Das “Leander” in Berlin-Friedrichshain – oder auch: der Hauch des Todes

Freitag Abend und soziale Kontakte. Mit ein paar Freundinnen wollte ich mich für ein paar Stunden gemütlichen Quatschens im Leander treffen. ich persönlich war da vorher noch nie. Das Etablissement ist direkt hier in der Nähe und die syrische Lieblingsnachbarin hatte mir da auch schon mal von dem tollen Frühstücksbuffet vorgeschwärmt.

Das Ambiente im Leander

Ich bin da gegen 20.00 Uhr eingetrudelt, die Mädels saßen schon da, das Leander war gut besucht, aber nicht brechend voll, man hat problemlos einen Tisch gekriegt. Das Lokal machte einen sehr sympathischen und gemütlichen Eindruck. So ne Mischung aus Shabby Chic und  altberliner Charme. Sehr angenehm war, dass man sich gut unterhalten konnte und sich nicht über Musik hinweg anbrüllen musste.

Das Essen im Leander

Das war es dann leider  schon an positiven Dingen über die ich berichten kann. Ich saß dann ne ganze Weile dort herum, bevor eine blonde Kellnerin etwas schnippisch an mich heran trat und mich fragte, ob ich “schon” etwas bestellen möge. Ja, wollte ich (auch wenn meine Augenbraue dezent nach oben schnellte). Ein stilles Wasser und mangels Speisekarte fragte ich auch nach dieser. Das Wasser kam verhältnismäßig rasch, ebenso die Karte (in die ich fünf Minuten gucken durfte, bevor sie mir für einen anderen Tisch entrissen wurde). Da die anderen nix aßen, habe ich mich für Knoblauchbaguette (2,50 €) entschieden. Ich dachte mir: och, damit kann man nicht viel falsch machen! Wahrscheinlich hätte mich folgender Text auf der Speisekarte stutzig machen müssen:

“Sehr geehrte Gäste. Unsere Speisen werden frisch und ohne Geschmacksverstärker zubereitet. Deshalb kann es zu Wartezeiten kommen. Wir bitten Sie dafür um Verständnis. Ihr Leander Team”

Ah… ja… Nun ist es ja so, dass ich durchaus erwarte, dass mein Essen ohne Geschmacksverstärker oder sonstigen Scheiß zubereitet wird, sonst müsste es ja auf der Karte vermerkt werden. Aber warum zur Hölle braucht man länger fürs Kochen, weil man kein Glutamat an seine Brühe wirft? Ja, man muss selbstständig etwas gut Essbares herstellen – aber dazu ist man ja schließlich Koch geworden, oder nicht?

Jedenfalls wartete ich auf mein Knoblauchbaguette… und wartete… und wartete… Zwischendrin versuchte eine Freundin verzweifelt die Bedienung auf sich aufmerksam zu machen. Irgendwann rochen wir penetranten Knoblauchgeruch. Nur fünf Minuten nach der Geruchsattacke (und nach “nur” knapp 45 Minuten Wartezeit) wurde mein opulentes Mahl serviert.

Ich blickte etwas konsterniert auf den Teller, wo sich vier Scheiben Baguettebrot zusammen mit ein paar Krümeln Petersilie tummelten. Der Koch hatte wohl seinen guten Tag und wollte mir etwas besonders gutes tun: massenweise Knoblauch. Denn auf das aufgeschnittene Baguettebrot war fett einfach nur pürierter Knoblauch geschmiert, der verdächtig nach industrieller Pampe aussah. Meine eine Tischnachbarin fiel wegen der extremen Geruchsbelästigung beinahe in Ohnmacht, die andere konnte nur schwer ihren Würgereiz bezwingen. Da ich weder Besteck noch Serviette erhalten hatte, brach ich ein Stück Brot ab und begann damit den übelriechenden Knoblauchbrei vom durchweichten Baguette zu kratzen und lustlos daran zu knabbern. Überlegte zeitweise, ob ich meinen Mann anrufen und ihm sagen solle, dass er einige rohe Knoblauchsehen annagen soll, damit er die Nacht im selben Zimmer mit mir auch ja überlebt. Mein Minenspiel ob des ekelerregendsten Knoblauchbrotes ever sorgte am Tisch jedenfalls für reichlich Amusement, gepaart mit Beteuerungen, dass das Essen sonst nicht so widerlich wäre. Naja – per Definition war das Gericht genau das, was auf der Karte stand: Baguettebrot mit Knoblauch. Viel Knoblauch. Keine Butter. Nichts überbacken. Niente. Puristischer Knoblauchgenuss….welch Wonne!

Nach Beendigung meines köstlichen Mahls gönnte ich mir dann – quasi als Dessert – eine Kombination aus Salbeibonbons und zwei Kaugummis, gewünscht hätte ich mir eigentlich einen Grappa. Damit man mich nicht falsch versteht – ich mag Knoblauch. Eigentlich. Aber ich fühlte mich, als hätte ich eine ganze Knoblauchknolle vertilgt und würde den Odem des Todes ausdünsten. Mal ehrlich: was ist denn bitte so schwer daran, essbares Knoblauchbrot herzustellen? Brot rösten, mit ner Knoblauchzehe drüberreiben – fertig. Oder Brot mit Knoblauchkräuterbutter bestreichen, rösten, auf Teller schmeißen – fertig. Oder TK-Knoblauchbrot vom Großhändler kaufen, in den Ofen werfen – fertig. Alles, wirklich ALLES wäre besser gewesen als dieses…. Übelkeit erregende Zeugs. Für Variante eins bis zwei braucht man auch keinen Geschmacksverstärker oder mehr Zeit. Versprochen. Das nennt man dann Kochen. Wäre mal nen Versuch wert.

Wir haben dann jedenfalls bald darauf gezahlt. Mit Todesverachtung habe ich das Trinkgeld gestrichen und nur die verzehrten Sachen gezahlt. Ich habe wirklich für jede Servierkraft Verständnis, die an einem superstressigen Abend mal nicht so schnell kann und leicht genervt ist. Ebenso für längere Wartezeiten bei extrem vielen Gästen. Aber so? No way.

Vielleicht kriegt das Leander irgendwann nochmal ne Chance  – um fair zu sein, das Essen auf den anderen Tellern sah recht lecker aus. Ich wünsch mir dann aber bitte ne andere Bedienung und nen Koch, der nicht verliebt in Knoblauchbrei ist.

Leander
Jungstr. 29
10247 Berlin
Telefon: 030 / 29004803

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