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Arabischer Kichererbsensalat

Letzten Freitag, nachdem ich das Kind mit dem Lastenrad in der (leider weit entfernten) Kita eingesammelt hatte, waren wir in einem Friedrichshainer Park. Die Temperaturen waren zum ersten Mal wieder im zweistelligen Bereich - und zwar ohne dass wir vom kalten Wind erfroren. Um das zu kompensieren, schleckten wir Erdbeereis und tobten mit dem Roller durch den Park (okay, naja, zumindest eine*r von uns 😉 ), die ersten Bäume zeigten zaghafte grüne Spitzen, einige sogar Blüten. Die Frühlingslust hatte nicht nur uns und die Pflanzen, sondern auch den Rest der Menschen erfasst.

Es war Spätnachmittag und der Park war bei 13° und dafür, dass er derzeit immer noch nur den winterlichen Flair einer sanft begrünten Steppenlandschaft besitzt, echt gut besucht: Kinder spielten, Erwachsene unterhielten sich, Hunde rannten schnüffelnd umher, die Punks prosteten sich lachend auf der Wiese zu - und es wäre nicht Berlin, wenn nicht tatsächlich der erste Grill angeschmissen worden wäre. Bratwürstchenduft umkringelte sogar von zwei Seiten meine Nase und ließ mich an die Grillzeit denken. Also an die im Sommer, wenn es dann wirklich warm ist. 😉

Was mich an dieses wirklich sehr alte Rezept mit Kichererbsen von mir erinnerte, das ich vor über zehn Jahren in einem (nicht mehr existierenden) Online-Magazin veröffentlicht hatte. Man möge mir deswegen die extrem schrömmeligen Bilder nachsehen. Ich mache ganz, ganz bald endlich mal neue Fotos und dann werden diese urtümlichen Dinger im Stil eines 70er-Jahre-Kochbuchs ersetzt. Versprochen.

Rezept für arabischen Kichererbsensalat

Orientalischer Salat mit Kichererbsen

Ob als Vorspeise oder Hauptgericht: Kichererbsen (lat.: Cicer arietinum) sind Multi-Talente und finden oft Verwendung in der arabischen Küche. Natürlich habe ich noch ein paar mehr Rezepte mit ihnen in meinem Foodblog. Zum Beispiel für Falaffeln oder Hummus.

An einem warmen Sommerabend - aber natürlich auch im Frühling! - schmeckt ein frischer Salat aus Kichererbsen toll zu frisch gegrilltem Fleisch, Fisch oder vegetarischen Alternativen. Man kann ihn als arabisches „Tapas“ nutzen, als würzige Beilage reichen oder – mit leckerem Brot dazu – eine ganze vegane Mahlzeit davon bestreiten. Kichererbsen finden sich in den Rezepten der traditionellen deutschen Küche – die ja eigentlich eine große Liebe für Hülsenfrüchte hat – eher selten. Dabei taucht die verkannte Erbse unter anderem schon in mittelalterlichen Kräuterbüchern und Schriften als schmackhaftes Heilmittel auf – zum Beispiel bei Hildegard von Bingen. In arabischen Ländern, Indien und Mexiko, werden sie heute oft in Form von Eintöpfen, zu CousCous, Gemüse, frittiert oder als cremige Paste, die auf Brot gestrichen wird, genossen. In den letzten Jahren hat sie aber wieder Einzug ins Bewusstsein gefunden und bei den meisten Lebensmittelmärkten und einigen Drogerieketten zu bekommen.

Die Kichererbse ist eigentlich nicht näher mit der uns bekannten grünen Erbse verwandt – obwohl beide zur Familie der Hülsenfrüchte gehören. Es wird angenommen, dass die Kichererbse schon vor 80000 bis 10000 Jahren im Orient als schmackhafte Nutzpflanze angebaut wurde. Archäologische Funde und in der Antike dann Schriften über den Ackerbau, belegen ihre Nutzung als sättigendes und leckeres Gemüse . Im Altertum soll sie der Göttin Venus heilig gewesen sein, daher auch die Bezeichnung „Venuskicher“.

Wer sich tapfer der monumentalen Aufgabe stellen und statt Dosenerbsen lieber die getrockneten Kichererbsen verwenden will, muss diese mindestens 12 Stunden in kaltem Wasser einweichen. (Hier bitte darauf achten von vorn herein Schüsseln zu wählen, die groß genug sind, die Erbsen quellen noch stark auf.) Danach wird das Wasser weggegossen und die Erbsen werden nochmals drei Stunden lang gekocht, bevor sie weiterverarbeitet werden können.

Rezept für arabischen Kichererbsensalat

1 kleine Dose gekochte Kichererbsen (Abtropfgewicht ca. 300 g)
1 Bund glatte Petersilie
1 kleine Zwiebel
3 Knoblauchzehen
4 aromatische Tomaten
½ - 1 Paprika
1, 5 EL Olivenöl
Saft von ½ - 1 Zitrone
Chili oder Harissapaste, Pfeffer, Paprikapulver (edelsüß), Salz

Zubereitung

  • Die Dose öffnen, die Kichererbsen abgießen und in eine Schale geben.
  • Die Zwiebel, die Tomaten und die Paprika fein würfeln und mit den Kichererbsen vermischen.
  • Die glattblättrige Petersilie waschen, die groben Stängel entfernen und das ganze grob hacken (ein Wiegemesser bietet sich an).
  • Die Knoblauchzehen putzen und ganz fein hacken. Wahlweise kann man sie mit der Knoblauchpresse auch direkt in den Salat drücken.
  • Jetzt einen reichlichen Schuss gutes Olivenöl in den Salat geben und den Zitronensaft hinzu fügen. Ich persönlich mag es etwas säuerlicher, aber das geht ja nicht jedem so.
  • Alles gut durchmixen und mit ein wenig Chilipulver oder etwas Harissa, frisch gemahlenem Pfeffer, Paprikapulver und Meersalz abschmecken.
  • Etwas durchziehen lassen und eventuell nachwürzen.

Zubereitung von arabischem Kichererbsensalat

Im Kühlschrank hält sich ein solcher Salat gut verschlossen auch gut einen Tag lang knackig frisch. Allerdings sollte man das Behältnis wirklich gründlich und sorgfältigst verschließen – die Gefahr einer geschmackstechnischen Knoblauchverseuchung aller Lebensmittel im Kühlschrank ist sonst einfach zu groß.

Knabberkram: Scharfe Blätterteigschneckchen mit Harissa

Ich weiß nicht, ob das auch bei euch in der Familie oder dem Freundeskreis zu trifft, aber bei mir ist es so, dass es mindestens immer einen Menschen gibt, der lieber was Herzhaftes knuspert anstatt zu nem Stück Kuchen zu greifen.

Rezept für Blätterteigschnecken mit Harissa

Unvorstellbar? Gar nicht mal so sehr. Selbst ich Schokoholic greife beim Kaffeetrinken gerne nach was Salzigem, um nicht der Versüßung anheim zu fallen. (Bin ja auch schon süß genug, wa?) Und wenn die Familie zum Kaffee zusammenkommt, weiß ich, dass ich meinem Schwiegervater mit unsüßem Knabberzeug eher einen Gefallen tue, als mit nem Lemon Meringue Pie. 😉 Also halte ich immer was kleines Selbstgemachtes für ihn bereit.

Fingerfood: Rezept für Blätterteigschnecken mit HarissaFingerfood: Rezept für Blätterteigschnecken mit Harissa

Fingerfood: Blätterteiggebäck zum Wegknabbern

Wie zum Beispiel diese leckeren Blätterteigschnecken mit Käse, Schinken, Tomatenmark, Thymian und Harissa. Da ich hier auf gekauften Blätterteig zurückgreife, sind sie wirklich schnell gebacken - nicht zu aufwändig aber dennoch selbstgemacht. Blätterteiggebäck ist jetzt zwar nicht gerade ein diätisches Lebensmittel (als ob es das hier auf dem Blog mit Absicht gäbe...), aber es steht ja auch nicht täglich auf dem Ernährungsplan. Die Harissa-Schnecken machen sich auch gut als Partygebäck, essbares Mitbringsel oder eben als netter Knabberkram für einen Abend mit Freunden und nem netten Craftbeer. Die kleinen Gebäckstücke eigenen sich bestimmt auch für Kinder / Kindergeburtstage - dann natürlich ohne Harissa.

Was ist eigentlich Harissa?

Harissa* ist eine scharfe Würzpaste, die ursprünglich aus dem Maghreb stammt (Tunesien, Marocco, Libyen, Algerien) und dort in der täglichen Küche fast überall Verwendung findet. Quasi sowas wie das arabische "Maggi" - nur dass es sich hier um eine aromatische und sehr scharfe Paste aus zerriebenen Chilischoten, Knoblauch und Koriandersaat handelt, nicht um eine braune Würzsauce. Aber vielleicht hilft ja dieser grobe Vergleich. In Deutschland sind in orientalischen Lebensmittelgeschäften meist auch Tuben mit dieser Gewürzpaste aus Tunesien erhältlich. Wer nicht an Harissa herankommt, kann im Notfall auch einfach ein wenig Chilipulver zum Würzen des Tomatenmarks nehmen. Zusätzliches Salz ist nicht notwendig, Schinken und Käse sind herzhaft genug. Wer jetzt neugierig ist, kann ja auch noch mein Rezept für Batata Harra (arabische Ofenkartoffeln) mit Harissa ausprobieren.

Fingerfood: Rezept für Blätterteigschnecken mit Harissa

Rezept für scharfe Blätterteigschnecken mit Harissa

1 Paket TK Blätterteig (6 Platten)
6 Scheiben milder Schnittkäse (zum Beispiel Gouda)
6 große Scheiben Prosciutto oder ein anderer roher, dünn aufgeschnittener Schinken
3 EL (gehäuft) Tomatenmark
1 TL (gehäuft) Harissa*
getrockneter oder frischer Thymian

Zubereitung

  • Den Blätterteig nach Packungsanweisung auftauen lassen.
  • In einem Schälchen das Tomatenmarkt gründlich mit der Harissa vermischen
  • Ist der Blätterteig aufgetaut, bestreicht man jede Teigplatte dünn mit der scharfen Tomatenpaste. Das geht mit einem einfachen Buttermesser als Hilfsmittel sehr gut.
  • Hierauf jetzt jeweils eine Schinkenscheibe legen. Die Länge und Breite des Schinkens sollte der Größe der Blätterteigplatte entsprechen. Ist dies nicht der Fall, kann man natürlich auch zwei oder mehr Scheiben nebeneinander legen.
  • Großzügig den gewaschenen, abgezupften frischen Thymian oder getrocknete Blättchen über den Schinken streuen.
  • Die Käsescheiben auflegen. Sie müssen nicht die volle Länge des Teiges bedecken, sollten aber in der Breite nicht über den Rand ragen.
  • Mit sanftem Druck den Blätterteig nun samt Füllung von der schmalen Seite her aufrollen.
  • Die Teigrollen mit einem scharfen Messer in circa 1,5 cm dicke Scheiben schneiden, mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen und auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen bei 175° (Umluft) ungefähr 20 Minuten backen, bis sie goldbraun sind.

Harissa Food Label [Werbung**]

Im Rahmen der Grünen Woche hier in Berlin war ich im Januar zu einem Event im Kochhaus (An dieser Stelle: Wirklich supernette Servicekräfte. Danke für den schönen Abend!) eingeladen. Wir kamen an diesem Abend zum Kochen zusammen, um über das "Food Quality Label Tunisia" informiert zu werden. Unter diesem Namen haben sich sieben Herstellerfirmen zusammengeschlossen, die sich selbst verpflichten nach traditionellem Rezept (5 Zutaten: Chilis, Knoblauchpaste, Koriandersaat, Kümmel & Salz) und mit besonderer Nachvollziehbarkeit und Transparenz in der Produktion zu arbeiten. Ein Zwischending aus Produktschutz (sehr zum tunesischen Leidwesen produzieren nämlich inzwischen auch europäische Firmen harissaartige Würzsaucen mit einer ellenlangen Zutatenliste), dem Drängen auf den europäischen Markt (wodurch die Qualität einheitlicher und der Hygienestandard gehobener sein muss) und Sicherung und Stabilisierung von an Arbeitsstellen. Die beteiligten Hersteller waren auch mit Mitarbeiter/innen vor Ort und man kam rund ums Kochen und Essen etwas ins Gespräch. Unter Anleitung des Kochs (dessen Name ich leider verdrängt habe - leider gab es nur Platzkärtchen und keine Namensschildchen zum Anpinnen..) zauberten wir ein wunderbares Mehrgangmenü. Besonders überrascht hat mich hierbei das Dessert. Das etwas zu saure Himbeerzeug habe ich nicht weiter beachtet, aber das Schokoladenmousse mit Harissa war tatsächlich göttlich. Und dabei hasse, hasse, hasse ich sonst Schokolade in Verbindung mit Chili. Viele Hersteller gehen da geschmacklich schlicht brachial vor - aber hier kam es als runde Note, mehr als sanfte Ahnung, zum Schluss zur Geltung, nachdem die Schokolade auf der Zunge zergangen war. Ich bin ja immer bereit, mich kulinarischen Belehrungen zu beugen und kleine Offenbarungen hinzunehmen, hier ist es mal wieder geschehen.

Kochen mit Harissa

Und für die Neugierigen folgen hier noch ein ein paar Fotos von mir beim Kochen. Hauptsächlich Bilder, auf denen ich äußerst finster und wenig dekorativ auf Lebensmittel starre. Nein, die armen Dinger haben mir nichts getan - auch wenn das Schälen der gerösteten Paprika einem mittelschweren Massaker glich. So gucke ich einfach, wenn ich mich konzentriere. 😉 Und wer genau hin schaut, findet auch Franziska von Dynamite Cakes, die mit mir zusammen beim Event war. Sie war auch so nett, das Foto von mir, der aufgespießten Garnele in Zwiebelkeimlingstroh und meiner Augenbraue zu machen und mir zur Verfügung zu stellen, welches sich in der oberen Bildcollage zusammen mit meinen Instagram-Schnappschüssen des Abends tummelt.

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** Werbung. Ich kennzeichne diesen Part meines Artikel, weil wir dort zum Essen geladen waren. Geld ist keines geflossen, meine Meinung bleibt davon auch unberührt.

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Lagerküche: Hais – Energy Balls aus dem Mittelalter

Die letzten anderthalb Wochen habe ich mit Mann und Baby in einem Reiselager des 13. Jahrhundert anlässlich des ersten Hochmittelaltertreffens im Kloster Jerichow - das ich auch mitorganisiere - zugebracht.  Ich habe mir damit endlich meine schon seit 20 Jahren bestehende Sehnsucht nach authentischem Mittelalter-Reenactment erfüllt, aber natürlich fand ich größenwahnsinnigerweise Berlin im 13. Jahrhundert nicht spannend genug und habe mich für die allererste Gewandung auf eine Gewürzhändlerin aus Byzanz versteift, die es auf Umwegen herverschlagen hat. (Was so abwegig gar nicht ist - wie mir ein Lokalhistoriker erklärte, gab es zum Beispiel zwischen dem Kloster Jerichow und Byzanz mehrere Reisen zu Zeiten Barbarossas zwecks Eheverhandlungen.)

Hais: Arabische Süßigkeit nach einem Rezept aus einem Kochbuch des Mittelalters

Die Quellenlage für Frauenfiguren aus der nichtadeligen Schicht ist allerdings relativ bescheiden. Weshalb ich die letzten anderthalb Jahre auch mehr mit der Nase in diversen Bücherstapeln verbracht habe, als mit der Nähnadel in der Hand. Wer mir auf Instagram folgt, wird meine hektischen Kampfnähattacken kurz vor dem Treffen und ein paar Fotos aus dem Lager sicherlich schon gesichtet haben. Auf meinem Handarbeitsblog Fiberspace werde ich im Laufe der nächsten Wochen auch sicherlich noch ausführlicher was zu meiner Klamotte schreiben. An dieser Stelle nochmal einen großen Dank an die Handmaid für ihre Nähdienste beim Liebsten und ihre Hilfe bei mir.

Hais: Arabische Süßigkeit nach einem Rezept aus einem Kochbuch des Mittelalters

Arabische Süßigkeiten

Aber zurück zum Kochen: Natürlich wurde auch auf offenem Feuer in Feuergruben gekocht und mit authentischem Kochgeschirr, das dem aus dem 13. Jahrhundert nachempfunden ist. Und ebenso natürlich konnte ich meine Fingerchen natürlich nicht still halten und habe selbst bei einigen Gerichten Hand angelegt. Zuletzt hatte ich bei einem Lager vor 14 Jahren auf offenem Feuer gekocht und dann jetzt direkt in solchen Mengen mit ungetesteten Rezepten - es war also schon ein wenig aufregend für mich und ich war anfangs etwas unsicher. (Der Liebste erklärte mir gestern, dass mein Fluchpegel an den Tagen doch ein wenig.. erhöht war. Ähem... 😉 ) Und mit den mittelalterlichen Energy Kababs dann auch noch ein noch nicht getestetes und von mir modifiziertes Rezept - auch wenn hier die Zutaten nur gehackt und nicht gekocht werden müssen. Immerhin habe ich schon oft meine modernen Energiebällchen gemacht und es mir deswegen mit Nachbesserungen on the fly zugetraut.

Reenactment: byzantinische Gewürzhändlerin_sOrientalische Süßigkeit: Zubereitung von Dattelröllchen_s

Das Kitâb al Tabîkh: Reiseproviant aus dem Mittelalter

Da meine Gewürzhändlerin aus Byzanz kommt, wo diverse Warenströme und Kulturen zusammenflossen, konnte ich zu der geliebten Neuübersetzung des Kitâb al Tabîkh (Book of Dishes/Das Buch der Gerichte)* greifen. Ich hatte bei dem Rezept für Rishta bi Adds (die übrigens auch - mit kleiner Variation, die demnächst im Rezept ergänzt wird - von mir die Lagerfeuertauglichkeit bescheinigt bekommen) schon ausführlich etwas zu diesem aus Baghdad stammenden Kochbuch aus der Feder von Muḥammad bin al-Ḥasan bin Muḥammad bin al-Karīm al-Baghdadi geschrieben. Und ich bin immer wieder überrascht, wie aktuell und gut die fast 800 Jahre alten Rezepte sind und wie sie sich auch heute noch in der arabischen Küche wiederfinden. (Kann man ja von mittelalterlichen deutschen Rezepten jetzt nicht so wirklich behaupten. Und nein, Schwein am Spieß zählt hierbei nicht.) Ihr werdet jedenfalls in den nächsten Jahren sicherlich noch einiges aus meinem kleinen Lieblingskochbuch zu lesen bekommen.

Auf Wunsch eines einzelnen Schmieds folgt jetzt ein Pi-mal-Daumen-Rezept, das meine moderne Umsetzung des arabischen Rezeptes aus dem 13. Jahrhunderts ist. Al-Baghdadi weist in seinem Rezepttext sogar darauf hin, dass diese Süßigkeit besonders gut für Reisende ist - sehr passend also für unser Reiselager. Da ich vor Ort keine Waage hatte, kann ich die Mengen nur ungefähr wiedergeben. Geschmacklich waren diese Energy Balls übrigens wirklich total lecker, weswegen ich auch von Rezeptgierigen  zu diesem Blogeintrag genötigt wurde. Mengenmäßig: Es wird viel. Wir haben mit vielen ein paar Tage davon genascht. Aber so ist es ja auch gedacht. 😉

Infos & Unterschiede zum Originalrezept aus dem Kitab Al-Tabikh

  • Das Originalrezept verlangt nach getrocknetem, zerriebenen Brot von exzellenter Qualität oder Keksen. Normales Semmelmehl passte für mich nicht, deswegen habe ich zu japanischem Panko gegriffen (das Brotzeug, das außen am frittierten Sushi klebt ;)), was erstaunlich gut funktioniert hat. Das Brot war überhaupt eine sehr nette Ergänzung, da ich zur besseren Formbarkeit Öl und kein Wasser hinzu gab, war es auch noch nach Tagen knusprig.
  • Al-Baghdadi verlangt nach gemahlenen Mandeln und Pistazien, ich habe Haselnüsse gewählt.
  • Im Original wird Sesamöl verwendet, das durch Braten von Gewürzen aromatisiert wird. Da gerade Zimt sowas nicht so gerne mag, habe ich die Gewürze direkt hinzugegeben und geschmacksneutrales Sonnenblumenöl verwendet. Als weitere Alternative wird geklärte Butter genannt, da sehe ich aber das Problem, dass diese bei Wärme und ungekühlter Lagerung eventuell leicht ranzig werden kann.
  • Da ich nicht genug Datteln hatte, habe ich zusätzlich softe getrocknete Pflaumen genutzt.
  • Im Originalrezept werden die Kababs anschließend in Puderzucker gewälzt. Davon habe ich abgesehen, da Zucker Feuchtigkeit zieht.
  • Charles Perry übersetzt "Kabab" (das beschreibt die Form) so, dass man Bällchen formen soll. Das geht a) wegen der Konsistenz schlecht. Das Rollen funktioniet nicht, das Zusammenpressen zu  länglichen Gebilden im Handteller hingegen schon. b) Kababs kenne ich (aus dem herzhaften Bereich) immer als länglichere Gebilde. Vielleicht kennen einige von das Wort ja zum Beispiel vom Schisch Kebap. Also im Grunde mehr Energy Röllchen als Balls.
  • "Hais" bedeutet aus dem Arabischen übersetzt so viel wie "Mischung" - schon sehr treffend. 😉

Rezept für Hais: Arabische Süßigkeit nach einem Rezept aus einem Kochbuch des Mittelalters

Reiseproviant aus dem Mittelalter
Rezept für "Hais" - Energy Balls/Dattelröllchen

300 g - 400 g Datteln
500 g softe Trockenpflaumen
400 g gemahlene Haselnüsse
100-150 g Panko*
Sonnenblumenöl
1-2 TL frisch und fein gestampfter Kardamom
2 TL Ceylon-Zimt*
100-200 g gemahlene Haselnüsse zum darin wälzen

Zubereitung

  • Falls nötig, die Datteln in eine Schale geben, mit heißem Wasser überbrühen und mindestens 15 Minuten ziehen lassen, damit sie wieder softer und nicht zu faserig sind. (Al-Baghdadi empfiehlt frische Datteln oder eben mazerierte getrocknete)
  • Die Datteln entkernen, fein hacken und in eine große Schüssel geben.
  • Ebenso mit den Pflaumen verfahren.
  • Haselnussmehl, fein gemahlene oder gestampfte Gewürze und das Panko hinzugeben. Mit den Händen alles gut miteinander verkneten. Abschmecken.
  • Sehr wahrscheinlich (das hängt eben auch von den von euch verwendeten Trockenfrüchten, Nüssen und dem Panko ab) wird die Masse jetzt noch etwas zu bröselig sein, um sie mit den Händen zu Kugeln oder kleinen Würstchen (Kababs) zu formen. Gebt 2-3 EL Öl hinzu, arbeitet es ein, macht eine Probe und ergänzt dann falls nötig weiter mit Sonnenblumenöl.
  • Die Masse aus Trockenfrüchten und Nüssen in der Hand zu länglichen kleinen Gebilden (Kabab) pressen, bei mir sahen sie am Ende wie größere Datteln aus, und in Haselnussmehl wälzen, damit sie später nicht aneinander kleben.
  • In einer Dose trocken und kühl lagern.

Tipp: Wer die Mengen nicht im Mittelalterstyle bezwingen will und eine moderne Küche greifbar hat, kann natürlich die Trockenfrüchte einfach in einem Foodprocessor zerkleinern. Und da wir uns im Lager mit einem Holzmörser abquälten: Zuhause mörsere ich mir nicht (mehr) stundenlang nen lahmen Arm mit so nem Teil, sondern werfe die Saaten und Gewürze einfach schnell in meine geliebte elektrische Kaffeemühle*.

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Ab ins Mittelalter – Rishta bi Adds: Arabische Butternudeln mit Hülsenfrüchten

Auch in orientalischen Ländern wird tatsächlich Pasta gegessen. Ich erinnere mich immer noch innigst an den genialen Makkaroni-Tomaten-Auflauf, den die Mama meiner aus Ägypten stammenden Freundin zu Grundschulzeiten immer für uns gemacht hat - den haben wir Kinder einfach geliebt.

Orientalische PastaFür dieses Gericht habe ich wieder tief in eines meiner Lieblingskochbücher, Claudia Rodens "The New Book of Middle Eastern Food"*, geblickt. Eigentlich heißt das Gericht in korrekter Übersetzung ja "Nudeln mit Linsen".  ("Adds" = Linsen). Da ich dieses genial-simple und absolut gute Gericht aber zuerst mit eingekochten Bohnen aus der Dose gemacht habe, wäre die richtigere Bezeichnung wohl eher sowas wie "Rishta bi Ful". Aber wir wollen hier mal nicht kleinlich sein. Die Version mit getrockneten Linsen haben wir inzwischen natürlich auch schon längst gekocht, beide Varianten sind im Rezept genannt. Mir persönlich schmeckte die Version mit den Wachtelbohnen/Borlottibohnen besser, was aber vielleicht daran liegt, dass ich keine große Linsenliebhaberin bin. Mit Kichererbsen kann ich mir das Gericht übrigens auch hervorragend vorstellen.

Arabische Nudeln mit HülsenfrüchtenUnd damit habe ich direkt Gelegenheit, um hier ein wenig Nahrungsmittelhistorie am Rande einzufügen. Die Bezeichnung "Rishta" für Nudeln war mir bis dato unbekannt. Claudia Roden schreibt erklärend, dass Pasta schon im antiken Persien bekannt war und auch in arabischen Kochbüchern aus dem Mittelalter vorkommt. "Rishta" stammt aus dem Persischen und bedeutet ursprünglich eigentlich Faden. Gemeint ist hiermit tagliatelleartige, also breitere Pasta und keine Spaghetti und Anverwandte. Der Koch "Al-Baghdadi" beschreibt sie in seinen Anmerkungen als riemchenartig.

Vor kurzem bin ich nämlich ganz begeistert in dem kleinen Artikel "Babylonian Breakfast" von Felicia Campbell über die Erwähnung des "Kitab al-Ṭabīkh", dem "Buch der Gerichte" gestolpert.
(Edit: Sie bezieht sich auf das gleichnamige Kochbuch aus dem 10. Jahrhundert. Hier gibt es einen sehr lesenswerten und ausführlichen Artikel von Charles Perry dazu. Die preisgekrönte Übersetzung von Newal Nasrallah "Annals of the Caliphs' Kitchens: Tenth-Century Baghdadi Cookbook"* ist bestimmt lesenswert - aber auch recht üppig im Preis.)
Der Autor des Kochbuches aus dem 13. Jahrhundert, ist Muḥammad bin al-Ḥasan bin Muḥammad bin al-Karīm al-Baghdadi, meist einfach - wer kann es bei dem langen Namen verdenken - "Al-Baghdadi" genannt. Das Originalmanuskript hiervon hat das Wirrwarr der Zeiten in der Türkei überlebt und hat dort laut dem Übersetzer Perry auch stark die landestypische Küche beeinflusst. Das erste türkische Kochbuch, das dann wiederum erst im 15. Jahrhundert erschien, ist quasi eine Übersetzung ins Türkische, samt ein paar ergänzenden Gerichten.

Ich war sofort Feuer und Flamme und - den Göttern sei Dank - gibt es seit ein paar Jahren ein schmales, preiswertes, englischsprachiges Büchlein in einer komplett korrigierten Neuübersetzung von Charles Perry. Was soll ich sagen? Die Historikerin in mir gab ein begeistertes Quietschen von sich, das  verdächtig wie das eines 15jähriges Fangirl klang und schwupps, lag das "Baghdad Cookery Book: The Book of Dishes (Kitab Al-Tabikh)"* in meinem virtuellen Einkaufswagen. Natürlich ist es ohne Bilder, aber ich finde es absolut spannend. Die Rezepte entfalten sich beim Lesen in meinem Kopf und ich finde es faszinierend, wie viele Sachen nach immerhin 800 Jahren problemlos in die heutige Zeit übertragbar sind und sich im Stil oder sogar fast unverändert in der orientalischen Küche wiederfinden. Ganz im Gegensatz zu so manchen europäischen Rezepten, die in mittelalterlichen Rezeptsammlungen überliefert sind. Meine Freude, als ich hier zudem noch auf  ein Rezept für "Rashta" stieß - einen dicken Eintopf mit Fleisch, Linsen und handgemachten Nudeln, ist wohl vorstellbar.

How to cook Rishta bi AddsMeine Mutter erzählte mir zudem, dass meine Eltern - als sie dieses Jahr im Frühling in Kurdistan waren, um Newroz zu feiern - auch ein Gericht mit Nudeln und Linsen aßen. Ich finde es ist eine ungewöhnliche, aber sehr gute Kombination - und die Menschen aus dem arabischen Raum sind ja nicht die Einzigen, die hierauf kamen, ich sage nur Linsen und Spätzle - quasi das kulinarische-schwäbische Nationalheiligtum. 😉

Und jetzt - nach all dem Geschichtsunterricht, geht es zu dem Rezept für dieses wunderschöne, buttrige Wohlfühlgericht. Es ist schnell gemachtes arabisches Soulfood, bei dem man nach der letzten Gabel mit einem zufriedenen kleinen Seufzen das Besteck beiseite legt.

Butternudeln mit Linsen/Hülsenfrüchten [Rishta bi Adds] (für 2 Personen)

250 g Tagliatelle (in ca. 2,5 cm lange Stücke gebrochen)
1 Tasse getrocknete braune oder grüne Linsen (gewaschen) /Alternativ: 1 Dose Wachtelbohnen, Abtropfgewicht 400 g
2 mittlere Zwiebeln (fein gehackt)
40 g Butter
1 EL neutrales Öl
2-3 Zehen Knoblauch (grob gehackt)
1 TL frisch gemahlene, getrocknete Koriandersaat
Pfeffer, frisch gemahlen
Meersalz

Zubereitung

  • Die geputzten und fein gehackten Zwiebeln in einer kleinen Pfanne mit dem Öl golden braten.
  • Knoblauch und den gemahlenen Koriander hinzufügen und mit anbraten, bis er anfängt zu bräunen. Dann die Pfanne vom Herd nehmen.
  • Die Linsen ohne Salz in reichlich Wasser für 10 bis 15 Minuten auf mittlerer Flamme köcheln lassen, bis sie weich sind. Er jetzt salzen, sonst  bleiben sie hart.
  • Die Nudeln zu den Linsen geben , gar kochen und alles durch ein Sieb abgießen. (Werden Dosenbohnen genutzt, werden nur die Nudeln gekocht, kurz vor Ende der Garzeit die abgegossenen Wachtelbohnen zum Erwärmen dazu gegeben und dann wie im Rezept weiterverfahren.)
  • Alles wieder zurück in den Topf geben und mit den gebratenen Gewürzzwiebeln und der Butter vermengen,  bis diese geschmolzen ist.
  • Mit Pfeffer und Salz abschmecken, in einer flachen Schale anrichten und servieren. Fattoush eignet sich noch als kleine, knackige Beilage.

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Mahallebi: Arabischer Milchpudding mit Kardamom

Darf ich vorstellen? Mein neues Lieblingsdessert: Mahallebi. Im Grunde handelt es sich hier um nichts anderes als normalen Pudding, den die meisten Menschen hierzulande ja mit Vanillearoma und aus der Tüte von dem Doktor in Bielefeld kennen. Nur in diesem Falle halt selbst zusammengerührt, nicht aus der Tüte, frei von künstlichen Aromastoffen und mit wundervoll frischem, duftigen Kardamom verfeinert. Diesen arabischen Pudding gibt es in unzählbaren Varianten im ganzen Orient und jede Familie hat wohl ihr eigenes Lieblingsrezept.

Mahallebi: arabischer PuddingMir und dem Liebsten schmeckt er ja lauwarm am besten. (Hey, jemand muss ja die Reste aus dem Topf retten! ;)) Wenn man ihn aber stehen und im Kühlschrank richtig fest werden lässt, dann ist Mahallebi ein angenehm kühlendes Dessert für warme Sommertage. Er wird so fest, dass  man ihn auch für (vorher kalt ausgespülte) Puddingförmchen nutzen und nachher dekorativ stürzen kann.

Arabischer Kardamompudding

Mahallebi - Milchpudding mit KardamomIch kann übrigens stolz verkünden, dass ich inzwischen übrigens auch die höheren Mahallebi-Weihen besitze, da ich - die ich sonst keinen klümpchenfreien Pudding hin bekomme (was vielleicht auch daran liegt, dass ich Klümpchen im Pudding eigentlich sehr gerne mag...) -  ihn mehrfach in 2,5 L-Dosis für Gäste gekocht habe. Ich kann somit auch berichten, dass eher an europäische Gerichte gewöhnte Gaumen den Kardamompudding sehr, sehr gerne mochten.

Mahallebi - orientalisches DessertDer orientalische Milchpudding kann aber nicht nur mit Kardamom aromatisiert werden. In vielen Rezepten kommt statt dessen auch ein Teelöffelchen Rosenwasser oder Orangenblütenwasser zum Zuge. Manchmal auch mit etwas Kardamom kombiniert. Hier lohnt sich einfach ein Austesten. Schokoladensauce oder Karamellsauce dazu ist ein nettes, aber nicht zwingend notwendiges Add-on. Wenn man statt Kardamom einfach etwas Vanillemark und Kurkuma zur Färbung rein gibt, kann man so auch wunderbaren Vanillepudding produzieren - gänzlich ohne Tüte.

Zu dem Rezept angeregt wurde ich, als ich mal wieder durch das "Iraqi Family Cookbook"* blätterte, das ein guter Querschnitt durch die bodenständige und simple irakische Alltagsküche ist. Die Fotos in dem englischsprachigen Kochbuch sind quasi direkt in der Küche entstanden, manchmal auch etwas unscharf - diese kleinen Fehler machen aber auch den authentischen Charme eines solchen Kochbuches aus.

How to cook MuhallebiRezept für Mahallebi - arabischer Milchpudding mit Kardamom

500 ml Milch
45 g Maisstärke
40 g Zucker
1/2 TL frisch gemahlene oder zerstoßene Kardamomsaat
1 Prise Meersalz
Pistazien zur Dekoration

Zubereitung

  • 6 EL der Milch abnehmen und mit der Stärke und dem Zucker klümpchenfrei anrühren.
  • Die restliche Milch zusammen mit dem fein gemahlenen Kardamom und dem Salz in einem Töpfchen aufkochen.
  • Vom Herd nehmen und die Stärkemilch mit einem Löffel unterrühren.
  • Den Topf zurück auf den Herd stellen und bei geringer Hitze unter Rühren nochmals für eins, zwei Minuten aufkochen lassen, so dass der Pudding richtig anzieht.
  • Den Kardamompudding in eine bereitgestellt Schale füllen.
  • Die Pistazien schälen, hacken und den Milchpudding damit bestreuen.

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