das Schweigen

Was ich damit sagen will: Zeigt Rückgrat. Seid mutig. Blickt nicht weg und lächelt brav, wir wissen wo das hinführt. Ich bitte euch, wenn ihr es schafft, wenn ihr euch sicher fühlt, dann sagt etwas - auch bei einem geilen Event und wenn ihr euch um euren Sponsor sorgt. Gebt zumindest anderen Support wenn sie sich trauen Rassismen zu benennen. (An dieser Stelle vielen Dank an die mir bis dahin nicht persönlich bekannte Maria - ich traue mich gerade nicht, dich zu nennen oder zu verlinken, gib mir kurz Bescheid, wenn es für dich okay ist - für unser kurzes Gespräch. Danach fühlte ich mich nicht mehr wie ein totaler Alien.)
Traut euch, unbequem zu sein. Sorgt dafür, dass ihr in den Spiegel gucken könnt und andere Alltagsrassismus nicht länger für die Norm halten. Mit jedem kleinen Wort streut ihr Zweifel und entzieht solchen menschenverachtenden Aussagen die Macht. Denn ob ihr sie wollt oder nicht: Ihr lebt nun mal in dieser Welt und tragt damit die Verantwortung für kommende Generationen. Und ich für meinen Teil würde gerne auf eine Wiederholung des 1000jährigen Menschenhasses verzichten.

In Liebe

Shermin

P.S.: Die Kommentare sind moderiert. Mein Blog. Meine Party. Nur so als Troll-Info. Zwinker. Zwinker.

Mit dem Lastenrad durch Berlin [Werbung]

Ich habe es getan - ich bin eindeutig unter die Hipster gegangen. Ich kaufe Macadamia Milch, trinke gerne Chai Latte, spinne meine eigene Wolle, töpfere unser Geschirr, habe mich erfolgreich vermehrt und jetzt haben wir uns als Familienkutsche auch noch so ein Lastenrad zugelegt - zwecks Kindertransport. Einen Schnurrbart und Monokel trage ich immerhin noch nicht und meine Socken sind auch stilvoller als beim Hipsterdurchschnitt: schwarz, what else. 😉

Perfekt für die Fahrt durch Berlin: Ein Lastenrad!

Veränderte Bedürfnisse als Familie

Vor einem Kind kann man das Ausmaß der Lebensveränderungen ja meist nicht so ganz ermessen und nickt nur immer leicht genervt und augenrollend, wenn einem jemand kurz vor der Geburt noch leicht hämisch zuraunt: "Tja, euer bisheriges Leben ist jetzt vorbeeei!" (Ja, solche Menschen sind gar nicht so selten. 😉 ) Aber erstmal: Das bisherige Leben ist nach anfänglichem Chaos natürlich nicht vorbei. Ich verweigere schlicht die Aufgabe des eigenen Ichs und sämtlicher damit zusammenhängender Interessen. Aber das Leben ist natürlich anders und... erweitert. Man hat weniger Zeit für sich und muss sehr viel geplanter an Dinge heran gehen - schließlich hat man jetzt die Verantwortung für einen funkelnagelneuen Kleinstmenschen und dessen Bedürfnisse. Und so verschiebt sich mein persönlicher Fokus hier im Blog eben auch etwas, was ich als natürlichen Prozess empfinde. Ich habe schon länger darüber nachgedacht Dinge, die uns den Alltag erleichtern und die ich als Bereicherung im täglichen Leben mit einem Kleinkind schätze, auch hier vorzustellen. Wenn ich meinem Freundeskreis davon berichten kann, dann ja wohl auch Euch. 🙂

Und die größte Neuerung und Neuerwerbung, die massiv unseren Alltag verändert, ist der Kauf des Babboe Curve-E. Wir haben sehr, sehr, sehr lange darüber nachgedacht, die Anschaffung ist für uns immerhin nicht gerade winzig, auch wenn die Bakfiets von Babboe noch zu den günstigeren Lastenfahrrädern gehören. (Und hey – im Vergleich zu einem Auto gewinnen sie eh preistechnisch.)

Babboe Lastenrad Curve-E

Wohnen im Herzen Berlins

In der Hauptstadt ist es total normal, kein Auto zu besitzen. Und so praktisch es ab und an wäre - zumindest in unserer Altersgruppe/Freundeskreis ist es nicht Gang und Gäbe – während es im Ruhrpott, wo ich aufwuchs, quasi Standardausrüstung ist. Wir wohnen im Herzen Berlins, quasi Hipstertown, und fast alles ist gut fußläufig oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, selbst Autobesitzer*innen fahren lieber mit den Öffis zur Arbeit, weil es oft schneller geht und die Parkplatzsituation auch nicht immer wirklich schön ist. Wir sind halt bisher immer mit dem Rucksack oder dem Rad einkaufen gegangen. Allerdings gibt es einige Eckchen, wo man doch ein Weilchen hin laufen muss. Und ab und an – wenn man etwas Größeres einkaufen will, muss man Autobesitzer*innen im Bekanntenkreis um Hilfe bitten.

Mit dem Kinderwagen durch die Hauptstadt

Aber so nett die öffentlichen Verkehrsmittel sind - sie sind absolut unzureichend, wenn man als Mensch nicht gemäß der Norm funktioniert und zum Beispiel körperlich eingeschränkt ist. Und ansatzweise ähnlich ist es auch, wenn man einen Kinderwagen hat. Die Kita-Situation in Berlin ist ein wahrer Albtraum - wir haben nur durch Zufall einen Platz bekommen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Kinderladen (wenn alles am Schnürchen klappt) 30 Minuten entfernt – und meist klappt es halt eben nicht. Und sehr, sehr oft, sind an beiden Enden der Bahnstrecke die Aufzüge kaputt oder sogar willentlich gesperrt (warum auch immer, liebe S-Bahn Berlin).
Während ich also beobachten durfte, wie Menschen mit Krücken verzweifelt versuchten Treppen hochzukommen, war ich damit beschäftigt, unseren superwendigen, aber sehr massiven, Kinderwagen Treppen hoch und runter zu wuchten. Erwähnte ich, dass ich unter 1,60 m und jetzt nicht gerade Arnold Schwarzenegger bin? Jede/r, der das schon mal gemacht hat weiß, wie gefährlich es ist, einen sperrigen Kinderwagen diese Treppenabgründe hoch- oder hinunter zu bekommen - und das ist die Situation,die uns während der Sommermonate den Alltag bereicherte. Was jetzt zur Herbst- und Winterzeit passiert, wenn eine Schneeflocke das Berliner S-Bahn-Netz mal wieder ins totale Chaos stürzen wird, mag ich mir kaum vorstellen. Strande ich mit dem Kinderwagen, darf ich gute 40 Minuten nach Hause spazieren – was für uns täglich schlicht keine Option ist. Mit dem Lastenrad lege ich die Strecke aber in 10 bis 15 Minuten zurück und bin absolut unabhängig vom Schienenverkehr.

Beim Radfahren das Kind im Blick

Lieferung Lastenrad

Wir haben unser Rad nicht bei einem Fahrradladen gekauft, sondern direkt beim Hersteller Babboe erworben. Das ging erstaunlich gut, die Lieferfrist beträgt so allerdings circa 4 Wochen. Das Rad kam fertig zusammengebaut, gut verpackt in einem monströsen Karton via Spedition bei mir an. Auch mitbestelltes Zubehör, wie zum Beispiel der Kleinkindersitz, lagen praktischerweise der Lieferung direkt bei. Der nette Fahrer ließ mich sogar ein Foto von ihm und dem Rad machen.
Das nur als kleine Randinfo für Interessierte, die nicht in Ballungsgebieten mit dem Babboe-Händler direkt in der Stadt wohnen. Ich empfehle allerdings mit dem Rad nochmal zur Kontrolle eine Fahrradwerkstatt aufzusuchen – bei mir stellte sich heraus, dass die Gangschaltung nicht richtig eingestellt war. Wer erstmal ein Lastenrad probefahren und es dann vielleicht sogar sofort mitnehmen möchte, der ist natürlich bei einem niedergelassenen Händlern besser aufgehoben. Auf der Homepage von Babboe findet sich eine Liste mit Adressen der offiziellen Händler. Ich habe das große Glück, dass einer davon direkt bei mir um die Ecke liegt, wo ich mit dem Rad auch zum ersten ausführlichen Check up hingerollt bin.

Die Lieferung des babboe Curve-E via Spedition

Und? Wie war die erste Fahrt mit dem Babboe?

Die erste Fahrt stand an -  und bei mir gab es großen Respekt vor diesem Fahrzeug, das ja richtig bedient werden will. So viel Technik und mit Gängen hin und her schalten hatte ich gar nicht erwartet und es überforderte mich auf den ersten Blick bei allem Neuen und beim Einlesen in die Anleitung etwas. Aber nach den ersten hundert Metern und den ersten Kurven stellte sich langsam etwas Gewohnheit ein – zum einen macht das Fahren richtig Spaß und nach den ersten Fahrten geht einem die Schaltung in Fleisch und Blut über.

Das erste Aufsitzen und Anfahren im geschützten Innenhof fühlte sich auch noch etwas wackelig und sehr unsicher an - wie ich bemerkte ist das allerdings keine Instabilität des Rades, sondern die Empfindlichkeit und Leichtgängigkeit, mit der dieses große Lastenrad auf Berührungen, Drehungen des Lenkers, Anfahren reagiert. Leicht abschüssig und einmal kurz angestippt, rollt das Babboe ohne angezogene Feststellbremse einfach weg (ja, samt Kind und allen Göttern sei Dank nur im Hausflur 😉 ), was ich bei dem Gewicht und der Masse schon sehr krass (gut) finde.
Das Fahren mit dem Lastenrad ist schon anders im Vergleich mit einem normalen Zweirad. Inzwischen fühle ich mich sicherer mit meinem Babboe und kurve immer beherzter durch den Kiez - im Schnitt bin ich zwischen mit 12 bis 21 Km/h unterwegs. Und ihr könnt euch gar nicht mein glückliches Grinsen vorstellen, wenn der Wind die Verspätungsansage zu mir herüber weht, während ich in Ruhe die S-Bahn-Strecke entlang radle und mir die Sonne auf die Nase scheint.

die erste Fahrt mit dem Lastenrad durch Berlin

Unabhängigkeit auf drei Rädern

Um ehrlich zu sein, ich hatte bis zuletzt wirklich große Zweifel, ob so ein E-Bike-Lastenrad etwas für uns ist, schließlich bin ich klein, fett und echt unsportlich. Aber inzwischen bin ich wirklich überzeugt vom Rad – es ist für uns, in einem Alltag mit Kleinkind, schlicht Unabhängigkeit auf drei Rädern: Ausflüge, Einkaufen, Kind hin und her transportieren - ideal für eine Stadt wie Berlin, wo man nicht freiwillig Autofahren will, die S-Bahn oft ausfällt oder viele Ecken schlicht nicht erreicht.
Wir haben sehr lange das Für und Wider erwogen, hier unsere Überlegungen für das Babboe Curve-E nochmal in der Übersicht:

  • Das Elektro-Lastenrad erschien uns persönlich als die bessere Alternative zum E-Bike mit Kindersitz oder Anhänger, was Stauraum, Bequemlichkeit und Zugang zum Kind anbelangt. Ich habe das Kind während der Fahrt vor mir ständig im Blick und kann so beispielsweise kommunizieren, anhalten und Dinge reichen - ich sag nur:„Keeeekskreeeiiiisch!“ -, was bei Rücksitz oder einem Anhänger nicht möglich ist.
  • Die Unabhängigkeit mit Kind von den öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Die elektronische Trittunterstützung (Fahrrad + Kind + Gepäck würde ich vom Fitnesslevel her sonst nicht packen). Berlin ist nicht ganz so flach, wie man sich vielleicht denkt. Ein winzigkleiner Exkurs in die Geografie: Wir sind am Rand des Berliner Urstromtals – das wird ziemlich genau bei unserer Straße von der Endmoräne des Barnim (der Dreck, den der eiszeitliche Gletscher damals mitschleifte) begrenzt. Und diese Endmoräne sorgt für eine kleine Steigung, die ich nicht mit Krempel, Kind und Rad bewältigen kann und will.
  • Der Stauraum. Die erste Fahrt mit dem Babboe von der Kita zurück, ein spontaner Halt samt Kind an einem Supermarkt und dort beim Einkaufen die Erkenntnis: Ich muss mich zum ersten Mal nicht limitieren und überlegen: Kann ich das kaufen? Wie soll ich das nach Hause transportieren? Beispiele gefällig: Unser Lebensmitteleinkauf für anderthalb Wochen passt neben dem kleinen Fahrgast problemlos und mit viel Platz hinein.
    Für den WollWechsel, ein von mir organisiertes Crafting-Event in Berlin, musste ich am Wochenende kistenweise Material transportieren – kein Problem. Und ganz ehrlich, wenn ich daran denke, dass ich im nächsten Frühjahr nicht Fahrradgepäckträger Tetris spielen und überlegen muss, welche Pflanzen ich mir im Pflanzenmarkt gönnen darf und wie um Himmels Willen ich die dringend benötigte Pflanzenerde heim bekommen soll, freue ich mich ich einfach.
  • Es ist kein Auto. (Ja, das sehe ich tatsächlich als Vorteil) Wir produzieren keine Abgase, kein Feinstaub, müssen keinen Parkplatz suchen oder horrende Automobilversicherungen und Benzinkosten entrichten.

Vollgepacktes Lastenrad nach dem WollWechsel

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig wie ein unreflektiertes Loblied, aber ich habe bisher schlicht fast nur gute Erfahrungen mit meinem Lastenrad gemacht (bis auf den dämlichen Nupsie an der Lenkerseite, den ich ständig verliere, und den etwas komplizierten Einbau des Kleinkindersitzes.). Auch die Straßentauglichkeit im Winter ist noch offen. In Berlin gibt es ja meist eher mehr Feuchtigkeit als Schnee und Eis und die Straßen sind meist gut geräumt – darauf und auf die guten Berichte zum Babboe in der Winterzeit zähle ich – hoffentlich nicht zu blauäugig. Was für mich ein weiterer Negativpunkt ist, dass ich mit dem Lastenrad keine Züge oder S-Bahnen nutzen darf - auch nicht in ausgewiesenen Fahrradabteilen. Damit bin ich persönlich mit dem Rad relativ in der Reichweite eingeschränkt. Wie es sich mit dem Babboe langfristig verhält, muss ich sehen, ich habe inzwischen sanft läuten hören, dass das Rad anfällige Räder hat. Mal sehen, wie sich das entwickelt, Erfahrungen werden dann hier noch ergänzt.

Dieser Artikel ist als Werbung gekennzeichnet, da er in Kooperation mit Babboe entstand. Ich bemühe mich sehr, dennoch ein objektives Bild meiner Erfahrungen mit dem Lastenrad abzugeben.

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Frohe Ostern

Das Berliner Foodblog "Der magische Kessel" wünscht frohe Ostern

Euch und euren Lieben ein schönes Osterfest, voller immaterieller Dinge, wie Liebe, Familie, Freundschaft, Vertrauen - aber auch voller Leckereien, Schokoladeneier und Ostertafeln, die sich vor Köstlichkeiten fast biegen.

Liebe Grüße

Shermin

Orangensalz – ein duftendes Geschenk aus der Küche

Gerade haben wir Januar und sind damit noch mitten in der Saison für die wunderbarsten und saftigsten Orangen. Ich gestehe, bin ein kleiner Orangenjunky. Wenn ich genug Zeit habe, dann beglücke ich mein tägliches Porridge mit aromatischen Orangenschnitzen. Und auch das Kind zutscht mir mit seinen 9 Monaten glücklich ganze Orangenschnitze aus der Hand.

Rezept für Orangensalz
Seit Jahren beäuge ich ja sehnsüchtig die Möglichkeit die mannigfaltige Sorten von Zitronen, Orangen und andere Köstlichkeiten kistenweise direkt aus Spanien zu bestellen. Aber irgendwas (in den letzten beiden Jahren halt Schwangerschaft und kleines Kind... beides gute Gründe :)) kommt immer dazwischen, so dass mir die Zeit zur Verarbeitung fehlt und ich dann doch Abstand nehme. Aber..! Irgendwann klappt es bestimmt!

Rezept für Orangensalz

Orangensalz - ein duftendes Geschenk aus der Küche

So lange nehme ich jedenfalls mit den Orangen aus dem Laden hier vorlieb. Wenn man genau hinschaut, kann man hier auch richtig Glück haben und seine Zähne glücklich in köstliches süß-saures Fruchtfleisch schlagen. Wenn ich schöne Bio-Orangen kaufe, reibe ich mit einer feinen Reibe oder einem Zestenreißer vor Verzehr immer die Schale ab. Meist verbrauche ich sie sofort, oder friere sie in kleinen Gläschen im Tiefkühlfach ein. In der Türe gelagert habe ich so immer frische Orangenschale griffbereit. (Ihr solltet dennoch darauf achten, die Orangenschale da nicht mumifizieren zu lassen. Nach ein paar Monaten holt sich der Gefrierbrand alles.)

Rezept für Orangensalz
Oooder ihr macht ganz einfach Orangensalz. Es ist so simpel: Meersalz, Orangenschalen drauf geben, schütteln und schon wird man jedes Mal, wenn man das Glas öffnet mit einem köstlichen Duft nach frischen Orangen belohnt. Und da Orangen und Zimt hervorragend zusammenpassen, gibt es auch die Option - nachdem das Salz durchgetrocknet ist -  etwas Ceylon Zimt hinzuzugeben. Da ich in herzhafte Gerichte gerne etwas Zimt gebe - zum Beispiel in Salate (die haben ja oft auch süßsaure Komponenten), zu herzhaften Braten (zum Beispiel mit Pflaumen und Rotwein), Pasteten oder in meine Tomatensauce, passt diese leichte Note da hervorragend.
Weitere Rezepte für Gewürzsalze von mir findet ihr hier: Shermins Kräutersalz, Bärlauchsalz, Bacon-Chipotle-Salz und Zitronensalz.

Rezept für Orangensalz

Rezept für Orangensalz

100 g Meersalz
1,5 TL frisch geriebene Orangenschale (1 - 2 Bio-Orangen)
Optional: 1/2 TL Ceylon Zimt

Equipment: Micoplanereibe*/Zestenreißer, Schraubglas, Küchenwaage, evtl. Löffelmaß*

Zubereitung

  • Die Orangen heiß abwaschen, abtrocknen und mit einer Microplanreibe oder einem Zestenreißer die Schale abziehen. Dabei darauf achten, dass nur die obere Hautschicht abgetragen wird, das Weiße darunter ist bitter.
  • Die mit dem Löffelmaß (oder Pi-mal-Daumen) abgemessene Orangenschale zusammen mit dem abgewogenen Meersalz in ein Schraubglas geben. Gut verschließen und kräftig schütteln bis alles gut vermengt ist. Das Salz klumpt durch die Feuchtigkeit in der Schale etwas zusammen, kann aber jetzt schon verwendet werden.
  • Das Glas jeden Tag schütteln, damit das Orangensalz aufgrund der Feuchtigkeit nicht zu einem festen Klumpen zusammenbäckt. Den Deckel danach etwas zum Auslüften öffnen. Dies so lange wiederholen, bis die Orangenschale getrocknet erscheint und das Salz wieder bröseliger. Je nach Saftigkeit der Orange dauert dies ungefähr 4 bis 7 Tage.
  • Ist das Salz gut durchgetrocknet, kann - wer will - jetzt den Ceylon Zimt hinzufügen und alles gut vermischen.

Gewürzsalz mit Orange und Zimt

*Afiliate-Link zu Amazon. Beim Einkauf über diesen Link erhalte ich eine kleine Provision.

 

Rückschau: Die #Foodblogbilanz2016 im magischen Kessel

Bei Sabine, die im Blog Schmeckt nach mehr ihre Rezepte und Weisheiten niedertippt, gibt es in diesem Jahr wieder Fragen für ihre Rückschau auf das gehende Jahr.

Daily Porridge

1. Was war 2016 dein erfolgreichster Blogartikel?

Ganz klar: Hokkaido aus dem Backofen - dicht gefolgt von meinem Grundrezept für Mürbeteigkekse.

2. Welche drei deiner eigenen Blogartikel aus diesem Jahr haben dir persönlich am meisten bedeutet?

Mein Rezept für Hais - arabische Dattel-Energy-Röllchen aus dem Mittelalter. Ich habe in diesem Jahr endlich den seit 20 Jahren ersehnten Schritt in Richtung Living History gemacht. Für uns gab es die erste richtige, historisch korrekte Gewandung. Da meine Darstellung eine byzantinische Gewürzhändlerin ist, die es wegen der Liebe nach Berlin verschlagen hat (Jaha!), konnte ich meiner geheimen Passion nachgeben, die Lagerküche an mich reißen und recherchierte arabische Rezepte aus dem 13. Jahrhundert ins Leben zurückholen. Note to myself: Beim nächsten Lager für einen anderen Gewürzmörser sorgen. Holz suckt. 😉

Dann noch mein Rezept für Porridge aus der Mikrowelle - das ist fast mein tägliches Frühstück, inzwischen auch das des Kindes, das sich mit nicht mal sechs Monaten die ersten Löffel von mir ernörgelte. Es war auch der erste größere Artikel nach der Geburt. Vielleicht sieht man es ihm nicht an an, aber es steckt schon ein wenig Herzblut und Bloggerinnenleben-reclaimen darin.

Und darf ich diesen hier nennen? In unserer shiny-hochglanzpolierten (Food-)Blogger*innwelt ist ehrliche Reflexion selten. Und diese Rückschau ist doch recht persönlich.

3. Und welche drei aus anderen Blogs haben dich am meisten inspiriert?

Eigentlich nur zwei und es sind auch weniger Rezepte als eher die Blogs.

Bint Rhodas Kitchen - Jessica ist eine arabischstämmige, israelische Christin, die inzwischen in den USA lebt. Ich habe ihre wundervollen gebackenen Aprikosen nachgekocht. Ihre Gedanken zu Bomben, Attentaten und einem Leben in Angst führten mich endlich dazu, meine Ma'amoul zu backen. Wir sollten einfach mehr auf das was wir gemeinsam haben achten als auf das was uns trennt.

Forest Feast - das Blog selbst und die Kochbücher fand ich inspirierend. Mir gefällt der Mix aus Bunt und den Rezepten, das transportierte Feeling. Gerade ist noch Chanukkah, perfekt für einen Chanukkah-Leuchter aus Zitrusfrüchten. 😉 Im Angesicht der Weltsituation kann man den abschließend dann noch verwenden um ein paar Cocktails zu mixen und sich zu betrinken.

4. Welches der Rezepte, die du 2016 veröffentlicht hast, hast du selbst am häufigsten gekocht – und warum?

Eierkuchen zum Wohlfühlen. Und Haferbrei in tausend und einer Variante für mein #DailyPorridge. Beides ist selbsterklärend.

5. Welches Koch- oder Blog-Problem hat dich 2016 beschäftigt? Und hast du es gelöst?

Mein herausragendes Problem 2016 war: Fehlende Zeit. Ich liebe mein Kind heiß und innig und habe Einiges auf mich genommen, um es in die Welt zu setzen. Aber... mir fehlt schlicht Zeit. (Okay.. und Schlaf.) Ich habe direkt nach dem Mutterschutz wieder angefangen im Homeoffice zu arbeiten und ich hatte tatsächlich die spannende Theorie, dass das mit Baby ja bestimmt gut geht. Das Kleine schläft selig in seinem Körbchen, während Mama nebendran Texte tippt. Hat bei uns nicht funktioniert, es ist halt ein Baby. 🙂 Mein Kind ist absolut liebenswert und im Grunde recht unkompliziert: Es will Nähe und Aufmerksamkeit und ist nebenbei auch noch sehr aktiv. (Ächz.)  Inzwischen ist es fast neun Monate und beschäftigt sich auch schon ganz toll selbst, aber Mama oder Papa müssen bitte in Reichweite sein. Dass ich meine Arbeit dennoch gut geschafft habe in diesen Monaten ist der Elternzeit+ des Mannes und zahlreichen Freund*innen zu verdanken, die mir als Babysitter*innen geholfen haben. Ein ganz großes DANKE! <3 an diese lieben Menschen!

Das Foodblog kam  bei all dem leider immer zu kurz, auch wenn die Zahl der Leser*innen dennoch steigt. Mich ärgert es zum Beispiel persönlich sehr, dass ich mein bibliophiles Dauerblogevent "Lesehungrig" nicht weiterführen konnte. Ich hoffe sehr, dass ich es 2017 wiederbeleben kann. Nicht zu vergessen die Rezepte, die noch in Gedankenschubladen vor sich hin modern.

Eine Lösung dafür habe ich nicht - es sei denn jemand kann mir ab April 2017 einen Kindergartenplatz im Samariterkiez hier in Friedrichshain bieten - den bekommen wir nämlich einfach nicht. Im Dezember gab es die Absage vom einzigen Kindergarten, bei dem wir es immerhin auf eine offizielle Warteliste geschafft haben. Es bleibt also spannend, drückt uns die Daumen.

6. Was war deine größte kulinarische Neuentdeckung dieses Jahres – welches Lebensmittel, welches Rezept, welche Küchentechnik, welcher Geschmack hat dir eine völlig neue Welt eröffnet?

Das war nicht nur eine Sache, sondern viele: Trüffel (kann wirklich schmecken), Hirse (total lecker), Möhren (esse ich nur ungerne gekocht) & Süßkartoffeln (meiner Ansicht nach auch recht überschätzt), Lammherz (Da kam ich dank Food-Assembly dran. Sehr genial als Burger.). Je mehr ich meine Zunge mit essbaren Dingen bekannt mache, desto mehr stelle ich fest, dass Gefallen oder Nichtgefallen einer Zutat gar nicht so sehr vom Geschmack, sondern von Konsistenz und (für mich falscher) Zubereitungsart abhängen.

Technik: Ich war total begeistert, dass ich die Ma'amoul-Formen so problemlos nutzen konnte und das Gebäck perfekt geformt herausfiel. (Was zu Freudenschreien in der Küche führte.)

7. Was war der beste (oder lustigste) Suchbegriff, über den Besucher auf dein Blog gekommen sind?

Suchphrase, die ins Foodblog führte: "chefkoch Eichhörnchen Oktober 2016" (Eichhörnchenbraten? Ragù? Kekse?)

8. Was wünschst du dir und deinem Blog für 2017?

Ganz simpel: Mehr Erfolg. Mehr Leser*innen. Vielleicht auch mehr Kommentare, Feedback ist durchaus wichtig. (Mir ist klar, dass sich viele Kommentare in den letzten Jahren in die sozialen Netzwerke verlagert haben. Aber da gehen sie nach einiger Zeit und ohne Zusammenhang zum Artikel leider unter. Und ja, ich bin selbst jemand, der nur wenig Zeit zum Kommentieren findet. ein Teufelskreis. 😉 )

Kommt gut durch die Nacht, wir sehen uns 2017.

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