Schlagwort-Archive: Spargel

Saisonal: Rezepte für Spargel und Rhabarber

Die Spargelsaison ist gerade so richtig gestartet und endlich kann man sich auch wieder kulinarisch mit Rhabarber vergnügen. Saisonal bekommt man beide Gemüsesorten - Rhabarber wird zwar meist süß verkocht, zu Marmeladen, Kompotts und Kuchenfüllen, zählt aber botanisch zum Gemüse - gleichzeitig in den Monaten April, Mai, Juni.

Spargel Crumble / Spargelauflauf mit Ziegenkäse

In meinem Kopf sind die beiden so miteinander verflochten, dass ich stellenweise in Rezepten aus Versehen Rhabarber statt Spargel schreibe, obwohl sie geschmacklich doch nun wirklich meilenweit voneinander entfernt sind und nur die Jahreszeit, die Frische und die längliche Form gemein haben. Oh - und dass man sie schälen muss natürlich. 😉

Zum Schälen ein kleiner Tipp, das Leben ist einfach zu kurz für furchtbare Spargelschäler: Dieses Schälmesser* habe ich vor gefühlten hundert Jahren von meiner Mama geschenkt bekommen und nutze es seitdem für alles: Kartoffeln, Spargel, Zucchini, Möhren, Gurken, Tomaten, Paprika, Auberginen und noch mehr - sogar Zitronenzesten lassen sich damit hauchdünn abschälen. Die Klingen sind geriffelt, beide Seiten sind scharf (es kann also vor- und zurückgeschält werden), der Sparschäler ist verwendbar für Rechts- und Linkshänder*innen und man sogar die Klingen austauschen.

Rhabarberkuchen mit Baiserhaube

Spargel- & Rhabarberrezepte aus dem Archiv

Da ich gerade so eingespannt bin, dass ich kaum zum Bloggen, Nachdenken und Ausprobieren neuer Rezepte komme, habe ich für euch ein wenig in meinem Archiv gegraben und essbare Schätze gehoben. Die Rezepte sind zum Teil schon ziemlich alt, werden hier im Haushalt aber natürlich immer noch gekocht. Der magische Kessel als Blog ist ja quasi sowas wie mein privates Kochbuch. Hier gelangen eigentlich fast nur Sachen drauf, die meiner Familie wirklich gut schmecken und die wir wieder essen möchten. Der Herzmensch kocht ja auch gut, braucht aber im Gegensatz zu mir ein Rezept an das er sich halten kann. Weswegen mein Foodblog für ihn perfekt ist (und für mich ist es immer ein guter Prüfstein, ob ich wirklich alles gut und genau genug erklärt habe). 🙂

Also wundert euch nicht, wenn das Bild vom Rhabarberpudding nicht ganz so shiny-hübsch appetitlich aussieht, oder die Fotos vom französischen Rhabarberkuchen recht klein und mit der Tiefenschärfe am falschen Fleck sind. Es ist halt teilweise ein Weilchen her und frau macht ja auch eine Enwicklung mit.

Spargelrezepte

Spargelauflauf

Den Anfang macht dieses wundervolle Spargelgericht: Französischer Spargel-Crumble.
Ofenspargel ist ja seit ein paar Jahren ein Ding.  Der Spargel wird hier allerdings nicht auf dem Blech geröstet, sondern blanchiert und dann mit wundervollen pikanten und buttrigen Streuseln aus Mandeln, geriebenem Käse und Ziegenfrischkäse überbacken. Ein tolles Auflaufgericht, Beilagen braucht es dazu eigentlich nicht - wer mag, vielleicht ein kleine Lammkottelette oder etwas Schinken.

Spargelauflauf mit pikanten Streuseln

Spargel-Tarte mit Thymian, Schinken und Mozzarella

Das Rezept für Spargeltarte mit Thymian, Schinken und Salbei ist auch ein schönes Rezept für Spargel aus dem Ofen in Kombination mit anderem Gemüse und schmelzendem Käse. Ich empfehle, wirklich Blätterteig zu nehmen. Im Grunde kann der Belag auch so auf Hefeteig (dann würde ich ihn nur vorher nochmal mit Öl bepinseln) und ergäbe so eine leckere Spargelpizza.

Rezept für Spargeltarte mit Thymian und Schinken

Spargelcremesuppe

Dieses Rezept für diese Spargelcremesuppe aus den Überbleibseln vom großen Spargel(f)ressen ist entweder ein gutes Hauptgericht oder eine köstliche Vorsuppe bei mehreren Gängen. Für diese leckere und günstige Spargelsuppe braucht man kaum mehr als ein paar übrig gebliebene Spargelstangen, Spargelwasser und dazu Milch, Mehl, Butter und Gewürze - fast alles Dinge, die man in einer Küche vorrätig hat.

Rezept für Spargelcremesuppe aus Spargelresten

Spargelsalat aus grünem Spargel

Dieser schnell zu machende Salat aus Spargel mit Bacon und geröstetem Sesamöl schmeckt lauwarm besonders gut, kann aber natürlich auch kalt gegessen werden. Der Vorteil: Guter grüner Spargel muss kaum geschält, sondern nur an den Enden vom Holz befreit werden.

Spargelsalat aus grünem Spargel

Rezepte mit Rhabarber

Rhabarberkuchen mit Baiserhaube

Diesen Blechkuchen mit Rhabarber können selbst Menschen, die Rhabarber nicht so wahnsinnig viel abgewinnen können, nicht widerstehen. Die süße Baiserhaube ist nämlich ein guter Konter für die sauren Stängel. 😉

Rezept für Blechkuchen mit Rhabarber und Baiserhaube

Rhabarberkuchen in der Tarteform

Dieser schnell zusammengerührte, tolle Kuchen mit Rhabarber nach französischem Rezept macht sich gut in einer Tarteform, lässt sich aber auch gut in einer Springform backen. In dreifacher Menge ist die Rhabarbertarte auch ein guter Blechkuchen, wenn gewollt auch mit Baiserhaube aus dem oben genannten Rhabarberrezept.

Rezept französische Rhabarber-Tarte

Rezept für Erdbeer-Rhabarber-Marmelade

Ich hatte es ja angedroht: Je älter die Beiträge, desto furchtbarer die Fotos. Das Rezept für diese Rhabarber-Erdbeer-Konfitüre ist unabhängig vom schlechten Bild dennoch lecker. Als ab an den Marmeladenkessel!

Rezept für Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre

Rhabarberpudding

Ein Klassiker in meiner Küche ist dieses Rezept für Rhabarberpudding - zugegebenermaßen mit Hilfe eines Pakets Vanillepuddingpulvers. Aber so habe ich ihn schon als Kind bei meiner Mama gegessen, beginnt die Rhabarbersaison ist das meist das erste, was ich aus Rhabarber koche.

Rrezept für Rhabarber-Vanille-Pudding

Apropos Erdbeeren... eine Zusammenfassung von Erdbeerrezepten steht gerade jetzt zum offiziellen Saisonstart natürlich auch noch aus.

Liebe Grüße & kommt gut durch diese köstliche Jahreszeit!

Shermin

*Werbung. Afiliate-Link zu Amazon. Ich erhalte eine kleine Provision wenn ihr hierüber einkauft. Danke!

Knapp vor Schluss: Französischer Spargel-Crumble

Bevor das offizielle Ende der Spargelsaison Ende Juni erreicht ist, gibt es noch ein schnelles Rezept für Spargel aus dem Ofen - mit Steuseln drüber. Salzig natürlich. Die frankophile Susanne Magentratzerl hatte den Spargel-Crumble (warum will ich nur immer Rhabarber schreiben?!) vor ein paar Tagen verbloggt und berichtet, dass in Frankreich solche Gemüse-Gratins mit Streuseln sehr viel verbreiteter sind als hier in Deutschland.

Rezept für Spargel CrumbleEine wunderbare Idee, die ich mir direkt geklaut und nach meinem Geschmack modifiziert habe. Bei mir gab es gehobelte statt geriebener Mandeln - für etwas knusprigen Crunch. Keine Schalotten, etwas weniger Butter (keine Bange - fettarm wird es trotz allem nicht ;)) und statt den genannten Käsesorten gab es bei mir französischen Ziegengouda und Ziegenfrischkäse. Passt perfekt zum wunderbar gegarten, sanft buttrigem Spargel und ist in diesem Jahr mein absolutes Lieblingsgericht. So schön einfach und so gut.

französischer SpargelauflaufRezept für französischen Spargelauflauf

Da die Streusel auf dem Spargel auch Mehl enthalten, braucht es für mich da auch keine weitere kohlenhydrathaltige Beilage mehr dazu. Fleisch oder Fisch war bisher für uns die passende Ergänzung. Wenn man genug vom Crumble macht, geht er sicherlich auch allein als vollwertige vegetarische Mahlzeit durch. Köstlich genug ist er dafür allemal. Und wenn die Saison vorbei ist? Ich kann mir die Ziegenkäse-Streusel auch hervorragend als goldbraun-gebackene Krönung auf anderen Gemüsesorten vorstellen.

Streusel aus Ziegenkäse

Rezept für frz. Spargel-Crumble

600 - 1000 g weißen Spargel
120 g Ziegenfrischkäse
70 g Mehl
60 g geriebener Ziegenkäsegouda
40 g weiche Butter
40 g gehobelte Mandeln
etwas Butter für die Form
Meersalz
nach Gusto: frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  • Spargel gründlich schälen, Enden abbrechen und in 4 cm lange Stücke schneiden.
  • In kochendes Salzwasser geben und 5 Minunten lang kochen.
  • Währenddessen alle anderen Zutaten in einer Schüssel mit den Händen verkneten.
  • Eine Auflaufform ausbuttern, den Spargel abgießen (Kochwasser eventuell für eine Spargelsuppe aufheben), gut abtropfen lassen und in die Form geben.
  • Den Ziegenkäse-Streuselteig gleichmäßig in gezupften Stückchen auf dem Spargel verteilen.
  • Im vorgeheizten Ofen (200° Umluft) auf mittlerer Schiene für gut 20 Minuten backen, bis die Käse-Streusel goldbraun sind.

Spargel Cobbler

Von mahnenden Blicken und leckerem Rhabarberkuchen mit Baiserhaube

Ich liebe Rhabarber. Ich freue mich jedes Jahr auf die Saison und auf Rhabarberpudding, Cobbler mit Rhabarber, Rhabarbermarmelade (Ja, ja, ich weiß. Technisch korrekt wäre es Konfitüre, keine Marmelade.) oder Rhabarberkuchen. Momentan geistert als Rhabarbertrend auch ein Rhabarbersirup durch die Foodblogs.Frisch gebackener Rhabarberkuchen mit Baiserhaube

Meine diesjährigen Rhabarbergelüste forderten diesmal allerdings einen etwas dickeren Rührteig mit versunkenen Rhabarberstücken samt Baiserhaube ein. Gedacht, getan und meine liebe Schwiegermutter konnte ich mit dem weichen Boden, den wundervoll säuerlichen Fruchtstücken und dem fluffig-lockeren, süßem Baiser auch noch sehr erfreuen. Freut mich wiederum. 🙂

Rhabarberkuchen mit BaiserhaubeEigentlich wollte ich das Rezept schon gar nicht mehr posten, weil das Ende der Erntesaison ja nicht mehr sooo weit entfernt ist. Heute war ich aber mit dem Liebsten auf dem Wochenmarkt am Boxhagener Platz, habe frische Erdbeeren, Spargel und einen tollen neuen Ring gekauft, mir Pfingstrosen vom Gatten schenken lassen, im Sonnenschein Milchkaffee in einem französischen Café geschlürft und irgendwo dazwischen wunderschöne und riesige Rhabarberstangen erblickt. Ich schwör es, die guckten mich mahnend an. Geradezu vorwurfsvoll, weil ich euch das Backrezept für diesen schönen Blechkuchen vorenthalten wollte.

Baiserhaube auf RhabarberkuchenRhabarberkuchen mit Baiserhaube und Sahne

Ich habe also quasi keine Wahl und ergebe mich willfährig. 😉 Außerdem ist die Baiserhaube eine gute Möglichkeit, um überzähliges Eiweiß zu verbrauchen - zum Beispiel von Eierlikör oder einer Hollandaise. Wir sind ja schließlich in der Spargelsaison. Eiweiß lässt sich übrigens hervorragend einfrieren und wieder auftauen.

Rezept für Rhabarberkuchen mit Baiserhaube vom Blech
(Ich nutze ein zusammenschiebbares Blech. Maße: 33 x 29 cm)

750 g Rhabarber (geputzt, in Stücken)
275 g Mehl
210 g Zucker
200 g weiche Margarine
4 Eier
25 g Speisestärke
2 gehäufte TL Backpulver
1/2 TL gemahlene Vanilleschote/Mark einer Vanilleschote

Für die Baisermasse

5 - 6 Eiweiß
200 g Zucker
1 gehäufter TL Speisestärke
1 TL Zitronensaft

Zubereitung

  • Mit der Küchenmaschine oder dem Handrührer Zucker und Margarine verrühren, danach die Eier einarbeiten und Vanille  hinzu geben.
  • Das mit Speisestärke und Backpulver verrührte Mehl nach und nach unterrühren.
  • Blech ausmehlen und fetten oder ganz einfach mit Backpapier auslegen.
  • Teig darauf geben. Die Rhabarberstücke darauf verteilen. Im vorgeheizten Ofen (Umluft) bei 175° auf der mittleren Schiene 40 - 45 Minuten backen.
  • Zwischenzeitlich das Eiweiß aufschlagen, den mit Stärke vermischten Zucker hineinrieseln lassen  und weiter schlagen. Zitronensaft untermischen.
  • Die Baisermasse auf dem noch heißen Kuchen verteilen, mit dem Löffel etwas strukturieren.
  • Kuchen zurück in den Ofen geben und 15 Minuten lang backen lassen, bis die Baiserhaube perfekt gebräunt und außen knusprig ist.

Wie bäckt man Rhabarberkuchen mit einer Baiserhaube

Produkttest: Kochzauber im magischen Kessel

Endlich bloggt sie mal wieder. Jepp - erst war ich mit einem erfreulichen Haufen an Lohnarbeit beschäftigt und kaum hatte ich das hinter mir, schaffte es mein geliebter Mann noch, mir ein paar grippale Viren anzuhängen. (Und auch noch die fiese Sorte, bei der man dann tagelang so heiser ist, dass man sich am besten mit Handzeichen oder gemalten Hinweisschildern behilft. ) Aber jetzt bin ich wieder weitgehend im Lot und kann mich dem magischen Kessel widmen.

Im Mai hatte ich das Angebot angenommen, eine Box von Kochzauber auszuprobieren. Nach kurzem Zögern und einem netten Telefonat ließ ich mich recht neugierig darauf ein. Momentan mehren sich ja die Anbieter solcher gelieferter Lebensmittelboxen und -tüten.
Wer das nicht kennt: Man abonniert eine Box mit Zutaten für zwei oder vier Personen, bekommt diese einmal die Woche geliefert und hat (bis auf Basiszutaten, da bekommt man aber zumindest bei Kochzauber im Vorfeld eine Liste der benötigten Sachen per Mail) alle Zutaten, um jeden Abend oder Mittag eine leckere Mahlzeit selber zu kochen. Begleitend erhält man ein gedrucktes Rezeptheft samt Foto, genauer Kochanleitung, Tipps, ab und an Variationsmöglichkeiten (zum Beispiel für Kinder) und ein paar Infos zum Hintergrund mancher Rezepte.

Und so sah die Box via Handyschnapshots aus, als sie bei mir ankam und von dem netten Herrn mit dem Leipziger Akzent (Leute, verdreht nicht die Augen. Es ist meine Geburtsstadt - egal wie viel ich sprachlich ruhrpöttel oder berliner, bei dieser speziellen Sprachmelodie geht mir einfach immer ein wenig rührselig das Herz auf. ;)) fürsorglich in die Wohnung geschleppt wurde. Das Öffnen der großen Pappkiste war schon ein bissel wie kulinarisches Weihnachtsgeschenkauspacken. Ich war wirklich erstaunt über die Vielfalt, Reichhaltigkeit und Qualität der Zutaten.

Kochbox-Fazit

Wir hatten die drei-Tages-Box für vier Personen zum Testen. Enthalten waren zwei Gerichte mit Fleisch und ein vegetarisches Gericht. Aber auch bei den fleischlichen Genüssen war jedes Mal - neben einer guten Portion Fleisch - ein wirklich hoher Gemüseanteil vertreten.
Überhaupt... anfänglich hatten wir ja etwas Angst - wir sind ja nun nicht gerade kleine, zarte Elfen und langen alle bestimmt auch gut zu. Würden wir nicht vielleicht verhungern? Würde das Essen auch wirklich für alle reichen? Alle satt werden? Diese sanfte Futterpanik erwies sich wirklich als absolut unbegründet, die Portionsberechungen sind wirklich sehr großzügig bemessen und niemand stand hungrig vom Tisch auf. Bei einem Gericht hatten wir sogar den Eindruck, dass da locker auch noch eine fünfte Person von hätte abgespeist werden können.

Zudem waren wir überrascht über die Vielfalt der Zutaten und wie hoch der Bioanteil war (das der beiliegende Honig von einer Imkerei stammt, die uns schon mal negativ auffiel, weil sie auch Honig aus nicht EG-Staaten verteibt.. naja..) - gerade beim Fleisch. Sogar Knoblauchzehen und Paniermehl lagen grammgenau abgepackt in Tütchen dabei. Sehr praktisch.

Auch vom Geld her fand ich die Kochzauberbox überzeugend. Rechnet man den Preis durch (beispielsweise 54 € für fünf Tage, zwei Personen, inklusive Lieferung), ergibt das knapp 5, 40€ pro Person und Abendessen, was durchaus sehr anständig ist. Gehen wir einkaufen - was ja oft beinhaltet, dass man leider meist mit mehr Sachen als geplant nach Hause geht - gebe ich meist (ebenfalls leider) mehr aus. Und da ist dann garantiert kein Biofleisch enthalten. (Ja, wer gut im Haushalten ist, am Wochenende Essenspläne schreibt, sich auch an diese Planung hält und mit einem Wocheneinkauf auskommt - der schafft das wahrscheinlich auch.)

Der größte Vorteil solcher gelieferten Boxen ist allerdings dieser: Kein verwirrtes Herumtapern im Supermarkt, kein verzweifeltes "Umgotteswillenwaskochenwirheutedennnur?!", keine Lebensmittel nach Hause schleppen, kein hektisches durch Supermärkte hetzen nach Feierabend. Sondern einfach nur Zeit zum - möglichst gemeinsamen - Kochen und Essen nehmen. Nicht falsch verstehen: ich gehe gerne einkaufen, stöbere durch Delikatessen und wandere über den Wochenmarkt usw., aber hierzu muss man auch die Zeit und die Muße haben. Da fehlt es im Alltag leider oft dran.

So und nach dieser ernstgemeinten Lobhudelei kommt jetzt noch ein "Aber". Aber... meiner/unserer Meinung nach (zum Teil standen hier drei kocherfahrene Leute zusammen in der Küche), kommen die Zubereitungs- und Kochzeiten einfach nicht hin. Eine Tomatensauce braucht eben nicht nur 15 Minuten zum Köcheln. Die braucht neben der Liebe, mit der man die Zutaten hineinschmeißt, auch ein wenig Zeit, um "rund" zu werden. Fleischbällchen mögen es, wenn man sie etwas anbrät und sie so noch ein paar leckere Röstaromen sammeln können, bevor man sie in eine Sauce wirft. Und eine nicht entbeinte Perlhuhnbrust mit Schenkel wird eben nicht nach knapp fünf Minuten Bratzeit auf jeder Seite mit anschließendem Warmhalten durch sein. Ich hatte den Teilchen schon extra mehr Zeit gegeben und biss dann dennoch in halbrohes Geflügelfleisch (*gulp*). Vielleicht liegt hier der Wunsch zugrunde, möglichst knappe Zubereitungszeiten angeben zu können, damit mensch gewillter ist zu kochen, statt Convenience-Fraß zu kaufen. Klappt aber nicht, ich habe schon beim durchlesen die Stirn gerunzelt, später waren wir dann leicht entnervt davon.
Da sich die Box auch an kochunerfahrenere Menschen richtet, finde ich das durchaus etwas problematisch.
Das erste Rezept habe ich aus Neugier wortgetreu nachgekocht, ab dem zweiten Gericht habe ich mir dann mehr zarte kulinarische Freiheiten herausgenommen. Ich denke solche kleinen Variationen sind allerdings sowieso im Sinne des Erfinders, sklavisches Nachkochen ist eben nicht so mein Ding.

Tag 1: Zarte Perlhuhnbrust an Balsamico-Honig-Sauce und Bio-Rosmarinkartoffeln

Die Garzeit bei den Hühnerteilen kam wie erwähnt nicht hin, obwohl schon länger in der Pfanne gelassen als angegeben. Und ja, ich habe einen Teil der Mandeln für den nächsten Tag geklaut, um den Brokkoli damit zu verschönern. Is ja gut. 😉 Ansonsten - lecker.

Tag 2: Bio-Hackfleischbällchen "Albondigás" an fruchtigem Gemüseragout und Mandelreis

Nur ein verwischtes Bild - Entschuldigung, der Hunger war an diesem Abend zu groß für Fotoorgien. Auch hier kam die Garzeit nicht so ganz hin, ungeliebte Gewürze wurden weggelassen, dafür wanderte etwas Zimt, Chili und Thymian in die Sauce, die Paprika wurden - zwecks besserer Verträglichkeit - geschält und die Fleischbällchen durften sich noch kurz in einer heißen Pfanne aalen. Auch die Reiskochweise fand keinen Anklang und wurde lieber so gemacht, wie vom kurdischen Papa gelernt. Insgesamt aber ein schönes Gericht.

Tag 3: Beelitzer Spargel nit Maracujanote auf herzhaften Vollkornpfannkuchen

Das vegetarische Gericht - auch hier stimmte die Garzeit ebenfalls so ganz und gar nicht. Ich bin ja ein Fan von in der Pfanne gebratenem Spargel der noch knackig ist, auch im Ofen gegrillt, auf selbstgemachter Pizza oder einer Tarte ist er toll. Aber roh geht er für mich einfach mal gar nicht. Die Maracujas in der Sauce empfand ich zudem als überflüssige Spielerei. Die Früchte lieferten quasi nur unaromatische Säure, die man dann noch ausgleichen musste. Da wäre ein Spritzer Orangensaft besser gewesen.
Allerdings sehr nett: Als Alternative für spargel- und karottenunwillige Kinder lagen Äpfel für Apfelpfannkuchen mit bei. Und die Dinkel-Vollkornmischung für den Eierkuchenteig war wirklich sehr gut.

Schade ist auch, dass es die Box leider noch nicht in laktosefreier Form gibt. Was vielleicht hoffentlich noch irgendwann kommt - das fände ich jedenfalls interessant. Das ist jetzt auch kein wirklicher Minuspunkt, ich wusste das ja vorher und habe den Produkttest mit dem Hinweis darauf angenommen. Ich fand es auch durchaus spannend zu sehen, wie ich da mit zugekauften Alternativprodukten zurechtkomme. Klappte erstaunlich gut.

Was mich allerdings wirklich in den Wahnsinn getrieben hat, waren die Kochanleitungen. Man bereitet drei verschiedene Teile zu (Fleisch, Gemüse, Beilagen) und diese Anleitungen sind nicht nacheinander aufgelistet, sondern in einer vorgegebenen chronologischen Reihenfolge durcheinander. Im gleichen Absatz wird die Herstellung der Fleischklößchen und in einem Nebensatz das Kochen der Beilage abgehandelt. Die einzelnen Zutaten (allerdings nicht der Gerichtbestandteil auf den es sich bezieht) sind dazu in dem kleinen Text noch gefettet und schaffen zusätzliches Chaos. Mit "schnell mal im Rezept nachlesen" ist es dann nicht sehr weit. Ständig muss man konzentriert auf die unübersichtliche Auflistung in der Broschüre starren, um herauszufinden welchen Zubereitungsschritt man jetzt bei welcher Zutat befolgen soll. Hat bestimmt irgendwie seinen Sinn. Wir kamen damit aber alle irgendwie nicht klar, weil ständig in der Zeile verrutschend.

Abschließend lässt sich für mich aber sagen: Die Lebensmittelbox von Kochzauber ist vom Konzept her eine wirklich geniale Idee und für gestresste Familieninhaber oder auch Singles, die frisch und ausgewogen kochen wollen, aber keine Zeit für Planung und Einkauf haben, eine spannende Alternative. So ein gesundes Zwischending zwischen "Selberkochen" und "Lieferservice". Bestellung, Infomails und Lieferung klappten reibungslos und die Leute waren wirklich nett. Oh. Und geschmeckt hat es natürlich auch.
Auf Dauer und für immer wäre das allerdings nichts für mich persönlich, dafür experimentiere ich zu gerne und halte mich zu ungerne an feststehende Rezepte. Kochen ist ja auch Ausdruck von Kreativität und Erfindungsgabe.

Schnelle Spargeltarte mit Schinken, Thymian und Salbei

Gut, keine Tarte im eigentlichen Sinne. Und eigentlich sollte es auch Blätterteig als Basis sein, aber der war kurz vor Feierabend in zwei Läden nicht mehr zu bekommen und noch zu nem dritten zu rennen - dazu fehlte mir dann die Ausdauer. Die Zutaten sind so pi-mal-Daumen aufgeschrieben und sollten für ein Blech reichen.

Rezept für schnelle Spargeltarte mit Blätterteig/Yufka-Teig

1 Paket Blätterteig oder 2 große Platten Yufka-Teig
500 g weißen Spargel
~ 200 g Champignons
125 g Schinkenwürfelchen
2 Kugeln Mozzarella
5-6 Cherrystrauchtomaten
4 Zehen Knoblauch
Olivenöl
(Rosé-)Weinessig
Kräutersalz
frisch gemahlener Pfeffer
je eine Hand voll frischer Salbei und Thymian

Zubereitung der Tarte

  • Den Yufka-Teig übereinander auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ausbreiten, bzw. die Blätterteigplatten zusammenfügen und auf das Blech geben.
  • Im Falle von Yufka-Teig: Teig dünn mit Olivenöl bepinseln.
  • Das Gemüse putzen/waschen. Tomaten, Pilze und den geschälten Knoblauch in dünne Scheiben schneiden. Den Spargel schälen, das hölzerne Ende entfernen, in zwei Stücke Teilen und dann noch der Länge nach halbieren. Bei besonders dicken Standen längs vierteln. Alles auf dem Blech verteilen.
  • Den Versuch unternehmen, den Schinken und den in in Stückchen geschnittenen/gezupften Mozzarella gleichmäßig über dem Gemüse zu platzieren.
  • Salbei und Thymian waschen, hacken und mit Kräutersalz, Olivenöl, Essig und Pfeffer vermengen. Mit einem Löffel oder Pinsel (ich habe da so eine wischende-tupf-träufel-Methode mittels Pinsel versucht) auf dem vollen Blech verteilen.
  • Im vorgeheizten Backofen bei 175° für 30 Minuten backen.

Backofen-Spargel-Fazit

Ich wollte schon lange mal ausprobieren im Ofen Spargel zu grillieren, statt ihn immer nur durchs Wasser zu ziehen und es war wirklich sehr lecker (selbst mit dem billigen Supermarktspargel, den ich dafür nehmen musste). Dadurch, dass ich Yufka-Teig genommen habe, war es ein relativ leichtes Essen - im Grunde perfekt für Sommerabende. Die Tomaten waren schön aromatisch und entwickelten zusammen mit dem Weinessig eine fruchtig-säuerliche Süße. Die frischen Kräuter traten allerdings geschmacklich eher in den Hintergrund. Man könnte auch sagen, sie fügten sich wunderbar in den großen Zusammenhang ein. 😉
Kleiner Tipp, falls das Gemüse zu viel Wasser abgibt: in den letzten fünf Minuten einen Holzlöffel in die Backofentür klemmen, damit der Kochdampf entweichen kann.