Frühjahrsputz und wie man ohne nerviges Klebezeug Etiketten auf Gläser bekommt

Der Frühling steckt jetzt endlich doch zaghaft seine Nase in die Natur und schafft es, dass die letzten Schneereste wegtauen und wir uns wieder ohne mumienartige Verhüllungen ins Freie trauen können. Und ich? Ich bin gerade voll im Frühlingsausmistwahn. So einen Akutfall hatte ich als ewiges Sammeltierchen, das innigst seine zusammengetragenen Schätze hütet, allerdings wirklich noch nie.

Und während wir gerade mein Arbeitszimmer umräumen, einen Zwischenboden eingezogen und uns zwischendurch noch – zwecks Nichtenkonfirmation – einen Abstecher nach Bochum gemacht haben, und uns jetzt neben der regulären Arbeit langsam durch alle Schränke und Regale sortieren, krame ich mich nebenbei auch noch durch die Küche. Was bedeutet, dass die ganze Wohnung gerade mit Kartons voller Dingen zugestellt ist (ich sage nur Slalomlauf), im Flur zwei leere Regale herumlungern und ich versuche Freunden und Bekannten Zeug und Bücher angedeihen zu lassen, was dazu führt, dass ich mich anhöre wie ein schlechter Verkäufer auf einer Butterfahrt, der versucht synthetische Kamelhaardecken anzupreisen: “Hier! Eine Parmesandose! Totaaaal toll. Hab ich zwar nur zwei Mal in acht Jahren benutzt, aber sowas brauchst du bestimmt unbedingt. Du. Willst. Diese. Dose!”

Aber nebenbei habe ich es geschafft endlich fast alle Vorratsbehälter in der Küche auszutauschen. Vorher stand hier im Küchenregal eine praktische Plastikdosenarmada, die ich kurz nach dem Einzug gekauft hatte. Inzwischen habe ich eine dezente Aversion gegen Kunststoffe entwickelt. Ich mein’ – sie sind praktisch, wir können heute (leider) nicht mehr ohne sie und sie befinden sich überall. Aber ich mag einfach keine Lebensmittel zusätzlich noch auf Dauer in Plastik samt Weichmachern, Bisphenol-A und sonstigen Stoffen lagern. Bei all dem Dreck, den wir uns sowieso willentlich oder unbewusst reinziehen, versuche ich es eben ein wenig zu begrenzen. Mag vielleicht mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein sein und ist sicherlich durchaus auch eine Geldfrage, aber irgendwo muss frau ja mal den Spaten ansetzen, nicht? Stellenweise hatte ich zwar schon Vorratsdosen ersetzt und dem Liebsten auch schon eine Metalldose für das Bürofutter gekauft, jetzt gab es aber mal den Rundumschlag.

Damit es auch schön aussieht (und der Liebste weiß, was im Glas drin ist), habe ich die Gläser mit freien Labels etikettiert. Und das ging sogar ganz ohne grauenhaftes Rumgeschmiere mit Klebestiften, Gefluche oder nicht ganz so schönenem Klebeband – nämlich ganz einfach mit Milch. Die Technik ist wirklich so supersimpel, ich wollte am Anfang auch kaum glauben, dass das funktionieren kann.

Papieretiketten mit Milch aufkleben

  • Etiketten mit dem Laserdrucker ausdrucken & mit Schere auschneiden.
  • Mit Kugelschreiber beschriften.
  • Papieretikett kurz komplett in einem Schälchen mit Milch einweichen.
  • Papier etwas abtropfen lassen/am Rand der Schale abstreichen und dann auf der sauberen Oberfläche des Glases platzieren.
  • Mit einem sauberen Küchenhandtuch vorsichtig andrücken. Überschüssige Flüssigkeit abtupfen (nicht wischen/reiben!) und trocknen lassen.

 

Probiert es aus, hält bombig,  sieht super aus und ist eine schöne Möglichkeit, um kulinarische Geschenke aus der Küche ohne all zu großen Aufwand, aber sehr anschauenswert, zu verzieren. Das Papier der Label wird wieder komplett blickdicht und klebt perfekt am Glas fest. Will man das Etikett wieder lösen, muss man nicht umständlich Kleber abfummeln und stundenlang herumschrubben, etwas Seifenwasser tut hier den Dienst. Kleiner Tipp  noch: Meine ersten Versuche waren mit laktosefreier, fettarmer Milch – das ging gar nicht und das Papier löste sich größtenteils nach dem Trocknen wieder. Ich habe wirklich keinen Schimmer, ob es am geringen Fettgehalt oder der aufgespaltenen Laktose lag – mit 3,5% H-Milch klappte das Ankleben der hübschen Etiketten auf den Gläsern problemlos.

Und zum Abschluss gibt es für neugierige Leserinnen und Leser noch einen Blick in mein großes Küchenregal. Leider bei sehr bescheidenen Lichtverhältnissen fotografiert – aber was solls. Wie man sieht, liebe ich das kreative – aber geordnete – und bunte Chaos. 😉

10 Antworten

  1. Sus

    Coole Idee, muß ich auch mal ausprobieren.

    Ich schätze, es liegt am Kasein-Gehalt der Milch, das wurde früher nämlich auch als Klebstoff verwendet. Und wenn ich bei Wikipedia nachlese, wie laktosefreie Milch erzeugt wird (“Erhitzen, Ultrafiltration und Ionenaustausch von Lipiden, Proteinen und Mineralstoffen befreit, im Vakuum eingeengt und die Lactose kristallisiert.”), kann ich mir vorstellen, daß da kein einziges Kasein mehr am Leben ist.

    Liebe Grüße, Sus

  2. Diandra

    Frühjahrsputz, da sagst du was… bei uns sieht es im Moment so chaotisch aus, dass man niemanden in die Wohnung lassen könnte…

  3. Shermin

    @Sus – Urgs… das klingt furchtbar. Ich dachte bei der Milch wird nur das Enzym Laktase schon zugesetzt. 🙁

    @Diandra – Dito. Wir werden uns am Wochenende mit Müllsäcken und Putzzeug verbarrikadieren und die Wohnung wieder besucherfreundlich machen.

  4. Beltane

    Mensch die Idee ist ja genial.
    Ich ärgere mich ständig über festgeklebte Etiketten auf z.B. Marmeladengläsern, die auch den 10. Gang aus der Spülmaschine leider überlebt haben, so daß die Tochter denkt: Mama ist die Marmelade schon 4 Jahre alt?…..
    Das muss ich ausprobieren!

    Liebe Grüße,
    Beltane

  5. Shermin

    @Beltane – Ganz genau deswegen fand ich die Idee auch so klasse. Mich ärgert es ja schon immer, wenn ich ewig und drei Tage Etiketten von gekauften Gläsern abschrubben oder anderweitig abpfriemeln muss.

  6. multikulinaria

    Danke für den Tipp! Milch, genial! Das probiere ich aus. Vor allem auf’s leichte Ablösen freue ich mich bereits…

  7. die Handmaid

    Danke für den tollen Tipp! Ich hatte diesen Artikel schon vor einiger zeit gelesen und mich jetzt gerade rechtzeitig daran erinnert, als es an das Etikettieren von Holundersirup und -likör ging. Wirklich praktisch, das 🙂
    Ich benutze übrigens als Etiketten zurecht geschnittene Papiertüten, in denen man im Bioladen Obst, Gemüse und Brot bekommt. Gibt eine schöne rustikale Optik und spart Müll 😉

  8. Shermin

    Ah, das ist natürlich eine schöne Idee. Schreibst du dann mit Kugelschreiber drauf oder zwingst du das in den Drucker? Gibt’s Bilder?

  9. Maren

    Hallo Shermin,

    die Idee “der Handmaid”, einfach die ungewollten Papiertüten als Etiketten zu benutzen, ist absolut großartig!
    Ich habe mich schon häufiger gefragt, wie man sie vielleicht noch wiederverwerten könnte und habe sie meist als “Komposttüte” für den Biomüll verwendet.
    Neulich hatte ich auch mal wieder Gläser zu etikettieren und machte mir mal wieder über das gleiche Übel wie Du Gedanken. Ich habe mich statt Milch als Kleber für Mehl entschieden, da mir das doch ökologisch wertvoller erschien.
    Hergestellt habe ich den Mehlkleber nach diesem Rezept: http://www.labbe.de/zzzebra/index.asp?themaid=315&titelid=704
    Ich habe dann einfach die Papierstreifen mit einem Pinsel dünn mit dem Kleber bestrichen und angebracht. Nach einer halben Stunde Trockenzeit saß alles bombenfest, absolut großartig!
    Der Kleber ist freilich wasserlöslich und somit auch wieder sehr einfach zu entfernen. Ich bin gespannt, wie lange sich der Kleber hält.

    LG, Maren

  10. Shermin

    @Maren – Ja, inzwischen nehme ich auch seit einer halben Ewigkeit immer die braunen Obsttüten vom Biomarkt als Etiketten. Das hat einen wunderbaren Charme und wenn das Etikett etwas schief geschnitten ist, nimmt es einem das nicht übel. 😉
    Ich hatte dein Kommentar nur schnell überflogen und gar nicht in den Link geguckt. Als ich dann letztens Papier auf Gläser kleben wollte, habe ich einfach Mehl mit kaltem Wasser gemischt und das genutzt. Hat perfekt funktioniert und sitzt superfest. Geht also auch ohne Kochen. 😉

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