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Die Macht der Worte – Alltagsrassismus in der Welt der Foodblogger*innen

Sprache prägt uns. Sie schafft subtil unsere Wirklichkeit, denn wir atmen, denken, träumen, lieben, hassen in unserer Sprache. Wir tragen sie auf der Zunge, in unseren Herzen und in jedem Gedanken in uns - und unsere Gedanken sind nunmal wir. Nehmen wir Worte auf, verbreiten sie weiter, nutzen sie - erschaffen wir täglich unsere Realität und die unserer Umwelt mit. Mit einem schlichten Wort kann man Gefühle hervorzaubern - ein Lächeln, berstende Freude, Unglaube, flammende Wut, Verlangen, ein ängstliches Einatmen, tiefste Verzweiflung, mitternachtsschwarze Traurigkeit - und das ist nur ein sanftes Kratzen an der Oberfläche des Universums an Gefühlen, zu denen wir fähig sind.

Wenn wir Worte als selbstverständlich nutzen, die andere Menschen verletzen, dann schmerzen diese - jeden Tag ein Stück mehr und wachsen manchmal zur Unerträglichkeit heran. Nicht umsonst sprechen wir von der Macht der Worte und davon, dass die Feder (also das geschriebene Wort) mächtiger ist als das symbolisch für gewaltsame Taten stehende Schwert.

Sprache ist lebending - und Achtsamkeit kostet nichts

Und gerade im wunderschönen und köstlichen Food-Bereich kommen noch mehr Emotionen hinzu - Essen ist wahnsinnig gefühlsbeladen. Omis Apfelkuchen, Mamas Rotkraut, die gegrillten Käsebrötchen von Papa, der Geruch der selbstgekochten Marmelade, der einen in die Kindheit zurückbeamt oder der Wein, der wie ein Urlaubssonnenuntergang vor 20 Jahren schmeckt...

Und wenn dann etwas ganz Banales umgedeutet wird, reagieren manche irrational bockig. Nein! Das will man sich nicht nehmen lassen, egal wie kleinlich dieses Festhalten erscheinen mag. Irgendwie nachvollziehbar, aber Sprache ist tatsächlich nicht in Stein gemeißelt - unsere Sprache ist nicht tot, sondern wandelt sich ständig und stetig, sie ist lebendig. Ich stelle sie mir immer wie ein riesiges, morphendes Meer vor, das alle paar Atemzüge lang neue Formen statt einer Welle hervorbringt. Vielleicht ein etwas seltsames Bild.

Events für Foodblogger und politische Korrektheit

Nun ist es schöne Sitte, ein wenig auf politische Korrektheit einzubashen. Kann ich mich in übermütigen Momenten privater Natur sicherlich nicht von ausnehmen. Eine andere Sache ist es allerdings, wenn ich als Gastgeber zu einem Event lade, dies moderiere und dann mit alltagsrassistischen Begriffen kokettiere. Ihr denkt die Foodblogger-Welt ist nett und friedlich und sowas passiert bei uns nicht? Da irrt ihr euch. Ich bin keine große Eventgängerin, aber mir ist es mehrfach passiert, dass ich solchen Momenten und großem Unverständnis begegnete. Und - trotz anwesender Menschen, die ich mag - einer schweigenden Mauer.

Wegsehen gilt nicht: Schaumküsse und das N-Wort

Einmal musste ich eine Foodblogger-Konferenz abbrechen, weil der Organisator mir mit dem Anwalt drohte und mich dann noch öffentlich an den Pranger stellte. Ein anderes Mal schwieg ich dann inmitten der ebenfalls schweigenden Menge. Ich hatte keine Kraft zu kämpfen, war ängstlich, schaute betreten und wütend weg und zu Boden, als der schwer tätowierte Koch über Schaumküsse und das N-Wort schwadronierte und an das Wir-Gefühl appellierte. Klar, waren optisch betrachtet ja auch alles nur Bio-Deutsche da. Ich gehe ja als "weiß" durch.

Schweigen Legitimiert

Dieser Abend vor ein paar Jahren hängt mir seitdem nach. Ich schäme mich dafür, dass ich mich selbst geschützt habe auf diesem Event. Es ist Selfcare gewesen, dennoch, ich (zer)breche innerlich, denn ich trage dieses Ideal in mir, das mit diesem Verhalten nicht vereinbar ist. Ich kann viele Kompromisse in meinem Leben schließen, aber bei Rassismus, Lügen und unfairem Verhalten habe ich schon als Kind eine Grenze gezogen. Und ich frage mich dabei: Wie viele nehmen sowas einfach hin? Wie viele haben vor 85 Jahren geschwiegen, weil es einfacher und harmonischer war? Denn eines ist klar: Schweigen, nicht Aufzustehen, das legitimiert Wortführer. Es bestärkt sie vor sich selbst in ihrem Denken und vor den anderen, die sehen, dass ja niemand das Maul gegen den Dreck aufmacht.

3, 2, 1 - Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!

Und nach all dem Pegida, AfD und sonstigem brauen Mist sollte man denken, dass Menschen doch sensibilisierter sind. Aber nein, kürzlich erst war ich auf einem Event, es ging um Süßigkeiten von hoher Qualität. Ich fühlte mich wohl. Jemand führte durch das Programm, Schaumküsse wurden gereicht. Es wurde auf den politisch korrekten Produktnamen hingewiesen, darauf, wie die lokal früher ja hießen "M*****köpfe" und jaaaa wie die Dinger denn hierzulande nochmal hießen?
(Zwinker, zwinker, hö hö hö. Schaffung eines Wir-Gefühls durch Ausgrenzung. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Wir sind ja unter uns Weißen, da kann man sich ja mal über sowas Unnötiges lustig machen, nicht wahr?)
"Neineineinein.. es war doch so nett und schön bis jetzt. Ich will euch nicht nicht mögen müssen.", denke ich.
"N****küsse!!" schallte es da schon mehrfach glücklich und kräftig durch den Raum.
Mich durchzuckt es. Im Geiste zähle ich rückwärts: "3...2...1..." - da wirft sich auch schon ein blonder junger Mensch in Pose und setzt laut zu einer Erklärung an: "Also ich, ICH habe damit ja absolut kein Problem. Ich.." Ich fahre dem Menschen zischend über den Mund. Ich habe damit nämlich durchaus ein Problem. Auch mit der mehrfachen Verwendung des Begriffs. Artikuliere das deutlich. Die Menge schweigt. Zu uns beiden. Flüchte mich mit meinem Wasserglas an einen kleinen Tisch und atme durch. Wütend, traurig. Dass jemand ebenfalls offen aufsteht erwarte ich in diesem Umfeld schon lange nicht mehr. Vielleicht ein Grund, warum ich mich immer mehr zurückziehe aus der Szene. Aber wenigstens habe ich diesmal nicht geschwiegen und keinen rotglühenden Klumpen der Scham im Magen.

Ein weißer, privilegierter, gebildeter Mensch verwendet einen rassistischen, menschenabwertenden Begriff aus der Dunkelzeit des Kolonialismus und erklärt wie gut er sich doch damit fühlt und das Wort weiternutzen will, weil es sich so heimelig-warm anfühlt und er es in seinen geschätzten 25 Lebensjahren schon immer gesagt hat. Man hat ja seine Traditionen. Mir egal, wen ich damit heute herabsetze und verletze. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man drüber lachen.
Aber es ist nunmal so: Wer heutzutage das rassistische und diskriminierende N-Wort für ganz normal hält, ist entweder a) im Idealfall dumm b) weiß ziemlich genau was er tut und ist damit als Rassist, der absichtlich solche Begriffe in gesellschaftlicher Umgebung nutzt und so legtimieren lässt, umso gefährlicher oder c) hat von der politischen Entwicklung der letzten Jahre aufgrund geringer Bodenhaftung null mitbekommen und sollte sich vielleicht mal schleunigst auf den neuesten Stand bringen, um nicht mit einem Jung-AfDler verwechselt zu werden.

Meine Bitte gegen das Schweigen

Was ich damit sagen will: Zeigt Rückgrat. Seid mutig. Blickt nicht weg und lächelt brav, wir wissen wo das hinführt. Ich bitte euch, wenn ihr es schafft, wenn ihr euch sicher fühlt, dann sagt etwas - auch bei einem geilen Event und wenn ihr euch um euren Sponsor sorgt. Gebt zumindest anderen Support wenn sie sich trauen Rassismen zu benennen. (An dieser Stelle vielen Dank an die mir bis dahin nicht persönlich bekannte Maria - ich traue mich gerade nicht, dich zu nennen oder zu verlinken, gib mir kurz Bescheid, wenn es für dich okay ist - für unser kurzes Gespräch. Danach fühlte ich mich nicht mehr wie ein totaler Alien.)
Traut euch, unbequem zu sein. Sorgt dafür, dass ihr in den Spiegel gucken könnt und andere Alltagsrassismus nicht länger für die Norm halten. Mit jedem kleinen Wort streut ihr Zweifel und entzieht solchen menschenverachtenden Aussagen die Macht. Denn ob ihr sie wollt oder nicht: Ihr lebt nun mal in dieser Welt und tragt damit die Verantwortung für kommende Generationen. Und ich für meinen Teil würde gerne auf eine Wiederholung des 1000jährigen Menschenhasses verzichten.

In Liebe

Shermin

P.S.: Die Kommentare sind moderiert. Mein Blog. Meine Party. Nur so als Troll-Info. Zwinker. Zwinker.

Werbung: yumtamtam – ein neuer Kochkanal auf Youtube

Yum-...bittewhat?  Eigentlich ist es ganz simpel, nur ein bissel Denglisch. yumtamtam - der Name eines neuen Kochchannels auf Youtube - setzt sich aus dem englischen "yummy" (= lecker) und "Tamtam" zusammen und bedeutet eigentlich: Leckeres Futter - aber eben ganz ohne großes Tamtam und riesigen Wirbel.

Yumtamtam
Kochkanäle gibt es ja inzwischen einige auf Youtube, mitsamt einigen ziemlich coolen kulinarischen Skurilitäten (wer da etwas abtauchen möchte, dem sei zum Beispiel auch noch der Black Metal Vegan Chef ans dunkle Herzchen gelegt, der seine Rezepte ins Mikro growlt - oder der Vegan Zombie, der mit veganen Rezepten gegen die Zombiekalypse anbrutzelt. Dazu gibt's übrigens auch ein Kochbuch.)  Dass solche Online-Shows der herkömmlichen TV-Landschaft mit den ewig gleichen am Herd herumstehenden old white Dudes, problemlos den Rang ablaufen, geht inzwischen einigen Medienmacher/innen auf.

Vor ein paar Wochen wurde jetzt also yumtamtam gelauncht. Dahinter steht Edeka, so weit ersichtlich halten sie sich mit Product Placement aber wirklich wohltuend zurück. Im Vordergrund stehen die drei Moderator/innen Felicitas Then (Fernsehköchin & Foodbloggerin), Melissa Lee (japanlastige Berliner Designerin & Youtuberin - ick sach nur Kawaii, Sushi-Kuschelkissen & rosa Einhörnchen) und Felix Denzer (bärtiger Student, der ganz nebenbei unter dem Namen "Fewjar" zusammen mit seinem Bruder ziemlich nette Musik macht).

Kochkanal YumtamtamYumtamtam

Um es mal so altbacken zu sagen: Das Zielpublikum liegt eher im jüngeren Segment. Gezeigt wird hier, dass man bei akutem Hunger eben nicht zum ollen Käsebrot, Lieferdienst oder zur gelbroten Tüte mit seltsamen Zusatzstoffen greifen muss, sondern selbst zum Kochlöffel greifen kann. Die Rezepte  sind schnell, lecker, cool aber angenehm bodenständig und nicht total abgedreht. Nebenbei gibt es auch Folgen mit Wissenswertem/Lifehacks/Challenges/Experimenten zu Lebensmitteln, Tipps zur Resteverwertung und den einen oder anderen intelligenten Spruch. Die Kameraführung sorgt bei mir zwar stellenweise zu sanfter Seekrankheit und die erste Folge ist zum Einstieg arg gescriptet und kostet ein klitzekleines Bissel von der Glaubwürdigkeit & Authentizität, die gewollt sind, aber ich verbuche das mal unter Kinderkrankheiten, die sich auswachsen werden. Ich denke, die Show  hat wegen ihrer Vielseitigkeit, den durchaus sympathischen Moderator/innen und ihrer Art echtes Potential und versucht auch die Nutzer/innen aktiv einzubinden. Mal sehen, wie sich das alles entwickeln wird. Ich phantasiere derweil dann mal von einem netten Eiscreme-Sandwich - gut, dass es heute in Berlin nicht ganz so warm ist. 😉

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Food Assembly in Friedrichshain

Ich kann zwar gerade vor Dingen, die unbedingt erledigt werden wollen, kaum gucken - dennoch habe ich es vorgestern mal schnell auf die andere Seite der Frankfurter Allee zum Boxi geschafft und mich bei der Eröffnung der ersten Food Assembly in Friedrichshain in der Krossener Str. 20 im hübschen Café Lisboa umgesehen und genascht.

Eröffnung der 1. Food Assembly in Berlin Friedrichshain

Food Assembly - kann man das essen?

Das Konzept erschien mir nach ersten Blicken auf die bunte und volle Webseite etwas verwirrend, vor Ort konnte ich mich allerdings überzeugen lassen, dass es ne spannende Sache ist. Hinter dem ziemlich zungenbrecherrischen Namen versteckt sich - so weit ich das verstanden habe -  im Grunde etwas ganz Simples und eigentlich recht Cooles: Man bestellt via Webseite bis 2 Tage vor dem regelmäßigen wöchentlichen Termin verbindlich Waren und zahlt online vor. Die Hersteller kommen selbst zum Ort (für ca. 2 Stunden). Man kann seine bestellten Produkte abholen und direkt mit den Herstellern darüber quatschen. Das hat mehrere Vorteile: Planungssicherheit für die Hersteller, die nicht auf verderblichen Waren sitzen bleiben, sehr nette Öffnungszeiten für Berufstätige (die Assembly im Lisboa geht von 17-20.00  Uhr - welcher Bauernmarkt bietet das?), qualitativ hochwertige Produkte von regionalen Anbietern/Manufakturen, Abwechslung (die Hersteller werden, um Eintönigkeit entgegen zu wirken, nach einem Plan auch durchgewechselt), der Preis (trotz Marge, die an die organisierenden Menschen gezahlt wird, soll der Preis circa 30-40% unter dem liegen, was im Bioladen gezahlt wird) - und das alles, ohne seine Seele via Mitgliedsbeitrag oder Mindestbestellwert auf Ewig und drei Tage zu verpfänden. (Ich find's übrigens echt gut, dass die Leute, die das organisieren, nicht wie bei ehrenamtlichen Projekten mit nem Kopftätscheln und nem feuchtkalten Händedruck auf der Strecke  bleiben, sondern für ihre Arbeit auch entlohnt werden.)

Eröffnung der Food Assembly in Berlin Friedrichshain Und? Funktioniert's?

Okay, okay - ich höre mich fast an wie eine Marketingbroschüre, aber  ich finde die Idee wirklich nett, auch wenn mir die sperrige Bezeichnung zunächst nur mit Übung über die Lippen will, dabei mag ich Anglizismen. Ob das alles so schön klappt, wie gedacht, wird die Zeit zeigen. Gekauft habe ich letztens Nichts, sondern mich nur durch fast alle Tische mit Leckereien hindurch probiert. Das mit dem ins Gespräch kommen funktioniert allerdings wirklich. Ich bin noch auf keinem Markt (inklusive Naschmarkt - vielleicht sind die Händler da schon von den begeistert vorbeiströmenden Touris und dem Bejubeln so übersättigt?) so gut mit den Erzeuger/innen ins spannende Quatschen über Produkte und deren Herstellung gekommen wie hier.

Zum Beispiel mit dem netten Georg vom Röstkollektiv The five Roasters, bei dem ich Kaffee probiert habe, der mir - sogar ganz ohne Milch (und dabei bezeichnen böse Zungen mich als Milchkaffeetrinkerle) - hervorragend schmeckte. Und er hat außerdem ganz heldenhaft meine Tasche bewacht, während ich mir alles ansah. Danke nochmal! 😉

Bei Hans von der Schokoladenmanufaktur Belyzium (Motto: tree to bar) gab es aromatisch-säuerlich-fruchtige Schokolade zum Polarisieren (seine Worte, nicht meine) und Philosophien über das äußerst hübsche Logo der Manufaktur. (Gotische Kirchenfenster? Querschnitt einer Kakaofrucht. Oder doch weibliche Fortpflanzungsorgane?) Achtung: In der Chocolaterie bieten sie auch Eis an - das ist bestimmt mal eine Probeschlecken wert.

Und wohl nur bei solchen Anlässen kann man zu anwesenden Männern (relativ) gefahrlos (und total unbedacht) Sätze sagen wie "Hey, kannst du mir was zu deinen Eiern erzählen?" (In dem Moment wo ich das unbedarft aussprach, brach meine innere 15jährige in meinem Kopf allerdings in wildes Gekicher und Hustenanfälle aus.)

Oh und ich habe tollen Schinken gekostet und sogar todesmutig (ich mag Honig pur überhaupt nicht, nur verarbeitet - aber da liebe ich ihn) Honig getestet und mir von André (? Sagt zumindest das Visitenkärtchen) von der Imkerei an der Probstheide einiges über Bienenhaltung und die Biohonigproduktion erklären lassen.

Nahrungsmittel bei der Eröffnung der Food Assembly in Berlin Friedrichshain

Dann habe ich noch Chutney probiert und die zum Reinbeißen köstlich aussehenden Radieschen der der Gärtnerei Luch bewundert - den Göttern sei Dank nicht von unten. Den beiden supernetten Frauen vom Stand winke ich hier mal zu. Ihr lest ja bestimmt mit und wie prophezeit habe ich leider schon eure Namen verdrängt - bestimmt hinfortgespült von dem Gewitter auf dem Heimweg. 😉 Aber so konnte ich direkt testen, ob meine neue Kameratasche auch wirklich wasserdicht ist.

Spaß hat's gemacht. Bleibt mir nur zu hoffen, dass bald auch eine Food Assembly für's Nordkiez in Friedrichshain aufmacht, das würde mein Foodbloggerinnenherz wirklich erfreuen, ich vermisse immer noch schmerzlich den kleinen Ökomarkt, den es hier für kurze Zeit mal im Samariterkiez gab. (Und nein, den Vorschlag, dass ich selbst eine aufmache, ignoriere ich vorerst ganz tapfer.)

IFA 2014, Blogger/innen-Workshop und was weiße Schokolade mit Kaviar zu schaffen hat…

Anfang des Monats fand ja die IFA (Internationale Funkausstellung) in Berlin statt und die Medien waren wie gewohnt deswegen ganz aus dem Häuschen. Zum Auftakt war ich mit dem Liebsten in diesem Jahr auch mal wieder dort zu finden. Nachdem wir uns ein Weilchen in den weitläufigen Messehallen die Füße wundgelaufen  hatten, Dinge bestaunten und ich den abscheulichsten Milchkaffee meines Lebens getrunken habe (frisch gebrüht in den Maschinen eines unglaublich großen, etablierten deutschen Unternehmens.... ich habe etliche Minuten Lebenszeit darauf verschwendet zu überlegen, wie ich diese Plastetasse voll widerlich-bitter-säuerlicher Brühe unauffällig verschwinden lassen kann.), machten wir uns zum AEG-Messestand (der die halbe Halle einnahm) auf.

IFA 2014 AEGAEG Stand auf der IFAZorra (deren Foodblog Kochtopf gerade den 10. Geburtstag feiert. Happy Birthday!) hatte nämlich zusammen mit dem Koch Christian Mittermeier im Namen von AEG zu einem Workshop eingeladen. Thema: Foodpairing.

Foodpairing

Nunja. Ein schicker Name für etwas, was experimentierfreudige Köchinnen und Köche, die nicht nur vom Blatt ablesen, schon seit Jahrhunderten so betreiben. Aber es ist natürlich eine ziemlich coole Sache, die wissenschaftlich entdeckten, ungewöhnlichen und zusammenpassenden Aromen  via Foodpairing-Tree direkt vor Augen zu haben und so Neues zu entdecken und sich inspirieren zu lassen. Via Gaschromatograph werden Lebensmittel getestet, teilen diese große Teile ihrer Geschmackskomponenten, gelten sie als passende Partner. Das Ganze geht wohl auf den Koch Heston Blumenthal (den ich als ziemlich polarisierend empfinde und dem  ich persönlich wegen seiner Kochmethoden recht zwiespältig gegenüber stehe) zurück, der Kaviar mit weißer Schokolade kombinierte und dann weiterforschen ließ, warum das geschmacklich so gut passte. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel dazu ist da ausführlicher.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf dem dazugehörigen Foodpairing-Pinterest-Board von AEG die Bilder von ein paar Foodpairing-Trees und auch die Rezepte des Abends ansehen.

Foodpairing Tree Zartbitterschokolade

(Und nur für die Ungläubigen, die bei meinen Double-Chocolate-Espresso-Bacon-Muffins ungläubig die Nase rümpften, guckt bei diesem Foodpairing-Tree mal oben rechts in die Ecke. Ha! ;))

Kochen_IFA_s

Nachdem alle Foodblogger/innen sich gesammelt, kennengelernt und zum Teil freudig wiedergesehen hatten, gab es ein paar Praxistests, Erklärungen und Spaghetti als gute Grundlage für den weiteren Abend. Die vorhandenen hypermodernen Öfen samt Temperaturfühlern, mit denen man via App (?) quasi vom Sofa aus Gargrat des Bratens beobachten kann, wurden beschwärmt (mit meiner Aussage "Mein Herd ist 10 Jahre alt und kann Umluft. Sein Gadget ist beim Backen eine kalte Stelle hinten links." löst ich gefühlt Emotionen von blankem entsetzen bis Verwirrung aus. ;))  Danach ging es dann endlich ans Kochen. An den verschiedenen Kochinseln standen unterschiedliche, nach Foodpairing-Prinzipien abgestimmte Warenkörbe bereit, viele enthielten schon ein Rezept. Auf der Suche nach dem Korb mit der Entenleben tat ich mich mit der ebenfalls danach fahndenden Katha (die übrigens voll den Überblick über die neuesten Entwicklungen im Herdsegment hat) zusammen, nur um dann festzustellen, dass dieser schon vergeben war. Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis sammelten wir noch Sascha ein und wählten dann in spontaner Improvisationslust einen rezeptlosen Warenkorb mit Muscheln (Für Jakobsmuscheln fehlte die Süße....? Jemand meinte, es könnten evtl. Kammmuscheln sein?), Toastbrot, Tomaten und eingelegtem Ingwer. Was dann im Endeffekt auch wirklich spannend war, mit mehreren ein kulinarisches Brainstorming zu machen, nachzudenken, Ideen zu besprechen, wieder zu verwerfen und die Schränke nach passenden Zutaten zu durchwühlen... (*kramraschel* "Oh, Sesamöl! Hey, Sojasauce! Oh... sieh mal hier, Vanilleschoten! Damit könnte man doch...."). Und die Köche (ich glaube der bei uns hieß George - ich habe leider nicht nach dem Namen gefragt.. Falls du das jemals liest: Sorry für den von uns völlig versauten Teppan Yaki Grill!) standen uns ja auch bei Fragen ganz toll zur Seite. Angefangen von "Welches Kraut passt jetzt dazu?" bis hin zu "Aaargh! Wo finde ich hier ein Messer?!".

Foodpairing Fingerfood

Nachdem wir also noch Sesamsaat, Sesamöl, Honig, Vanilleschoten, getrocknete Aprikosen und Oregano aufgetrieben hatten, war unser Ergebnis dann ein wirklich gutes Muschel-Knusperbrot-Gebilde: Muscheln mit Sesam-Honig-Vanille-Panierung auf einer Salsa aus eingelegtem Ingwer & süßen Tomaten, drapiert auf in Sesamöl angeknusperten Brotscheiben. Zum Finish mit etwas frischem Oregano bestreut.

AEG Foodpairing Workshop auf der IFA 2014

Auch die anderen Gerichte - zu unserer Ecke drangen leider nur sehr vereinzelt welche vor - waren allesamt wirklich toll.

Der Workshop war meinem Empfinden nach eine runde und gelungene Sache - auch wenn gegen Ende des Tages die Füße dann irgendwann sehr müde waren (viele von uns waren seit mittags auf der IFA und der Workshop ging von 17.30 bis kurz vor 22.00 Uhr) und stellenweise Mikrofone zum Verstehen wirklich wichtig gewesen wären. Ich muss ganz ehrlich sagen, was ich besonders schön an dem Abend fand, war wie gut - und vor allem sympathisch - das gesamte Team (Köche, wie PR- Bereich) uns Foodblogger/innen eingebunden hat und uns auch immer wieder interessiert und persönlich versuchte einzubeziehen. Das habe ich bei ähnlichen Events auch schon gänzlich anders erlebt. Das zeigte sich dann auch nochmal in dem kleinen Goodie, samt handgeschriebener Nachricht, die sich auf jeweilige Bloginhalte bezog. Nice.
Sehr gut auch, dass von Anfang an eine charakterliche Verwandtschaft zu irgendwas mit Verkaufscharakter ausgeschlossen wurde. Finde ich spannend, wie unterschiedlich Firmen da agieren, dazulernen und mitdenken. Deutschland hat zum Thema Blogger Relations ja noch einiges vor sich auf dem Teller.

Hier findet hier noch weitere Berichte, die schon online sind: Zorra (Kochtopf), AEG (Geschmackssachen), Claudia (Food View Berlin), Stefanie (Schön & Fein), Sascha (Lecker muss es sein) und Katha (Katha kocht).

Supper Club mit Guido Vinci in “Freddy Leck seine Küche”

Was macht die gelangweilte Foodbloggerin in Berlin so - außer des Abends nach getaner Arbeit, Arbeit und Arbeit schnell was in der heimischen Küche zusammenzurühren? Sich auf dem Sofa einrollen? Sanft entschlummern? Wilde Partys feiern? Fast.
Supper-Club-Collage-bsStiftung Warentest hat nämlich das Verlagsprogramm erweitert und macht jetzt - auf den allerersten Eindruck hin ziemlich gut - in Kochbüchern. Und um diese vorzustellen, es ist ja zugegebenermaßen irgendwie nicht das erste mit Stiftung Warentest assoziierte Thema, luden sie verschiedene Pressevertreter/innen  und Foodblogger/innen zum Italian Gourmet Supper Club* in "Freddy Leck seine Küche". (Jaha.. nich lachen. Datt heißt wirklich so. Liegt gleich neben "Freddy Leck seinem Waschsalon". Hat bestimmt wieder irgendwas mit Hipstern und Berliner Coolness zu tun.) Am Herd stand Guido Vinci und zauberte ein mehrgängiges Menü mit Wildkräutersalat, (den Göttern sei Dank!) nicht-nach-Rote-Beete-schmeckendem-Rote-Beete-Risotto mit Parmesanschaum und Proseccogelee, niedrigtemperaturgegartem Bio-Kabeljau auf Mangoldsmoothie und Orangensouffleeküchlein mit einer süßen Auberginenvanillesauce, die (ebenfalls den Göttern sei Dank) nicht nach Aubergine schmeckte. Da meine Kamera bei dem Licht nicht kooperieren wollte, gibt es leider nur ein paar schrömmelige Handyschnappschüsse.
Supper-Club-Menü-bs Tja.. was soll ich sagen. Zwischen bunten 60er Jahre-Tapeten, herzzerreißender Marienfigur (hätte die nur in meine Handtasche gepasst...) und im Lichte von Kerzen und einem herrlichen Kitschklunker-Kronleuchter saßen wir in dem kleinen Raum an einer großen Tafel, ließen uns direkt daneben wunderbar bekochen und haben uns hervorragend unterhalten. Es war wirklich eine ausnehmend schöne und angenehmen Atmosphäre, was sicherlich auch daran lag, dass das Team von Stiftung Warentest den Event nicht zu einer aufdringlichen Werbeveranstaltung à la Kaffeefahrt ausgebaut hatte.  Das einzige Manko war die etwas schlechte Akustik des Raumes, bei knapp 20 Personen wird es dann halt sehr schnell etwas laut. Etwas schade auch, dass man im Grunde nur mit einem Drittel der Anwesenden (denen, die in direkter Hörnähe um einen herum saßen) ins Gespräch kam. Es war insgesamt herrlich unaufgeregt und dennoch ein besonderer Rahmen.  Ein warmer Abend, bei dem man sich toll unterhalten, neue Kontakte knüpfen und alte auffrischen konnte und ganz nebenbei noch ein paar Kleinigkeiten zu den Kochbüchern und ihrer Herstellung erfuhr. Endlich konnte ich Petra - mit der ich ja quasi seit Jahren täglich via Twitter kommuniziere - mal live sehen. Von der lieben Ulrike bekam ich zudem noch ein Fläschchen von ihrem selbstgebrauten Tonic-Sirup zugesteckt. Sehr sympathische Neuentdeckungen des Abend waren dann auch noch die Mädels von Angel of Berlin und Bella kocht.

Zu den Büchern komme ich dann schlussendlich auch noch. Beim Herausgehen mitgenommen habe ich mir nur das Kochbuch "Beeren"** von Linda Louis, das am 15.04.2014 erscheint. Beim Hindurchblättern heute entpuppte sich dies als wirklich  interessantes Buch, auch wenn Linda Louis in einem Rezept so ein wenig die Konsistenzen von mittelalterlichem Lemon Posset und Everlasting Syllabub durcheinander zu werfen scheint. Aber nicht nur Rezepte zu allen möglichen Beeren sind hier vertreten, auch jeweils ein Steckbrief und genauere Infos zu Ernte, Anbau (ich wühle ja sowieso gerne in der Erde meines Schattengartens), Inhaltsstoffen und Verwendung sind zu finden. Und es finden sich verheißungsvoll köstliche Neuentdeckungen: Die Litschitomate war mir bis dato unbekannt - mir juckt der Anbau derselbigen in den Fingern. Und auch die Früchte des Westlichen Erdbeerbaums sehen bezaubernd aus. Ganz neu und spannend war für mich, dass die, schon oft interessiert beäugten, Früchte von Fuchsien tatsächlich essbar sein sollen. Ein weiteres Buch von Stiftung Warentest, das mir demnächst hoffentlich ins Haus flattern wird, ist "Gutes Essen - Lebensmittel selber machen"** - das trifft einfach auf den ersten Blick total meinen Nerv und ist gut für meinen neugierigen Selbermachtrieb, der mich ja schon seit frühester Kindheit dazu zwingt, möglichst viel auszuprobieren und einfach mal mit den eigenen Händen anzufertigen.

*Dieses Posting ist als Werbung gekennzeichnet, da ich Produkte unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekommen habe. Dies hatte allerdings keinerlei Einfluss auf meine Meinung.
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