Berliner Brot – die deutsche Antwort auf Cantuccini?

Es ist soweit. Ich kann es leider nicht mehr leugnen: Weihnachten naht. Der Weihnachtsmann bringt mir dieses Jahr leider immer noch keinen neuen coolen Backofen, aber Inspiration für neues Weihnachtsgebäck. Diesmal ist es Berliner Brot. Und weil sich alle Rezepte, die ich im Netz oder meinen Backbüchern gefunden hatte, irgendwie nicht ganz so lasen, wie ich dieses Weihnachtsgebäck von meiner Mama in Erinnerung habe, habe ich auf dem Papier ein neues Rezept entworfen. Das im gebackenen Zustand tatsächlich sehr lecker ist.

Übrigens… bei Wikipedia steht – nebst einer einzelnen und sehr märchenhaft klingenden Quelle eines Herstellers -, dass das Berliner Brot an Cantuccini  erinnern soll.  Ich liebe Cantuccini. Wirklich. Aber – nö. Die Gemeinsamkeit besteht hier allenfalls in der Form und in der Verarbeitung ganzer Nüsse. Mal ganz davon abgesehen, dass Berliner Brot nur einmal gebacken wird. Es soll zwar nicht supersaftig, sondern eher ein wenig kompakter und härter sein, geht aber (zumindest bis auf einige halb mumifizierte – und noch essbare – Ausnahmen, die nach der Weihnachtszeit noch einsam durch Keksdosen geistern) von der Konsistenz und Feuchtigkeit her  eher in Richtung Lebkuchen.

Die dunkle Farbe ergibt sich übrigens daher, dass traditionell mit Rübenkraut (Zuckerrübensirup) gebacken wird.

Rezept für Berliner Brot

500 g Mehl
300 g Haselnüsse
215 g Rübenkraut
200 g Zucker
125 g Butter
50 g echter Kakao
3 Eier
4 cl Rum oder Wasser
2 gestrichene TL Backpulver
1 EL Zimt
1/2  TL frisch gemahlener Kardamom
1/2 TL frisch gemahlener Piment
1 Prise Salz

Glasur (optional)

Puderzucker, Wasser

Zubereitung

  • Eier, Zucker, Rum/Wasser und weiches Fett in einer Backschüssel miteinander verrühren.
  • In einer zweiten Schüssel Mehl mit Gewürzen, Backpulver, Salz und dem Kakao vermengen und nach und nach unter den Teig mischen.
  • Danach die ganzen Haselnüsse unterheben. Der Teig sollte relativ zäh und klebrig sein.
  • Jetzt kann der Teig auf ein mit Backpapier belegtes Blech gekämpft befördert werden. Da dies eine sehr zähflüssige Angelegenheit ist, empfiehlt sich entweder a) viel Geduld und/oder b) eine zweite Person, die Blech und Backpapier festhält.
  • Die Teigmasse auf dem Blech mit einem großen Messer oder einem großen Löffel glattstreichen. Kleiner Tipp: Zwischendurch in kaltes Wasser tauchen macht die Aufgabe sehr viel einfacher.
  • Im vorgeheizten Ofen bei 200° Umluft für circa 15-20 Minuten backen. Da der Kuchen von Natur aus sehr dunkel ist, ist der Bräungsgrad kein Indikator. Ein guter Hinweis ist es, wenn  man den Rand anheben kann und das Berliner Brot sich vom Backpapier lösen lässt.
  • Nach dem Backen noch heiß mit einer dünn angerührten Glasur aus Puderzucker und etwas Wasser bestreichen.
  • Kurz etwas abkühlen lassen und mit einem sehr scharfen Messer (immerhin muss man durch ganze Nüsse) noch warm in Streifen  schneiden

Berliner-Brot-Fazit

Habe mich selbst überrascht. Sehr lecker. Das Rezept darf sich bei den liebsten Weihnachtsbackrezepten mit einreihen. Und vor allem: Ich muss keine Plätzchen dafür ausstechen. 🙂
Das leicht malzige Aroma des Rübenkrauts passt hervorragend zu den Gewürzen. Und dann die ganzen Nüsse.. hach. Ich liebe große Nuss- oder Mandelstücke. Apropos – wer mag, kann auch noch ganze Mandeln im Teig versenken, die passen auch sehr gut dazu.

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5 Antworten

  1. Foodfreak

    Oh, Berliner Brot – für mich ein stück Familiengeschichte – und wurde bei uns schon immer mit ganzen ungeschälten Mandeln gebacken 🙂
    Mit Cantuccini hat es aber nun wirklich gar nichts gemeinsam…

  2. Shermin

    Folge dem Link des Wikipediaeintrages (kann man wirklich nur sehr euphemistisch als Quelle bezeichnen) und es erklärt sich, wie man auf diese seltsame Theorie kam.
    Meine Mom macht das Berlner Brot auch mit Mandeln, aber ich habe an dem Tag partout keine bekommen. War wie verhext. Und natürlich wandern die bei mir auch ungeschält ins Gebäck.
    Ich würde immer noch gerne wissen, wo das Berliner Brot denn nun wirklich her kommt und seinen Namen her hat. In Berlin scheint es ja eher unbekannt zu sein? Meine Mutter sagt, dass sie erst im Ruhrgebiet mit dem Rezept in Kontakt kam.

  3. feinschmeckerle

    wenn ich das sehe, können cantuccini einpacken!

  4. Monika

    Vielen Dank für dieses Rezept! Endlich habe ich es wieder! Das war das Lieblingsgebäck meiner Kinderzeit von einer Tante aus Thüringen. Ich hatte mir das aufgeschrieben, aber , wie das so ist im Leben, irgendwann war das Rezept verschwunden und ich habe es nie mehr gefunden.
    In meiner Erinnerung wurde aber anstelle von Backpulver Pottasche oder Hirschhornsalz genommen. Der Teig wurde immer Mitte November hergestellt und in einer FETTPFANNE im Backofen gebacken. Die Teigplatte wurde noch Heiß in kleine Stücke geschnitten und dann in erkaltetem Zustand am nächsten Tag für ca 3 Wochen in einer Blechdose aufbewahrt.Dann war der Nussgeschmack so richtig durchgezogen und die Blechdose war immer sehr schnell leer!

  5. Shermin

    @Monika – Na dann hoffe ich mal, dass das Berliner Brot auch so schmeckt, wie du es in Erinnerung hast. Ja, Pottasche oder Hirschhornsalz sind die traditionellen Backtriebmittel für flaches, schweres Gebäck und sorgen auch dafür, dass es lange haltbar ist. Ich persönlich finde, dass bei Hirschhornsalz immer noch so ein seltsamer Nachgeschmack bleibt und habe meinen Rezeptentwurf mit Backpapier getestet und war zufrieden.
    Ich wünsche dir jedenfalls viel Backerfolg und hoffe, dass es schmeckt. Liebe Grüße!

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