Das wärmt richtig durch: Kartoffelcremesuppe

Nach einer grippe- und arbeitsbergbedingten kleinen Blogpause gibt es im Februar noch schnell ein Rezept für eine kräftig-herzhafte Suppe zum Durchwärmen. Passt ja auch wunderbar zum kalten Wetter und gibt hoffentlich Kraft, um sich vor fiesen Viren und Bakterien zu schützen, die gerade ihre Hochsaison haben.

Kartoffelsuppe zählte lange Zeit nicht gerade zu meinen Lieblingsgerichten. Diese glasige Masse mit Kartoffelbrocken und einer darin friedlich umher dümpelnden gekochten Mettwurst war absolut nicht mein Fall. Überhaupt: Eintöpfe und Suppen – mit denen konnte man mich früher jagen. Aber seitdem ich eine eigene Küche in meiner Gewalt habe, habe ich cremige Suppen für mich entdeckt. Und die müssen nicht immer mit Sahne angemacht sein, um einen samtigen Geschmack auf der Zunge auszulösen. Meist reicht es da schon, wenn man die Suppe püriert (auch wenn sich gerade bei Kartoffeln die Geister scheiden, da manche die Konsistenz nicht als seidig, sondern als “schleimig” empfinden). Und Milch transformiert – im Gegensatz zu meiner geliebten Sahne – auch nicht gleich zu Hüftspeck. Eine Diätsuppe ist es aber dennoch nicht. Versprochen. Man kann dagegen ja auch mit ausgelassener Mettwurst oder Salami-Resteverwertung als Alternative zu den Schinkenwürfeln antreten. ;)

Meine Kartoffelcremesuppe wird relativ dick und braucht einen größeren Topf. Wer für eine geringe Personenanzahl kocht, sollte die Zutaten halbieren. Und ein wenig Pi-mal-Daumen-Schätzung gehört auch mal wieder  zum Rezept, die zuzufügende Flüssigkeit hängt ja auch ein wenig von der verwendeten Kartoffelsorte und ihrem Kochverhalten ab.

Für Veggies lässt sich die Suppe auch sehr leicht umbauen, dann gibt es halt Gemüse- statt Hühnerbrühe und nur die Zwiebeln werden mit etwas Butterschmalz gebraten. Veganer nehmen dafür halt Öl und weichen auf Hafersahne oder sowas aus. Eine weitere leckere Alternative ist auch mein Rezept für eine laktosefreie und vegane asiatische Kartoffelsuppe mit Kokosnussmilch.

Rezept für cremige Kartoffelsuppe

~ 2,5 Kg Kartoffeln
250 g magere Schinkenwürfelchen
5 mittelgroße Zwiebeln
1 Liter Milch
~ 1 ½ L Gemüsebrühe oder Hühnerbrühe
Meersalz oder etwas Kräutersalz, edelsüßer Paprika, frisch gemahlener Pfeffer
Schnittlauch zum Anrichten

Zubereitung der Kartoffelcremesuppe

  • Kartoffeln schälen in einer Schale mit Wasser zwischenlagern. nochmals abspülen.
  •  Die Kartoffeln in kleine Stückchen schneiden und  in einen großen Topf geben.
  • Mit der Brühe aufgießen, etwas Salz dazu geben und gar kochen. Die Kartoffelstückchen sollten gerade von der Flüssigkeit bedeckt sein.
  • Währenddessen die Zwiebeln schälen, in grobe Scheiben schneiden und  in etwas Butterschmalz oder neutralem Öl anschmoren. Schinkenwürfelchen dazu geben und mitbraten.
  • Wenn die Kartoffeln gar und das Kochwasser etwas einreduziert ist, den Pürierstab zücken, einen Liter Milch dazu geben und das Ganze schön cremig pürieren. Die Suppe wieder auf Temperatur bringen.
  • Die gebratenen Zwiebeln und den Schinken untermischen, kurz durchziehen lassen und erst jetzt (die der Schinken birgt ja schon  an Salz und Gewürzen mit) mit Meersalz/Kräutersalz, frisch gemahlenem Pfeffer, Paprikapulver und – wer Geschmack daran findet, ich beispielsweise nicht – mit etwas frisch geriebener Muskatnuss (letztere sollte das Gericht bitte geschmacklich nicht erschlagen) abschmecken.
  • Schnittlauch in Röllchen schneiden und vor dem Servieren über die Teller geben.

 

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Mein herzallerliebstes Rezept für selbstgemachtes Kräutersalz

Und schon wieder gibt es im magischen Kessel ein Rezept für ein Geschenk aus der Küche. Vor inzwischen etlichen Jahren lauschte ich mal mit halbem Ohr einem Radiobeitrag, wo ein Mann gewichtig über selbstgemachtes Kräutersalz salbaderte. Der kochende Erzähler war anstrengend. Aber das Salz.  Also das wollte ich auch. Natürlich sofort. So ruhig und besonnen ich andere Dinge über Stunden und Tage hinweg ausführen kann – Geduld ist nicht meine Stärke, wenn ich einen kochinspirativen Anfall habe und diesen umsetzen möchte. Leider ließ sich das Rezept nicht finden und die Dinge, die ich zu Tage förderte, waren einfach nicht das, was ich suchte.

Also hieß es rumprobieren, mischen, Fehler machen, weiterprobieren, Gesicht verziehen, weitermischen und schließlich zufrieden lächelnd mit dem für mich perfektionierten Rezept zurücklehnen. Im Laufe der Zeit wurde natürlich noch ein wenig daran herumgefeilt. Aber so isses jetzt stimmig für mich.  Das Salz ist nicht überladen, sondern schenkt jedem Gericht eine angenehme Grundnote und leichte Schärfe.
Ich habe natürlich verschiedenste Salzmischungen hier, aber dieses vielfältig nutzbare Kräutersalz ist mir einfach das Liebste. Es wandert aufs Butterbrot, aufs gekochte Ei, in das Salatdressing, an die Marinade oder Bratensauce und ist auch auf frischer Avocado die reinste Gaumenzierde.

Viele nutzen ja die im eigenen Garten angebauten Pflanzen, um Gewürzsalz mit frischen Kräutern herzustellen. Da es mir aber am angemessenen Garten fehlt (mein Rosmarin geht in meinem Minischattengarten regelmäßig ein und der Thymian ist auch nur noch halb lebendig) und man so auch jahreszeitunabhängig ist, verwendet ich für meine Kräutersalzmischung nur getrocknete Kräuter.

Ich mische so zwei bis drei Mal im Jahr direkt eine größere Menge von dem Salz an und lagere die über zwei Kilo frisch gemischten Kräutersalzes dann in einer großen Plastikdose oder in Schraubgläsern. Furchtbar lange hält das nie, da ich einen guten Teil verschenke oder den vorbeischauenden Freunden und Familienmitgliedern ihre zufällig mitgebrachten leeren Kräutersalzgläschen wieder auffülle. ;)
Momentan muss ich von meinem restlichen Vorrat aber noch eine Weile zehren, da ich ja letztens leider meine von meiner Omi ererbte elektrische Kaffeemühle ins Nirvana befördert habe und noch keinen adäquaten Ersatz aufgetan habe.

Rezept für Shermins Kräutersalz No. 1
(es werden nur getrocknete Kräuter verwendet)

2 Kg feines Meersalz
50 g Rosmarin
40 g Rosa Beeren
30 g schwarzer Pfeffer
30 g getrocknete Zitronenschale (Bio)
30 g grüner Pfeffer
25 g gemahlener Cayennepfeffer
15 g Bärlauch
10 g getrocknete Orangenschale (Bio)

Zubereitung

  • Das Meersalz in eine große Schüssel geben.
  • Die getrockneten Kräuer nach und nach in einer elektrischen Kaffeemühle fein mahlen (oder sich dem irrsinigen, handgelenkmordenden Akt hingeben (jaaaha… habe ich alles hinter mir) das Zeug im Mörser von Hand kleinzukloppen). Das ist tatsächlich der zeitaufwändigste und anstrengendste Teil der Zubereitung. Man muss hierbei auch nicht alles pulversisieren, sondern kann einen geringen Teil der Zutaten für das Kräutersalz auch etwas gröber lassen.
  • Alle gemahlenen Kräuter zum Salz geben und gründlich vermengen.
  • Fertig. Zur Lagerung in luftdichte Dosen/Gläser füllen.

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Für den schnellen Süßhunger: Selbstgemachter Schoko-Bananen-Aufstrich

Ich liebe Schokolade und bin bekennender Schokoholic. In Maßen muss Süßes jedenfalls einfach sein. Im Laufe der Jahre haben sich meine Bedürfnisse hier allerdings auch gewandelt. Früher stand bei uns immer ein Glas Nutella im herum, später dann die laktosefreie Variante namens Samba aus dem Bio-Markt. Inzwischen ist der Platz für den Schokoaufstrich seit fast einem Jahr leer. (Huch. Ist mir wirklich vorher nicht so aufgefallen…)

Das Rezept ist so schön simpel, dass ich es schon fast etwas verschämt hier einstelle. Der Schoko-Bananen-Aufstrich ist natürlich nicht vergleichbar mit (guter – da gibt es ja wirklich extreme Geschmacks- und Qualititätsunterschiede) gekaufter Nuss- und Schokoladencreme, sondern eben einfach anders. Aber doch ziemlich lecker und schnell gemacht, wenn man zum Frühstück gerne einen süßen Schokoladenaufstrich zur Hand hat.
Der weitere Vorteil: der Fettanteil ist geringer, kein zusätzlicher Zucker ist nötig, die Selbstdisziplin ist nicht mit einem großen Glas Schokoladencreme konfrontiert, das hinterhältig im Küchenregal lauert und der Schokoaufstrich ist komplett vegan. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich selbst hervorragend erzählen kann, dass es ja im Grunde nur etwas Obst mit etwas Kakaopulver ist (hey… immerhin wächst diese göttliche Substanz auf Bäumen). Allerdings muss man den süßen selbstgerührten Brotaufstrich auch am selben Tag aufbrauchen, da er – trotz Kühlschranklagerung im verschlossenen Glas – doch geschmacklich und von der Konsistenz her nach kurzer Zeit echt unschön wird.

Außerdem ist die selbstgemachte Schoko-Bananen-Creme – neben dem Black Banana Cake – eine hervorragende Möglichkeit, um vollreife Bananen zu verwerten, die man zu lange in der Obstschale vergessen hat. Die mag ich nämlich überhaupt nicht, da  sie mir viel zu mehlig und zu süß sind.

Rezept für Schoko-Bananen-Creme

1 große vollreife Banane
1 1/4 – 1 1/2 TL echter Kakao
1/8 TL gemahlene Vanilleschote (optional)

Zubereitung

  • Banane schälen, mit den Fingern in grobe Stücke zerbrechen und mit einer Gabel in einer flachen Schale fein zerdrücken.
  • Kakaopulver und etwas gemahlene Vanilleschote hinzufügen und gründlich miteinander vermischen.
  • In ein Servierschälchen füllen, noch fünf Minuten ziehen lassen und dann auf einem knusprigen Stück Brot vernaschen.

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Zeit für… die Internationale Grüne Woche in Berlin

Ende letzter Woche lief ja hier die Grüne Woche an. Vom 18. bis zum 27.01.2013 kann man sich in der Messe unter dem Funkturm kulinarisch austoben. Ich wartete eigentlich noch auf meine Akkreditierung, hatte aber nur an diesem Samstag Zeit und so sind wir dann relativ kurzfristig zur Messe gestartet – aber mit der Happy Hour-Karte kostete der Eintritt ab 14.00 Uhr nur noch 9 Euro.
Kleiner Tipp – zumindest am Samstag war so wenig los, dass wir kein Online-Ticket kaufen mussten, sondern direkt verfroren bei der Ticketkasse an die Reihe kamen. Und auf der Website der Grünen Woche gibt es ein nettes Feature. Man kann sich (allerdings relativ unübersichtlich) online alle Anbieter ansehen, die Interessanten abspeichern (wenn man registriert ist) und sich diese Suche dann (mit grobem Übersichtsplan und sortiert nach einzelnen Hallen) ausdrucken. Gut, dass wir von einer Freundin vorher noch den Tipp bekommen und für uns interessante Punkte schon vorher gewählt hatten, sonst wären wir bei der Größe wirklich total überfordert gewesen.

Ich habe zwar nicht wirklich bekommen, was ich kaufen wollte (der nette Mann am Stand von Aserbaidschan wollte mir zwar Granatapfelsaft aufschwatzen, der ersehnte Granatapfelsirup war allerdings nur ein unverkäufliches Muster, das arabische Geschirr bei Tunesien war mir zu teuer und Ungarn zeigte sich eher von seiner Paprika- und Honigseite, aber das von mir heiß begehrte pechschwarz eingekochte Pflaumenmus sichtete ich leider nicht. Und Uzbekistan stellte seine Rosenmarmelade – die ich für ne Freundin suchte – auch nur dekorativ aus.). Dafür haben wir direkt erstmal frisch ausgebackenes Langosch geknabbert und einige andere Stände abgeklappert und neue Erfahrungen gesammelt. Mir war beispielsweise total unbekannt, dass frisch gepresstes Olivenöl einen mir derartig unbekannten Geschmack hat: Ölig (klar…), aber erstaunlich blumig, fast rosig, und dann entfalten sich auf der Zunge Bitteraromen und eine überraschende Schärfe blüht regelrecht auf. Ich habe mich beinahe dabei verschluckt.
Viele Stände bieten neben richtigen Gerichten auch Häppchen zum Probieren an. Die ich allerdings stellenweise dezent überteuert fand. Für ein Fetzchen Schinken zahle ich keinen Euro und für ein Plastikschälchen mit ner halben Krabbe und einem Blatt Salat sicherlich keine drei Euro. Gutes Essen kann gerne was kosten, aber das fand ich etwas befremdlich.

Wir haben also sehr viel gesehen und hatten in den vier Stunden, die wir da waren, doch viel zu wenig Zeit. Zwischendurch hatten wir einige wirklich nette Gespräche mit den Leuten an ihren Ständen – wir hatten allerdings auch Glück, dass der Samstag nicht so absolut überlaufen war. Und für die Neugierigen (mich interessieren solche Blicke in den Einkaufskorb auf anderen Foodblogs jedenfalls immer) gibt es jetzt Fotos unserer Einkäufe – samt ein paar Infos.

England

  • Whisky Fudge
  • Walkers Salt & Vinegar Chips
  • Bourbon Cream Biscuits (essbare laktosefreie Schokoladenkekse – Seltenheitswert in Deutschland)

Schweiz

  • Türkischer Honig mit gerösteten Mandeln

Deutschland

  • Vor Ort getrunkenes Glas Weihnachtsbock der Braumanufaktur Forsthaus Templin (schön malzig, schmeckt erstaunlich leicht und süffig, hebt einen aber schon sanft von den Füßen)
  • Eine direkt nach dem Weihnachtsbock von mir vertilgte außen herrlich knusprige und im Innern weiche Bio-Brezel der Hofpfisterei (Ich hatte wirklich nur ein paar Schluck – allerdings auf leeren Magen. Die Brezel war quasi lebensrettend. Die Hofpfisterei hat inzwischen übrigens auch einige Fillialen in Berlin – allerdings keine einzige in der Nähe von Friedrichshain. Also leider keine weiteren köstlichen Hofpfisterei-Brezeln für mich in naher Zukunft…)
  • Pfefferbeißer (noch nicht probiert)
  • Altenburger Zickenkäse (kleiner, sehr aromatischer Camembert und ein Stück Ziegenkäsebrie – gab es wirklich preiswert am Stand)
  • Vakuumgefriergetrocknete Bio-Apfelscheiben und ein Gläschen Bio-Zitronenpulver vom Winklhof. (Die Apfelscheiben schmecken tatsächlich andes als die gedörrten, die ich aus dem Biomarkt kenne. Total fluffig, locker und sehr fruchtig-aromatisch. Wirklich sehr apfelig und empfehlenswert. Auf das Zitronenpulver – hier wurde wirklich die komplette Zitrone gefriergetrocknet und pulverisiert, das Pulver ist also auch säuerlich – bin ich schon sehr gespannt. Eine spontane Foodblogger-Umfrage bei Twitter ergab vorhin tolle Rezeptideen von Zitronenhühnchen und Zitronenbutter für Fischgerichte, bis hin zu  Saucen, Gebäck und Salaten.)
  • Wikana Kekse. Damit ist ja im Osten jedes Kind groß geworden. Für den Liebsten wurden es Wikinger-Doppelkekse, gefüllt mit Zitronencreme (die er hier in den Geschäften nie findet – da muss ich demnächst mal anfragen) und für mich Mint Choco-Sandwichkekse (laktosefreier After Eight-Keks).
  • Berliner Küsse (Hmja. Schaumküsse halt. Laktosefrei. Nett. Seltsamerweise ne Firma mit Sitz in Thüringen?)
  • Vanilleschoten und langer Pfeffer (piper longum) von MadaSpice.
  • Florida-Eis. Hach.  Ich bekam das Eis kurz nach Entdeckung meiner Laktoseintoleranz von einer Bekannten empfohlen. Florida Eis hat seine Heimat in Berlin Spandau (so weit der mittig wohnende Berliner Spandau zu Berlin zählt.. ;) ) und zwar schon seit 80 Jahren. Normalerweise werden die 500 g Becher für circa fünf Euro verkauft, hier hätte ich sie für nur drei Euro bekommen. Zu gerne hätte ich da zugegriffen, leider lag der Stand gut eine halbe Stunde von dem Ausgang entfernt, zu dem wir raus mussten. Auf mein klägliches und eissüchtiges Quieken hin (Das Eis ist wirklich toll – der Gatte liebt das Milchspeiseeis. Und die Fruchteissorten sind alle laktose- und glutenfrei. Meine Lieblingssorte ist Mango – wobei ich mich noch nicht durch alle verfügbaren Sorten probiert habe.) boten die drei netten Herren am Stand mir dann an, alles isolierend in Papier zu wickeln. Aber das hätte dann wahrscheinlich dennoch nur Fruchtsuppe gegeben, so dass ich bedauernd ablehnte. Übrigens kann man das Eis zwar im Grunde nur in Berlin bekommen, dank dem Eis-Express – einem 24-Stunden-Eisversand via Post – aber dann doch deutschlandweit.
  • Aseli Schaumzuckertierchen. Auch diese Firma ist alteingesessen in Berlin und setzt auf Tradition und Handwerk. Mich persönlich kann man mit Marshmallows (erst recht nicht in Busenform) jetzt nicht wirklich hinter dem Ofen hervor locken. Aber für den Liebsten gab es noch eine Tüte mit glutäugigen weißen Mäusen, grünen Waldmeisterkrokodilen und anderem Gefleuch. Aseli hat auch wirklich tolle Sachen für Halloween (Totenköpfe, Kürbisse, Gespenster, große Ratten) – ich glaube für die diesjährige Party werde ich dann doch mal direkt beim Werksverkauf vorbei sehen.

Grüne Woche Fazit

Ok.. ich gebe es zu. Dachte ich am Anfang noch, dass ich nicht viel kaufen würde, ist es dann doch eine ziemliche Menge geworden. Allerdings muss ich sagen, dass ich für viele Sachen dort auch nicht (mehr) Zielgruppe war – ganz simpel deswegen, weil ich durch meine kulinarische Passion viele selbst herstelle/koche/backe/mixe/mische/zusammenstelle. Vielleicht fehlte es dem Foodblogger an sich dann etwas am ehrfürchtigen Blick. ;)
Was ich zusätzlich noch sehr schade fand (und bei der IFA zum Beispiel ganz anders erlebte), war der Mangel an Kompetenz im Bereich Social Media. Im Twitter-Account der Grünen Woche werden nur alle paar Stunden automatisiert wirkend die Links zu den tödlich-trockenen Pressemitteilungen in den Äther abgedrückt. Dahinter ist kein realer Mensch greifbar, auf freundliche Mentions mit Steilvorlagen wird absolut nicht reagiert. Das zeigt, dass man dieses lebendige Wechselspiel, das da möglich wäre, überhaupt nicht begriffen hat und sehr viel Potential verschenkt. Sehr schade.
Ähnlich sehe ich das übrigens auch bei den ausstellenden Firmen. Einige Marken sind wirklich sehr modern und mit spannende neuen Produkten und Ideen aufgestellt, dennoch fehlt mir persönlich da diese direkte Möglichkeit zur Kommunikation. Andere Firmen (fiel mir leider gerade im Bereich der Kräuter auf, es gibt aber bestimmt noch andere Beispiele) sind allein optisch schon total zugestaubt und hinken einfach hinterher.

Wir fanden unseren ersten Besuch allerdings toll und werden sicherlich auch versuchen die Grüne Woche im nächsten Jahr wieder heimzusuchen, dann allerdings mit etwas mehr Zeit. Und wir haben es sogar noch geschafft noch kurz in der Halle mit den Tieren vorbei zu huschen. Puschelfußpferde und Schafe angucken.

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Kaiser’s Tengelmann GmbH, mein Leben in der Filterbubble & freundlicher Alltagsrassismus

Für diesen Artikel habe ich in den letzten Tagen wirklich mit mir gerungen. Ich war erst vor den Kopf gestoßen, dann sauer, verwirrt, traurig, abschließend verzagt und an mir selbst zweifelnd. Ich war zig Mal davor, den Artikel zu löschen, habe dann aber schlussendlich den Rat meines Mannes befolgt: “Es belastet dich, du denkst da dauernd drüber nach. Schreib’s dir von der Seele.”

Es geht darum, dass ich – mit kurdischer Beteiligung an meinem Genpool -  in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich lebe, denke, fühle, träume, atme in ihr. Sie ernährt mich sogar, da sie Grundlage meines Berufes ist. Ich habe mich in diesem Land immer erstaunlich geborgen und aufgehoben gefühlt, bis in mein Erwachsenenalter hinein hatte ich nur zwei bewusste Begegnungen rassistischer Art.

Aber in letzter Zeit habe ich immer öfter den Eindruck (und das gerade in meinem geliebten, bunten, queeren, coolen, weltoffenen Berlin), in einer Art bequemer Blase zu leben – einer regelrechten Filterbubble. Vielleicht ist das wirklich dumm (oder die Rettung vor der Paranoia), aber ich habe mir nie ernsthaft darüber Gedanken gemacht, wie viele Jobs ich vielleicht wegen meines Namens nicht bekommen habe. Oder was Menschen eventuell für Vorurteile mit sich herum tragen. Ich mag einen Menschen – oder eben nicht. Mir persönlich ist es dabei wirklich herzlich egal, welchen Bildungsgrad oder welche sexuelle Präferenz er hat, aus welchem Land er ursprünglich stammt, wieviel Metall er im Gesicht, Farbe auf der Haut und welche Klamotten er trägt, ob seine/ihre Haare magentafarben oder sittsam blond sind oder unter welchem fucking Stein dieser Mensch irgendwann mal hervorgekrochen ist. Dementsprechend vielfältig setzt sich auch mein Freundeskreis zusammen.

Erfahrungen mit Kaiser’s Tengelmann GmbH (Sorry, aber das Idiotenapostroph gehört so…)

Ende letzten Jahres hat bei uns ein neuer Kaisers Markt aufgemacht. Quasi so fast gegenüber. Einmal aus dem Haus fallen und da sein. Und mit genialen Öffnungszeiten: Montag bis Samstag bis 24.00 Uhr. Nachts noch schnell die Zutaten für einen Kuchen zu kaufen, spät einkaufen gehen zu können, wenn man vorher arbeitstechnisch keine Zeit hatte und dabei wirklich noch Auswahl zu haben, schnell Zutaten (z. B. laktosefreie Produkte) zu bekommen, die der oft frequentierte Discounter um die Ecke eben nicht vorrätig hat oder einfach mal spätabends mit der besten Freundin das Ben & Jerrys-Fach spontan leerzuräubern: Das ist einfach ein angenehmer Luxus. Und als ich kurz nach der Eröffnung die Fleischauswahl sah – wundervoll.
Ganz ehrlich – wir waren begeistert. Gut, die Preise sind natürlich dementsprechend. Aber gen Wochenende wird ja gerne was reduziert, was kurz vorm Ende des MHD ist.

Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und der kleine Kaisers Markt war für meine Mutter und mich zum Einkaufen eigentlich immer der erste Anlaufpunkt. Auch Fleisch wurde immer dort besorgt. Wie oft habe ich zu hören bekommen: “Geh doch noch mal schnell zu Kaisers..!” Die Verkäufer/innen kannten einen, dort hatte ich meine ersten unschuldigen Begegnungen mit exotischen Früchten (da gab es damals immer so kleine gelbe Broschüren mit Infos dazu), betrachtete voller erwachender Kochliebe ehrfurchtsvoll das Regal mit den asiatischen Zutaten und in der Oberstufe hat man sich in der großen Pause dort mit lebenswichtigen Dingen von Nikotin bis Zucker versorgt. Ich hegte also kindliches Verbrauchervertrauen in die Marke.

Das änderte sich, als ich vor sieben Jahren nach Berlin zog.  Vor allem durch die – damals noch unrenovierte – Filliale im Ringcenter. Nach dem Kauf verdorbener Hühnerherzen und (damals vom Gatten verblogten) Erlebnissen mit der Fleischtheke, beschlossen wir, kein Frischfleisch mehr dort zu erwerben. Ein Grundsatz, der in den letzten Jahren langsam erweicht wurde.

Aber zurück zu “unserer” Filliale direkt vor Ort. Zur Eröffnung waren die Regale natürlich übervoll. Einige Zeit danach war dann abgepacktes Frischfleisch runtergesetzt. Noch im MHD, aber halt 50% rabattiert. Kaninchen aus der Region.  Sah frisch aus. Wunderbar. Vor meinem inneren Auge schwebte ein duftiges Stifado mit Rotwein… oder irgendwas mit Speck umwickeltes. Ich kaufte Filets und Keulen – die ich Daheim direkt in den Mülleimer wandern lassen konnte, da sie wenig vertrauenswürdig rochen und schleimig waren. Gut, dachten wir, das war halt Pech. Der Laden ist neu, die Regale waren voll. Ist zwar jetzt für uns geld- und magenmäßig echt schlecht gelaufen, aber kann ja mal zu Beginn mal passieren, wenn Abläufe vielleicht noch nicht so eingespielt sind.

Danach kaufte ich noch mehrfach Fleisch, das vollkommen in Ordnung war (zum Beispiel Perlhuhnbrust). Um Weihnachten herum wanderte ein Paket Fasanenbrust direkt ins Tiefkühlfach (und wurde nur aus Krankheitsgründen nicht zwischen den Jahren zubereitet). Vor einer Woche (05.01.) kaufte der Liebste dann abends noch rasch zwei Pakete mit Hühnchen-Drumsticks. Reduziert, aber voll im MHD. Ergebnis: Eine Packung verdorben, die andere noch gut. So langsam war ich dann doch … mehr als irritiert. Ich setzte mich hin und tippte eine (wirklich noch freundlich gehaltene) Beschwerdemail.
Am Sonntag (06.01.) sollte es dann den Fasan geben. Bei Packungsöffnung wehte allerdings ein dermaßen schwefliger Geruch durch die Küche, dass wir das Tier direkt im ewigen Grab der Tonne versenkten.
Am Montagnachmittag (07.01.) kam dann schon eine Rückmeldung vom Kaisers Servicecenter. Man würde gerne direkt mit mir Kontakt aufnehmen und telefonieren. Am Dienstagnachmittag (08.01.) dann der Anruf vom Qualitätsmanagement hier in Berlin. Am Hörer ein sehr netter, bemühter und verständnisvoller Mitarbeiter der Firma, der sich für den Hinweis bedankte, sofortige Kontrollen und Nachbesserungen bei der Kühlkette versprach und mir als Ausgleich für den entstandenen Schaden und den Ärger einen Präsentkorb anbot. Ich war leicht skeptisch, aber fand das schnelle Handeln, die Ernsthaftigkeit, mit der meine Beschwerde behandelt wurde, und die Kompetenz, die Kaiers in diesem Fall an den Tag legte, wirklich sehr positiv. Überrascht erhielt ich schon einige Stunden einen knappen Anruf aus “meiner” Filliale, dass der Korb bereit stehe und ich machte mich am Abend samt Gatten auf den Weg.

Wir haben da mal was aus ihrer Heimat für sie zusammengepackt…

Irgendwie war es dann doch eine dezent unangenehme Situation und ich ziemlich nervös. Die Marktleiterin kam verbissen lächelnd mit dem Korb auf mich zu, rasselte in typisch Berliner Herzlichkeit (“Ja, Tschuldigung nochmal. Hier.”) ihre Erklärung herunter und hielt mir den Korb entgegen, bevor sie die sofortige Flucht antrat. Was ich ja verstehen kann, niemand ist glücklich darüber, wenn in seinem Laden vergammeltes Fleisch verkauft wird und jemand sich dann auch noch beschwert. Und zugegeben, auch bei mir setzten akute Fruchtreflexe ein. Ich hatte nach einem Blick auf den Korbinhalt (türkische Seampaste, türkische getrocknete Tomaten im Glas, türkische Bohnenpeperoni im Glas, türkische gefüllte Weinblätter in der Dose, türkischer Apfel-Feige-Tee, marokkanischer Minz-Honig-Tee, Pralinen von Lindt, Lindor-Schokolade und Filterkaffee von Jacobs) nämlich das Gefühl, als hätte mir jemand in den Magen getreten. Ich konnte das Ding nicht mal anfassen, sondern drängte es meinem Mann auf. Auf den 30 Metern Heimweg fasste mein Mann grinsend mein unbestimmtes Bauchgrimmen in Worte: “Tja. Wenn du Müller heißen würdest, hättest du wenigstens ein anständiges Steak reingepackt bekommen!” Ich lachte locker und versuchte das flaue Gefühl, das mich dabei beschlich, zu verdrängen.

Später am Abend unterhielten wir uns darüber. Ich merkte, dass es ziemlich an mit nagte, ich aber Schwierigkeiten hatte das Problem richtig zu benennen. Falls jemand einfach nur zufällig einen schon fertigen Präsentkorb gegriffen hat und alles nur Zufall war – fein. Kein Problem.
Aber wurde dieser Korb speziell für mich zusammengestellt? Das hört sich auf den ersten Blick total harmlos an und war bestimmt superlieb und nett gemeint. Vielleicht hat sich der oder diejenige da wirklich Nichts bei gedacht oder wollte mir sogar eine Freude machen.
Aber es ist für mich dennoch im zweiten Fall eine Form von verstörendem Alltagsrassismus aufgrund von Vorurteilen. Vorurteile aufgrund meines kurdischen Namens, die ich gerade in Berlin – vielleicht allenfalls in irgendeinem urdeutschen Provinzkaff – wirklich nicht erwartet hätte und die mir bisher so noch nicht begegneten. Meine Mail war in korrektem Hochdeutsch formuliert. Bei beiden Telefonaten sprach ich sauberes und akzentfreies Deutsch. Und dann das.

Ja, wahrscheinlich ist es im Grunde wirklich keine große Sache und das Verständnis ist dafür bei vielen gering. Als ich das letzte Woche erzählte, meinte eine Bekannte, dass ich das alles doch nicht so eng sehen sollte. “Ich kann dir sagen wie das ablief. Die haben da im Geschäft nen Anruf gekriegt ‘Packt mal was Passendes zusammen, der Name ist Shermin Arif.’”

Ähm.. ja genau. Und ein Korb mit türkischen Weinblättern ist also zu mir passend. Sorry. Aber das hat für mich einfach einen unschönen sarrazinesken Beigeschmack. Ich gehe ja nicht zu Kaisers, um arabische Spezialitäten einzukaufen. Und mal für einen anderen Blickwinkel: Ich würde im umgekehrten Fall auch nie auf die Idee kommen, für jemanden mit zufällig polnischem Namen einen Präsentkorb mit frischen Kutteln, eingewecktem Bigos und Krakauer Wurst zusammenzustellen. Oder wie eine andere Bekannte verständnisvoller witzelte “Wir haben da mal was aus Ihrer Heimat für Sie zusammengepackt.. Ha, ha!”

Bin ick ne Drama-Queen?

Der Korb steht noch immer unangetastet in der Küche und raubt Raum. Ab und an schleiche ich darum herum. Gebe ich hier gerade die Drama-Queen? Ist mein Verhalten eine übertriebene Reaktion? Vielleicht. Ich hab es versucht verkrampft lächelnd wegzuschieben. Ich habe tagelang darüber nachgedacht. Darauf gewartet, dass es versandet. Gefühle haben allerdings die lästige Angewohnheit wiederzukehren. Und dieser Kloß in der Kehle, dieser Druck hinter den Augen, dieses lastende Tonnengewicht im Magen, das verschwindet eben nicht so leicht wieder. Eben war ich noch ein Teil von dem Ganzen hier. Und mit einem einzigen, nett gemeinten Geschenkkorb stehe ich außerhalb, komme von draußen. Für den Durchschnittsbürger ganz selbstverständlich werde ich aus meiner Heimat ausgegliedert. Und das ist – mit Verlaub – ein echt beschissenes Gefühl.

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