Deine Stadt ist essbar: Wilde Erntezeit mit Mundraub & Mirabellenkompott

Letzte Woche hatte ich zum ersten Mal eine Begegnung mit frischen Mirabellen, die ich zusammen mit dem Liebsten via Mundraub in Berlin  von einem Parkbaum klaubte. Unter den interessiert-verwirrten Blicken von sich an Bierflaschen festhaltenden und auf Parkbänken sitzenden Menschen (wir sind wahrscheinlich heute noch Gesprächsthema) verschwanden wir im Gebüsch und zupften zuerst etwas zaghaft und schüchtern - immerhin war es mein erster öffentlicher Ernteversuch - an Zweigen herum.

Eingekochte Mirabellen mit Stein

Leider waren schon einige vor uns da und die meisten Früchte hingen über uns in unerreichbarer Höhe oder gammelten am Boden vor sich hin. Da das Obstbaumholz nicht wirklich elastisch ist, und wir die zwei Bäumchen auch nicht verletzen wollten, konnten wir die Zweige auch nicht herunterziehen. Ein kleines Tütchen kam dennoch zusammen und ich gebe es zu: Ein gewisser Jägerinnen- und Sammlerinnenstolz ist vorhanden. 😀

Mundraub

Ihr kennt Mundraub noch nicht? Dann solltet ihr das schleunigst nachholen, denn eure Stadt ist essbar. In großen Teilen jedenfalls. Das bedeutet aber nicht, dass jeder wild pflücken und seine Nachbarn berauben sollte. Bitte vorher immer nachfragen, wenn Unsicherheit besteht. Bitte keine Pflanzen verletzen. Und vielleicht noch was für andere übrig lassen. Auf der Seite von Mundraub gibt es dazu auch ein Regelwerk, das man unbedingt beachten sollte.  Aber gerade in der Großstadt gibt es viele unentdeckte oder vergessene Obstbäume, Brombeerhecken an öffentlichen Plätzen oder ganze Straßenzüge, die mit Haselnussbäumen bepflanzt sind. Jedes Jahr blutet mir beim Anblick der Haselnüsse, die langsam in die Hundescheiße getreten werden, förmlich das Herz.

Ich träume ja immer noch von einem sonnigen Garten mit Obstbäumen... aber naja... habe ich halt nicht. Wer weiß, was die Zukunft für schöne Dinge bereit hält. Momentan gehe ich jedenfalls mit sehr wachen Augen durch die Stadt und habe immer eine kleine Tüte für zufälliges Ernten in der Tasche. Falls jemand in Berlin/Friedrichshain gerade eine Obstschwemme hat - ich würde total selbstlos Dinge abnehmen. Ich kenne da zum Beispiel ein tolles Rezept für Apfelmus. 😉

Im Topf eingekochte MirabellenMirabellen...

Die Mirabellen selbst waren nicht meine einzige Einkoch-Premiere, ich habe auch zum ersten Mal Obst in Gläsern im Kochtopf eingekocht. Das ging so erstaunlich schön und simpel, dass ich diese Technik des Einweckens in Zukunft bestimmt öfter nutzen werde. Wichtig war das deswegen, weil die gelben Mirabellen sich problemlos entsteinen ließen, ihre rötlichen Verwandten aber partout nicht davon zu lösen waren. Und so toll ich das Ganze finde, Minifrüchte einzeln vom Stein schnitzen ist echt kein spannendes Abendprogramm. Und Mirabellen in Gin (etwas runterscrollen) sind zwar ein absoluter Klassiker, aber ich wollte unbedingt eingelegte Mirabellen. Also so wirklich kompottmäßig. Mirabellen, die verheißungsvoll rund und gelb durch den Sirup des Einmachglases schweben. Wie früher.

Und: Es hat geklappt. Das Enderergebnis überzeugt. Die Früchte haben noch eine angenehme Säure und sind nicht ekelhaft zuckrig, der Sirup in dem sie schwimmen ist wunderbar fruchtig und nicht zu zimtig oder zu süß.  Und die Früchtchen halten im Glas ihre Form, sind aber so mürbe, dass sie auf der Zunge zergehen und von den Kernen flutschen. (Mitesser sollten halt gewarnt werden) Ich find's toll. Passt beispielsweise hervorragend zu einem Schüsselchen Griesbrei oder Milchreis.

Rezept für Mirabellenkompott

Rezept für eingekochte Mirabellen / Mirabellenkompott

1 Kg Mirabellen
1 l Wasser
300 g Zucker
1/2 TL Ceylon Zimt (gemahlen)

Zubereitung

  • Die Früchte waschen und von den Stielen befreien. Schlechte Früchte aussortieren.
  • Das Wasser zusammen mit dem Zucker aufkochen, wenn er sich gelöst hat, den Zimt einrühren (Schneebesen).
  • Die Mirabellen in saubere Einmachgläser* schichten. Die Gläser etwas auf den Tisch aufstoßen und schütteln, damit die Früchte sich gut verteilen.
  • Mit Hilfe eines Marmeladetrichters* (die Dinger sind wirklich praktisch), die heiße Zucker-Zimt-Lösung einfüllen, so dass die Früchte alle bedeckt sind. Etwas Platz zum Rand lassen und darauf achten, dass der Rand wirklich sauber und trocken ist. Mit dem Deckel verschließen.
  • Die mit Mirabellen gefüllten Schraubgläser in einen großen Topf stellen, zu 2/3 Höhe der Gläser Wasser angießen, zum Kochen bringen und von da an 30 Minuten im Wasserbad köcheln lassen.
  • Fertig. Ich habe die Gläser danach im Wasserbad auskühlen lassen, rausgenommen, abgewischt, etikettiert und im Vorratsschrank verstaut.
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7 Antworten

  1. Foodfreak

    Sind das jetzt Mirabellen oder eher Wild- bzw. Kirschpflaumen? (Ich nenn die Dinger auch seit 30 Jahren Mirabellen, aber Frau Chili & Ciabatta wusste es ganz genau… http://peho.typepad.com/chili_und_ciabatta/2014/07/2-x-kirschpflaumen-pikant-als-chutney-und-als-konfit%C3%BCre.html ) – wir haben die 2013er Ernte ganz ähnlich, aber mit Vanille statt Zimt eingemacht, auch sehr fein.

  2. Shermin

    @Foodfreak – Ich habe echt keine Ahnung. Ich habe Stunden im Netz zugebracht, um die Dinger richtig zu bestimmen. Ich hatte ja auch zwei Sorten, die kleinen, oval-rundlichen Orangegelben und die hellgelb-roten, die richtig rund sind. Beide schmeckten beim Verkosten pflaumig. Die Kirschpflaumen hatte ich auch schon im Visier, die sind es aber glaub ich nicht. Ich glaub es landet viel unter dem Namen Mirabelle in den Kochtöpfen, was botanisch eigentlich anders einzuordnen wäre oder ein wilder Verwandter ist.

  3. Friederike

    Zimt zum Zuckersirup ist eine gute Idee für diese Früchte, bei uns sind das alles Kriecherl…
    Ich hab übrigens deinen Marmorkuchen gebacken, hat uns sehr gut geschmeckt und ist schön flaumig geworden!
    lg

  4. dieHandmaid

    Boah, sehen die lecker aus! Ich werf’ ja hauptsächlich deshalb sämtliche Früchtchen in Schnaps, weil hier keiner Marmelade isst. Aber einfach als Kompott einwecken ist eine tolle Idee. Vor allem, wenn du sagst, dass das so easy geht.
    Ist notiert für die nächstjährige Ernte! 🙂

  5. Shermin

    @Friederike – Stimmt, Kriecherl habe ich bei meinem Versuch der Sortenbestimmung auch schon als umfassende Bezeichnung gelesen. Und vielen Dank für die Rückmeldung zum Marmorkuchen. Immer schön zu hören (ach was “schön”… seelenstreichelnd gut! ;)), wenn ein Rezept von mir auch bei anderen gut ankommt.

    @dieHandmaid – Jepp. Genau das Marmeladenproblem haben wir auch. Der Liebste hat eine seit zwei Jahren andauernde und sich intensivierende Honigphase (nur kurz unterbrochen von einem geschenkten Gläschen genialem Holunderblütengelee, das seltsamerweise nach Lychee schmeckte?). Und in den Fällen, wo ich Brot frühstücke, bin ich beim Marmeladengenuss auch eher sehr speziell und mehr die herzhafte Frühstückerin. Und die sind so lecker, dass ich schon überlegt habe noch welche zu kaufen. Im Bioladen habe ich vor ein paar Tagen noch welche gesichtet…

  6. Schmausepost vom 5. September 2014 - Newsletter | Schmausepost

    […] „Eure Stadt ist ess­bar“, schreibt Sher­min Arif vom „Magi­schen Kes­sel“ und stellt zum Beweis das Pro­jekt „Mund­raub“ vor. Sie selbst sam­melt in Ber­lin Mira­belle, die hin­ter­her ein­ge­kocht und zu Kom­pott ver­ar­bei­tet wer­den (mit Anlei­tung). Magi­scher Kes­sel […]

  7. Evy

    Die Mirabellen im Glas sehen cool aus. Wie eine große Weintraube XD

  8. Shermin

    @Evy – Das habe ich auch bewundert. 🙂 Sobald das Glas aber geöffnet wird, sinken die Früchte wieder auf den Boden.

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