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Atraf al-tib – eine Gewürzmischung aus dem arabischen Mittelalter

Ich liebe Kräuter und Gewürzmischungen. Meine Hexenküche ist vollgepackt mit den verschiedensten Dosen, Gläschen und Verpackungen - randvoll gefüllt mit wundervollen exotischen Kräutlein und Gewürzen, die nur darauf warten, dass ich sie ihre Magie wirken lasse.

 

Atraf al-tib - eine Gewürzmischung aus dem syrischen Kochbuch "Scents and Flavors" aus dem 13. Jahrhundert

 

Versteht mich aber nicht falsch: Ich liebe simple, erdgebundene Gerichte, die nicht zu überladen daher kommen. Aber hier schon länger Mitlesenden wird aufgefallen sein, dass ich gerne meine eigenen Gewürzmischungen anfertige und beim Kochen darauf zurückgreife.

Ein Foodblog über Essensarchäologie...

Am Wochenende habe ich es endlich geschafft, mein neues Foodblog "Theophanu's Cauldron" mit dem Schwerpunkt historische Nahrung online zu stellen. Und - nicht lachen - ich blogge dort in englischer Sprache. Mal sehen, wie ich es langfristig handhabe, vereinzelt werde ich zumindest versuchen hier die deutschsprachige Version einzusetzen.
Für meinen ersten Artikel habe ich eine wunderbare Gewürzmischung aus dem syrischen Kochbuch "Scents and Flavors"* ("Al-Wusla ila 'l-Habeeb") ausgewählt, welches aus dem 13. Jahrhundert stammt. Ich nutze eine englische Ausgabe in der Übersetzung von Charles Perry, der eigentliche Autor des Werkes ist leider unbekannt. Da ich momentan vorrangig mit "Scents and Flavors" und einem anderen arabischen Kochbuch des 13. Jahrhunderts, dem "Kitâb al Tabîkh" (The Book of Dishes) von Al Baghdadi (als "A Baghdad Cookery Book"* ebenfalls in der Übersetzung von Charles Perry) arbeite, werdet ihr dem Namen noch öfter begegnen. Ich fangirle eher ungerne, das führt meist zu eher ernüchternden Ergebnissen. Aber Perry ist schlicht eine Koryphäe auf seinem Gebiet - er ist zum Beispiel auch beim legendären Oxford Symposium on Food and Cookery sehr aktiv.

 

Atraf al-tib - eine Gewürzmischung aus dem syrischen Kochbuch "Scents and Flavors" aus dem 13. Jahrhundert

 

Rezept für arabische Gewürzmischung aus dem Mittelalter

Verlässt man die eurozentrische Sichtweise, dass es im 13. Jahrhundert ja noch keine Kochbücher gegeben hat und sieht sich die arabische Lebenswelt an, stellt man rasch fest, dass es a) in diesem Zeitraum etliche Werke gibt b) es sogar noch deutlich jüngere Kochbücher gibt und c) hierauf durchaus auch europäische Werke aufbauen. Ein Beispiel hierfür wäre das "Púch von den chósten" ("Speisen auf Reisen"*) ein deutsches Kochbuch bzw. ein medizinisch-diätische Textsammlung aus dem 15. Jahrhundert, die wiederum auf der Übersetzung eines italienischen Medicus aus dem 13. Jahrhundert fußt, dessen Manuskript wiederum auf dem Arzneibuch "Minhaj al-bayan" aus dem 11. Jahrhundert basiert. Verfasst wurde das Minhaj von dem Baghdader Arzt Abu 'Ali Yahya ibn 'Isa b. Jazlah al-Baghdadi aka Ben Gesla (der Link führt zu einem Verkauf eines Buchexemplares bei Southebys und enthält eine Menge an Informationen zum Autor. Leider gibt es ja keinen Wikipedia-Eintrag in einer europäischen Sprache. Ich scheitere da leider an der Sprachbarriere).

Aber ich schweife ab.. Widmet man sich also diesen Kochbüchern, speziell dem Scents and Flavors, stolpert man da des öfteren über eine Würzung namens "mixed spices". So ominöse Angaben sind in mittelalterlichen Kochbüchern nicht ungewöhnlich, die Autor*innen gehen vom Wissensstand der Zeit aus. In diesem Moment weiß man halt, was da so regulär rein wandert. Kann ja keiner ahnen, dass wir uns da Jahrhunderte später nen Kopp drum machen. 😅 Erst dachte ich, dass ich hier vielleicht die Mischung für ein Kräutersalz nehmen kann, dass ich in Anlehnung an ein Rezept aus dem Kitâb al Tabîkh zusammengestellt hatte. Im Glossar stieß ich dann aber auf diese Anmerkung Perrys:

mixed spices: a spice mixture which probably varied by time and place. The name atraf al-tib, 'sides of scent', referred to the paper packets in which the spices were sold in markets. [...] " (Scents and Flavors, p. 155, glossary: mixed spices)

"Gemischte Gewürze: Eine Gewürzmischung, die wahrscheinlich je nach Zeitperiode und Ort variierte. Der Name Atraf al-Tib (Seiten des Dufts /duftende Seiten /Seiten des Wohlgeruchs?) bezieht sich auf die Papierpäckchen, in welchen die Gewürze auf den Märkten verkauft wurden. [...]" (Scents and Flavors, p. 155, glossary: mixed spices)

Er weist dann darauf hin, dass der unbekannte Autor tatsächlich zwei Fassungen dieser Gewürzmischung in seinem umfassenden Kochbuch festgehalten hat, weil sie so oft zum Einsatz kommt. Eine Version (chapter 4.4.) ist sehr reichhaltig und mehr eine Aufzählung mit vielen kostbaren Zutaten. Die andere (c. 2.14) ist zurückhaltender und Bestandteil eines (Heil-)Getränks. Perry kommt deswegen zu dem Schluss, das die Basisingredienzien sich wohl auf Ingwer, Kardamom und ein paar Nelken beschränken. Der unbekannte Autor setzt die Gewürzmischung übrigens vielfältig ein: in süßen Getränken (beispielsweise bei der zur Zubereitung des Heil- und Stärkungsmittels Oxymel) aber auch in herzhaften Gerichten wie Fleischbällchen aus Hühnerfleisch (c. 5.17), einem Rezept für persische Rübchen (c. 8.11) oder frittierten Gurken (c. 8.81).

Er benennt hierfür verschiedene Gewürze, wie Indische Narde, Betelnuss, Lorbeerblätter, Muskatnuss, Macis, Kardamom, Nelken, Hagebutten, Eschenfrüchte, Langen Pfeffer, Ingwer und schwarzen Pfeffer, allesamt einzeln gemörsert. ("spikenard, betel nut, bay leaf, nutmeg, mace, cardamom, clove, rose hips, ash tree fruits, long pepper, ginger and black pepper, all pounded seprately" (c. 4.4) )

Ich vermute, dass Atraf al-tib so ähnlich war wie das heutige Baharat (arab. "Gewürze"): Eine Würzmischung, die du eben bei dem Gewürzhändler deines Vertrauens gekauft oder nach familiärem Spezialrezept in der heimischen Küchen zusammengeklöppelt hast.
Für meine Version habe ich die Basiszutaten genommen und nach eigener Vorliebe um Kräutlein erweitert.

 

Mixed spices: Gewürzmischung "Atraf al-Tib" aus dem arabischen Hochmittelalter

 

Und an diesem Punkt stellte ich erschreckt fest, dass ich - basierend auf meinen Erfahrungen mit der arabischen Küche - auf den ersten Blick eine falsche Annahme getroffen hatte, da ich Rosenblätter statt der ungewöhnlicheren Hagebutten genommen hatte. Ich hatte die Zutat in einer Art Freudscher Fehlleistung in meinem Kopf schlicht falsch übersetzt (rose hips/rose buds). Aber wie man hier sehen kann, bin ich nicht die Einzige, die sich hier Fragen zu Hagebutten stellt. Wie mir inzwischen zugetragen wurde, haben die anderen 2 Übersetzer*innen des Textes ebenso wie ich gehandelt. Die aus dem Irak stammende Nawal Nasrallah, die unter anderem das Buch "Annals of the Caliph's Kitchens" verfasst hat, hat die Textstelle mit Rosenknospen übersetzt. Aufgrund des Tipps stieß ich in ihrem Buch Delights from the Garden of Eden (Glossary: Baharat, Seite 414) auf Rosenknospen in ihrer Übersetzung der Primärquelle und ihre Sichtweise, dass Atraf al-tib (oder Atraf al-teeb) ein Vorläufer des irakischen Baharat (Ha!) ist.

Aber zurück zu den Hagebutten als Gewürz. Bis jetzt sind mir Hagebutten noch nicht in arabischen Rezepten untergekommen, aber in Deutschland kennen wir ja Hiffenmark - eine seeeehr spezielle Sorte von Konfitüre, mit der in einigen Landesteilen auch Berliner Pfannkuchen gefüllt werden. Und wir alle kennen Hagebutten aus rotem Früchtetee (Na? Wer hat hier ein "roter Tee"-Trauma aus dem Schullandheim mitgebracht? Ich hatte Glück und mochte das Zeug, das in den verbeulten Metallkannen serviert wurde, immer recht gern). Hagebutten haben einen sehr hohen Anteil an Vitamin C und schmecken ziemlich säuerlich. Was mich vermuten lässt, dass sie als Gewürz eine ähnliche Geschmackseigenschaft wie Sumak* besitzen könnten.
Also entweder probiert ihr meine duftigere Variante mit Rosenblättern (die ja doch nicht so falsch ist, siehe weiter oben) oder ihr ersetzt diese durch 1 TL Sumak, bzw. besorgt euch getrocknete Hagebuttenschale und testet es damit aus - was ich sicherlich noch tun und hier ergänzen werde.
Ich habe diese Irrungen und Wirrungen hier dokumentiert, weil meiner Ansicht nach Überlegungen, Hinzulernen und Selbstreflexion zu unbewussten Annahmen zu einem transparenten wissenschaftlichen Prozess hinzugehören und eben eines sind: lebendige Forschung.

Ich mahle größere Mengen Gewürze übrigens nicht mehr stilecht im Mörser, sondern nehmen (zumindest, wenn ich daheim in einer modernen Küche bin) meine elektrische Kaffeemühle*, die einen entnehmbaren Mahlbecher hat. Entschuldigt, wenn ich euch da enttäusche, aber eure Handgelenke werden es mir danken. 😁

Ich empfehle euch zudem wirklich, so weit als möglich, die Gewürze frisch zu mahlen. Es ist einfach ein besseres Aroma. Der Duft von frisch gemahlenem Kardamom ist halt unvergleichlich und ungleich tiefgründiger. Mein Atraf al-tib habe ich bis jetzt für Gemüsegerichte, Dressings und als Gewürzbutter, die vor dem Braten auf das Hähnchenfleisch gestrichen wird, für Broiler eingesetzt.

 

Gebratenes Huhn mit Gewürzbutter

 

Rezept für Atraf al-tib

2 TL getrocknete Rosenblüten/Blätter von Rosenknospen (fein gemahlen)
1 TL grüne Kardamomsaat* (fein gemahlen)
1 TL getrockneter Ingwer (fein gemahlen)
1 TL schwarzen Pfeffer (fein gemahlen)
1 TL Langer Pfeffer* (fein gemahlen)
3/4 Macis (fein gemahlen)
3 Lorbeerblätter (fein gemahlen)
10 Gewürznelken (fein gemahlen)

Zubereitung

  • Alle fein gemahlenen Gewürze in eine Schüssel geben und gründlich miteinander vermischen.

 

  • Die arabische Gewürzmischung in ein gut schließendes Vorratsgefäß geben. Fertig. (Kein großes Hexenwerk, nur eine ellenlange Einleitung. 😅)

 


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Literatur:

Scents and Flavours: A Syrian Cookbook*, Perry, Charles (Übersetzer), New York University Press, New York 2020, ISBN: 978-1479800810


Delights from the Garden of Eden* (abbv., second edition): A Cookbook and History of the Iraqi, Nasrallah, Nawal, Equinox Publishing Ltd, Sheffield, 2018, ISBN: 978-1781798836

Herrlich frisch: Zitronensalz

Mitlesenden Menschen wird bestimmt schon das eine oder andere Mal meine innige Liebe zu Zitrusfrüchten aufgefallen sein... Früher (und auch heute auch noch ab und an) habe ich mir sogar Zitronensaft auf's Brot geträufelt.

Zitronensalz - ein duftendes Geschenk aus der Küche Verwende ich (Bio-)Zitronen oder Orangen, wandert die ungenutzte Schale der Früchte bei mir in einem kleinen Gläschen in den Tiefkühler - um dann beim Kochen ganz schnell zur Hand zu sein und mir Kuchen, Kekse, Dressings, Marinaden, Pestos, Salate oder sonstiges zu verschönern.

Bio-ZitronenFrisch geriebene ZitronenschaleIch habe es bestimmt schon zig Mal erwähnt, aber einfache Dinge, die toll funktionieren, begeistern mich und bringen mich zu einer Art... mh.. bewundernden Staunen? Ich skeptische Seele bin davon dann immer eine Zeit lang richtig davon beseelt.  (Wehe jemand lacht jetzt.)

Genau so ist es mit diesem schönen Gewürzsalz. Irgendwann war mein Zitronenzestenvorrat im Tiefkühlschrank gefüllt, das Zitronenöl zog gerade frisch - und ich hatte diese duftenden Zitronenschalen übrig. Als bekennender Salzjunky war der gedankliche Schritt zum reinen und wundervoll duftenden Zitronensalz da mehr als naheliegend. Ich bin sicherlich nicht die Erste, die die Idee hatte, Zitronenabrieb in ein Glas mit schönem Salz werfen. Aber das hindert mich natürlich nicht daran, eines meiner Lieblingssalze mit euch zu teilen. 😉

Frisch geriebene ZitronenzestenRezept für ZitronensalzMeersalz mit Zitronenabrieb

Selbstgemachte Gewürzsalze

Das Zitronensalz ist nicht nur eine Bereicherung für die eigene Küche, sondern eignet sich auch sehr schön als Geschenk oder kleine Aufmerksamkeit für liebe Menschen, die selbst gerne kochen. Kleiner Tipp: Mit Orangenschale lässt sich auch ein wunderbares Orangensalz herstellen, das bestimmt toll in Salaten ist. Andere Salzrezepte gibt es im magischen Kessel natürlich auch noch: Shermins Kräutersalz No.1, selbstgemachtes Bärlauchsalz (aus getrocknetem Bärlauch) und Bacon-Chipotle-Salz.

Rezept für Zitronensalz / recipe for lemon zest salt

Rezept für Zitronensalz

100 g Meersalz (fein)
1-2 Bio-Zitronen = 1 1/4 TL frisch geriebene Zitronenschale

Equipment: Micoplanereibe/Zestenreißer/Universalschäler, Schraubglas, Küchenwaage, evtl. Löffelmaß*

Zubereitung

  • Die Biozitronen kurz heiß abspülen, abtrocknen und mit einer feinen Reibe - ich nehme dafür eine günstigere Version solch einer Microplanereibe*, das funktioniert super - die Zitronenzesten herunterschälen. Alternativ kann man auch einen sehr guten Sparschäler/Universalschäler* nehmen und die Zitronenschale nachher feinhacken. Aber vorsicht: Nur die gelbe Haut abschälen, auf keinen Fall die weiße Schichte darunter mit abschälen, die schmeckt nämlich nur bitter.
  • Das abgewogene Meersalz in ein Schraubglas geben, die frisch geriebenen Zitronenzesten hinterherwerfen, Deckel sorgfältig schließen und alles kräftig durchschütteln. (Shake it, Baby! (Sorry, konnte ich mir nicht verkneifen.)) Das Salz duftet jetzt schon unglaublich zitronig, klumpt durch die Feuchtigkeit der Zitronenschale leicht zusammen, ist aber direkt verwendbar. Das Zitronenaroma durchsetzt jetzt so richtig schön euer Meersalz.
  • Jeden Tag das Glas sorgfältig schütteln, damit das Salz nicht zu einem kompakten Klumpen zusammenbäckt, und den Deckel öffnen, damit überschüssige Feuchtigkeit austreten kann. Dies so lange wiederholen, bis das Zitronensalz bröselig bleibt und nicht mehr so stark zusammenklumpt (feines Meersalz ist ja sowieso etwas hygrophil),  die Zitronenschale sieht dann getrocknet aus. Dauer je nach erwischter Zitrone und pi-mal-Daumen: 4-7 Tage.
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Zuckersüß: Mandelkaramell mit Zimt

Karamell! Ob süß, oder salzig - ich liebe das Zeug einfach. Bei herzhaften Gerichten ist Karamellisiertes oft gerade die besondere Note. Pur, als Süßigkeit mit Mandeln oder anderen Nüssen ist Karamell auch einfach verführerisch. (Hey, es ist Zucker! Drogen, für's Hirn.)

Geschenk aus der Küche: Rezept für Mandel-Karamell mit Zimt

Manchmal (na gut, ...oft ;)) habe ich Phasen, in denen ich mich an bestimmten Lebensmitteln oder Zubereitungsarten festbeiße. Vor knapp 10 Jahren hatte ich meinen letzten Karamelltick und habe alle möglichen Anleitungen zum Kochen von Karamell verschlungen, um selbst Süßigkeiten bzw. Bonbons herstellen zu können. Damals allerdings irgendwie immer mit Sahne drin. Dabei braucht es die gar nicht. Und in meiner damaligen Unkenntnis war ich immer halb verzweifelt, weil das Ergebnis überhaupt nicht so war, wie ich es wollte.

Selbstgemachtes Mandelkrokant

Karamell - rein pflanzlich naschen

Dabei ist es so supersimpel. Denn reines Karamell (also das harte, glasartige Zeugs, nicht dieses weiche, trübe) benötigt gar keine tierischen Produkte. Es braucht nur sich selbst, Zucker, und ist damit schon immer eine wunderbare vegane Nascherei.  Natürlich könnte man das zuckrige Zeug auch so vertilgen, aber mit nur zwei weiteren Zutaten (Mandeln und etwas Zimt), wird's richtig gut. Da keinerlei Getreide darin vorkommt, ist es natürlich auch glutenfrei. Dank nicht vorhandenen Milchprodukten laktosefrei. Perfekt, um bei mir lieben Gästen vorgesetzt zu werden. Ich erfreue mich bei sowas fast kindlich daran, dass ein so simples Rezept von Natur aus für so viele Menschen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse passend ist. (Bei gekauften Sachen muss man ja immer erst eine ellenlange Zutatenliste abgleichen...)

Riegel mit karamellisierten Mandeln
Selbstgemachte Süßigkeit: Karamellisierte Mandeln

Mandelkaramell - Geschenk aus der Küche

Das selbstgemachte Karamell - verfeinert mit Mandeln und Zimt - ist natürlich auch ebenso perfekt, um als kulinarisches Geschenk weiter in die Welt getragen zu werden. Und wer keine Mandeln und keinen Zimt mag: Wie in fast allen meiner Rezepte kann man hier natürlich wunderbar improvisieren und stattdessen zu gehackten Haselnüssen, Walnüssen, Erdnüssen, Sesam, Kardamom, Koriander oder beispielsweise auch Meersalz oder Vanille greifen. (Vanille und Karamell sind ja sowieso ein schönes Paar.) Wichtig ist nur, dass Nuss- oder Mandelstücke nicht zu groß sein sollten, da sich das Karamell sonst schlecht ausstreichen lässt. (Für euch diverse Male mit Mandelstiften getestet.)

Die drei Zutaten: Zucker, was Nussiges und eventuell etwas Zimt hat fast jeder im Haus und schon ist was selbstgemachtes Süßes aus nur drei (!) Zutaten entstanden. Das neutrale Sonnenblumenöl, das ich nutze, damit es nicht so klebt, könnte man noch als vierte zählen. Noch ein Denkanstoß zum Verschenken: In lange Stücke geschnitten und nach dem Erkalten in Schokolade gedippt, ist das Karamell sogar noch eine Nummer verboten-sündiger. 😉

Wie macht man Karamell?

Rezept für Mandelkaramell

200 g gehackte Mandeln
200 - 250 g Zucker
1/4 TL Ceylon-Zimt (gemahlen)
Sonnenblumenöl

Equipment: Backpinsel, Pizzaschneider*, Esslöffel aus Metall, große metallene Auflaufform oder Blech

Zubereitung

  • Die Mandeln in einer kleinen Pfanne ohne Fett unter stetem Rühren rösten, bis sie hell- bis goldbraun sind. In eine Schale geben und beiseite stellen.
  • Die Pfanne auswischen und den Zucker hineingeben. Bei mittlerer Hitze langsam schmelzen lassen. Dabei immer wieder rühren, damit nicht ein Teil des Karamells verbrennt und bitter wird, während ein Teil noch kristallin ist. (Achtung: Bitte beim Hantieren mit flüssigem Zucker ganz besonders vorsichtig arbeiten!)
  • Wenn der Zucker komplett geschmolzen und honigfarben karamellisisert ist, den Zimt rasch unterrühren und dann schnell die noch warmen Mandeln unterziehen, bis alle von Karamell bedeckt sind.
  • Die Masse in eine dünn mit Sonnenblumenöl ausgepinselte Metallform geben und mit der beölten Rückseite eines großen Metalllöffels rasch glatt ausstreichen. Zwischendurch das Öl auf dem Löffel erneuern, er bleibt sonst kleben.
  • Das Karamell kann nur geschnitten werden, so lange es noch warm und geschmeidig ist. (Danach hilft nur noch ein Hammer und ein Splitterschutz. ;)) Mit einem Pizzaschneider das Mandelkaramell schnell in Rechtecke (Bonbons) zuschneiden, so lange es noch weich ist.
  • Das Mandelkaramell erkalten lassen und dann in die vorgezeichneten Stücke brechen.

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Zeit für Lebkuchenmänner: Rezept für Gingerbread (Dead) Men

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal Lebkuchenmännchen - also Gingerbread Men - gebacken und auch dieses Jahr stehen sie wieder auf meiner Liste der zu backenden Weihnachtskeksköstlichkeiten. Pfefferkuchenmännchen will mir irgendwie eher über die Lippen, scheint aber nicht so wirklich verbreitet zu sein. Wikipedia behauptet, dass das wieder mal am Ost-West-Gefälle liegt.

Pfefferkuchenmann-bsAber natürlich sind es  bei mir keine konventionellen Lebkuchenmännchen, sondern Zombie-Pfefferkuchenwesen. Quasi die Rückkehr des Weihnachtsgebäcks. Nicht auf der Hüfte, sondern schon auf dem Backblech. 😉 Eine liebe Freundin hatte mich mit den "Gingerdead Men-Ausstechformen"* vor zwei Jahren in einem Weihnachtspaket überrascht. Die Kekse sind so groß, dass man sie sehr hübsch - einzeln in Folie oder Tütchen verpackt - als gebackenes Weihnachtsgeschenk oder weihnachtliches Mitbringsel weitergeben kann. Zu Halloween passen die Cookies im Grunde natürlich auch hervorragend. Dann aber vielleicht mit einem anderen Teig, in Deutschland wird sonst wegen der - leider - nur noch zu Weihnachten üblichen Gewürzmischung rumgemault.

Lebkuchenmann-bsDie Frage danach, warum Menschen aus Teig Lebkuchenmenschen backen und danach genussvoll ihre Zähne in deren Leib schlagen, stopfe ich  mal rasch zurück in die gedankliche Schublade aus der sie kannibalisch und tiefenpsychologisch gekrochen ist. 😉

Gingerdead-man-bsRezept für Lebkuchenmänner/Pfefferkuchenmänner

350 gMehl
140 g Butter
100 g Brauner Zucker (Rohrohrzucker)
1 Ei (M)
3 EL Zuckerrübensirup
2 TL gemahlener getrockneter Ingwer
1 TL gemahlener Ceylon-Zimt
1 TL Backpulver
1/2 TL frisch im Mörser gestampfter Piment

Zubereitung

  • Alle Zutaten in der Küchenmaschine - oder mit Hilfe eines Rührerätes - miteinander verkneten.
  • Der Teig sollte die Konsistenz von glatter, nicht klebriger Knetmasse besitzen.
  • Den Teig nun auf einer unbemehlten Arbeitsfläche mit einem leicht bemehlten Nudelholz ungefähr 3 bis 4 Milimeter dick auswallen.
  • Mit der Form die Pfefferkuchenmännchen ausstechen (obwohl meine Ausstechform geschlossen ist und ich wegen dem Auslösen Bedenken hatte, klappte das super), auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben.
  • Wer ebenfalls die Gingerdead Men-Ausstechform hat, dreht diese jetzt um und prägt mit etwas Druck das Gerippe in die schon ausgestochenen und auf dem Blech liegenden Lebkuchenmenschen. (Das Ablösen von der Arbeitsfläche wird sonst etwas schwierig.)
  • Auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen (bei circa 180° Umluft)  für 10-12 Minuten backen.
  • Auskühlen lassen und wenn gewollt und genug Geduld vorhanden ist (ich habe sie dafür selten) mit Zuckerguss nochmals die Knochen nachmalen.

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Mein herzallerliebstes Rezept für selbstgemachtes Kräutersalz

Und schon wieder gibt es im magischen Kessel ein Rezept für ein Geschenk aus der Küche. Vor inzwischen etlichen Jahren lauschte ich mal mit halbem Ohr einem Radiobeitrag, wo ein Mann gewichtig über selbstgemachtes Kräutersalz salbaderte. Der kochende Erzähler war anstrengend. Aber das Salz.  Also das wollte ich auch. Natürlich sofort. So ruhig und besonnen ich andere Dinge über Stunden und Tage hinweg ausführen kann - Geduld ist nicht meine Stärke, wenn ich einen kochinspirativen Anfall habe und diesen umsetzen möchte. Leider ließ sich das Rezept nicht finden und die Dinge, die ich zu Tage förderte, waren einfach nicht das, was ich suchte.

Also hieß es rumprobieren, mischen, Fehler machen, weiterprobieren, Gesicht verziehen, weitermischen und schließlich zufrieden lächelnd mit dem für mich perfektionierten Rezept zurücklehnen. Im Laufe der Zeit wurde natürlich noch ein wenig daran herumgefeilt. Aber so isses jetzt stimmig für mich.  Das Salz ist nicht überladen, sondern schenkt jedem Gericht eine angenehme Grundnote und leichte Schärfe.
Ich habe natürlich verschiedenste Salzmischungen hier, aber dieses vielfältig nutzbare Kräutersalz ist mir einfach das Liebste. Es wandert aufs Butterbrot, aufs gekochte Ei, in das Salatdressing, an die Marinade oder Bratensauce und ist auch auf frischer Avocado die reinste Gaumenzierde.

Viele nutzen ja die im eigenen Garten angebauten Pflanzen, um Gewürzsalz mit frischen Kräutern herzustellen. Da es mir aber am angemessenen Garten fehlt (mein Rosmarin geht in meinem Minischattengarten regelmäßig ein und der Thymian ist auch nur noch halb lebendig) und man so auch jahreszeitunabhängig ist, verwendet ich für meine Kräutersalzmischung nur getrocknete Kräuter.

Selbstgemachtes Kräutersalz zum Verschenken

Ich mische so zwei bis drei Mal im Jahr direkt eine größere Menge von dem Salz an und lagere die über zwei Kilo frisch gemischten Kräutersalzes dann in einer großen Plastikdose oder in Schraubgläsern. Furchtbar lange hält das nie, da ich einen guten Teil verschenke oder den vorbeischauenden Freunden und Familienmitgliedern ihre zufällig mitgebrachten leeren Kräutersalzgläschen wieder auffülle. 😉
Momentan muss ich von meinem restlichen Vorrat aber noch eine Weile zehren, da ich ja letztens leider meine von meiner Omi ererbte elektrische Kaffeemühle ins Nirvana befördert habe und noch keinen adäquaten Ersatz aufgetan habe.

Edit: Huch, ganz vergessen hier zu ergänzen - inzwischen habe ich seit Jahren eine neue Elektrische Kaffeemühle von Cloer*, die mich im Einsatz immer wieder überzeugt. Sie leistet perfekte Arbeit und der große Vorteil: Man kann den Becher mit dem Mahlgut herausnehmen, ausleeren und danach problemlos abwaschen. (Was besonders von Vorteil ist, wenn man nach dem Mahlen von Kreuzkümmel vielleicht Vanillezucker herstellen will.. ;))

Rezept für Shermins Kräutersalz No. 1

(es werden nur getrocknete Kräuter verwendet)

2 Kg feines Meersalz
50 g Rosmarin
40 g Rosa Beeren
30 g schwarzer Pfeffer
30 g getrocknete Zitronenschale (Bio)
30 g grüner Pfeffer
25 g gemahlener Cayennepfeffer
15 g Bärlauch
10 g getrocknete Orangenschale (Bio)

Zubereitung

  • Das Meersalz in eine große Schüssel geben.
  • Die getrockneten Kräuter nach und nach in einer Elektrische Kaffeemühle* fein mahlen (oder sich dem irrsinigen, handgelenkmordenden Akt hingeben (jaaaha... habe ich alles hinter mir) das Zeug im Mörser von Hand kleinzukloppen). Das ist tatsächlich der zeitaufwändigste und anstrengendste Teil der Zubereitung. Man muss hierbei auch nicht alles pulversisieren, sondern kann einen geringen Teil der Zutaten für das Kräutersalz auch etwas gröber lassen.
  • Alle gemahlenen Kräuter zum Salz geben und gründlich vermengen.
  • Fertig. Zur Lagerung in luftdichte Dosen/Gläser füllen.

 

Weitere Salzrezepte aus dem magischen Kessel:

 

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