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Lagerküche: Hais – Energy Balls aus dem Mittelalter

Die letzten anderthalb Wochen habe ich mit Mann und Baby in einem Reiselager des 13. Jahrhundert anlässlich des ersten Hochmittelaltertreffens im Kloster Jerichow - das ich auch mitorganisiere - zugebracht.  Ich habe mir damit endlich meine schon seit 20 Jahren bestehende Sehnsucht nach authentischem Mittelalter-Reenactment erfüllt, aber natürlich fand ich größenwahnsinnigerweise Berlin im 13. Jahrhundert nicht spannend genug und habe mich für die allererste Gewandung auf eine Gewürzhändlerin aus Byzanz versteift, die es auf Umwegen herverschlagen hat. (Was so abwegig gar nicht ist - wie mir ein Lokalhistoriker erklärte, gab es zum Beispiel zwischen dem Kloster Jerichow und Byzanz mehrere Reisen zu Zeiten Barbarossas zwecks Eheverhandlungen.)

Hais: Arabische Süßigkeit nach einem Rezept aus einem Kochbuch des Mittelalters

Die Quellenlage für Frauenfiguren aus der nichtadeligen Schicht ist allerdings relativ bescheiden. Weshalb ich die letzten anderthalb Jahre auch mehr mit der Nase in diversen Bücherstapeln verbracht habe, als mit der Nähnadel in der Hand. Wer mir auf Instagram folgt, wird meine hektischen Kampfnähattacken kurz vor dem Treffen und ein paar Fotos aus dem Lager sicherlich schon gesichtet haben. Auf meinem Handarbeitsblog Fiberspace werde ich im Laufe der nächsten Wochen auch sicherlich noch ausführlicher was zu meiner Klamotte schreiben. An dieser Stelle nochmal einen großen Dank an die Handmaid für ihre Nähdienste beim Liebsten und ihre Hilfe bei mir.

Hais: Arabische Süßigkeit nach einem Rezept aus einem Kochbuch des Mittelalters

Arabische Süßigkeiten

Aber zurück zum Kochen: Natürlich wurde auch auf offenem Feuer in Feuergruben gekocht und mit authentischem Kochgeschirr, das dem aus dem 13. Jahrhundert nachempfunden ist. Und ebenso natürlich konnte ich meine Fingerchen natürlich nicht still halten und habe selbst bei einigen Gerichten Hand angelegt. Zuletzt hatte ich bei einem Lager vor 14 Jahren auf offenem Feuer gekocht und dann jetzt direkt in solchen Mengen mit ungetesteten Rezepten - es war also schon ein wenig aufregend für mich und ich war anfangs etwas unsicher. (Der Liebste erklärte mir gestern, dass mein Fluchpegel an den Tagen doch ein wenig.. erhöht war. Ähem... 😉 ) Und mit den mittelalterlichen Energy Kababs dann auch noch ein noch nicht getestetes und von mir modifiziertes Rezept - auch wenn hier die Zutaten nur gehackt und nicht gekocht werden müssen. Immerhin habe ich schon oft meine modernen Energiebällchen gemacht und es mir deswegen mit Nachbesserungen on the fly zugetraut.

Reenactment: byzantinische Gewürzhändlerin_sOrientalische Süßigkeit: Zubereitung von Dattelröllchen_s

Das Kitâb al Tabîkh: Reiseproviant aus dem Mittelalter

Da meine Gewürzhändlerin aus Byzanz kommt, wo diverse Warenströme und Kulturen zusammenflossen, konnte ich zu der geliebten Neuübersetzung des Kitâb al Tabîkh (Book of Dishes/Das Buch der Gerichte)* greifen. Ich hatte bei dem Rezept für Rishta bi Adds (die übrigens auch - mit kleiner Variation, die demnächst im Rezept ergänzt wird - von mir die Lagerfeuertauglichkeit bescheinigt bekommen) schon ausführlich etwas zu diesem aus Baghdad stammenden Kochbuch aus der Feder von Muḥammad bin al-Ḥasan bin Muḥammad bin al-Karīm al-Baghdadi geschrieben. Und ich bin immer wieder überrascht, wie aktuell und gut die fast 800 Jahre alten Rezepte sind und wie sie sich auch heute noch in der arabischen Küche wiederfinden. (Kann man ja von mittelalterlichen deutschen Rezepten jetzt nicht so wirklich behaupten. Und nein, Schwein am Spieß zählt hierbei nicht.) Ihr werdet jedenfalls in den nächsten Jahren sicherlich noch einiges aus meinem kleinen Lieblingskochbuch zu lesen bekommen.

Auf Wunsch eines einzelnen Schmieds folgt jetzt ein Pi-mal-Daumen-Rezept, das meine moderne Umsetzung des arabischen Rezeptes aus dem 13. Jahrhunderts ist. Al-Baghdadi weist in seinem Rezepttext sogar darauf hin, dass diese Süßigkeit besonders gut für Reisende ist - sehr passend also für unser Reiselager. Da ich vor Ort keine Waage hatte, kann ich die Mengen nur ungefähr wiedergeben. Geschmacklich waren diese Energy Balls übrigens wirklich total lecker, weswegen ich auch von Rezeptgierigen  zu diesem Blogeintrag genötigt wurde. Mengenmäßig: Es wird viel. Wir haben mit vielen ein paar Tage davon genascht. Aber so ist es ja auch gedacht. 😉

Infos & Unterschiede zum Originalrezept aus dem Kitab Al-Tabikh

  • Das Originalrezept verlangt nach getrocknetem, zerriebenen Brot von exzellenter Qualität oder Keksen. Normales Semmelmehl passte für mich nicht, deswegen habe ich zu japanischem Panko gegriffen (das Brotzeug, das außen am frittierten Sushi klebt ;)), was erstaunlich gut funktioniert hat. Das Brot war überhaupt eine sehr nette Ergänzung, da ich zur besseren Formbarkeit Öl und kein Wasser hinzu gab, war es auch noch nach Tagen knusprig.
  • Al-Baghdadi verlangt nach gemahlenen Mandeln und Pistazien, ich habe Haselnüsse gewählt.
  • Im Original wird Sesamöl verwendet, das durch Braten von Gewürzen aromatisiert wird. Da gerade Zimt sowas nicht so gerne mag, habe ich die Gewürze direkt hinzugegeben und geschmacksneutrales Sonnenblumenöl verwendet. Als weitere Alternative wird geklärte Butter genannt, da sehe ich aber das Problem, dass diese bei Wärme und ungekühlter Lagerung eventuell leicht ranzig werden kann.
  • Da ich nicht genug Datteln hatte, habe ich zusätzlich softe getrocknete Pflaumen genutzt.
  • Im Originalrezept werden die Kababs anschließend in Puderzucker gewälzt. Davon habe ich abgesehen, da Zucker Feuchtigkeit zieht.
  • Charles Perry übersetzt "Kabab" (das beschreibt die Form) so, dass man Bällchen formen soll. Das geht a) wegen der Konsistenz schlecht. Das Rollen funktioniet nicht, das Zusammenpressen zu  länglichen Gebilden im Handteller hingegen schon. b) Kababs kenne ich (aus dem herzhaften Bereich) immer als länglichere Gebilde. Vielleicht kennen einige von das Wort ja zum Beispiel vom Schisch Kebap. Also im Grunde mehr Energy Röllchen als Balls.
  • "Hais" bedeutet aus dem Arabischen übersetzt so viel wie "Mischung" - schon sehr treffend. 😉

Rezept für Hais: Arabische Süßigkeit nach einem Rezept aus einem Kochbuch des Mittelalters

Reiseproviant aus dem Mittelalter
Rezept für "Hais" - Energy Balls/Dattelröllchen

300 g - 400 g Datteln
500 g softe Trockenpflaumen
400 g gemahlene Haselnüsse
100-150 g Panko*
Sonnenblumenöl
1-2 TL frisch und fein gestampfter Kardamom
2 TL Ceylon-Zimt*
100-200 g gemahlene Haselnüsse zum darin wälzen

Zubereitung

  • Falls nötig, die Datteln in eine Schale geben, mit heißem Wasser überbrühen und mindestens 15 Minuten ziehen lassen, damit sie wieder softer und nicht zu faserig sind. (Al-Baghdadi empfiehlt frische Datteln oder eben mazerierte getrocknete)
  • Die Datteln entkernen, fein hacken und in eine große Schüssel geben.
  • Ebenso mit den Pflaumen verfahren.
  • Haselnussmehl, fein gemahlene oder gestampfte Gewürze und das Panko hinzugeben. Mit den Händen alles gut miteinander verkneten. Abschmecken.
  • Sehr wahrscheinlich (das hängt eben auch von den von euch verwendeten Trockenfrüchten, Nüssen und dem Panko ab) wird die Masse jetzt noch etwas zu bröselig sein, um sie mit den Händen zu Kugeln oder kleinen Würstchen (Kababs) zu formen. Gebt 2-3 EL Öl hinzu, arbeitet es ein, macht eine Probe und ergänzt dann falls nötig weiter mit Sonnenblumenöl.
  • Die Masse aus Trockenfrüchten und Nüssen in der Hand zu länglichen kleinen Gebilden (Kabab) pressen, bei mir sahen sie am Ende wie größere Datteln aus, und in Haselnussmehl wälzen, damit sie später nicht aneinander kleben.
  • In einer Dose trocken und kühl lagern.

Tipp: Wer die Mengen nicht im Mittelalterstyle bezwingen will und eine moderne Küche greifbar hat, kann natürlich die Trockenfrüchte einfach in einem Foodprocessor zerkleinern. Und da wir uns im Lager mit einem Holzmörser abquälten: Zuhause mörsere ich mir nicht (mehr) stundenlang nen lahmen Arm mit so nem Teil, sondern werfe die Saaten und Gewürze einfach schnell in meine geliebte elektrische Kaffeemühle*.

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Quick n’dirty: Kaffeelikör für Supereilige

Am Wochenende stand ich ja bei der ersten Berliner Eat&Style am Herd und habe mit sehr lieber Unterstützung von der Handmaid und meinem Liebsten Hummous und arabische Mandelpasteten hergestellt. Schon in den Wochen davor hatte ich geplant, noch einen Kaffeelikör anzusetzen und als koffeinhaltigen Shot zum Baklava zu reichen.

Rezept für selbstgemachten Kaffeelikör mit Espresso

Allerdings fand sich irgendwie nie so der rechte Moment, so dass ich mich am Freitagabend in meiner Küche grübelnd über mein Notizbuch gebeugt wiederfand, um dann in einer Quick-and-dirty-Variante schnell einen Espressolikör zusammenzubrauen. (Was ja im Grunde wiederum für alle, die vollkommen verzweifelt noch eine ultraschnelle kulinarische Geschenkidee suchen, eine gute Nachricht ist. )

Rezeptentwurf für Espressolikör mit Whisky

Deswegen auch ohne großes Geschwafel jetzt das Rezept für meinen Blitzlikör mit Whisky (der - wie mir beim Schreiben auffällt - ja im Grunde eine Art Irish-Coffee-Likör ist). Serviert habe ich ihn dann letztendlich doch nicht - es passte einfach in dem Moment nicht ins Gesamtkonzept. Aber das war nicht weiter schlimm, dafür haben wir das mitgenommene kleine Fläschchen nach getaner Arbeit auf dem Heimweg aufgeteilt. 😉

Der Kaffeelikör schmeckt intensiv nach Kaffee (Ach!) ist aber nicht übermäßig zuckrig-süß. Direkt nach der Herstellung sind die Aromen von Kardamom, Orange und Schokolade recht massiv, treten aber nach einem Tag ziehen schon stark in den Hintergrund und lassen dem Espresso als Hauptakteur seinen Raum. Wer das Verhältnis anders mag, kann ja noch etwas an der jeweiligen Zutatenmengen herumdrehen. Mir gefällt er so jedenfalls, auch dass er nicht direkt so heftig viele Umdrehungen hat.

Recipe für Irish coffee Liquer

Rezept für Blitz-Kaffeelikör mit Whisky (Irish Coffee-Likör)
(für ca. 600 ml)

250 ml Espresso (oder frisch gebrühten, guten, starken Kaffee)
150 ml milden Whisky (z.B. Dimple*)
150 ml H-Sahne
115 g Zucker
1/2 TL echtes Kakaopulver
1/4 TL getrocknete Orangenschale
1/8 TL frisch gemahlenen Kardamom (frischer Kardamom zu gemahlenen macht wirklich einen immensen Geschmacksunterschied)

Zubereitung

  • Den frischen Espresso zusammen mit den Gewürzen und dem Zucker in einem kleinen Topf langsam erhitzen und unter Rühren zum Kochen bringen. Der Zucker sollte sich komplett gelöst und der Kaffee einmal richtig aufgekocht sein.
  • Den gewürzten Kaffee abkühlen lassen.
  • Die Flüssigkeit durch ein feines Sieb filtern, so dass zumindest grobe Stücke zurückbleiben.
  • Den abgekühlten Gewürzkaffee mit der Sahne und dem Whisky vermischen. Auf eine Flasche ziehen. Im Kühlschrank lagern und innerhalb der nächsten Tage verbrauchen. (Die Sahne kann sich dadurch eventuell ablagern, Kaffeelikör auf Zimmertemperatur bringen und dann kräftig schütteln.)

 Andere Likörrezepte

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Rezept für mildes Madras-Curry

Für die, denen das bisher nicht klar war: Curry ist kein Gewürz, das irgendwo am Baum wächst und dann fein gemahlen wird. Currypulver ist eine Gewürzmischung - und wie das bei Gewürzmischungen so ist, jeder hat seine liebste Version und es gibt tausend verschiedene Varianten, die unter dem gleichen Namen firmieren.

Selbstgemischtes Madras Curry

Deswegen ist Currypulver eben nicht gleich Currypulver. Ich war schon mal den Tränen nahe, weil ich nach Geschäftsschluss und mit einem falschen Curry vor dem Kochtopf gestrandet war. (Ja, im Ernst.) Mein Lieblingsstandardcurrypulver ist mildes Madras-Curry. Wie die Bezeichnung schon verrät, handelt es sich um eine milde, salzfreie und aromatische Mischung, die sich toll mit anderen Gewürzen versteht, wunderbar zu Kokosnussmilch, Nudelpfannen, Suppen und fruchtigen Zutaten im Essen passt und eben keine nervige Diva auf dem Teller ist.

Gewürze für CurrymischungGemahlene Gewürze für Curry
Abgabe: 31.07.Bisher habe ich immer auf gekaufte Currys zurückgegriffen. Da ich aber viele Gewürzmischungen selbst mische, stand es eigentlich schon länger auf meiner To-do-Liste. Das Curry-Event auf Foodfreak hat mir dazu endlich mal den notwendigen Tritt in den Hintern verpasst, das auch endlich mal anzugehen. 😉

Das Rezept für das Madras-Curry habe ich aus dem wunderbaren Rezeptbuch "Just add Spice"*. Ich habe es fast komplett übernommen, lediglich die Menge an Kreuzkümmel habe ich halbiert, da ich Currys mit zu dominantem Geschmack nach Cumin nicht so sehr schätze. Die Gewürze werden hier vor dem Mahlen nicht geröstet, sondern frisch beim Kochen in der Pfanne angebraten. Das Rezept hat mich nicht enttäuscht und ergibt eine runde Mischung, die sich nicht in den Vordergrund spielt. Eventuell erhöhe ich beim nächsten Mal noch ein wenig den Zimtanteil.
Da ich vom Mörsern irgendwann nen lahmen Arm kriege, empfiehlt sich bei größeren Mengen eine Kaffeemühle. Nachdem ich die von meiner Omi geerbte ja leider mittels Maiskörnern ins Nirvana verfrachtet hatte, habe ich mir nach monatelangem Rumgrübeln diese Elektrische Kaffeemühle* von Cloer zugelegt und bin nach gründlichem Austesten von ihr mehr als nur angetan. Besonders toll ist, dass frau den Behälter entnehmen und einfach abwaschen kann. Kein nerviges Fingerverbiegen beim sorgfältigen Auswischen des Mahlbereiches mehr. Hach.

Rezept für Madras Currypulver
(alle Zutaten sind gemahlen abgemessen)

2 TL Koriander
1 TL Cumin (Kreuzkümmel)
1 1/2 TL Kurkuma
1/2 TL getrockneter Ingwer
1/2 TL Bockshornklee
1/2 TL Ceylon Zimt
1/4 TL Kardamomsamen
1/4 TL Nelken
1/4 TL Chili
1/4 TL schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  • Die Gewürze fein mahlen oder in einem Mörser sorgfältig zerstoßen.
  • Mit einem Löffelmaß* gestrichen abmessen, alles gut miteinander vermischen, in ein gut verschlossenes Glas abfüllen. Fertig.

Gewürzmischung Madras CurryZum Abschluss gibt es noch ein Bild der Gemüsepfanne mit Kokosnussmilch, Kohl und Udonnudeln, die ich gerne mit Curry koche. Seltsamerweise was sie am Ende grünlich verfärbt und nicht gelb - entweder war's das Curry oder die Kohlsorte. Köstlich war es trotzdem.

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Mahallebi: Arabischer Milchpudding mit Kardamom

Darf ich vorstellen? Mein neues Lieblingsdessert: Mahallebi. Im Grunde handelt es sich hier um nichts anderes als normalen Pudding, den die meisten Menschen hierzulande ja mit Vanillearoma und aus der Tüte von dem Doktor in Bielefeld kennen. Nur in diesem Falle halt selbst zusammengerührt, nicht aus der Tüte, frei von künstlichen Aromastoffen und mit wundervoll frischem, duftigen Kardamom verfeinert. Diesen arabischen Pudding gibt es in unzählbaren Varianten im ganzen Orient und jede Familie hat wohl ihr eigenes Lieblingsrezept.

Mahallebi: arabischer PuddingMir und dem Liebsten schmeckt er ja lauwarm am besten. (Hey, jemand muss ja die Reste aus dem Topf retten! ;)) Wenn man ihn aber stehen und im Kühlschrank richtig fest werden lässt, dann ist Mahallebi ein angenehm kühlendes Dessert für warme Sommertage. Er wird so fest, dass  man ihn auch für (vorher kalt ausgespülte) Puddingförmchen nutzen und nachher dekorativ stürzen kann.

Arabischer Kardamompudding

Mahallebi - Milchpudding mit KardamomIch kann übrigens stolz verkünden, dass ich inzwischen übrigens auch die höheren Mahallebi-Weihen besitze, da ich - die ich sonst keinen klümpchenfreien Pudding hin bekomme (was vielleicht auch daran liegt, dass ich Klümpchen im Pudding eigentlich sehr gerne mag...) -  ihn mehrfach in 2,5 L-Dosis für Gäste gekocht habe. Ich kann somit auch berichten, dass eher an europäische Gerichte gewöhnte Gaumen den Kardamompudding sehr, sehr gerne mochten.

Mahallebi - orientalisches DessertDer orientalische Milchpudding kann aber nicht nur mit Kardamom aromatisiert werden. In vielen Rezepten kommt statt dessen auch ein Teelöffelchen Rosenwasser oder Orangenblütenwasser zum Zuge. Manchmal auch mit etwas Kardamom kombiniert. Hier lohnt sich einfach ein Austesten. Schokoladensauce oder Karamellsauce dazu ist ein nettes, aber nicht zwingend notwendiges Add-on. Wenn man statt Kardamom einfach etwas Vanillemark und Kurkuma zur Färbung rein gibt, kann man so auch wunderbaren Vanillepudding produzieren - gänzlich ohne Tüte.

Zu dem Rezept angeregt wurde ich, als ich mal wieder durch das "Iraqi Family Cookbook"* blätterte, das ein guter Querschnitt durch die bodenständige und simple irakische Alltagsküche ist. Die Fotos in dem englischsprachigen Kochbuch sind quasi direkt in der Küche entstanden, manchmal auch etwas unscharf - diese kleinen Fehler machen aber auch den authentischen Charme eines solchen Kochbuches aus.

How to cook MuhallebiRezept für Mahallebi - arabischer Milchpudding mit Kardamom

500 ml Milch
45 g Maisstärke
40 g Zucker
1/2 TL frisch gemahlene oder zerstoßene Kardamomsaat
1 Prise Meersalz
Pistazien zur Dekoration

Zubereitung

  • 6 EL der Milch abnehmen und mit der Stärke und dem Zucker klümpchenfrei anrühren.
  • Die restliche Milch zusammen mit dem fein gemahlenen Kardamom und dem Salz in einem Töpfchen aufkochen.
  • Vom Herd nehmen und die Stärkemilch mit einem Löffel unterrühren.
  • Den Topf zurück auf den Herd stellen und bei geringer Hitze unter Rühren nochmals für eins, zwei Minuten aufkochen lassen, so dass der Pudding richtig anzieht.
  • Den Kardamompudding in eine bereitgestellt Schale füllen.
  • Die Pistazien schälen, hacken und den Milchpudding damit bestreuen.

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Kardamom-Zitronen-Schnecken [Cardamom Lemon Sticky Buns] zum Start ins neue Jahr

Das alte Jahr beschloss ich mit Kardamom und Schokolade, das neue Jahr im Foodblog läute ich mit Kardamom und Zitronenschale ein. Es gibt sicherlich sehr viel schlechtere und weniger köstliche Anfänge als dieses würzig-zitronig-zuckrigem Schneckchengebäck. 2014 darf jetzt also kommen und bitte gefälligst um einiges besser als der Vorgänger werden.

Zitronenhefeschnecken-bsIch bin ja sowieso ein Schneckenfan, wie man schon bei meinem Rezept für Zimtschnecken sieht. Ich musste mich bei den Cardamom Lemon Sticky Buns ein wenig am Riemen reißen, weil der Teig da so ganz unbeaufsichtigt zwei Stunden vor sich hin liegen muss. So ganz ohne zusätzliche Aufmerksamkeit wie nochmals durchschlagen oder so. (Beim zweiten Lesen liest sich das schon etwas gewalttätig...) Hefeteige lasse ich normalerweise nie so lange liegen, fluffig und toll aufgegangen sind bisher alle. Letztendlich lag der Hefeteig bei mir dann insgesamt sogar vier Stunden herum, da mir Arbeit dazwischen kam.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAber die übermenschliche Geduld wurde mit einem zarten, lockeren und wirklich delikatem Hefeteig belohnt. Die Kombination von Zitronenschale, Zitronenzuckerguss (den ich sonst gar nicht mag und mit Abscheu strafe) und dem aromatischen Kardamom ist einfach genial. Die einzelnen Schnecken ließen sich wunderbar einzeln aus der Form herauspflücken. Und dann einen Bissen von dem flaumig-weichen, noch warmen und würzigen Teig zu nehmen - ich sag Euch-... das löste hierzulande mehr als nur leichte Verzückung aus. Der Liebste hat das Gebäck direkt in den Olymp der  Gebäckfavoriten erhoben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Originalrezept ist übrigens von Food52. Neben ein paar geänderten Kleinigkeiten habe ich vor allem die die Zutaten um 1/3 reduziert, weil ich in der Regel keine zwei Platten mit Zitronen-Kardamom-Schnecken brauche (obwohl sich darüber natürlich trefflich streiten ließe... ). Die Menge reichte bei mir perfekt für eine Tarteform mit einem Durchmesser von 27 cm. In einer Springform wären die die Hefeschnecken bestimmt auch eine wahre Zierde, da würde ich die Abschnitte aber dicker machen.

Kleiner Tipp: Ich habe fast immer frischen Zitronenabrieb von Bio-Zitronen auf Vorrat da, weil ich die Zitronen - wenn ich beispielsweise nur den Saft benötige - abreibe und die Zitronenzesten in kleinen Schraubgläschen einfriere. Hält natürlich nicht ewig, es ist aber wirklich toll, dieses unglaublich aromatische Gewürz frisch schnell zur Hand zu haben. Als Alternative habe allerdings auch immer noch  geriebene getrocknete Bio-Zitronenschale (Produkte anderer Hersteller, wo zigtausend Sachen beigemischt werden, überzeugen mich da einfach nicht mehr) im Haus.

Kardamom-Zitronen-Schnecken-Collage-bsNicht wundern, dass die Fotos sehr dunkel aussehen. Ich habe zum ersten Mal mit einem neuen heißgeliebten Objektiv herumprobiert und so ganz optimal ist das alles noch nicht...

Rezept für Kardamom-Zitronen-Schnecken  [Cardamom Lemon Sticky Buns] (für Tarteform mit 27 cm ⌀)

Für den Teig:

275 g Mehl
120 g  Milch (lauwarm)
85 g  Butter (geschmolzen)
50 g Zucker
1,5 TL Trockenhefe
1 Ei (M)
3/4 TL Meersalz
1  1/4 TL Kardamom (gemahlen - am besten: frisch im Mörser gestoßen)

Für die Füllung/Zitronenbutter:

100 g Zucker
2 TL frisch abgeriebene Zitronenschale
50 g  Butter (geschmolzen)

Für die Zitronenglasur

3-4  TL - frischen Zitronensaft (alternativ einen Teil davon mit Whisky ersetzen)
45  g Puderzucker

Zubereitung

  • Lauwarme Milch, geschmolzene Butter und den Zucker in eine Schüssel geben, miteinander verrühren und dann die Trockenhefe untermischen. Den Vorteig nun rund 10 Minuten in Ruhe arbeiten lassen. (Stellenweise sieht man dann meist schon einige Bläschen, meine Hefe verhielt sich da aber eher träge. Bei Trockenhefe könnte man im Grunde auch die ersten drei Schritte zusammenfassen und alles direkt zusammenwerfen.)
  • Den frisch im Mörser zerstoßenen (das Aroma ist wirklich unvergleichlich) Kardamom, Salz und ein Ei (zimmerwarm) einrühren.
  • Jetzt das Mehl einarbeiten. Den Hefeteig in der Küchenmaschine für sechs oder via Handarbeit für zehn Minuten durchwalken. Falls nötig, noch zusätzliches Mehl nachgeben. Der Teig sollte sich nach dem Kneten bei Berührung klebrig anfühlen, aber nicht mehr so klebrig sein, dass er an den Fingern haftet.
  • Die Schüssel mit einem angefeuchteten Tuch abdecken (nicht direkt auf den Teig legen) und an einem warmen Ort ohne Luftzug für ungefähr zwei Stunden gehen lassen, bis er sich in der Größe verdoppelt hat.
  • Kurz vor Ende der Gehzeit die geschmolzene Butter mit dem Zucker und dem Zitronenabrieb vermengen und eine Tarteform gründlich ausbuttern.
  • Nachdem der Teig lang genug gegangen ist kurz duchkneten und auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem länglichen Rechteck ausrollen. Der Teig sollte in etwa 7 mm dick sein sein.
  • Das  Teigstück nun mit der Zitronenbutter bestreichen und vorsichtig von der Längsseite her aufrollen. (Das Bestreichen des weichen Teigs geht mit einem großen Silikonpinsel immer am besten.)
  • Nun mit einem schön scharfem Messer dicke Scheiben (~ 2,5 cm dick) abschneiden und in die ausgebutterte Tarteform legen. Hierbei etwas Platz lassen, damit die Zitronenschnecken noch etwas aufgehen können.
  • Die gefüllte Form abdecken und an einem warmen, geschützten Platz nochmals für gut eine Stunde gehen lassen, bis sie sich wieder ungefähr verdoppelt haben. (Nicht erprobt, aber im Originalrezept erwähnt und bestimmt sehr nett für frisch gebackene Buns zum Frühstück:  Die gefüllte und abgedeckte Backform über Nacht im Kühlschrank gehen lassen und dann erst backen.)
  • Im vorgeheizten Backofen (Umluft) bei 175°auf mittlerer Schiene für ungefähr 20 bis 25 Minuten backen, bis die Schnecken goldbraun sind.
  • Die Form heraus nehmen und das Hefegebäck etwas abkühlen lassen, dann die aus etwas Zitronensaft (oder Whisky) und Puderzucker zusammengerührte Glasur mit einem Löffel darüber träufeln. Die Sticky Buns am besten noch warm essen.

Und weil es so gut passt, nehme ich mit den Schneckchen noch schnell am Garten-Koch-Event "Zitrone" teil.